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Rennbericht MICKHAUSEN (D): Ein Europameister als Langschläfer PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Thomas Bubel   
Montag, den 06. Oktober 2008 um 12:42 Uhr

Beim großen mitteleuropäischen Bergfinale vor den Toren Augsburgs waren am Ende die Mathematiker gefragt. In sage und schreibe 13 nationalen und internationalen Meisterschaften und Cups wurden die Champions gesucht. Das traumhafte Herbstwetter lockte am Renntag einmal mehr über 20.000 Zuschauen an den 2.2 km kurzen „Sprint-Berg“ von Mickhausen.

Am nass-kalten Trainingstag spielten der Italienische Ex-Europameister Danny Zardo im Lancia Delta Proto und Markenkollege Norbert Handa die Vorzüge ihrer Allradboliden aus. Lediglich zwei Probeläufe brachten die Organisatoren des ASC Bobingen unter der Leitung von Günter Hetzer durch. Unzählige Unterbrechungen, ausgelöst in der Regel von Ausrutschern auf regennasser Strecke, ließen keine weiteren Fahrten zu. Am heftigsten erwischte es dabei KW Berg-Cup Pilot Friedhelm Gürtzgen, der mit seinem BMW 2002 8V am Ende der großen Zuschauerwiese von rechten Weg abkam und auf der nassen Wiese ungebremst in den angrenzen Wald raste. Der Personalleiter erlitt dabei eine Gehirnerschütterung und musste die Nacht zum Sonntag zur Beobachtung im Krankenhaus verbringen. Das HANS-System hat mit Sicherheit wieder einmal Schlimmeres verhindert.

Standesgemäß fuhr Lionel Regal im Reynard 01 aus der Formula Nippon anschließend die schnellste Rennwagenzeit. Der französische Bergprofi brachte vor zwei Wochen das Kunststück fertig neben der Berg EM auch seine Landesmeisterschaft zu gewinnen. Letztmals gelang dies Regals Landsmann Jimmy Meussiet (Martini Formel 2) im Jahr 1972.


Nach eisiger Nacht blieben die Waldpassagen lange feucht. Top-Favorit Regal schaute nach dem ersten Rennlauf verdutzt auf die Zeitenliste und fand sich erst auf Rang 6 wieder. „Ich habe noch geschlafen“, ärgerte sich Regal. Marcel Steiner führte überraschen das Feld der 225 gemeldeten Piloten an und sorge bereits früh dafür das in der Berg DM nicht lange gerechnet werden musste. Dusan Neveril im Lola Zytek F3000 schob sich vor die weiteren DM-Vertreter Jörg Weidinger und Uwe Lang in ihren Osellas. Im zweiten Durchgang hatte Regal nach eigenen Angaben „immer noch nicht ausgeschlafen“, verbesserte sich aber immerhin auf Rang drei. Gleichzeitig übernahm Jörg Weidinger die Gesamtführung vor Steiner, der somit im letzten Lauf nur noch das Ziel erreichen musste, was dem Schweizer problemlos gelang und somit seine erste Deutsche Meisterschaft einfuhr. Zum Abschluss wurden die Podestplätze genau so wenig getauscht wie die Positionen dahinter mit dem Tschechen Neveril und dem neuen Schweizermeister Jean-Jacques Dufaux im Reynard 95 D Cosworth F3000. Der abgelöste Meister Uwe Lang büßte im Rennverlauf zwei Plätze ein und landete auf Rang 6.

Beim lesen der Starterliste der Tourenwagen bekamen die Fans glänzende Augen. Praktisch die gesamte Elite Europas reiste an. Georg Plasa, der mit seinem BMW Judd V8 in Italien mittlerweile ein gefeierter Star ist, hatte ebenfalls die Chance zur Doppelmeisterschaft im FiA Hillclimb Cup in zwei Regionen. Ein Ausrutscher im feuchten Training machte dieses Unternehmen fast zu Nichte, doch auf der immer mehr abtrocknenden Piste war Plasa am Ende nicht zu schlagen. Somit vermochte der Warngauer im neunten und letzten Rennen des FiA Hill Climb Cups der Region 1 den jungen Tschechen Dan Michel im spektakulären Opel Speedster V8, angetrieben von zwei gleichgeschalteten Hyabusa-Motorradtriebwerken, noch von Tabellenspitze zu verdrängen. In der Region 2 reiste Leader Fabrizio Pandolfi (I) mit seinem Ex-ITC Alfa Romeo 155 V6 ti in TV-Spielfilm Lackierung leider nicht an.

