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Seit Beginn der 90ger Jahre ist der Name Frank Maas ein fester Bestandteil des Luxemburger Autosports. Aber erst in diesem Jahr konnte der Formel 3000-Reynard-Pilot mit dem Gewinn der Bergrennmeisterschaft seinen ersten Titel überhaupt feiern. Die neun Läufe waren in sämtlicher Hinsicht mehr als abwechslungsreich und vielfältig. Gleich drei Fahrer-Generationen stehen auf dem Schlusspodium. Gewinner Frank Maas, 39 Jahre alt, Vizemeister Léon Linden, 70 Jahre, und der Dritte, Joé Schmitz mit 22 Jahren der jüngste Formel-Pilot im Luxemburger Feld.
Nicht schlecht staunten alle Beteiligten am Morgen des Ostermontag, traditionelles Austragungsdatum vom Lorentzweiler Bergrennen. Der „Blaschetter“ präsentierte sich unter einer Schneedecke. Gewiss lag mit Ende März das Datum sehr früh in der Saison und der Wetterbericht verhiess auch nichts Gutes. Dass es aber so schlimm kommen würde, hätte keiner so richtig geglaubt. Erinnerungen an 1977, wo ähnliche Witterungsbedingungen
herrschten, wurden wach. Die veranstaltende „Ecurie Tëtelbierg“ liess sich aber nicht beirren und dachte nicht einmal an eine Absage. Gegen zehn Uhr war die Strecke „schneefrei“ und die ersten Fahrer konnten das Training aufnehmen. Zum Start, bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, sollten die gut 1,5 km teilweise schon wieder abgetrocknet sein. Bedingungen wie sie nun mal der amtierende Meister Guy Demuth liebt. Im Formel 3000-Lola Zytek war er mit Regenreifen auf Anhieb gut anderthalb Sekunden schneller als der Belgier Jean Schmits (Formel 3000-Ralt RT23) und dessen Landsmann Jacques Marchal (Osella-BMW PA). Als wenig später eine Schneegrieselschauer niederging und wieder für nasse Bedingungen sorgte, stand die Entscheidung vorzeitig fest. „Ich bin gleich von Beginn an voll auf Angriff gefahren gefahren und es hat alles gepasst“, meinte Sieger Demuth.
Der Titelverteidiger wies zu Saisonbeginn aber auch auf das für ihn in diesem Jahr schwierig zu bewältigen Spagat zwischen Autosport auf hohem Niveau und Privatleben hin. Erstmals am Start mit seinem eigenen Rennteam zeigte sich Frank Maas, angesichts der Umstände zufrieden mit Rang vier. Sieger bei den Tourenwagen wurde erwartungsgemäss der Schweizer Bruno Ianniello (LanciaDelta S4, Platz fünf). Sozusagen in seinem Element fühlte sich Rallyepilot Mike Souvigné. Mit seinem Citroën Saxo Kit Car klassierte er sich als bester einheimischer Tourenwagenpilot auf Gesamtrang elf. Für heisse Drifts bei kalten Temperaturen sorgte der Niederländer Lennard Hander. Die imposanten Reifenspuren seines Nissan Skyline waren noch Wochen später auf dem Asphalt sichtbar.
Den erwartet schweren Stand gegen ihre französischen Kollegen kannten die neun Luxemburger Starter Ende April beim Bergrennen von Abreschviller, gelegen am Rande der Vosgesen, dritter Lauf der hart umkämpften französischen und zugleich zweiter Wertungslauf der Luxemburger Meisterschaft. Bei optimalen Rennbedingungen war es erneut Guy Demuth, der die einheimische Wertung (Gesamtplatz 13) davontrug und somit auch die Tabelle weiter anführte. Mit 8/10 Sekunden Rückstand klassierte sich Frank Maas als zweitbester Luxemburger (16.), derweil Léon Linden (64.), nach wie vor im „kleinen“ Formel Renault-Martini unterwegs, das Podium komplettierte und zugleich wertvolle Punkte sammelte. Bester Luxemburger Tourenwagenvertreter war diesmal Bob Kellen (BMW M3). In einer sehr engen Entscheidung ging der Gesamtsieg an Lionel Regal (Formel Nippon-Reynard Mugen) vor Sébastien Petit und Fabien Frantz (beide Formel 3000-Reynard Cosworth).
