Marcel Steiner Kolumne: Geniales Saisonende beim FIA Hill Climb Masters

18. Oktober 2018

Lange war ich mir nicht schlüssig, ob ich die 800 Kilometer lange Anreise nach Gubbio (IT) auf mich nehmen wollte. Doch dann erlebten mein Team und ich ein unbeschreibliches Wochenende in einem mittelalterlichen Städtchen bei herrlichem Herbstwetter und einem faszinierenden Rennen Doch erst mal eins nach dem andern: Bereits am Mittwochabend nach Arbeitsschluss nahmen wir die Reise unter die Räder des Teambuses. Abgesehen von einer Reparaturpause am Anhänger kamen wir gut voran und erreichten Gubbio donnerstags um sechs. Nach einem kurzen Nickerchen machte ich mich auf zur Streckenbesichtigung. Dabei konnte ich massiv vom Training auf dem Simulator eine Woche zuvor bei Racing Fuel Academy profitieren; vielen Dank, Wani! Der Streckenverlauf und die Ideallinie hatte ich schon ziemlich raus. Freitagfrüh konnten wir unseren reservierten Platz im Fahrerlager direkt neben der technischen Abnahme im wunderschönen Städtchen beziehen. In Windeseile hatten wir ausgeladen und waren, in Kooperation mit Michel Zemp und Team, eingerichtet. Die Wagenabnahme nahmen die Organisatoren für einmal sehr genau – die komplette Fahrerausrüstung und alle sicherheitsrelevanten Teile am Auto (Sicherheitstank, Sicherheitsgurt, Überrollbügel, etc.) mussten angegeben werden und wurden kontrolliert. Am Samstag war ich gespannt und motiviert, die Strecke endlich mit dem Rennwagen erkunden zu können. Schon die Startaufstellung am Vorstart war ein Erlebnis, zwischen vielen neuen Fahrzeugen und mir noch unbekannten Fahrern aus 21 Nationen. Endlich konnte ich an die Startlinie vorziehen. Ich absolvierte einen zügigen Besichtigungslauf auf der mir neuen Piste. Ich klassierte mich an 7. Position hinter sechs italienischen Fahrern (ein Norma und fünf Osella). Für den 2. Trainingslauf versuchte ich den LobArt etwas besser auf die Bodenwellen abzustimmen. Ich konnte mich um 3 Sekunden steigern, rutschte aber auf den 8. Rang zurück. Zu den italienischen Landsmännern gesellte sich noch Sebastien Petit (Frankreich/Norma-Mugen). Christian Merli (Italien/Osella FA30) realisierte die Trainingsbestzeit vor Simone Faggioli (Italien/Norma-Zytek). Auf den 3. Platz fehlten mir aber lediglich 2 Sekunden. Für den Renntag war also alles offen. Nach den Trainingseinheiten folgte gegen Abend die Fahrerparade in der Altstadt von Gubbio vor tausenden Zuschauern. Es war ein eindrückliches Gefühl, erst alleine und dann mit den anderen Schweizer Fahrern dort einzulaufen. Am Sonntagmorgen standen nach der Streckenbesichtigung einige Abstimmungsarbeiten am LobArt an, die wir wegen der Festlichkeiten verschoben hatten. Gut vorbereitet ging es zum 1. Rennlauf. Der untere Teil der Strecke lag noch im Schatten und der Grip in den ersten Kurven war daher noch bescheiden. Ich konnte mich um gut eine Sekunde gegenüber der Trainingszeit […]

