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Report HAUENSTEIN: Weidinger wieder auf Titelkurs? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Thomas Bubel   
Montag, den 03. August 2009 um 14:24 Uhr

Zum achten Lauf der Berg DM zog es 137 Piloten in die geographische Mitte Deutschlands, in die 700 Seelen Gemeinde Hausen in der Rhön. Weit ab den Ballungsräumen, ist das Hauenstein-Rennen seit nunmehr 40 Jahren der „Rhöner Renner“ in der ländlich geprägten Region im nördlichsten Zipfel Bayerns. Vor 40 Jahren wagten sich eine Hand voll Männer an die Ausrichtung des ersten Hauenstein-Bergrennens in der noch heute sehr ländlichen Rhön, damals im Zonenrandgebiet in Sichtweite der Innerdeutschen Grenzbefestigungen. Die DDR-Grenzsoldaten konnten das Rennen sogar mit ihren Feldstechern beobachteten. Heute zählt das Bergrennen im Herzen Deutschlands zu den

beliebtesten Rennen der Berg DM. Für zwei Tage wich die Beschaulichkeit und Ruhe, dem hektischen Treiben. Zudem feierte der MSC Rhön sein Jubiläumsrennen lautstark. Aber auch leise Erinnerungen an Karl Jordan, einen der erfolgreichsten Formel 2-Piloten der 1980er Jahre, kamen hoch. Der damals 47jährige verunglückte genau vor 25 Jahren hier tödlich. Die 4,2 Kilometer lange Rhönhofstraße trug jahrelang den Titel der längsten Bergrennstrecke Deutschlands, bis die Nachbarn vom Rennsteig im Vorjahr ihre Piste verlängerten und nun um schlappe 50 Meter die Nase vorn haben. Dafür bildet die Ziellinie von Hausen mit fast 700 Höhenmetern das Dach der Berg DM. Um diese Punkt zu ereichen ist jede Menge Power gefragt, denn es geht steil und in flüssigen Kurvenkombinationen bergauf. Schlüsselpunkte sind einmal die 75 Grad-Kurve 300 Meter nach dem Start und die Schikane, eine Rastplatzdurchfahrt, in Zielnähe.

Das Thema Fahrzeuggewicht in der Gruppe E1 sorgt weiter für Gesprächsstoff. Die Herren Brenner, Stolz (eigens aus Tirol angereist), Handa und Co fordern ein Mindestgewicht, um gegen den Leichtbau V8-Boliden von Reto Meisel wieder konkurrenzfähig zu sein, wobei der Schweizer das gültige Reglement bestens umgesetzt hat. Bereits im Training fand das mit Spannung erwartete Duell Meisel gegen Brenner ein abruptes Ende. Norbert Brenner verlor kurz vor dem Ziel die Gewalt über seinen Opel Astra V8 und kreiselte von der Strecke. Der Schaden am ehemaligen DTM-Fahrzeug war enorm. Die schnellste Trainingszeit fuhr Marcel Steiner im Martini Mk 77 auf den letzten Drücker.



Am Renntag lagen des Öfteren dunkele Wolken über der Rhön. Ein kurzer Schauer, just als im zweiten Lauf als die Sportwagenmeute auf die Strecke ging, kostete die Spitze rund 10 Sekunden und es sah kurzzeitig, wie in 2007, nach einem Tourenwagen und Gesamtsieg von Reto Meisel in seinem Mercedes Judd V8 aus. Der Mann aus Leuggern im Aargau zog unangetastet seine drei Läufe durch und könnte nach internen Hochrechnungen bereits in zwei Wochen in Osnabrück, so früh wie noch nie zuvor in der Geschichte, den Sack in Sachen Meisterschaft der Tourenwagen zu machen. Das Championnat der Rennwagen ist dagegen weiter völlig offen. Mit seinem dritten Gesamtsieg in Folge ist Jörg Weidinger nach seinem freiwilligen Aussetzer in Wolsfeld wieder an Titelverteidiger Marcel Steiner dran. Der Schweizer patze im ersten Lauf und wurde anschließen von einem kurzen Schauer gebremst. Erst im letzten Lauf lief alles perfekt, mit dem Ergebnis Streckenrekord! Lokalmatador Uwe Lang, der am Morgen noch auf Rang zwei rangierte, rollte im dritten Lauf wenige Meter vor der Ziellinie aus.

Im Sportwagen-Bergcup bis 2 Liter riskierte der Führende Martin Bobinger (Osella Honda) unter dem Druck des späteren Siegers Arno Bereiter (PRC Honda) im nassen zuviel und rutschte von der Strecke. Unter Wert geschlagen wurde Georg Olbrich im Osella PA 21. Ein Fehler in der Elektronik ließ den Honda-Motor immer wieder stottern. Uwe Wolpert (UWR Honda) und Dino Gebhard (Norma Honda) sagten danke und belegten die Podiumsplätze.

Im KW Berg-Cup, der im dritten Jahr in Folge mit dem MOTORSPORT aktuell-Logo auf allen Fahrzeugen antritt, war einmal mehr Holger Hovemann im Opel Risse C-Kadett der Überflieger. Der Odenwälder drückte dem Zweitplatzierten Sebastian Schmitt in drei Läufen rund 5,8 Sekunden aufs Auge und gab knapp 10 Sekunden dem überraschenden Dritten Günter Göser (beide Opel Kadett C 16V) auf die Ohren. Bei seinem ersten Einsatz des Jahres, im sonst von Hansi Eller bewegten VW Scirocco 16V, konnte Mario Minichberger mit Rang fünf, hinter Björn Wiebe (Renault Clio 16V) durchaus zufrieden sein. Wie in Homburg mischte Norbert Wimmer im blauen BMW 2002 8V kräftig im Konzert der 16V-Motoren mit. Rang sechs, vor dem immer stärker werdenden André Wiebe (Renault Megane 16V), bedeute natürlich den Sieg in der KW 8V-Trophy der Division II. Nach langer Pause und rechtzeitig zu seinem Heimspiel, war Dieter Rottenberger wieder dabei. Der Gebietsleiter des Küchenproduzenten Nobilia musste seinen ehemaligen STW-BMW E36 nach seinem mehrfachen Überschlag von Schleiz von Grund auf neu auf die Räder stellen und ging es in Hausen mit Rang acht, erst einem vorsichtig an. Auch Stefan Glass, der zudem in der Rallyecross-DM aktiv ist, setzte erstmals einen neuen Ford Escort Mk 1 mit 16V-Triebwerk ein und überraschte die Konkurrenz mit der zweiten Zeit im ersten Trainingslauf. Im Rennen wurde der Bayer neunter vor Thomas Flik, Jens Weber und Henning Göbel. Iberg-Sieger Dirk Preißer fiel an beiden Tagen mit Problemen mit dem Antriebsstrang aus.

In der Klasse H bis 1150 ccm musste Jörg Eberle bereits im ersten Trainingslauf nach technischen Problemen am Fiat 127 Sturm Evo die Segel streichen. Souverän unterwegs war dagegen Robert Bauer (VW Polo 16V), der am Sonntagabend rund 3,5 Sekunden auf Tobias Klimsa (VW Polo 8V) herausfuhr. Dritter wurde Jürgen Hessberger im Fiat 127. Bernd Deutsch verbremste sich bei der Anfahrt auf die enge JOPP-Kurve und schlug mit seinem Audi 50 hart in die Reifenstapel ein. In der Klasse bis 1300 ccm sahen die geschätzten 3.000 Zuschauer einen deutlichen Sieg von Hugo Moser (VW Polo 16V). Manfred Konrad im VW Corrado 16V durfte sich erneut über den zweiten Platz freuen, klar vor 8V-Sieger Armin Ebenhöh und Martin Kleiner (beide VW Polo). André Stelberg (5.) musste zuerst seinen Unfall vom Homburg verdauen und der rote Schneider-Polo war zudem mit vielen provisorischen Teilen für das Hauensteinrennen schnell wieder hergerichtet worden, sodass André lediglich Schadensbegrenzung betrieb. Bis 1600 ccm hatte Helmut Maier (VW Spiess Golf 16V) frei Bahn, nachdem der Trainings-Zweite Thomas Klingelberger im ersten Rennlauf den Motor seines VW Polo Kit-Car mit fallendem Öldruck abstellten musste. So erbte Valentin Schneider Rang zwei. Wie erwartet siegte Markus Wüstefeld in der Gruppe H über 2000 ccm, vor Siegfried Hauff und Roman Sonderbauer (beide Opel Kadett C).