Wendepunkt
Vom u.a. Europa- oder französischen bis hin zum deutschen Meister konnte die „Union des Pilotes“ zur 20. Auflage des Eschdorfer Bergrennens Anfang Mai so ziemlich alles zusammentrommeln was in Europa Rang und Namen hat. Die Tatsache, dass der dritte Championnatstsdurchgang gleichzeitig der Auftakt der deutschen Meisterschaft war, brachte neben neun Formel 3000 auch zwölf Gruppe C-Wagen an den Start. Auch in der Stauseegemeinde sollte das Wetter wieder eine entscheidende Rolle spielen. Obwohl die Strecke das gesamte Rennen über trocken blieb, war gewusst, dass aufgrund der zu erwartenden kühleren Temperaturen am Vormittag und am späteren Nachmittag die Rennentscheidung im zweiten Durchgang (Start um 13.00 Uhr) fallen würde. Und genau hier war Regal zur Stelle. In 49“84 fuhr der 33-Jährige einen neuen Streckenrekord und verwies F.Frantz und Jean Schmits auf die Plätze.
Eine bravouröse Leistung gelang Maas. Im diesem erlesenen Starterfeld klassierte er sich auf dem bemerkenswerten sechsten Gesamtrang. Obschon der Reynard-Fahrer die volle Punktezahl kassierte, wollte er vom Titel aber nichts wissen. „Ich fahre ein Rennen nach dem anderen und versuche mein Bestes zu geben. Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass am Ende zusammengerechnet wird. Unabhängig vom Resultat bin ich wirklich ganz zufrieden, da ich die gefahrene Zeit in all den Jahren, wo ich hier starte, nie erreichen konnte“, lautete seine Analyse. Seiner Form hinterher hinkte dagegen Guy Demuth. Nach einem spektakulären Dreher in der letzten Kurve des letzten Laufs blieb für Demuth nur der elfte Platz. Drittbester Luxemburger (ohne Punkte, da er mit österreichischer Lizenz startete) wurde Nic Brebsom im Osella-BMW PA 20 S. „Not amused“ verliess Léon Linden die Öslinger Höhen. Seinen Hoffnungen als (Punkte)-Nutzniesser des Duells Demuth-Maas hervorzugehen erhielten einen Dämpfer. Hugo Vitali komplettierte im Reynard-Opel etwas überraschend das Luxemburger Podium. Bei den „Wagen mit Dach“ hatte erneut Bob Kellen die Nase vorne. Eschdorf war das zweite und zugleich letzte Rennen im Grossherzogtum.
Das Luxemburger Bergfahrervolk musste fortan ins Exil. Wolsfeld, gelegen auf halbem Weg zwischen Echternach und Bitburg (D), stellte eine neue schwierige ausländische Anforderung an die beiden Titelaspiranten. Guy Demuth kam am Pfingstmontag am besten mit der engen DM-Strecke klar. Platz sieben mit 9“ Rückstand auf Überraschungssieger Bruno Ianniello und Rang eins der Luxemburger Wertung verliehen seinen Meisterschaftsträumen neuen Aufwind. Als Neunter rutschte Frank Maas noch in die Top Ten. Eine weitere (bittere) Pille musste Léon Linden schlucken. Mike Souvigné, Yves Stocklausen (Mitsubishi Lancer) und auch Bob Kellen schoben sich vor den Altmeister. Zudem gab es Gegenwind quasi aus dem eigenen Lager. Schützling Joé Schmitz (Formel BMW-Junior) fuhr im direkten Vergleich die schnellste Laufzeit.
Genauso wie in Bitburg ging es einen knappen Monat später in Trier (EM- und DM-Lauf) für alle Piloten, wollten sie im Endklassement figurieren, zunächst einmal darum bei allen vier Auffahrten die Zielflagge zu sehen. Zum zweiten Mal nach Eschdorf ging die volle Punktezahl an Frank Maas. Bedingt durch einen Unfall seines Sohnes am Vortag im Fahrerlager ging Guy Demuth nicht mit den besten Voraussetzungen an den Start. Nach einem Dreher gleich im ersten Lauf reiste er vorzeitig ab. Frank Maas brauchte jetzt nur anzukommen um auch die Tabellenspitze zu übernehmen. Ein zwölfter Rang, nach verhaltenem Beginn auf noch zum Teil feuchter Strecke, liess sich im EM-Feld sehen. Rang zwei der Luxemburger Wertung ging etwas überraschend an Mike Souvigné vor Léon Linden. Bedingt durch die Abwesenheit einiger regelmässiger Bergstarter, welcher am zeitgleich stattfindenden Lauf zur Rundstreckenmeisterschaft in Colmar Berg teilnahmen, rückten beide in der Tabelle nach vorne. Gesamtsieger Lionel Regal machte derweil einen weiteren Schritt in Richtung erster EM-Titel.