Schweizer formieren sich – Meisel erstmals beim FiA Hillclimb Masters

14. September 2018

Noch bis zum kommenden Mittwoch (19. September 2018 – 24 Uhr) läuft über die nationalen Team-Kapitäne und die FiA-Bergkommission in Paris die Anmeldefrist für die dritte Auflage des FiA Hillclimb Masters, das diesmal im Mittelitalienischen Gubbio vom 12. bis 14. Oktober stattfindet. Insgesamt 160 Starterplätze für das diesjährige „Race of Champions der Berge“ sind zu besetzten. Unterdessen kristallisiert sich langsam das Schweizer Team heraus. Die Verantwortlichen des FIA Hill Climb Masters haben die Anfrage für eine Wild Card von Reto Meisel (48, Leuggern) positiv beschieden. Sein Mercedes SLK340 Judd V8 soll nach den Absagen in 2014 und 2016 (Technik- und Unfallschäden) endlich am FIA Hill Climb Masters 2018 zum Einsatz kommen. Der neue E1-FiA Hillclimb Cup-Meister Ronnie Bratschi (32, Altdorf) und Tourenwagen-Bergmeister Frédéric Neff (45, Moutier) haben sich definitiv für die FIA Hill Climb Masters 2018 vom 12./14. Oktober 2018 in Italien angemeldet. Bratschi fährt während der noch bis zu diesem Wochenende laufenden Saison in der Berg SM, in seinem frisch aufgebauten Mitsubishi Evo VIII um den Schweizermeistertitel in der Tourenwagen-Kategorie.  Fréd Neff ist mit seinem Porsche 996 Cup erfolgreich in der Schweizer Tourenwagenmeisterschaft auf dem dritten Zwischenrang platziert und war bereits bei den ersten beiden Austragungen der FIA Hill Climb Masters in Eschdorf (L) und Ecce Homo (CZ) mit dabei. Michel Zemp (31, Langnau) hat sich mit seinem TCR Seat Leon für die FIA Hill Climb Masters 2018 eingeschrieben. Die Strecke in Gubbio dürfte dem Emmentaler und seinem TCR liegen da sie nicht viele enge Kurven aufweist und so dem Fahrverhalten des Fahrzeuges entgegenkommt. Auch Bratschis Mitsubishi-Markenkollege Thomas Kessler (36, Siebnen) hat sich definitiv für die FIA Hill Climb Masters angemeldet. Des Weiteren lehnten die FiA den Antrag für eine Wild Card von Michael Kuster (48, Muntelier) mit seinem Alfa Romeo ab. Die Verantwortlichen begründen dies mit der Tatsache, dass die maximale Anzahl Teilnehmer (160) schon mit regulären Einschreibungen erreicht werden könnte und Wild Cards nur für „spezielle“ Piloten oder Fahrzeuge (ehemalige Meister, außergewöhnliche Fahrzeuge, etc.) ausgestellt werden. Gespannt darf man sein wer sich aus dem Eidgenössischen Rennwagenlager um eine Teilnahme in Gubbio bemühen wird.

Berguerand mit Rekord – Steiner holt fünften Meistertitel

10. September 2018

In diesem Jahr fand das traditionelle Gurnigel-Rennen bei prachtigem Spätsommerwetter statt, und entsprechend fanden zahlreiche Zuschauer (rund 10‘000) den Weg ins schweizerische Gantrischgebiet. Während das Training am Samstag eher harzig verlief, konnte das Programm am Sonntag problemlos eingehalten werden, und überdies begeisterten die Piloten das Publikum mit zahlreichen spannenden Kämpfen. Unter idealen Bedingungen wurden zahlreichen Klassen- und Gruppenbestzeiten verbessert. Auch der seit 2012 bestehende abslute Streckenrekord von Marcel Steiner wurde nach sechs Jahren endlich unterboten. Eric Berguerand, der bereits die letzten fünf Auflagen des populären Berner Klassikers für sich entschieden hatte, war auch heuer wieder der schnellste Fahrer. Sowohl der mit einem kräftigeren Motor ausgestattete und aerodynamisch weiterentwickelte Lola-Einsitzer als auch sein Chauffeur waren in Topform, blieb doch der Walliser bereits im ersten Trainingslauf bloss eine Sekunde über Steiners Bestmarke. Am Sonntagmorgen knallte Berguerand dann fantastiche 1:39,81 auf die noch kühle Piste und verbesserte den Rekord um fast 1,6 Skunden. Marcel Steiner kam auf seinen LobArt-Rennsportwagen ebenfalls noch in die Nähe der früheren Bestmarke und wurde wie im Vorjahr vor dem schnellen Vorarlberger Christoph Lampert Zweiter. Zugleich holte der Lokalmatador am Gurnigel vorzeitig seinen fünften Bergmeistertitel. Ebenfalls bereits als Meister durfte sich der 22-jährige St-Galler Thomas Schmid in der mit identischen Serienfahrzeugen ausgetragenen Junior-SM feiern lassen. Bei den Tourenwagen wird die Entscheidung hingegen erst am kommenden Wochenende in Les Paccots fallen.   Gesamtklassement nach zwei Rennläufen: Eric Berguerand (CH-Martigny), Lola FA99-Cosworth, 3:19,82 2. Marcel Steiner (CH-Oberdiessbach), LobArt LA01-Mugen, 3:23,27 3. Christoph Lampert (A), Osella FA30-Zytek, 3:25,00     Die kompletten Resultatlisten gibt es ab Montag als Download auf www.gurnigelrennen.ch

