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Report MICKHAUSEN (D): Faggioli mit Fabelrekord PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Thomas Bubel   
Montag, den 03. Oktober 2011 um 13:08 Uhr


 
Rund 175.000 Zuschauer haben in den letzten zehn Jahren der Neuzeit das ADAC Bergrennen Mickhausen besucht. Am ersten Oktoberwochenende sind noch einmal 25.000 dazu gekommen. Mehr und mehr entdecken die Italiener, als Teilnehmer oder Zuschauer das Rennen in Nähe von Augsburg, wo doch die Grenze nach Südtirol nur 220 km entfernt ist. Die Tifosi trugen mit Temperament und Herzlichkeit zum fantastischen Stimmung auf und neben der Rennpiste erheblich bei. Das Deutsche Bergfinale entwickelt sich aus sportlicher Sicht mehr und mehr zum alljährlichen, prestigeträchtigen „Champions League Endspiel“. Die Landesmeister, Cup und Pokalgewinner  aus Deutschland, Österreich, Italien, Tschechien, Luxemburg und der Schweiz waren unter den 235 Teilnehmer, die beste Bedingungen, erzeugt vom ASC Bobingen und dem „Wettergott“ vorfanden, sodass die Fans nach allen Regeln der Kunst verwöhnt wurden. Ein solches Aufgebot an Top-Piloten und exquisiten Fahrzeugen gab es so in Deutschland noch nie.

Erstmals trafen alle vier bislang vom renommierten Rennwagenhersteller Osella gebauten FA 30 Zytek aufeinander. Selbst Europameister Simone Faggioli stellte sich dem Vergleichskampf. Am Trainingstag überließ Faggioli, der solche Sprintstrecken, wie die 2,2 km kurze Berg in den Stauden nicht gewohnt ist, dem neuen Schweizer Meister Marcel Steiner das Feld, mit einer knappen halben Sekunde Vorsprung. Dies ließ auf einen extrem spannenden Renntag hoffen und beflügelte Marcel Steiner bei seinem Vorhaben den Italienischen Ausnahmepiloten zu schlagen.

Der planmäßige Beginn am Sonntag viel dem dichten Nebel zum Opfer. Mit einstündiger Verspätung konnte erst die Startflagge gesenkt werden. Somit blieb nur mehr Zeit für drei Durchgänge. Schon vorab war jedem klar, dass der erste Rennlauf, auf noch kaltem Asphalt und einigen leicht feuchten Stellen in der Waldpassage, eine Vorentscheidung um Sieg oder Niederlage bringen würde. Mit drei Ausrutschern der italienischen F3000-Piloten Roasio, Cinelli und Bormolini wurden Steiners Nerven am Morgen geprüft. Prompt touchierte Steiner die Leitplanken und fand sich auf Rang vier wieder. Faggioli übernahm die Führung überraschend knapp vor dem erst 20jährigen Schweizer Joel Volluz im betagten Reynard 95D Cosworth und Landsmann Eric Berguerand im Lola F3000. Danach startete Steiner eine große Aufholjagd und knackte den Streckenrekord von Lionel Regal. Nur Sekunden später war Steiners Rekord bereits Geschichte, denn Faggioli fuhr in 46,903 Sekunden nahezu zwei Sekunden schneller als die Bestmarke aus 2007. Im letzten Lauf spielte Faggioli mit seinen Gegnern und fuhr kontrolliert zum Gesamtsieg. Steiner konnte mit Laufbestzeit Volluz auf Platz drei verdrängen. Rang vier ging an den Luxemburger Meister Guy Demuth mit knapp vier Sekunden Respektabstand zum „Italo-Schweizer“ Podium, hauchdünn vor Markenkollege Michele Camarlinghi (Osella FA 30 Zytek) aus dem Faggioli-Team. Vom Pech verfolgt landete der Schweizer Eric Berguerand am Ende auf Rang sieben. Auf Position drei rangierend verlor der F3000-Pilot mit Problemen mit der Stromzufuhr am Lola mehr als vier Sekunden im zweiten Lauf.

Mit dem 21jährigen Luxemburger David Hauser im Dallara Mercedes Formel 3 sorgte ein weiter Youngster für Furore. Anfangs auf Rang vier liegend war am Ende Platz sechs, gegenüber der deutlich potenteren Konkurrenz ein weiterer toller Erfolg. Auf seine direkten Gegner der 2-Liter-Klasse der Formelwagen, mit  Frank Debruyne (Dallara Fiat) auf Platz zwei, fuhr der Student mehr als 13 Sekunden heraus.

