Bergmonster-Parade beim FiA Hillclimb Master – Vorschau Kategorie 1 und 3

Im Bereich der Tourenwagen und GTs hat es im Vergleich zu den Vorjahren einige Veränderungen in der Einteilung gegeben, was neue Chancen eröffnet. Die Einführung des Performance Faktors spielt hier eine große Rolle. Ähnlich der Klassifizierung der Rennsportfahrzeuge ist die Kategorie 3 den Open Touring Cars und GTs nach nationalen Reglements vorbehalten, was zum Beispiel dem einzigen Deutschen Tourenwagen-Starter Erwin Buck zu Gute kommt. Heiß umkämpft ist sicherlich die Kategorie 1 mit zahlreichen PS-Giganten und Berg-Monstern.

KATEGORIE 1: EIN PS-GEWITTER DER BERGMONSTER

65 „geschlossene“ Fahrzeuge, sowohl Tourenwagen als auch GT, treten in der Kategorie 1 an und werden gemäß der neuen Performance-Faktor Werteskala in die Gruppen 1 bis 5 eingeteilt. Dabei handelt es sich um die innovative Klassifizierungsmethode, die bereits in der Kategorie 1 der EBM angewandt wird: Sie besteht darin, Autos anhand physikalisch messbarer Parameter wie Gewicht, Motor, Fahrwerk, Getriebe und aerodynamische Anbauten eine Leistungsbewertung zuzuordnen. Diese Eigenschaften werden in einen Online-Computer (www.fiaperformancefactor.com) eingegeben, der jedem Auto einen „Pf“-Wert zuweist. Dieser Wert wird dann verwendet, um die Fahrzeuge in verschiedene Gruppen in Schritten von 40 Pf-Punkten einzuteilen, wobei die Gruppe 1 die extremsten Boliden (Pf von 1 bis 39) zusammenfasst. Einer der Reize des Bergrennens besteht darin, dass Autos mit unterschiedlichen Hintergründen zusammen kommen. In Braga wird die Palette sehr breit sein, zwischen einer guten Auswahl an GTs, einer Schaar übermächtiger Mitsubishis und einigen exzentrischen Kreationen, wie den Alfa Romeo 4C Picchio (Foto) des Italieners Alessandro Gabrielli. Die Fans nennen diese Boliden gerne „Bergmonster“. Hier hat sich übrigens auf internationaler Ebene der Deutsche Ausdruck eingebürgert.

Mitsubishi Lancer-Modelle waren die Könige der Gruppe N im Rallyesport und für Bergrennen sind diese durch die Hände verschiedener Tuner gegangen, die sie sowohl ästhetisch als auch mechanisch aufgerüstet haben. Der Schweizer Ronnie Bratschi und die Polen Michal Ratajczyk, Daniel Stawiarski, Szymon Lukaszczyk und ‚Dubai‘ (Foto) haben Modelle mit faszinierender Power. Die GT-Autos werden ihren „Adelstitel“ leidenschaftlich verteidigen. Zu sehen sind in Braga unter anderem der Franzose Ronald Garcès (Audi R8 LMS Ultra), der Italiener Luca Gaetani (Ferrari 488 Challenge), der Franzose Nicolas Werver (Porsche 997 GT2), die Spanier Manuel Aviles und Christian Broberg (Ginetta G55) und der Pole Jedrzej Szczesniak (Lamborghini Huracan).