Beim Bergrennen von Schirmeck-La Broque Mitte Juni fand Guy Demuth, zumindest in den beiden ersten Auffahrten, genau die Bedingungen vor, die er liebt. Regenschauer bzw. Nieselregen wischten den Leistungsunterschied weg und ermöglichten es dem Lola-Fahrer sich bis auf Platz sechs in der Gesamtwertung nach vorne zu arbeiten. Die Geschichte hatte aber leider kein Happy End. Im trockenen dritten Lauf wurde Demuth bis auf Platz 14 nach hinten durchgereicht. Ganz anders agierte Frank Maas. Er konnte sich um 4“ steigern und schaffte mit Gesamtrang zwölf seinen dritten Saisonsieg. „Ich habe richtig ins Lenkrad gebissen“, meinte Léon Linden, dem im betagten Formel Renault ein Klassensieg gelang. Mit Rang drei in der Luxemburger Wertung festigte der Altmeister zudem Tabellenplatz zwei. Georges Keipes hatte wenig Grund zum Lachen. Sein Ford Escort Cosworth wurde bei einem Unfall arg in Mitleidenschaft gezogen. Keipes blieb unverletzt, musste aber vorzeitig einen Schlussstrich unter seine Saison ziehen.
Trauer in Marchin
Unter keinem guten Stern stand Mitte Juli das Rennen im belgischen Marchin. Yves Feilner war mit seinem Renault Clio von der Strecke abgekommen, streifte einen sog. „big bag“ und prallte schliesslich frontal gegen einen Strommasten. Der in der Bergrennszene beliebte 56-jährige Belgier sollte noch an der Unfallstelle seinen schweren Verletzungen erliegen. Das Rennen wurde daraufhin abgebrochen. Es wurde kein Klassement erstellt und es gab so auch keine Championnatspunkte. Die Meisterschaftsentscheidung fiel Anfang August in Grandcourt. Genauso wie bereits in Marchin fehlte Guy Demuth auch beim zweiten Rennen in Belgien. Wie erst nach Saisonende bekannt wurde, stand zu diesem Zeitpunkt für den Vorjahresmeister die Familie und auch noch seine eigene Gesundheit (Armbruch beim Fussballspielen) im Vordergrund. Die Rennentscheidung zwischen dem alten und neuen belgischen Meister Jean Schmits und Frank Maas fiel erst in der letzten Kurve des letzten Laufs. „Ich habe bis zur letzten Kurve alles probiert. Doch durch Untersteuern verlor ich etwas Zeit“, zeigte sich Maas dennoch zufrieden mit Gesamtplatz zwei. Mit dem nur ihm eigenen Ehrgeiz erkämpfte sich Léon Linden Rang zwei der Luxemburger Wertung und sicherte sich vorzeitig die Vizemeisterschaft.
Während Linden auf einen Start beim letzten Rennen in Turckheim verzichtete und die Premiere seinen neuen Formel 3 auf 2009 verschoben hat, stellte sich der neue Meister Anfang September noch einmal der französischen Elite. Auch im Elsass hingen die Trauben sehr hoch. Nach fünfwöchiger Pause gab sich Maas mit Gesamtplatz 14 zufrieden. Trotz eines Leitplankenkontakts klassierte sich Bob Kellen als zweitbester Einheimischer. Der GDMH-Motorsport-Mann landete in der Abschlusstabelle als bester Tourenwagenpilot auf Rang vier. Durch einen hart erkämpften Klassensieg sicherte sich Joé Schmitz hinter Maas und Linden den dritten Podiumsrang. „So früh hatte ich den Titel nicht erwartet. Ich habe mir einen Traum erfüllt. Ich war an sich nicht vom Titel besessen aber es ist dennoch schön so etwas zu realisieren“, meinte Maas nach der ersten Meisterschaft in seiner bereits 1992 mit einem Formel 3 begonnenen Karriere. |