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Rückblick Luxemburger Bergmeisterschaft 2011: Europäischer Umweg zum Titel PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Jean-Marie Resch   
Mittwoch, den 14. Dezember 2011 um 16:55 Uhr


 
Guy Demuth heisst der diesjährige Bergrennmeister. Auch wenn es zunächst nicht sein eigentliches Saisonziel war, gelang dem 42-Jährigen dennoch die erfolgreiche Titelverteidigung. Während der Zwischensaison hatte sich Demuth für die Anschaffung eines neuen Osella FA 30, dem Überflieger-Auto im Bergrennsport aus der Schmiede des ehemaligen Formel 1-Rennstalls, entschieden. Mit diesem einsitzigen Sportwagen, angetrieben von einem Zytek-F3000-Motor, plante er, neben dem Start bei den drei Rennen in Luxemburg, einen Großteil der Berg-EM zu bestreiten. Aus unterschiedlichen Gründen konnte Demuth sein Vorhaben aber nicht wie geplant umsetzen und konzentrierte sich gegen Saisonmitte auf das einheimische Championnat. Hier erwartete ihn, sowie auch die übrigen Teilnehmer, das große Rechnen. Unmittelbar vor Saisonbeginn wurde ein neuer Austragungsmodus mit Punktevergabe nach jedem einzelnen Durchgang eingeführt. So wurde in diesem Jahr bei den acht zur Meisterschaft zählenden Rennen insgesamt 24mal Punkte vergeben. Dies erfolgte nach einem sehr komplexen Schlüssel und führte dazu, dass man am Ende eines Rennens wohl den Tagessieger kannte, aber erst mit mehrtätiger Verspätung erfuhr, wer denn letztlich die meisten Punkte eingefahren hatte. Dadurch, dass auch Läufe in Frankreich, Deutschland und Belgien im Kalender standen und hier jeweils unterschiedliche Klasseneinteilungen herrschten, war dem Zufall bei der Punktevergabe quasi Tür und Angel geöffnet. Nicht wenige Fahrer, die viel Geld in ihre Wagen gesteckt hatten um wie bisher in Reichweite des Podiums Punkte zu sammeln, fanden sich auf einmal in den Tiefen der Tabelle wieder. Manch einer zog, zumindest für ausländische Rennen die Reißleine, und ging nur noch sporadisch an den Start.

Beim traditionellen Saisonstart am Ostermontag in Lorentzweiler war die Championnats-Welt noch in Ordnung. Demuth präsentierte seinen weißen Boliden erstmals auch dem Luxemburger Publikum und war eine Nummer zu groß bzw. zu schnell für die anderen Starter. Cyrille Frantz (F) im Osella PA27 und sein Bruder Fabien Frantz (F) im Formel 3000-Reynard 92D komplettierten das Podium. Eine Woche nach seinem gelungen Einstand in Frankreich glänzte David Hauser auch vor heimischer Kulisse. Trotz der kurzen Strecke und wenigen Kurven brachte er den Formel 3-Dallara, noch vor weitaus stärker motorisierter Konkurrenz, auf Platz sechs ins Ziel. Nur eine knappe Woche später kreuzte Hauser in Abreschviller (F) erneut als sechster (und zugleich bester Luxemburger) die Ziellinie. Gut im Bilde zeigte sich auch Joe Schmitz im neuen Radical SR8-LM-Sportwagen auf Rang 21. Den Gesamtsieg am Rande der Vogesen sicherte sich der alte und neue französische Meister Nicolas Schatz (F3000-Lola T94-50). Beim Saisonhöhepunkt Anfang Mai in Eschdorf stand F. Frantz nach einer längeren Durststrecke wieder auf der höchsten Stufe des Podiums. Seinen knappen Sieg mit 8/100 Sekunden Vorsprung auf Marcel Steiner (CH/Osella FA 30) widmete er dem mehrfachen Eschdorf-Sieger und im Vorjahr tödlich verunglückten Lionel Regal (F). Demuth gab sich als bester Luxemburger mit Platz vier zufrieden. D. Hauser überzeugte im  „kleinen“ Formel 3 einmal mehr mit Rang sieben. Für den Racing-Experience-Piloten war es quasi ein zweifacher Erfolg. Eine technische Nachuntersuchung nach dem Rennen bestätigte die, von einigen seiner Gegner angezweifelte, Reglementskonformität seines Dallara-Mercedes.