Steiner darf wohl schon am Gurnigel feiern

2. September 2018

Bald ist die 3,7 km lange Strecke zwischen Dürrbach und Gurnigelbad in der Schweiz wieder fest in der Hand der Motorsportler. In einer Woche steht die 49. Auflage des traditionellen Bergrennens am Gurnigel auf dem Programm. Wie erwartet war das Interesse der Aktiven an diesem publikums­wirksamen Anlass vor den Toren Berns sehr groß, umfasst doch die Startliste auch in diesem Jahr beinahe 270 Namen. Während die Saison für Lokalmatador Marcel Steiner durchwegs erfolgreich verlief, war dies bei seinen wichtigsten Gegnern keineswegs der Fall. Insbesondere Eric Berguerand, als härtester Widersacher, hatte mehrfach mit technischen Problemen an seinem selbst optimierten Lola-Einsitzer der ehemaligen Formel 3000 (Foto oben) zu kämpfen und ist daher im Titelrennen weg vom Fenster. Steiner hingegen benötigt am Gurnigel bloß noch ein paar wenige Punkte, um sich nach 2017 erneut als Schweizer Bergmeister bei den Rennsportwagen feiern lassen zu können. Sein LobArt-Mugen V8 ist mittlerweile ein sicherer Wert, auch wenn der Oberdiessbacher gewisse Rekorde, die er vor einigen Jahren mit einem Osella FA30 aufgestellt hat (z.B. auch am Gurnigel mit 1’41,39‘‘) mit dem italienischen Unikat bisher nicht unterbieten konnte. Wenn es Berguerand am Gurnigel wie im Vorjahr rund läuft, wird Steiner alle Reserven mobilisieren müssen, und auf das Duell der beiden darf man sich schon jetzt freuen. Berechtigte Ambitionen, nach 2017 erneut den Sprung auf das Podest zu schaffen, hat auch der Vorarlberger Christoph Lampert. Für den Oberländer Marcel Maurer, der momentan hinter Steiner in der Berg-SM an zweiter Stelle liegt, dürfte es bei den zwei verbleibenden Läufen schwierig werden, diese Position zu verteidigen, ist doch der F3000-Reynard des jungen Aargauers Robin Faustini weit stärker motorisiert als Maurers von einem Formel Renault abgeleiteter Tatuus. Und auch der Wilderswiler Christian Balmer besitzt materialmässig die besseren Karten. Die Entscheidung bei den Tourenwagen wird wohl noch nicht im Bernbiet, sondern erst eine Woche später beim SM-Finale in Les Paccots fallen, haben doch alle drei Titelanwärter bisher fünf Volltreffer in sechs Rennen aufzuweisen. Ronnie Bratschi gibt aktuell auf seinem über 700 PS starken Mitsubishi (Foto unten) in der Gruppe E1 europaweit den Ton an, und wenn es ihm gelingen sollte, auch am Gurnigel einen neuen Kategorienrekord aufzustellen, könnten die zwei Zusatzpunkte in der Endabrechnung entscheidend sein im Fernduell gegen seine Rivalen Frédéric Neff (InterSwiss-Porsche) und Andy Feigenwinter (Lotus Exige SuperSerie). Bei der 2017 neu ins Leben gerufenen Junior-Bergmeisterschaft mit identischen Toyota GT86 ist hingegen der dreifache Saisonsieger Thomas Schmid haushoher Favorit. Spitzenplätze in […]

