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Alexander Saier – Ein Allrounder als V-Mann PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Thomas Bubel   
Sonntag, den 06. März 2011 um 08:10 Uhr

Alexander Saier war und ist im Berufs- wie Privatleben sehr vielseitig. Der mittlerweile 59 jährige Mann von der Schwäbischen Alb, lebt heute mit seiner dritten Ehefrau Katrin und dem zehnjährigen gemeinsamen Sohn Christian in Bad Blankenburg im Thüringer Wald. Saier fuhr ab 1972 Bergrennen und galt in der Szene Jahre lang als der „Formel V-Mann“. Nach einer beruflich bedingten Pause feiert er im Jahr 1984 sein Comeback. Ein schwerer Unfall im Formel 2 beim Bergrennen Hutthurm im Jahr 1996, bei dem Alexander Saier um ein Haar sein Leben verlor, bedeutete das Ende seiner Motorsportkarriere.

Noch bevor der „Alex“, wie ihn seine Freunde nennen, seinen Führerschein in Händen hielt, war der damals 17jährige bereits stolzer Besitzer eines Formel V-Rennwagens, den der Schwabe aus den USA importierte. Bis zur Erlangung der Fahr- und Rennlizenz stand der Rennwagen als „Objekt der Begierde“ noch in der Garage. Im Jahr 1970 war es dann endlich soweit. Mit einem gebrauchten APAL Formel V 1300 fuhr er im damals sehr populären ONS-Pokal auf der Rundstrecke. „Zu dieser Zeit konnte man noch günstig und unkompliziert Motorsport betreiben“, kommentiert Saier diese Zeit. Im Jahr 1972 fanden neben dem Rundstrecken-Pokal erste Ausflüge an den Berg statt. „Ich erinnere mich noch an das Augusta-Bergrennen in der Nähe von Augsburg, das heute als Bergrennen Mickhausen bekannt ist“. 

 

Ab 1974 standen dann wichtigere Dinge im Vordergrund. Eine berufliche Plattform musste aufgebaut werden. „Da war das Thema Rennsport für lange Zeit erst einmal erledigt“. Mehr als 10 Jahre steckte Saier all seine Energie ins Automaten-Geschäft und später in den Bau von Replikas. Seine Firma stelle Spiel- und Glückspiel-Automaten in Gaststätten und sogenannten „Spielhöllen“  auf und war zudem für die Reparatur und Wartung der Geräte verantwortlich. Im Jahr 1981 entschied sich Saier für einen beruflichen Wandel und wurde mit der Firma Saier Automobilbau europaweit bekannt. Das Unternehmen stellte Replika-PKW her. Bis 1997 wurden in Sonnenbühl-Willmandingen auf der Schwäbischen Alb die unterschiedlichsten Fahrzeuge hergestellt, wie zum Beispiel Nachbauten des Lamborghini Countach, des Porsche 356 Speedster, des Ford GT oder Buggys. Einige wenige BMW M1-Replika, auf Basis des Matra Murena wurden gebaut, bis die BMW AG in München dies verbot. Nach optischen Veränderungen wurde der damals nur 13.000 DM kostende Sportwagen unter dem Namen „Saier S1“ weitergebaut.

 

Mitte der 1980er Jahre konnte es sich Saier in zweifacher Hinsicht wieder leisten auch mal an sich selbst zu denken. Bei einem Ausflug zu einer Auto und Motorsport-Messe nach Friedrichshafen im Jahr 1984, stand in der Ausstellung ein Fuchs Formel V, der einen Käufer suchte. Sofort hatte der Unternehmer wieder „Blut geleckt“. Binnen Minuten stand der Entschluss fest und Saier war endlich wieder im Besitz eines Formel V-Rennwagens. Wenige Wochen später beim Homburger Bergrennen in der Saarpfalz saß Saier erstmals wieder hinter dem Lenkrad eines Rennwagens und belegte gleich den vierten Platz in der Klasse. Im folgenden Jahr fuhr Saier verschiedene Formel V-1300 Modelle der Marken David und Schiesser. 1989 fand Saier eine neue Herausforderung in der Formel Ford 2000. Ebenfalls mit einem Schiesser fuhr er von Klassensieg zu Klassensieg. Ende 1989 beendete der erfolgreiche Formel 3-Pilot Otto Christmann seine Rennsportkarriere. Saier übernahm den schnellen Martini Mk 52 F3 des Pfälzers und gewann im Jahr 1990 gleich die stark besetzte Formel-3 Klasse beim zweiten Saisonlauf der Deutschen Bergmeisterschaft in Zotzenbach im Odenwald. „Nach der sehr erfolgreichen Saison 1990 habe ich den Martini in die Schweiz verkauft, was sich im Nachhinein als absoluter Blödsinn herausstellte“, bedauert Saier diesen Schritt noch heute.

 

Nach der Wende und der wieder gewonnenen Deutschen Einheit orientierte sich der „fleißige Schwabe“ beruflich völlig neu und verwirklichte sich einen Traum mit dem Kauf eines Hotel s im thüringischen Saalfeld. Zuerst pendelte er zwischen der Alb und Thüringen hin und her. „Es ist doch besser wenn der Chef vor Ort ist und aus diesem Grund bin ich damals in die ehemalige DDR übergesiedelt. Hier lernte ich auch meine heutige Frau Katrin kennen“, berichtet Saier weiter, der aus seinen vorherigen Ehe bereits zwei Kinder hatte.

