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Report BUZET (CRO): Dramatisches EM-Finale PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Werner Schneider   
Dienstag, den 21. September 2010 um 18:40 Uhr

Schon die Anfahrt zum Berg-EM-Finale in der 5000 Einwohner-Stadt Buzet im kroatischen Teil von Istrien, nur 11 km von der slowenischen Grenze, war für viele Teams eine mühsame Angelegenheit. Nicht wegen der Schengen-Außengrenze, sondern aufgrund des Freitag-Wetters, das in Slowenien so katastrophal war, daß am Tag darauf sogar ein Lauf zur slowenischen Rallye-Meisterschaft drei Stunden vor dem Start abgesagt werden mußte, weil alles unter Wasser stand und die Feuerwehren im Katastrophen-Einsatz waren.

 


Am Freitag begann es schließlich auch in Kroatien zu regnen und sollte längere Zeit nicht mehr aufhören. Am Samstag Morgen tobte das Wasser mit einer derartigen Vehemenz vom Himmel, daß nicht daran zu denken war, wie geplant um 10 Uhr mit dem ersten Training zu beginnen. Schließlich rutschte auch noch ein Hang ab und blockierte Teile der Strecke. Es dauerte bis 13:30 Uhr, ehe die Straße wieder frei war und bei inzwischen etwas nachlassendem Niederschlag das Training beginnen konnte. Sämtliche E2-Piloten beteiligten sich jedoch nicht an den beiden Trainingsläufen, die 137 Fahrer bis 17:30 Uhr ohne nennenswerte Zwischenfälle beendeten.


Während der Nacht tobte sich das Wetter weiter aus und als es am Sonntag Morgen weiter regnete, war vom Rennen nichts Gutes zu erwarten. Der Regen ließ jedoch bald nach und so beteiligten sich 14 E2-Piloten um 9 Uhr an einem Ersatztraining, ehe um 9:35 Uhr schließlich der erste Rennlauf mit 151 Piloten gestartet wurde. Bei stürmischem Wind hörte der Regen nach etwa einer halben Stunde endgültig auf und die Strecke begann rasch aufzutrocknen, was diesen Lauf zu einem Reifenroulette machte. Der untere Teil der 5001 m langen und vergleichsweise schmale und winkelige Strecke blieb dabei wesentlich länger naß als der obere.

In der Gruppe N hatte Roland Wanek daher nur die Wahl zwischen Pest und Cholera, nämlich Slicks (zu naß) und echten Regenreifen (zu trocken im oberen Teil). Prompt lösten sich letztere auf, was ihm nur die fünfte Zeit brachte. „Die Kollegen aus Slowenien und Kroatien hatten allesamt wunderbare Rallye-Intermeds, aber so was paßt bei uns nicht ins Gepäck“, meinte er später in der Mittagspause. Da Konkurrent Achim Kreim aber überlegen schnellster Pilot in der Gruppe A war, ging es für Wanek im zweiten Lauf um Alles oder Nichts. Er benötigte zumindest Platz 4 für den Titel.

In der Mittagspause verschwanden die letzten Wolken wie von Geisterhand, der Sturm endete fast gleichzeitig und der Nachmittag wurde zu einem traumhaften Spätsommertag, den Fahrer, Zuschauer und Offizielle so richtig genossen. Wanek machte rasch alles klar: Er ließ den viertplazierten Kroaten Valter Nežič (Evo IX) klar hinter sich und hatte damit schon den gewünschten 4. Platz. Innerhalb einer halben Minute schieden dann jedoch die gleichzeitig auf der Strecke befindlichen Sašo Horvat (SLO, Führender nach Lauf 1) und Nikola Dobrila (HR, Evo IX) durch Unfälle aus, wodurch Wanek sogar noch auf Platz 2 kam. Kreim half auch der überlegene Gruppe A-Sieg nichts mehr. In der Siegesfreude war Wanek aber fair: „Wenn der Christian Schweiger die EM hätte weiterfahren können, wäre er ganz locker Europameister geworden. Das hätte er bei dem Aufwand auch wirklich verdient gehabt.“ Zur Erinnerung: Der Österreicher hatte die Saison im August wegen einer Krebserkrankung abbrechen müssen. Vor wenigen Tagen hat die für sechs Wochen angesetzte Chemotherapie begonnen.