Marcel Steiner Kolumne: Zwei Mal volle Punkte

31. August 2018

Die Woche zwischen den Bergrennen St-Ursanne und Oberhallau war zu kurz, die Zeit zu knapp und die Probleme am Mugen Motor zu groß, um einen Bericht zu schreiben. Dafür gibt’s jetzt zwei in einem. St-Ursanne – Les Rangiers: Die Strecke im Jura zählt zur Europa Bergmeisterschaft. Durch das stark international besetzte Starterfeld waren die Anspannung und Erwartung groß bei uns. Zudem jährte sich mein Unfall am 18. August 2013 bereits zum 5. Mal. Die Mutpassage von Les Grippons wurde seit letztem Jahr neu asphaltiert und die zwei Bodenwellen in der Kurvenmitte beseitigt. Mein 1. Trainingslauf verlief ganz ansprechend in 1.50.315 und ich reihte mich gleich hinter Christian Merli (Osella FA30, 1.44.953) und Simone Faggioli (Norma/Zytek, 1.46.890) ein. Hinter mir folgten Fausto Bormolini (Reynard-F3000, 1.52.845), Cyrille Frantz (Osella PA30, 1.55.972) und Diego Degasperi (Osella FA30, 1.56.380). Im 2. und 3. Training verbesserten wir von Lauf zu Lauf die Fahrwerksabstimmung und so konnte ich den Rückstand zu den zwei Topshots des europäischen Bergsports bei etwa 1 Sek/km halten. Jedoch rückten Bormolini, Degasperi und Frantz näher an mich heran. Beim Fahrzeugcheck am Samstagabend stellten wir noch einen durchgeschliffenen Unterboden am LobArt fest, was eine mühselige Reparatur nach sich zog. Aber ihr kennt ja inzwischen mein Team von Steiner Motorsport, die machen das locker! Am Renntag wollte ich mich ordentlich steigern. Doch bereits beim Start zum 1. Wertungslauf stotterte der Motor im 1. Gang und entfaltete nicht die volle Leistung, wie bereits im 3. Trainingslauf am Vortag. Bis „Le Malrang“, gelang mir ein guter Rennlauf. Ab Ausgang der „Spiegelkurve“ stotterte der Motor wieder und im restlichen Waldbereich konnte ich nicht mehr die volle Leistung nutzen. Am „Petit Susten“, in den drei Spitzkehren, war die Power des Motors wieder da. Trotz diesem Handicap erreichte ich das Ziel in 1.47.702, erneut hinter Simone Faggioli (1.42.710) und Christian Merli (1.44.101). Mit dieser Zeit war ich nicht gerade glücklich und zugleich sehr verunsichert, weil ich ein Video erhielt, auf dem der Motor stark rauchte. Ich befürchtete einen erneuten Motorschaden. Zurück im Fahrerlager machten wir uns auf die Suche nach der Ursache für die Probleme. Den Ölaustritt, der die Rauchfahne erzeugte, konnten wir lokalisieren, für die Aussetzer gab es jedoch kurzfristig keine Erklärung. Mit einem etwas mulmigen Gefühl startete ich zum 2. Rennlauf. Am Start erlebte ich genau dasselbe Szenario und auch ab „Le Malrang“ wieder Aussetzer und nicht volle Motorleistung. So war in 1.47.423 bloß eine minimale Steigerung möglich. Dies […]

