Das autonome Fahren wird Realität – Der Motorsport verzichtet dankend

Das Thema ist bereits seit Jahren in aller Munde. Doch langsam aber sicher wird aus Sciencefiction Realität. Längst gibt es selbstfahrende Autos und sogar Busse ohne einen Fahrer an Bord. Doch bis sich das autonome Fahren endgültig auf den Straßen durchgesetzt hat, wird noch etwas Zeit vergehen. Experten gehen davon aus, dass es spätestens 2040 so weit sein wird. Idealisten sehen schon idyllische Zeiten auf die Städte zukommen. Der autonom fahrende öffentliche Verkehr nutzt einen lautlosen Elektroantrieb und befördert seine glücklichen Passagiere zum gewünschten Ort. Staus und Unfälle gehören der Vergangenheit an, weil die künstliche Intelligenz, die die Fahrzeuge wie von unsichtbarer Hand steuert, alle potenziellen Gefahren lang vorher erkennt und gegensteuert. Das alles klingt nach einer wünschenswerten Zukunft. Doch noch ist es nicht so weit.

Wenig Vertrauen in die Technologie
Schließlich gehen die Deutschen immer gern noch auf Nummer sicher. Wenn sie die Kontrolle abgeben, dann nur zum Ein- und Ausparken oder in einem Stau. In allen anderen Fällen vertrauen die Bundesbürger dann doch noch lieber auf ihre eigenen Fähigkeiten am Steuer. Umfragen zeigen, dass sich nur 18 Prozent in einem autonom fahrenden Fahrzeug sicher fühlen würden, wie die Zeit berichtete. In China liegt dieser Wert dagegen bei 58 Prozent.

Ungeheures Potenzial für Sicherheit und Wirtschaft
Doch diese Vorurteile könnten bald durch eine überzeugende Demonstration der Fähigkeiten autonom fahrender Autos ausgeräumt werden. Das Potenzial dieser Technologie ist schließlich enorm. Es könnte nicht nur mehr Sicherheit, sondern auch mehr Wohlstand bringen.
Immerhin darf sich die Autoindustrie in Deutschland als Schlüsselindustrie betrachten. Zahllose Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt von den großen Herstellern ab. Gleichzeitig bietet diese Technologie die große Chance, älteren Menschen bessere Transportmöglichkeiten zu bieten. Der Verkehr würde effizienter gelenkt, Güter und Menschen könnten zielgerichteter und umweltschonender von A nach B transportiert werden.
Ist erst einmal ein hoher Grad an Automatisierung erreicht, sollten in Folge auch die Unfallzahlen deutlich sinken. Untersuchungen zeigen, dass menschliches Versagen mit einem Anteil von 90 Prozent der Hauptverursacher von Unfällen ist. Doch bis es dazu kommt, werden noch viele Jahre vergehen. Denn zunächst wird es zu einem sogenannten Mischverkehr auf Deutschlands Straßen kommen. Dabei wird herkömmlicher und autonomer Verkehr nebeneinanderher fließen.
Studien gehen daher davon aus, dass sich das autonome Fahren nur langsam durchsetzen wird. Das liegt auch daran, dass herkömmliche Autos in Deutschland bis zu 20 Jahre lang im Einsatz sind. Derzeit sind in Deutschland 48,25 Millionen Fahrzeuge zugelassen. Das ist ein neuer Höchstwert. Experten gehen daher davon aus, dass jene Autos, die autonom fahren, erst in rund 20 Jahren das Straßenbild beherrschen werden.

Tesla prescht erneut nach vorne
Dieser Ausblick hat längst einen Wettlauf unter den Automobilkonzernen ausgelöst. Sie haben die Möglichkeiten erkannt und wollen sich in diesem Marktsegment möglichst weit vorn etablieren. Doch die deutsche Industrie hinkt hier noch ein wenig hinterher. Der Elektromobilitäts-Pionier Tesla hingegen setzt alle Kräfte auf die Entwicklung einer künstlichen Intelligenz, die diese Vision möglich machen soll.Tesla-Geschäftsführer Elon Musk kündigte bereits revolutionäre Entwicklungen an. Darauf deuten auch die in den letzten Wochen ausgesetzten Software-Updates seiner Fahrzeuge hin. Tesla entwickelt aktuell einen Supercomputer, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen soll. Dieser wird das Datenherz für ein Netzwerk darstellen, das den Käufern seiner Fahrzeuge autonomes Fahren ermöglichen soll.

Google erforscht die Technologie an Roboter-Taxis
Der Suchmaschinen-Riese Google war der erste Konzern, der die Technologie einer breiten Masse ins Bewusstsein gerufen hat. Seine Fahrzeuge, die in den Städten für den hauseigenen Dienst Google Maps unterwegs waren, führten den Menschen erstmals vor Augen, worin die Zukunft der Mobilität liegen könnte. Die Roboter-Taxis des Konzerns haben zwar immer noch sicherheitshalber einen Fahrer hinter dem Lenkrad, doch dieser greift statistisch betrachtet nur noch 0,09-mal pro 1.000 gefahrenen Kilometer ein.

Der Motorsport verzichtet dankend
Im Motorsport bleibt das autonome Fahren verständlicherweise weiterhin kein Thema. Schließlich bezieht der Rennsport seine Faszination aus dem Zusammenspiel von Fahrer und Technik. Es ist daher unvorstellbar, dass sich beispielsweise Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton von seinem Auto zum Sieg chauffieren lässt. Der Engländer hat gerade schwer mit seinem Konkurrenten Max Verstappen zu kämpfen. Der ist dem Titelverteidiger nicht nur in der Formel-1-Wertung, sondern auch bei den Wettquoten gefährlich nahe gerückt. So hat der Red-Bull-Fahrer aktuell auf Betway eine Online Wetten Quote von 3,50 (Stand 11.5.) und liegt damit hinter Lewis Hamilton auf Platz zwei der Favoritenliste. Das Können der beiden Top-Fahrer fasziniert die Fans, autonomes Fahren hat hier keinen Platz.

Die Spannung von Rennen, wie Anfang Mai beim EBM-Auftakt in Portugal, liegt im Duell der besten Fahrer. Wenn Simone Faggioli seinen Konkurrenten Christian Merli um nur 0,032 Sekunden besiegt, sind die Fans aus dem Häuschen. Sie wünschen sich, dass die Motoren heulen, geräuschlose Elektromotoren würden hier nur für Kopfschütteln sorgen. Deshalb ist es auch kein Problem, einen großen Helferstab für den Aufbau der Rennstrecken zu finden. Motorsport-Großveranstaltungen benötigen schließlich jede Menge freiwillige Helfer.

In Deutschland geht es in den Forschungsabteilungen der großen Autokonzerne immer noch um Sicherheit vor Schnelligkeit. Mit der bekannten Gründlichkeit untersuchen und analysieren die Hersteller alle notwendigen technischen Komponenten. Doch dieser Rückstand muss keinesfalls eine Gefahr darstellen. Bei der Produktion von Elektroautos haben die deutschen Autobauer bewiesen, wie schnell sie aufholen können. Gut möglich, dass sich hier die Geschichte wiederholt. Wenn autonomes Fahren die Straßen Deutschlands erobert hat, könnten sich die klassischen von Menschen gelenkten Fahrzeuge auf ein reines Freizeitvergnügen reduzieren. Der Motorsport mit Rennen wie der Europa-Bergmeisterschaft könnte als eines der letzten gallischen Dörfer übrigbleiben. Diese werden hoffentlich auch in Zukunft grünes Licht für die Durchführung erhalten

Über Thomas Bubel 613 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.