KATEGORIE 3: EIN BISSCHEN VON ALLEM – BUCK CHANCHENREICH

Zu Recht als Breitensport angesehen, ermöglicht Hillclimb Racing die Ausübung des Motorsports zu geringen Kosten, ist aber gleichzeitig prägend und fordernd in Bezug auf Konzentration und Fahrweise. Für Einsteiger oder für diejenigen, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten Spaß haben wollen, ist die Disziplin ein wunderbares Betätigungsfeld. Beim Masters besteht die Kategorie 3 aus kleinen und mittelgroßen Tourenwagen, die an nationalen Meisterschaften teilnehmen. Außerdem wurden hier sieben der vierzehn gemeldeten Fahrerinnen und einige der besten Junioren unter 25 Jahren von den nationalen Verbänden gemeldet. Kaum zu glauben, aber hier hat Deutschland das nicht einmal eine Nationalmannschaft für den Nations-Cup benennen durfte und keinen Team-Kapitän und keine offizielle Delegation des DMSB entsandt hat, echte Chanen erstmals überhaupt in der Geschichte des Masters eine der begehrten Medaillen zu gewinnen.

Zum überschaubaren Favoritenkreis der Kategorie 3 zählt Deutschlands Erwin Buck, der mit seinem vom renommierten Tuner Spiess unterstützten VW Scirocco Mk1 16V (Foto) in diesem Jahr bereits die Titel im KW Berg-Cup, im DMSB Berg-Cup sowie die Deutsche Vize-Meisterschaft geholt hat. Dieser Rumpfsaison, mit nur wenigen Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum, könnte Erwin Buck in Portugal noch eins drauf setzen. Etwas dagegen haben sicherlich der Brite Damien Bradley im Subaru Legacy, Rory Stephens aus Irland im Ford Escort Mk1, Sorin Botez aus Rumänien mit einem Mitsubishi Lancer Evo VI und vor allem der einheimische José Almeide auf einem BMW M3 E46. Als schnelle Dame könnte sich die Französin Sarah Bernard im Seat Leon Cup-Racer Mk3 hinzugesellen. Bislang bei allen drei Masters-Veranstaltungen am Start und auch in Brage gemeldet ist der Belgier Bart de Seadelleer mit seinem außergewöhnlichen Fiat 500 VRC (Foto). Aus der Delegation des Großherzogtums Luxemburg finden sich hier Monique Becker (Alfa Romeo 147 GTA), Francois Flammang (Peugeot 205 GTi) und Sandra Donkels-Becker (Renault Clio Cup 2).

DAS PROGRAMM

Nach einem ersten Teil der technischen Abnahme am Nachmittag des Donnerstag, 7. Oktober, steht der Freitag, 8. Oktober, im Zeichen der Fortsetzung der technischen Kontrollen und endet mit der Parade der Fahrer und Nationen im Stadtzentrum von Braga. Der Samstag, 9. Oktober, steht ganz im Zeichen des Kennenlernens der Rampa da Falperra, mit drei Trainingsläufen ab 10 Uhr auf der. Die gleiche Anzahl von Läufen, dann im Rennmodus, steht am Sonntag, 10. Oktober, ab 9 Uhr auf dem Programm. In der Einzelwertung entscheidet der Beste der drei Rennläufe über die Platzierung und die Vergabe von Gold-, Silber- und Bronzemedaillen in jeder der vier Kategorien. Für den Nationenpreis wird hingegen in der Rangliste die beste Mannschaft auf der Grundlage Gleichmäßigkeitsindex gesucht. Die einzelnen Landesverbände haben speziell für diesen Wettbewerb jeweils vier Fahrerinnen oder Fahrer benannt. Im Vorfeld verzichtete der Deutsche Verband DMSB darauf eine Mannschaft für den Nations-Cup zu stellen, obwohl die vier benötigten Piloten mit DMSB-Lizenz vor Ort sind.

INFORMATION

Weitere Informationen auf den folgenden Websites:
Starterlisten: https://www.fia.com/events/hill-climb-masters/season-2021/entry-list-0
FIA: https://www.fia.com/events/hill-climb-masters/season-2021/fia-hill-climb-masters
Facebook: www.facebook.com/FIAHCM
Veranstalter (CAM): www.hcmasters2021.com

Fotos: Henri Schwirtz, Andreas Landis, ACI, Thomas Bubel

Über Thomas Bubel 658 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.