Im ersten Lauf konnte der neue Deutsche Bergmeister der Tourenwagen Norbert Brenner mit seinem Ex-DTM Opel Astra V8 mit Plasa mithalten. Auf Grund der Mischverhältnisse zu Beginn war jedoch Denny Zardo im Lancia der Schnellste. Der frischgebackene Italo-Meister der Formel 3000, setzte jedoch anschließende den von Fulvio Giuliani geliehenen Lancia vehement in die Planken. Brenner rückte so auf Rang zwei auf und hatte dabei den Österreicherblock mit Andreas Gabat (Ford Escort WRC), Markenkollegen Walter Terler und Herbert Pregartner im 750 PS-Porsche 911 Turbo im Griff. Der Zweikampf um der ÖM-Titel zwischen Gabat und Herbert Pregartner entscheidet sich nun am kommenden Wochenende beim letzten Rennen in Cividale (Italien), nachdem der Ford-Tuner in den Stauden 10 Punkte auf „Pre“ gutmachen konnte. Felix Pailer, der im Lancia-Prestigeduell gegen Norbert Handa knapp die Oberhand behielt, hat derweil keine Chancen mehr auf den ÖM-Titel der Tourenwagen. Österreichs Rennwagen-Meister Hermann Waldy (Reynard F3000) brauchte in den Stauden nicht mehr anzutreten.

Im DMSB Bergpokal konnte das Rechnen ebenfalls nach Lauf eins eingestellte werden. Nachdem sich Peter Behnke mit seinem Tiga Hart C3 gedreht hatte war die Titelverteidigung für Rolf Köppel (Martini BMWF2) in trocknen Tüchern. Holger Hovemann im Opel RISSE Kadett C 16V gewann zur vierten Mal in Folge die DMSB-Pokalabteilung der Tourenwagen und zugleich im fünften Jahr in Folge den KW Berg-Cup in der Gesamtwertung inklusive der Division II.

Aber der Reihe nach: In der Gruppe H bis 1150 ccm musste gleich im ersten Lauf Jürgen Hessberger (Fiat 127 Sport) mit TD die Waffen strecken. Ob der Roßtaler dennoch die KW 8V-Trophy in der Division I vor 1300er Fahrer Armin Ebenhöh gewinnen konnte, muss die genaue Auswertung zeigen. Klassensieger Robert Bauer im VW Polo hatte es dennoch keines Wegs einfach. Der Kraftfahrer bei der Autoteile-Kette ATU war lediglich runde 2/10 Sekunden schneller als der bestens aufgelegte Franz Koob im Fiat 128 Coupé. Jörg Eberle (Fiat 127 Sturm Evo) wurde Dritter runde 2,5 Sekunden dahinter. Tobias Klimsa im VW Polo enttäuschte leicht mit Rang vier. Der Norddeutsche war im Schnitt drei Sekunden pro Lauf langsamer als Bauer und musste gar auf Walter Trachsel im Fiat 127 Sport aufpassen.

In der KW Berg-Cup Klasse bis 1300 ccm trumpften diesmal die 8V-Vertreter auf. Dennoch siegten mit Klaus Bernert und Gerhard Moser (beide VW Polo) die 16V’ler. Erst im letzten Lauf presste sich Moser an 8V-Sieger Armin Ebenhöh (VW Polo) vorbei. Von technischen Problem verschont hielt sich Martin Kleiner (VW Polo 16) 8V-Markenkollege Felix Rabe vom Leib, der seinerseits 16V’ler André Stelberg bezwingen konnte. Mit Rang 7 überrasche hier Gaststarter Markus Spöri im Suzuki Swift noch vor den arrivierten Cup-Piloten Götzl, Letmade und Müller.

Zur Gruppe H bis 1600 ccm: Frank Brügge im VW Golf 20V ging im ersten Lauf zu vorsichtig an Werk und fand sich prompt auf Rang fünf wieder. Valentin Schneider (VW Golf 16V) war da beherzter unterwegs und übernahm die Spitze. Anschleißend fuhr Brügge Laufbestzeit, sechs Sekunden schneller als im ersten Lauf. Schneider konnte zugleich nicht zulegen. Am Ende war jedoch der Passauer Helmut Maier der Klassensieger mit einer Klassenbestzeit von 1.03,135. Schneider steigerte sich zum Abschluss deutlich und bezwang so knapp den Schweizer Gaststarter Werner Rohr im Toyota Corolla AE 86. Dirk Pesch (VW Polo Kit Car) der nach Lauf 1 noch dritter war rutsche auf Rang 5 ab, knapp vor Rainer Koresch im Ford Escort.

