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Report LES PACCOTS (CH): Rekord statt Abbruch - Schori und Steiner Meister PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Jürg Kaufmann / Automobil Revue (Schweiz)   
Donnerstag, den 22. September 2011 um 14:00 Uhr

Nach einem mehrheitlich trockenen Training am Samstagnachmittag zeigte sich das Wetter am Sonntagmorgen wie befürchtet von der garstigen Seite. Bei den restlichen Trainingsläufen und während des ersten Wertungsdurchgangs goss es teilweise wie aus Kübeln. Im starken Regen wurde der Zustand der superschnellen Sprintstrecke von Châtel-St-Denis nach Les Paccots (Schweiz) teilweise echt kritisch, und im ersten Rennlauf brach denn auch Joël Volluz’ Reynard nach dem schnellen Linksknick im unteren Streckenteil bei etwa 160 km/h auf einem Wasserlauf unvermittelt aus. Der junge Walliser hatte Riesenglück, dass er beim Dreher auf der Straße blieb und der Formel-3000-Bolide keinen Kratzer abbekam!

Marcel Steiner, der am Vortag die eigene Rekordzeit (57,98) auf der 2,58 km langenStrecke bereits zweimal unterboten hatte, ging bei derart kritischen Bedingungen keinerlei Risiken ein, und sein Vater Heinz plädierte in der Mittagspause sogar vehement für einen Abbruch des Rennens. Etlichen Fahrern war die Lust vergangen, und sie verließen den Ort des Geschehens vorzeitig. Zu ihnen zählte auch Eric Berguerand, obschon er diesmal geeignete Profilreifen dabei hatte. Die Rennleitung tat allerdings gut daran, nicht zu früh zu resignieren, denn in der Folge verbesserte sich die Witterung rapide, und gegen Ende des zweiten Rennlaufs war die Piste nur noch stellenweise feucht.

Auf nachgeschnittenen Slicks ging Marcel Steiner mit 1’03,04 in Führung, und obwohl er seinen glimpflich verlaufenen Abflug wohl kaum ganz verdaut hatte, kam Volluz mit Regenreifen immerhin auf 1’06,81. Vor dem letzten Versuch der Schweizer Berg-Elite schien sogar die Sonne, und anhand von Informationen früher gestarteter Piloten, dass die Piste auf der Ideallinie überall abgetrocknet sei, entschloss sich Steiner, voll anzugreifen. Mit 56,38 unterbot der Berner seine bisherige Bestzeit denn auch um gut anderthalb Sekunden und war entsprechend zufrieden: «Ich habe diese Saison in der Schweiz wirklich alles erreicht, was ich mir vorgenommen hatte. Als letzte Herausforderung bleibt eigentlich nur noch Faggiolis Streckenrekord von Les Rangiers.» Zum Abschluss strebt er am2.Oktober wie 2010 den Tagessieg in Mickhausen (D) an.

Auch Joël Volluz liess es am Ende nochmals tüchtig fliegen, und mit 57,60 blieb der junge Walliser ebenfalls unter der bisherigen Bestmarke. Florian Lachat hatte schon am Samstag konstatiert, dass die Kopfdichtung am Honda-Turbomotor durchzublasen begann. Um das Aggregat zu schonen, liess er die sonntäglichen Trainings und sogar den ersten Rennlauf aus. Mit deutlich reduziertem Ladedruck absolvierte der Meister von2009 schließlich die zwei letzten Durchgänge und schaffte immerhin Rang 3 vor Urs Müller im Osella-Sportwagen sowie Christian Balmer im Tatuus-Renault. Da durch rückte Lachat an Müller vorbei auf den angestrebten dritten SM-Podestplatz vor.

Bei den geschlossenen Wagen unterbot SM Leader Hans Schori am Samstag mit 1’04,55 schon mal den eigenen E1-Rekord aus dem Jahr 2008. Seppi Koch hingegen war von Pfefferlés 1’06,50, die es zuschlagen galt, um Schori noch zu gefährden, vorderhand weit entfernt. Als es am Sonntag dann derart regnete, schien die Sache ohnehin gelaufen. Doch Koch resignierte nicht, um so mehr, als Alain Pfefferlé den Porsche 935 Biturbo mit Zündaussetzern wegen durchnässter Elektronik vorzeitig verladen hatte und zumindest der Weg zum IS-Gruppensieg frei war. Gefahr drohte nämlich weder von René Aeberhardt, der auf dem bisher von David Papagna gesteuerten Lancia Delta S4 nach einem Rempler im feuchten Training eher vorsichtig agierte, noch von Christoph Zwahlen, der für einmal weniger überzeugte.