 

„Im Jahr 1991 saß ich dann in einem blauen Reynard 893 Formel 3. Das Auto war einen absolute Gurke und lief nicht mal auf gerader Strecke“. Nach wenigen Rennen kaufte der mittlerweile vierfache Vater den PRC BMW C3 von Horst Fendrich und gab den ungeliebten Reynard bei Fendrich in Zahlung. Mit verschiedenen Lackierungen war Saier zweieinhalb Jahre mit der Pedrazza-Konstruktion unterwegs, bevor er 1994 von Walter Pedrazza dessen PRC Formel 2, ein umgebautes Martini-Chassis, übernahm. Für die Saison 1995 erwarb er vom französischen Konstrukteur Tico Martini einen nagelneuen Formel 2-Boliden vom Typ Mk 69, der mit einem BMW-Motor bestückt wurde. Solch ein Auto war Mitte der 90er Jahre, vor dem Aufkommen der Formel 3000 am Berg, ein absolutes Gesamtsiegerfahrzeug. Das Jahr 1995 nutze Alexander Saier um sich auf den Formel 2 einzuschießen und Einstellungswerte zu sammeln. „Der knallrote und formschöne Martini war unbestritten mein Lieblingsfahrzeug“, schwärmt der Wahlthüringer noch heute. Die Berg-Saison 1996 begann für Saier vielversprechend. Beim (noch)nicht zur Deutschen Bergmeisterschaft zählenden European Hill Race im luxemburgischen Eschdorf am Mai-Feiertag 1996, fuhr Saier auf Rang fünf in der Gesamtwertung hinter Sieger Heinz Steiner , der mit seinem Mk 69 bei diesem Rennen einen jahrelang ungebrochenen Streckenrekord aufstellte. Zweiter wurde damals der Luxemburger Conny (Ralt F3000), vor Landsmann Christian Hauser und dem amtierende Deutschen Bergmeister Horst Fendrich, die beide ebenfalls auf einen Martini Mk 69 vertrauten.

 

Zweieinhalb Wochen später, am 18. und 19. Mai, beim 14. Internationalen ADAC Bergrennen Hutthurm in der Nähe von Passau, sollte das Schicksal unbarmherzig zuschlagen. Auf gerader Strecke und bei Höchstgeschwindigkeit brach der Martini Formel 2 plötzlich aus und zerschellte in den Bäumen. Der Rennwagen wurde dabei in mehrere Stücke gerissen. Alexander Saier erlitt zahlreiche lebensgefährliche innere Verletzungen und Knochenbrüche, er verlor zudem sehr viel Blut. Erst nach einer zweistündigen Behandlung an der Unfallstelle war der sympathische Motorsportler transportfähig und konnte mit dem Rettungshubschrauber in eine Passauer Klink geflogen werden. Danach folge eine fünf Stunden andauernde Operation und eine lang Heilungsphase. Der damals 45jährige fand später die Ursache dieses folgenschweren Unfalls heraus. „Eine hintere Magnesiumfelge war gebrochen und ließ den Wagen ausbrechen“. Danach wurden diese extrem leichten Felgen nicht mehr verwendet. „Ich hatte unglaubliches Glück, dass ich mit dem Leben davon gekommen bin und muss mich heute noch beim Rennleiter bedanken, der an der Unfallstelle vorbeiraste um gleich einen Arzt zu holen, der dann hervorragende Arbeit leistete“. Gesundheitlich geht es dem 59jährigen Geschäftsmann sehr gut. „Von Spätfolgen des Unfalls bin ich Gott sein Dank verschont geblieben“.

 

Heute ist Alexander Saier, der am Berg zahlreiche Klassensiege einfuhr, wieder im Automatengeschäft tätig und betreibt mit Frau Katrin zusätzlich einen Online-Shop für Naturstein-Gartentreppen und rustikale Gartenmöbel aus Echtholz. Seit drei Jahren spielt auch der Motorsport wieder eine Rolle in Saiers Leben. Sohn Christian, der den „Renn-Bazillus“ vom Vater mitbekommen hat, ist in der Kart-Szene aktiv (www.christian-saier.de). Saier-Junior konnte bereits erste Erfolge verzeichnen, was Papa Alexander mit Stolz erfüllt. Im vom Kart-Club-Sachsen e.V. organisierten „OAKC Kart-Pokal“ reichte es im Jahr 2009 bereits zum vierten Platz in der Endabrechnung. In 2010 gelang Christian mit einem Sieg die Vize-Meisterschaft und dass mit einem vom ADAC zur Verfügung gestellten Motor. Wie in alten Tagen ist Mechaniker Achim Neukam, der zwischenzeitlich von Minden in den Thüringer Wald gezogen ist, wieder dabei. „Zunächst war Achim nicht so begeistert, nun an einem Rennkart zu schrauben. Als er aber bei einigen Kart-Rennen in der OAKC Meisterschaft dabei war, hat ihn das Rennfieber wieder gepackt. Rennsport ist eben Rennsport!“ freut sich Saier. „Achim und ich genießen nun wieder zusammen die Motorsport Atmosphäre. Mal sehen wie weit es Christian im Motorsport noch bringen wird, wir unterstützen ihn auf jeden Fall“, blickt Alexander Saier in die Zukunft.

 

 

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