In der Klasse H bis 2000 ccm war der 8. von 10 möglichen Klassensiegen des Jahres für Holger Hovemann (Opel RISSE Kadett C 16V) ein hartes Stück Arbeit. Kurt Flatz im APT-Opel Vectra STW fuhr sogar Tagesbestzeit im dritten Lauf und rückte Hovemann mit einer knappen halben Sekunde Rückstand ganz schön auf die Pelle. Mit seinem besten Saisonresultat (Platz 3) schloss Dirk Preisser (Opel Frank Kadett C 16V) das 21.Berg-Cup-Jahr ab und schlug dabei Björn Wiebe, Mario Minichberger, Richard Petter und Günter Göser. Hansi Eller, diesmal im grünen Opel Kadett C, war in der KW-8V-Trophy siegreich. Der neue 8V-Meister der Division II Bernd Ehrle musste sich erneut einem Gaststarter geschlagen geben, nämlich dem Schweizer Urs Banz (Opel Ascona B). René Rypka, Guido Peter, Johann Hatezic und Sebastiano Pagano folgten Ehrle.

Mit nur 5 Startern war die Klasse H über 2 Liter erneut dünn besetzt. Lokalmatador Armin Dellkamm (BMW M3 DTM) belegte Rang zwei, nach einem Leitplankenkontakt im Training vor dem Schweizer Christoph Zwahlen im Opel Kadett C. Den Sieg schnappte sich mit Josef Koch (Opel Kadett C 16V) ebenfalls ein Eidgenosse.

Die NSU-Truppe war diesmal ohne den Classic-Berg-Cup  unterwegs. Mit einem Sieg strich Steffen Hofmann, trotz unfallbedingter Pause, die Meisterschaft ein. Einen Vorsprung von über 9 Sekunden erfuhr sich der Edelhäußer-Pilot vor Jörg Höber, Walter Fassbender und Johannes Niedermann.

Die Flut der Klassen und Gruppen war diesmal, bedingt durch die vielen Prädikate, für den Rennbesucher kaum mehr nachvollziehbar. Zusammengefasst hier die restlichen Sieger des Wochenendes: Robert Meiers (Mitsubishi „Kompakt“ / Gruppe G), Lothar Schmitt (Honda Civic / F2005 bis 1600 ccm), Jürgen Weimann (Renault Clio / F2005 bis 2000 ccm). Rudi Bicciato (I) gewann im Mitsubishi die Gruppe N und zugleich die FiA Hill Climb Challenge der Region 1. Helmut Knoblich (Peugeot 306 Maxi / Gruppe A), Martin Bürki (CH / VW Polo / E1 bis 1400 ccm), Egidio Pisano (VW Spiess Golf / E1 bis 1600 ccm), Stefan Glass (Ford Escort RX 16V / E1 bis 2 Liter), Georg Pacher (Puch PRC TR III / E2 bis 1600 ccm), Arno Bereiter (A / PRC Honda / CN bis 2000 ccm), Andreas Stollnberger (A / Opel Lotus / E2 bis 2000 ccm), Frank Debruyne (Dallara Fiat / E2-Formel 3). 198 von 225 gemeldeten Teilnehmern reisten an. Von den am Sonntag 190 gestarteten Fahrern erreichte am Ende 168 das Ziel in Wertung.



1. Jörg Weidinger (D), Osella BMW 3.0 CN, 2.38,914
2. Marcel Steiner (CH), Martini BMW 3.0 CN, 2.39,931
3. Lionel Regal (F), Reynard Mugen F3000, 2.41,104
4. Dusan Neveril (CZ), Lola Zytek F3000, 2.43,285
5. Jean-Jacques Dufaux (CH), Reynard Cosworth F3000, 2.44,751
6. Uwe Lang (D), Osella BMW 3.0 CN, 2.46,948
7. Georg Plasa (D), BMW 320 Judd V8 E1, 2.46,948
8. Jaroslav Krajci (SK), Reynrad Cosworth F3000, 2.47,138
9. Martin Kindler (CH), Dallara Nissan F3000, 2.47,903
10. Norbert Brenner (D), Opel Astra V8 Coupé E1, 2.50,860
11. Andreas Gabat (A), Ford Escort Cosworth E1, 2.56,382
12. Walter Terler (A), Opel Astra V8 Coupé E1, 2.57,889
13. Arno Bereiter (A), PRC Honda 2.0 CN, 2.58,390
14. Herbert Pregartner (A), Porsche 911 Turbo E1, 2.58,832
15. Dan Michl (CZ), Opel Speester Hyabusa E1, 2.59,297
16. Felix Pailer (A), Lancia Delta E1, 3.00,616
17. Norbert Handa (D), Lancia Delta Evo III E1, 3.02,269
18. Milan Kaparek (CZ), Audi TT DTM-R E1, 3.03,740
19. Josef Koch (CH), Opel Kadett C 16V H, 3.03,889
20. Holger Hovemann (D), Opel Kadett C 16V H, 3.04,314

 

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