Als das Feld des Luzerners zum letzten Durchgang an den Start zog, war die Strecke indessen an einigen heiklen Punkten noch nicht ganz trocken, und sowohl Albin Mächler (BMW) als auch Toni Büeler und Roger Schnellmann (beide Mitsubishi) blieben in ihren Kategorien geringfügig über den eigenen Bestwerten. Koch ging mit dem Kadett C16V trotzdem aufs Ganze, und 1’08,23 waren unter diesen Bedingungen eine Bombenzeit. Dennoch war die Entscheidung nun endgültig gefallen. Schori liess es im Regendurchgang vorsichtig angehen, sobald es abtrocknete, übernahm der Innerschweizer aber das Zepter. Im zweiten Lauf liess er Gérard Nicolas und Bruno Ianniello bereits deutlich hinter sich, und im letzten Versuch verpasste er die eigene Kategorienbestmarke bloß noch um vier Hundertstel. Ianniello, der nach vielen Jahren mit  seinem Lancia wieder einmal hier antrat, war zwar mit starken 1’05,56 Zweitschnellster, in der Addition der Laufzeiten musste der fünffache Bergmeister aber Gurnigel-Sieger Nicolas im Ford Escort WRC den Vortritt lassen.

Auch wenn er stets betont, Motorsport vor allem aus Spaß zu betreiben, war Hans Schori natürlich glücklich, sein seit vier Jahren mit  hohem Aufwand angestrebtes Ziel, die Schweizer Bergmeisterschaft für Tourenwagen, erreicht zu haben: «Als ich mich entschlossen habe, gegen den damals unschlagbaren Ianniello in den Kampf zu ziehen, wusste ich, dass dies kaum auf Anhieb klappen würde. Bis der Bemani-Mitsubishi optimal funktionierte, dauerte es eine Weile, und ich selbst musste mich ebenfalls zuerst an dieses Bergmonster gewöhnen.» Obschon Koch Anfang Jahr mit dem Saugmotor-Opel angesichts der Turbopower in Pfefferlés Porsche und Papagnas Ianniello-Lancia nicht zu den Favoriten zählte, hat ihm sein heroischer Kampf den ebenfalls verdienten zweiten SM-Rang vor Schnellmann und Mächler eingebracht. Die beiden Freunde aus Wangen SZ sowie der abtretende Champion Toni Büeler teilen das gleiche Schicksal: Die drei Schwyzer waren zwar in ihren Kategorien stets die klare Nummer 1, konnten aber mangels
Konkurrenz nicht immer voll punkten.

1. Steiner Marcel, Osella FA30/Zytek, E2-SS, 01:59.42
2. Volluz Joel, Reynard 95 D F3000, E2-SS, 02:04.41
3. Lachat Florian, Tatuus LRM Turbo, E2-SS 02:12.25
4. Schori Hans, Mitsubishi Evo RS, E1, 02:14.50
5. Müller Urs, Osella PA30, E2-SC, 02:14.65
6. Balmer Christian, Tatuus Renault 2.0, E2-SS, 02:14.83
7. Nicolas Gerard, Ford Escort WRC, E1, 02:16.86
8. Ianniello Bruno, Lancia Delta S4, E1, 02:17.33
9. Gerspacher Jürgen, Lancia Delta S4, E1, 02:20.92
10. Koch Josef, Opel Kadett c 16v, IS, 02:23.10

11. Büeler Toni, Mitsubishi Evo 10, N + ISN, 02:26.19
12. Marti René, Mitsubishi Evo 6, E1, 02:26.43
13. Chatelet Mickaël, Tatuus Renault 2.0, E2-SS, 02:27.49
14. Debrunner Hansruedi, Dallara 398 Opel 2.0, E2-SS, 02:27.63
15. Dougoud Nikolaj, GDS Spyder, E2-SS, 02:28.41

16. Neff Frédéric, BMW E30, E1, 02:29.01
17. Schnellmann Roger, Mitsubishi Evo 8, A + ISA, 02:29.82
18. Zwahlen Christoph, Opel Kadett C 2.4, IS, 02:30.26
19. Buehrer Nicolas, Porsche 911 GT3 3.6, GT, 02:32.08
20. Aeberhardt René, Lancia Delta S4 Martini, IS, 02:32.09

 

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