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Dieter Martin - Der schnelle Megges von der Saar PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Thomas Bubel   
Montag, den 21. Dezember 2009 um 21:36 Uhr

  

Ende März 2009 traf „Bergrennen in Deutschland“ wieder mal einen bekannten und erfolgreichen Bergrennsportler aus den glorreichen 1980er Jahren. Dieter Martin, der „Megges“ aus dem Saarland, lud in die „Pistenklause“ im Keller seines Hauses, im Örtchen Hoof bei St. Wendel ein. Als der mehrfache DTM-Champion Bernd Schneider, wohl der bekannteste saarländische Motorsportler, noch nahezu unbekannt war und gerade den Sprung vom Go-Kart in die Formel Ford wagte, waren Martin zusammen mit Rallye-Ass Manfred Hero, die motorsportlichen Aushängeschilder des kleinen Bundeslandes im Südwesten der Republik. Dieter Martin, der im Mai 2009 seinen 54. Geburtstag feierte, fuhr Anfang der 80er Jahre in einem March SV 79 Formel Super V seine größten Erfolge am Berg ein.

Als 19jähriger, Mitte der 1970er Jahre, debütierte der heutige Geschäftsführer und Teilhaber bei Stoll-Baumaschinen in Ottweiler, in einem Opel Kadett B Irmscher Gruppe 2, der seinem Club MSC Mitthras Schwarzerden gehörte, beim heimischen Teufelskopf-Bergrennen in Reichweiler. „Megges“, der seinen Spitznamen bereits seit Grundschultagen trägt, war auf Anhieb in seiner Klasse „bei der Musik“ und dass gegen die leichteren Simcas. „Ich kann mich noch genau erinnern, als mich der damals erfolgreiche Jürgen Hug zu sich zitierte und fragte, ob ich überall so schnell sei wie am Heimberg“, sprach Martin von der ersten Begegnung mit dem späteren Rennleiter des Gernsbacher Schlossbergrennens und „Bergreporter“. 1978 baute sich Martin mit tatkräftiger Hilfe seines Freundes und heutigen Geschäftspartners Roland Stoll, aus zwei Totalschäden einen Gruppe N VW Golf 1 auf und fuhr damit Bergrennen und ein paar Rallyes.

Mit 23 Lenzen verwirklichte Martin seinen großen Traum und übernahm den schnellen Formel Super V vom Typ March SV 79 des damals bekannten Rundstreckenfahrers Tibor Meray aus Kaiserslautern. Neben zahlreichen Bergrennen im Südwesten Deutschland, wie Krähberg (Odenwald), Wittlich, Alzey, Wasgau (bei Pirmasens), Homburg, Teufelskopf (bei Kusel in der Pfalz), Trier, Wolsfeld oder dem Edelstein-Bergrennen bei Idar-Oberstein, startete Martin zudem bei Bergrennen im nahen Frankreich und Luxemburg. „Damals musste man nicht weiter als 200 Kilometer Anfahrtsweg auf sich nehmen, um eine komplette Berg-Saison fahren zu können“, erklärte Dieter Martin. Ab 1981 wagte er zwischendurch erste Ausflüge auf die Rundstrecke und bestritt einige Läufe zum damals populären „Super VW-Castrol Europapokal“. Im Fahrerlager freundete sich „Megges“ mit dem niederländischen Fahrerkollegen Arie Luyendyk, dem späteren Sieger des weltberühmten „Indianapolis 500“. „Arie fragte mich damals, ob ich mit ihm in den Staaten auswandern wolle“, verriet Martin. „Aber ich zog es vor in meiner Heimat zu bleiben, wer weiß wie es dann gekommen wäre“.

