Hintergründe zur Absage des Eschdorfer Hill Race 2022

In den Jahren 2020 und 2021 sah sich der Veranstalter des traditionsreichen Eschdorfer Bergrennens, dem einzig verbliebenen Bergrennen im Grossherzogtum Luxemburg, aufgrund der sanitären Sicherheitsauflagen und der Ungewissheit der Situation zur Absage gezwungen. Doch auch wenn sich die Lage nun deutlich zu verbessern scheint und keine Restriktionen mehr auf den Sportveranstaltungen lasten werden, so muss der Vorstand der «Union des Pilotes» leider dennoch bei seiner Entscheidung bleiben, auch dieses Jahr auf die Austragung des «European Hill Race» zu verzichten.

Mit seinen 31 vorausgegangenen Ausgaben seit dem Premierenrennen im September 1988, zu denen sich noch die Erstauflage der FIA Hillclimb Masters 2014, für die der Motorsportweltverband Eschdorf als Austrangungsort auserkoren hatte, sowie der «Classic Day» gesellen, bei dem 2013 hundert Jahre Automobilsport in Luxemburg gefeiert wurden, hat sich das kleine Ardennerdörfchen in Sachen Bergrennsport einen hervorragenden Ruf bis weit über die Grenzen des Grossherzogtums hinaus geschaffen. Mehr oder weniger 5.000 Zuschauer aus Luxemburg, vor allem aber auch den Nachbarländern inklusive der Schweiz, Grossbritannien, den Niederlanden machten aus dem Eschdorfer Bergrennen eines der Topereignisse des nationalen Sportkalenders sämtlicher Disziplinen. Dies aus dem einfachen Grund, dass sich die Veranstalter stets darum bemüht haben, ein international hochwertiges Startfeld nach Luxemburg zu locken, so dass die absolute Mehrzahl der ausländischen Landesmeister und ihre wichtigsten Gegner mindestens ein Mal, oft sogar als treue Stammgäste in Eschdorf an den Start gingen.

Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass der Aufwand für eine Veranstaltung dieser Grössenordnung immer schwieriger zu stemmen wurde, umso mehr die Anzahl, Motivation und Abkömmlichkeit der ehrenamtlichen Helfer in den vergangenen Jahren immer weiter abgenommen hat, ein Phänomen, das durch die Pandemie bedingte Inaktivität und Isolation noch verstärkt wurde. Gleichzeitig wurde die Teaminfrastruktur der verschiedenen Teilnehmer im Laufe der Jahre immer professioneller und platzraubender, während der für das Fahrerlager zur Verfügung stehende Platz im Ort aufgrund von Bauarbeiten und schwindenden Interesses der Anrainer immer geringer wurde. So wurde es auch immer schwieriger, zum Beispiel möglichst vielen Teilnehmern einen Stromanschluss zu gewähren, Zuschauerparkplätze entfielen und auch die Zuschauerplätze entlang der Strecke wurden durch den natürlichen Wildwuchs immer schwieriger zugänglich und nutzbar.

Hinzu kommen die Restrukturierung verschiedener ausländischer Meisterschaften und Rennserien, in deren Konzept das European Hill Race nun nicht mehr so richtig passte, sowie die Unmöglichkeit, für das Jahr 2022 im internationalen Terminkalender ein freies Wochenende zu finden, das möglichst nicht mit einem Lauf zur französischen, belgischen, deutschen und/oder Schweizer Landesmeisterschaft sowie im Optimalfall der Bergeuropameisterschaft belegt ist, um so ein qualitativ hochklassiges Startfeld mit einer Vielzahl ausländischer Gaststarter zu garantieren.

Kurzum, eine Vielzahl an Gründen weshalb die Union des Pilotes einstweilen ihre Aktivitäten auf Eis gelegt hat, um in den kommenden Monaten alle eventuellen Optionen zu beobachten und abzuwägen, ob und in welcher Form eine Rückkehr ins Geschehen in naher Zukunft denkbar erscheint.

von Patrick Weber (UdP)

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.