Bergrennen am Gurnigel – back to the roots

23. August 2018

Wie bereits Anfang des Jahres auf Bergrennen in Deutschland zu lesen war, ist der Verein Bergrennen Gurnigel aus der Schweiz, wieder allein verantwortlich für die Austragung der traditionellen Berner Großveranstaltung. Die in den zwei letzten Auflagen einer Vermarktungsorganisation übertragenen Aufgaben erledigt nun wieder das Organisationskomitee selbst. Durch den stärkeren Eventcharakter drohte das eigentliche Renngeschehen, mit den dem Lauf zur Schweizer Bergmeisterschaft,  in den Hintergrund zu rücken, ohne dass, wie erhofft, die finanziellen Risiken der Veranstaltung geringer wurden. Künftig sollen die Automobilsportler wieder ganz klar die Hauptrolle spielen. „Wir sind ist überzeugt, dass diese Rückkehr zum traditionellen Format des Bergrennens im Sinn des Publikums und der Aktiven ist“. Das 1910 erstmals ausgetragene Gurnigel-Rennen wird auch in diesem Jahr zu den Highlights im Schweizer Automobilsportkalender zählen. Analog den letzten Jahren konnte eine Terminkollision mit dem Formel-1-GP in Monza vermieden werden, womit sich die Schweizer Motorsportfans nicht mehr zwischen internationalem Glamour und familiärem Ambiente entscheiden müssen. „Bei uns benötigt man keinen teuren Tribünenplatz, um etwas von Geschehen zu erhaschen, sondern die ideale Topografie garantiert einen tollen Überblick auf die interessantesten Partien der 3,5 Kilometer langen Strecke zwischen Dürrbach und dem Gurnigelbad. Zudem kann man sich entlang der Piste frei bewegen, durch das Fahrerlager schlendern oder im Zielbereich mit den Piloten plaudern“, lassen die Organisatoren wissen. Das Teilnehmerfeld steht definitiv fest, hatten doch die Fahrer bis am Montagabend, den 20. August Zeit, ihre Anmeldung einzusenden. Es lockt nicht nur die imposante Publikumskulisse – bei schönen Wetter bis 15.000 Besucher – , sondern auch der fahrerisch anspruchsvolle Parcours. Reservieren Sie also in Ihrer Agenda schon jetzt den 8. und 9. September. Details zu den Teilnehmern und zum Rahmenprogramm folgen später. News werden laufend im Internet unter www.gurnigelrennen.ch aufgeschaltet.

Marcel Steiner Kolumne: Drei Mugen auf dem Podest von Osnabrück

8. August 2018

In der Woche nach dem Bergrennen von Anzère setzten wir den Mugen Motor wieder zusammen und bauten diesen in den LobArt ein. Am Samstag vom dem Osnabrück-Wochenende konnte ich das Triebwerk zum ersten Mal wieder zünden. Und am Dienstag war der LobArt inklusive Mugen verladebereit. Bereits am Mittwoch machten wir uns mit dem Teambus auf den Weg in den hohen Norden. Wir nutzten den 1. August, um in Anneau du Rhin die neuen Kolben und den Motor einzufahren und deren Funktion zu testen. Abgesehen von einer leeren Batterie im zweiten Stint funktionierte alles wie am Schnürchen. Der Motor verrichtete wieder seine guten Dienste. Somit konnten wir kurz nach sieben Uhr die Weiterreise Richtung Osnabrück antreten. Um drei Uhr morgens erreichten wir das Fahrerlager. Einigermaßen ausgeschlafen bezogen wir am Donnerstag früh unseren perfekten Platz hinter dem Rennbüro, in nächster Nähe zum Start. Sogleich machten wir uns ans Ausladen der Autos und Aufstellen des Zeltes. Am Rennwagen standen noch einige Kontrollarbeiten an, die immer mal wieder durch lockere Gespräche unterbrochen wurden. Abends lud der Veranstalter die Teams zu einem netten Grillabend am Borgloher See. Am Freitag genossen wir einen freien Tag auf Shoppingtour durch Osnabrück… Wie in den letzten Wochen üblich, begrüßte uns der Samstag wolkenlos und warm. Und über Tag sollte es noch richtig heiß werden. Beim 1. Trainingslauf entschied ich mich für alte Reifen, um ein erstes Mal die Strecke zu besichtigen. Direkt vor meinem Start wurde der Trainingsbetrieb unterbrochen und ich musste von der Startlinie zurückgeschoben werden. Guy Demuth (Norma/Zytek) verabschiedete sich nach einem „Touchierer“ am Reifenstapel bereits aus dem Favoritenkreis. LobArt und ich fühlten uns aber bereits sehr wohl auf der Strecke und in 52.815 Sekunden konnte ich gleich eine Bestzeit setzen, die um eine Sekunde schneller war als meine beste Rennzeit aus 2017. Hinter mir reihten sich Christoph Lampert (Osella FA30, 53.848), Sebastien Petit (Norma/Mugen, 54.528), Milos Benes (Osella FA30, 55.033) und Patrik Zajelsnik (Norma/Mugen, 55.048) ein. Mit anderen alten Reifen versuchte ich es im 2. Probelauf. Bereits in der ersten Kurvenkombination merkte ich, dass das Griplevel nicht wie vorher und wie gewünscht war. