| Report STERNBERK ECCE HOMO - Die neue Dimension |
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| Geschrieben von: Werner Schneider |
| Donnerstag, den 11. Juni 2009 um 11:56 Uhr |
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Die deutschen Bergrenn-Fans sind zu bedauern, daß sie am kommenden Wochenende beim EBM-Gastspiel in Trier nicht in den Genuß des gegenwärtig wohl schnellsten Geschoßes auf den weltweiten Bergrennstrecken kommen werden. Denn was der 36jährige Italiener Simone Faggioli am vergangenen Wochenende auf die altehrwürdige 7,6 km-Strecke auf dem Ecce Homo-Berg in der malerischen mährischen Metropolie Šternberk zauberte, kann schwer beschrieben werden. Man mußte es gesehen haben. Nachdem er mit seinem Cosworth-befeuerten Werks-Osella FA30 mit Stromlinien-Verkleidung bereits im zweiten Trainingslauf am vier Jahre alten Streckenrekord von Ander Vilarino gekratzt hatte, legte Faggioli
am Renn-Sonntag noch eines drauf. Gleich im ersten Lauf verbesserte er den Rekord um 3,35 Sekunden, um im Finale noch eines draufzulegen und als erster Pilot die für unbezwingbar gehaltene 2:50 Minuten-Grenze zu knacken: Exakt 2:49,990 auf der im Mittelteil doch sehr winkeligen und von etlichen engen Kehren gekennzeichneten Strecke bedeuteten einen Schnitt von 165,18 km/h, womit er 3,97 Sekunden schneller war als Vilarino im Jahr 2005. Wie überlegen Faggioli war, zeigt die Tatsache, daß Rechberg-Sieger Fausto Bormolini (Reynard F3000) als Zweitschnellster in beiden Läufen zusammen nicht weniger als 19,95 Sekunden auf ihn einbüßte, der drittplazierte Tscheche Miloš Benes (Ralt F3000) bereits über 24 Sekunden. Dabei hatte das Rennen durchaus noch andere Höhepunkte zu bieten. Für den betroffenen Fahrer tragisch war das mächtige Feuer, das schon im ersten Trainingslauf den BMW-V8-Chevy des Österreichers Erich Edlinger fast vollständig zerstörte. Offenbar war eine Benzinleitung leck geworden und Benzin auf den Auspuff getropft. Streckenposten versuchten noch, den Steirer aufzuhalten, was aber mißlang. Erst als es offenbar auch im Cockpit richtig heiß wurde, hielt er endlich an, aber da war es längst zu spät. Die Hälfte seines erst knapp vor dem Rechberg fertig gewordenen Renners aus der neuen FIA-Gruppe E2-SH (im Gegensatz zu E1 sind das Autos mit gegenüber der Serie maßgeblich verändertem Chassis oder Rohrrahmen-Konstruktionen, am 2010 dann auch alle rein zweisitzigen Fahrzeuge, die jetzt noch unter E1 fahren) wurde ein Raub der Flammen, bis die Feuerwehr endlich „Brand aus“ geben konnte. Der erste Rennlauf dauerte dann mehr als fünf Stunden, nachdem der Tscheche Oskar Benes mit seinem Superproduction-Opel Astra OPC gut 20 Meter Leitplanke abgeräumt hatte und dies an einer richtig kritischen Stelle. Die Reparaturarbeiten dauerten gut zwei Stunden. Sensationellerweise wurde der zweite Lauf dann in nicht einmal zwei Stunden durchgepeitscht, wodurch die Veranstaltung doch schon um 16:20 Uhr beendet werden konnte. Bester Pilot in einem Fahrzeug, das kein einsitziger Rennwagen war, wurde der Tscheche David Kostruh in einem Norma-Honda der FIA-Gruppe E2-SC auf Platz 11. Die E1-Gruppe ging an den Österreicher Felix Pailer (Lancia) vor seinem Landsmann Andi Marko (Audi A4 Quattro), der etwas überraschend vor dem stärker eingeschätzten Tschechen Milan Kašparek im Vierliter-Audi TT blieb. Gruppe A-Sieger wurde erwartungsgemäß der Tscheche Vaclav Janik (Mitsubishi Evo VIII) vor dem Österreicher Christian Schweiger (VW Golf Kit Car), der alle weiteren Turbo-Allradler hinter sich ließ. In der Gruppe N setzte sich auch nicht unerwartet Deutschlands Roland Wanek vom MSC Ruhr Blitz (Mitsubishi Evo IX) durch, bei den durch Unfälle stark dezimierten Superproduction der Tscheche Lukas Vojaček (Alfa Romeo 147). Für Deutschland gab’s zusätzlich einen Klassensieg in der E1-1600 durch den Passauer Helmut Maier. Schade eigentlich, daß insgesamt nur 105 Autos am Start standen, denn das mondäne Šternberk mit seiner wunderschönen Altstadt, wo auch das Fahrerlager angesiedelt ist, hätte sich mehr verdient. Zumal die vor einigen Jahren heftig kritisierte Sicherheit inzwischen durch massive Polizei-Präsenz (tlw. mit Hunden) absolut ist. Klein-Kriminalität in epidemischem Ausmaß wie noch vor vier Jahren spielt heute zum Glück überhaupt keine Rolle mehr.
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