Riesige Abstände kennzeichneten die Rennwagen-Klasse im ersten Lauf, was eindeutig auf die trickreichen Straßenverhältnisse zurückzuführen war: Regenspezialist Milan Svoboda führte 4,8 sec. vor Miloš Benes, 5,8 sec. vor Vaclav Janik, 6,5 sec. vor Fausto Bormolini, 7,9 vor Otakar Kramsky, 11,1 vor Jaroslav Krajči, 11,7 vor Laszlo Szasz und 12,0 vor Titelverteidiger Renzo Napione.

Doch dann konnte Benes nicht mehr antreten, weil er sich im ersten Lauf beim Anprall an einen Randstein die rechte hintere Aufhängung verbogen hatte und eine Strebe abzubrechen drohte. Tourenwagen-Europameister 2009 Janik übernahm erst einmal ganz knapp vor Kramsky und Krajči. Dann fuhr Svoboda, fiel aber nach wenigen Metern mit Getriebeschaden aus, wenig später fielen fast gleichzeitig die gemeinsam auf der Strecke befindlichen Italiener aus – Napione nach einem Dreher, Bormolini weil er über einen Randstein gehoppelt war. Die beiden verbleibenden Fahrer spielten keine Rolle mehr, weil sie viel zu weit zurück lagen. Für Janik (unser Foto oben) war’s der erste Sieg in einem EM-Lauf und mehr als überraschend, hatte er doch im Lauf der EM 2010 noch recht wenig gezeigt.
 

Resultat - Gesamtwertung:
1. Vaclav Janik (CZ), Lola B02/50-Zytec E2-SS, 2:33,480
2. Otakar Kramsky (CZ), Reynard K10-Cosworth E2-SS, + 0,461
3. Jaroslav Krajči (SK), Lola B02/50-Zytec E2-SS, + 0,642
4. Laszlo Szasz (H), Reynard KL01-Zytec E2-SS, + 13,352
5. Vladimir Stankovič (SLO), Reynard L01-Cosworth E2-SS, + 13,526
6. Niko Pulič (HR), Dallara 393-Opel E2-SS, + 25,962
7. Petr Vitek (CZ), Osella PA20/s-BMW E2-SC, + 26,671
8. Marietto Nalon (I), Lola 99/50-Zytec E2-SS, + 30,546
9. Siniša Krainc (HR), Ford Escort Cosworth E1, + 35,276
10. Aleš Prek (SLO), Mitsubishi Lancer Evo VIII Gr. N, + 39,113
11. Robert Bradarič (HR), Vauxhall Vectra E1, + 40,368
12. Achim Kreim (D), Mitsubishi Lancer Evo VIII Gr. A, + 44,767
13. Lukaš Vojaček (CZ), Mitsubishi Lancer Evo VIII Gr. A, + 45,353
14. Dejan Dimitrijevič (HR), VW Golf IV E1, + 45,850
15. Roland Wanek (D), Mitsubishi Lancer Evo IX Gr. N, + 48,460
16. Denis Močibob (HR), Opel-Lotus E1-SS, + 50,233
17. Gianfranco Sfiligoj (I), Reynard-Toyota E2-SS, + 51,381
18. Jiři Los jun. (CZ), Subaru Impreza WRX-STI N9 Gr. N, + 52,126
19. Valter Nežič (HR), Mitsubishi Lancer Evo IX Gr. N, + 53,567
20. Sebastian Čepar (HR), Honda Civic R Gr. A, + 56,415

 

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