In der Sportwagen-Gruppe E2-SC war ebenfalls angereist was Rang und Namen hat. Der Ex-F3000-Pilot Dusan Neveril im Norma M20 mit soundstarken Judd-V8 Motor lieferte sich ein Kopf an Kopf-Duell mit dem Schweizer Urs Müller (Osella PA 30 Zytek). Das bessere Ende hatte jedoch der Tscheche. Mit 10 Fahrzeugen war die Klasse bis 2000 ccm bestens gefüllt. Hier wiederholte der Italiener Fabrizio Peroni (Lucchini Honda) seinen Vorjahressieg gegen Georg Olbrich (Osella Honda) und den PRC-Piloten Arno Bereiter und Mario Blum. Uwe Lang im 3-Liter Osella BMW, machte den Sack zu seiner dritten Deutsche Meisterschaft zu, hatte aber auf Gesamtrang 12 mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun. DM-Rivale Thomas Rössler, der eigens vom Formel 3 in einen Osella-Sportwagen umstieg, konnte Lang jedoch noch nicht gefährden.

Bei den Tourenwagen der Gruppe E2-SH rollte Reto Meisel im letzten Durchgang mit einem Schaden an der Kraftübertragung am Mercedes Judd V8 nach wenigen Metern aus, sodass der Tscheche Petr Fulin im Audi A4 DTM bei seinem ersten Bergrennen gleich den Sieg, vor Klaus Hoffmann (Opel Astra V8 DTM) davon trug. In der Gruppe E1 war Norbert Handa in allen Läufen einen Hauch flotter als seine Gegnerschaft aus Österreich, mit Herbert Stolz (Porsche), Felix Pailer (Lancia) und Mike Jelinek (Subaru). Somit dürfte Lancia-Pilot Handa den DM-Vizetitel vor Hoffmann eingefahren haben.

Im KW Berg-Cup schob sich Sebastian Schmitt (Opel Kadett C 16V) mit einem haushohen Sieg in der Gruppe H bis 2000 ccm in die Favoritenrolle auf den Cup-Gesamtsieg für die Saison 2012. Der Voralberger Hans Paulitsch (VW Scirocco 16V) sicherte sich erstmals die Division I, trotz knapper Niederlage in der Klasse bis 1600 ccm gegen Tobias Auchter (Opel Corsa). Wolfgang Glas (VW Polo 16V), vom ausrichtenden ASC Bobingen, der am Freitag noch die Fahrerlagereinteilung im Mickhausener Ortsteil Münster persönlich organisierte, sicherte sich knapp den Klassensieg bis 1300 ccm vor Markus Spöri (Suzuki). Gelegenheitsfahrer Jürgen Hessberger (Fiat 127) gewann deutlich die Klasse bis 1150 ccm.

Im NSU-Bergpokal fiel auch erst beim finalen Rennwochenende die Entscheidung. Vor Mickhausen hatten noch Steffen Hofmann, Uwe Schindler und Jörg Davidovic Chancen auf den Pokalsieg. Steffen Hofmann, mit der besten Ausgangsposition ließ nichts anbrennen und war deutlich schnellster NSU-Pilot und trug sich somit zum siebten Mal die Jahressiegerliste ein.

1. Simone Faggioli (I) Osella FA 30 Zytek, 2:24,019
2. Marcel Steiner (CH) Osella FA 30 Zytek, 2:27,398
3. Joel Volluz (CH) Reynard 95D Csoworth, 2:28,855
4. Guy Demuth (L) Osella FA 30 Zytek, 2:32,500
5. Michele Camarlinghi (I) Osella FA 30 Zytek, 2:32,720
6. David Hauser (L) Dallara F305 Mercedes, 2:34,196
7. Eric Berguerand (CH) Lola B99 Cosworth, 2:35,244
8. Dusan Neveril (CZ) Norma M20 Judd V8, 2:36,022
9. Milan Svoboda (CZ) Lola T 96/50 Judd, 2:36,860
10. Jaroslav Krajci (CZ) Lola B 02/50 Zytek, 2:37,294
11. Urs Müller (CH) Osella PA 30 Zytek, 2:37,665
12. Uwe Lang (D) Osella PA 20 BMW, 2:40,959
13. Peter Behnke (D) Osella PA 20 BMW, 2:45,050
14. Petr Fulin (CZ) Audi A4 DTM, 2:45,629
15. Michael Behnke (D) Osella PA 20 BMW, 2:45,758
16. Rosaire Cedric (CH) Lucchini SP90 BMW, 2:46,496
17. Fabrizio Peroni (I) Lucchini Honda, 2:47,759
18. Frank Debruyne (D) Dallara F300 Fiat, 2:47,948
19. Erich Öppinger (D) Osella PA 16 BMW, 2:48,609
20. Georg Olbrich (D) Osella PA 21 Honda, 2:48,940

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