Ein „Opfer“ der Technik seines neuen Renners wurde Demuth im Juni beim Bergrennen in Trier (D). Ungewollt kam er im zweiten von drei Läufen gegen einen Schalter und legte das Auto lahm. Immerhin schaffte er es über die Ziellinie und belegte in der Zeiten-Addition Rang 31. Tommy Rollinger klassierte sich im F3000-Lola als bester Luxemburger auf Platz 15, gefolgt von Schmitz auf Position 19. Der Gesamtsieger hiess diesmal Marcel Steiner. Knapp an einer Überraschung vorbei, schrammte Schmitz am Pfingstmontag beim Bergrennen in Wolsfeld (D). Mit seinem kompakten Radical-Sportwagen hatte er das perfekte Einsatzgerät für die eher enge Strecke in der Nähe von Bitburg und lag nach drei Auffahrten sogar in Führung des DM-Rennens. Im entscheidenden vierten Lauf zog Uwe Lang (D) alle Register seines Könnens und schnappte sich vor Schmitz den Tagessieg. Dem jungen Luxemburger blieb allerdings die Genugtuung gleich viermal satte Meisterschaftspunkte einzufahren und in der Tabelle einen Sprung nach vorne zu machen. Eifrig Zähler sammelte ebenfalls Rollinger auf Rang neun und zweitbester Luxemburger. Mit einem klaren Gesamtsieg in Trôs-Marets (B) startete Demuth definitiv sein Unternehmen Titelverteidigung. In Homburg (D) verhinderte der deutsche Meister Lang wieder einen Luxemburger Sieg. Im Training noch dominierte Demuth mit einem neuen Streckenrekord das Geschehen. Am verregneten und durch zahlreiche Unfälle auf zwei Läufe verkürzten Renntag selbst ging Demuth kein unnötiges Risiko ein. Er gab sich mit Platz zwei zufrieden und hatte somit bereits schon eine Hand am Meisterpokal.

Das frühe Finale Ende August in Holtz konnte der Osella-Pilot entsprechend locker angehen. Dennoch liess es sich der alte und neue Meister nicht nehmen in allen drei Auffahrten Bestzeit zu fahren und Vorjahressieger Jelle De Connick (B/Norma M20) auf Platz zwei zu verweisen. Mit einer erneut hervorragenden Leistung komplettierte Hauser das Podium. Schmitz klassierte sich zwar als sechster, konnte aber nicht verhindern, dass sich der siebtplatzierte Rollinger in der Schlusstabelle noch an ihm auf Platz zwei vorbeischob. Dass er trotz seines hohen Alters noch immer zu den besten gehört, unterstrich Léon Linden. Der zweifache Meister steuerte in Holtz seinen F3-Dallara auf Rang acht.
Auch die EM-Bilanz von Demuth lässt sich zeigen. Mit u.a. einem Sieg im spanischen Al Fito, Platz drei am Mont Dore (F) sowie Rang zwei im kroatischen Buzet reichte es im Premierenjahr zu Schlussrang vier.

2011 stand für den Bergrennsport leider auch wieder im Zeichen der Trauer. Im Alter von 53 Jahren verstarb Marc Schiltz, Präsident der „Union des Pilotes“, an den Folgen einer Virusinfektion. Dass diese Autosportdisziplin gefährlich ist, erfuhren alle Beteiligten am 10. Juli auf tragische Art und Weise. Nach Lionel Regal (F) im Vorjahr erwischte es wieder einen der besten. Georg Plasa (D) verunglückte beim EM-Bergrennen „Coppa Carotti“ in Rieti (I) nahe Rom tödlich. Der 51-Jährige, ehemalige deutsche Bergmeister und mehrfacher Gruppe H-Bergcup-Gewinner war mit seinem BMW 134 mit Judd V8-Motor bei hoher Geschwindigkeit in eine Felswand gerannt und überlebte seine schweren Verletzungen nicht. Mit seinen speziellen und sehr professionell vorbereiteten BMW-Modellen war der beliebte Bayer auch ein gern gesehener Starter beim Bergrennen in Eschdorf.

Auszug aus dem Heft "Racing 365"
 

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