  

Auch in der Heimat machte Martin seinen Weg. Unvergessen bleibt der dritte Gesamtrang beim Homburger ADAC Bergrennen 1983, wo er den arrivierten „Berg-Assen“ ein Schnippchen schlagen konnte und das auf feuchter Piste. Nach dem zweiten Lauf lang der Nordsaarländer auf einen sensationellen zweiten Platz, bevor die Käshofer Straße abtrockneten und Karl Jordan, Walter Pedrazza und Co den Leistungsvorteil ihrer Formel 2-Boliden ausspielen konnten. Zu beginn der Saison 1986 verkaufte Dieter Martin seinen Formel Super V an den auf Mallorca lebenden Deutschen Helmut Kallenborn, der anschließend mehrfach die Balearen Bergmeisterschaft, mit Rennen auf den spanischen Ferieninseln Mallorca und Ibiza, gewann. Heute bereut der langjährige Hobby-Motorradfahrer den Verkauf. „Das wäre heute ein tolles Fahrzeug für den historischen Motorsport“. „Die Technik  und die Abstimmungsarbeit am Formel-Rennwagen war immer ein Highlight für mich“, schwärmte er weiter. „Um mich zu motivieren hatte ich so meine Eigenheiten“. „Vor Mutkurven habe ich mich in der Regel unterm Helm selbst angeschrieen – lässt du stehen - und so blieb das Gaspedal durchgedrückt“.

Ab 1985 startete Martin zunehmend bei Rallyes und vor allem Rundstreckenrennen, ohne jedoch die heimischen Bergrennen (Teufelskopf, Potzberg, Homburg) auszulassen. Nach einem Peugeot 205 GTi wurde 1987 mit Hilfe des Ford Autohauses Martin-Zettel ein Ford Escort RS Turbo mit Eggenberger-Motor angeschafft. Zum Abschluss seiner aktiven Motorsportkarriere, zwischen 1989 und 1991, war Martin in der Deutschen Tourenwagen Trophäe (DTT) mit einem Ford Sierra Cosworth von Tuner Suhe auf den Deutschen Rundstrecken involviert. Doch der „Virus Motorsport“ ließ nicht locker und so wechselte Martin in die Funktionärsebene, als Rennleiter des Teufelskopf-Bergrennens von Reichweiler. Hier gab es dann ein Wiedersehen mit dem alten Gegner vergangener Tage und damaligen „Bergreporter“ Jürgen Hug, der in 2008 all zu früh verstarb. Nachdem Mitte der 90er Jahre die „Grünen“ das Teufelskopf-Bergrennen mit Hilfe des Haselhuhns gekippt hatten, wurde es um Dieter Martin ruhig.

„Ich bin schon ewig ein treuer Leser der MOTORSPORT aktuell und sauge alles, von der Moto GP bis zur Formel 1 auf“. „Ich fahre in jedem Jahr zwei Mal zusammen mit meiner Frau auf den Nürburgring und das Homburger Bergrennen ist ebenfalls alljährlich ein Pflichttermin, allerdings spaziere ich nur durchs Fahrerlager, an den Streckenrand stelle ich mich nicht, da ist die Angst mich wieder mit dem Bergvirus anzustecken zu groß“. Doch im Jahr 2006 stand „Megges“ kurz vor dem Comeback. Herbert Drexler hatte Martin ein Fahrerplatz für das 24 Stunden-Rennen in Dubai auf einem BMW M3 angeboten. „Ich bin fünf Wochen schwanger gegangen und habe dann wegen der Firma und meiner Frau zuliebe abgesagt“. In 2008 durfte Martin dann einen Borgward, Baujahr 1950, als Vorwagen der Rallye Kohle und Stahl pilotieren. „Das hat richtig Spaß gemacht“. „Historischer Rallyesport wäre in Zukunft was für mich“, lässt Martin seine Wünschte durchblicken. Nachdem Dieter Martin seine 900er Ducati verkauft hatte, legte er sich „just for fun“ einen Audi TT zu, der mit ABT-Teilen etwas veredelt wurde. Damit befährt er alle 14 Tage, auf dem Weg zur Kundschaft, die Käshofer Straße und schwelgt dabei jedes Mal in schönen Erinnerungen.

  

 

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