Die Gruppe E2 der Formelrennwagen waren diesmal mit acht Fahrern besetzt, die Punkte des DMSB-Bergpokal im Visier hatten. Pokalleader Franz Seitz riss sich im Training die rechte vordere Radaufhängung an einem Reifenstapel der Schikane ab und ließ am Abend Ersatzteile „einfliegen“. Zum Rennen stand der gelbe Opel-Lotus wieder auf allen Vieren. Wichtige Punkte schnappte Thomas Rössler (Dallara 305 Opel F3), dessen verstorbener Vater Peter 1977 Gesamtsieger am Hauenstein war, Frank Debruyne (Dallara Fiat F3) weg.



Den schönsten Ausfallgrund der Welt meldete der NSU Bergpokal. Steffen Hofmann reiste am Samstagabend hastig ab und eilte zur Geburt seiner Tochter in den Kreissaal. Gratuliert wurde danach auch Uwe Schindler zum Cup-Sieg, vor Homburg-Gewinner Jochen Schittenhelm und Johannes Niedermann. Jörg Davidovic zerstörte seinen weißen NSU bei Posten 7 mit einem mehrfachen Überschlag. Die weiteren Klassensieger im Classic-Berg-Cup hießen: Michael Burghard (VW Polo), Andreas Herl (Ford Escort), René Frank (BMW M3 DTM) und Richard Feulner (Chevron F3). Als Gruppensieger geehrt wurden zudem: Robert Meiers (Mitsubishi) Gruppe G, Waldi Bätzel (Peugeot 206) Gruppe N/DN/F2005 und Lars Bröker im geliehenen Mitsubishi von Achim Kreim in der Gruppe A.



Resultat:
 
1.Jörg Weidinger, Osella BMW 3.0 CN, 5:12,046
2.Marcel Steiner (CH), Martini BMW 3.0 CN, 5:15,746
3.Reto Meisel (CH) Mercedes 190 Judd V8 E1, 5:17,712
4.Peter Behnke, Osella BMW 3.0 CN, 5:21,229
5. Michael Behnke, Osella BMW 3.0 CN, 5:38,296
6.Holger Hovemann, Opel Kadett C 16V, 5:51,361
7.Urs Müller (CH), Argo Alfa Romeo 3.0 CN, 5:51,980
8.Markus Wüstefeld, Mercedes 190 Evo II, 5:53,249
9.Franz Seitz, Reynard Opel Lotus, 5:53,812
10.Arno Bereiter (A), PRC Honda 2.0 CN, 5:54,380
11.Thomas Rössler, Dallara Opel F3, 5:55,951
12.Sebastian Schmitt, Opel Kadett C 16V, 5:57,153
13.Günter Göser, Opel Kadett C 16V, 6:01,300
14. Björn Wiebe, Renault Clio 16V, 6:02,533
15.Uwe Wolpert, UWR Honda 2.0 CN, 6:02,837
16.Mario Minichberger, VW Scirocco 16V, 6:04,302
17.Dino Gebhard, Norma Honda 2.0 CN, 6:04,531
18.Norbert Wimmer, BMW 2002 8V, 6:04,965
19.André Wiebe, Renault Megane 16V, 6:06,786
20.Dieter Rottenberger, BMW 318is STW, 6:07,474

 

 

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