Erste Zwischenbilanz aus den virtuellen Bergmeisterschaften 2021

Heißt es in der Realität bis auf weiteres, nichts oder noch nichts geht am Deutschen Berg, so liefern sich im Internet derzeit rund 30 Gamer alle 14 Tage spannende Rennen auf den klassischen deutschen und ausgesuchten ausländischen Bergpisten im sogenannten SimRacing. Die gekoppelten Meisterschaften „Röttele Berg-Challenge by GTR4u“ und der neue „ADAC SimRacing Berg-Cup“ sorgen für jede Menge Spaß und Spannung, und sind zu einer Art „Ersatz-Droge“ für Bergrennsport-Enthusiasten und sogar einige wenige reale Berg-Piloten geworden. Die bis kurz vor Weihnachten dieses Jahres angesetzten einundzwanzig Rennabende (immer montags zwischen 18 Uhr 30 und 21 Uhr), zählen allesamt zur Röttele-Challenge, zwölf davon zusätzliche zum ADAC-Cup. Die virtuellen Berg-Einzelzeitfahren laufen über die Plattform Assetto Corsa, wo es möglich ist die wundervoll nachempfunden Bergstrecken mit allerlei unterschiedlichen Rennfahrzeugen zu befahren. Pro Veranstaltung stellt ein immer wieder neues, einheitliches Rennfahrzeug, neue Anforderungen an die Gamer. Ein perfektes Set-up ist neben der Streckenkenntnis und der persönlichen Performance, einer der Schlüssel zu Erfolg. Die Strecken-Fahrzeug-Kombinationen stehen allen Teilnehmer mindesten 14 Tage vor dem Rennen zu ausgiebigen Test- und Einstellfahrten, rund um die Uhr zu Verfügung.

Während in diesen Covid-19 Wochen an reale Rennwochenenden nicht zu denken ist, wird der Kalender der Sim-Racing-Events in den Sparten Rundstrecke, Rallye und nicht zuletzt Bergrennen immer umfangreicher. Die „Röttele Berg-Challenge by GTR4u“ und der „ADAC SimRacing Berg-Cup“ haben bereits ein Drittel der Saison hinter sich. Nach den Läufen auf den virtuellen Strecken von Arona (Spanien), St. Ursanne (Schweiz), Rieti (Italien), Oberhallau (Schweiz), Vuillafans (Frankreich) und den deutschen Strecken Waldau, Schotten und Wolsfeld, geht es erst nach der Pfingstpause Anfang Juni mit dem Glasbachrennen in den Mittelteil des Terminkalenders.

Die Rennen sind durchweg bestens organisiert. YouTube-Livestream, Moderatoren die immer wieder prominenten Gästen, wie Niki Schelle, Manuel Metzger oder Reto Meisel am Mikrofon begrüßen dürfen. Ein erstklassiges Livetiming und zeitnah aktualisierte Meisterschaftsstände können sich zudem sehen lassen. Da vergisst man schnell, dass Simracing im verglichen zum Real Life Racing, den Nachteil hat, dass es bei weitem weniger Feedback für den Geist und Körper des Piloten gibt. Die Anspannung und bisweilen auch Nervosität an der Startlinie steht aber dem realen Sport in nichts nach. Die virtuelle Bergszene hat nun auch einige Spitzen-Simracer angezogen, die mit fast unglaublichen Zeiten ganz oben rangieren. Reallive-Bergpiloten wie Harald Ludwig oder Christoph Kaiser können trotzdem noch nicht ganz mit den besten Sim-Racern mithalten. Das liegt hauptsächlich an der unglaublichen Menge an Zeit, die diese Jungs über Jahre hinweg und von Kindesbeinen an, im Simulator verbracht haben.

Einer aus dieser Garde ist der 19-jährige Jonas Tornow aus dem nordhessischen Söhrewald. Für die Rallyegemeinschaft Solms startend, konnte der junge Mann, der auch im ADAC Digital Cup erfolgreich ist, bislang sieben von acht Rennen gewinnen und führt beide Meisterschaften aktuell komfortabel an. In der vom Familienunternehmen gesponserten Rennserie hält sich der erst 11-jährige Niels Röttele tapfer auf Zwischenrang zwei von insgesamt 37 Platzierten. Phillip und Matthias Auer, beide „Bergneulinge“ vom badischen MSC Emmersdorf, konzentrieren sich auf den ADAC Berg-Cup, und haben sich hier vor Niels Röttele in der Tabelle geschoben. Auf Rang drei in der Challenge wird momentan Fabio Albiez geführt, der aber den Wolsfeld-Lauf auslassen musste. Somit haben die Stammfahrer der letzten Jahre; Danny Kolleth, Thomas Schacht, Danny Hein oder Arndt Oberath starke Konkurrenz bekommen.

Vor der Pfingstpause gab es ein eher untypisches Rennen von Wolsfeld, wo es ganz wie in der Wirklichkeit viele Ausrutscher gab. Das noch mit dem diesmal vorgegebenen Allrad-Skoda Fabia R5, der sich auf der engen und winkligen Eifelpiste, als echt störrische Zicke herausstellte. Einige Favoritenstürze waren an diesem Montagabend die Folge. Der zweite von drei Blöcken eröffnet am 7. Juni die virtuelle EM-Strecke am Glasbach (Audi TT-RS VLN). Im 14tägigen Rhythmus bis zur Sommerpause Mitte August, folgen dann der Iberg (Tatuus Formula Master), Homburg (Ferrari 355 Challenge), Hauenstein (VW Scirocco), Mickhauen (BMW M3 GT2) und Osnabrück (Tatuus FA 01 Formel 4).

Die Protagonisten müssen also hart am Limit „abliefern“ und dürfen sich keinen Fehler erlauben. Und wenn es doch einmal passiert, ist es halb so schlimm. Mit einem Klick ist der Rennwagen wieder in Top-Zustand. Automatisch wird im SimRacing mehr riskiert als in der Wirklichkeit, wo ein Fehler ungleich gravierendere Folgen hat, wie am Rig vor dem PC. Wer jedoch erfolgreich sein will muss auch im eSport dosieren können. Neueinsteiger sind jeder Zeit willkommen und können sich in der laufenden Röttele-Challenge platzieren. Die Einschreibefrist für den ADAC SimRacing Berg-Cup ist dagegen bereits abgelaufen.

 

Über Thomas Bubel 642 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.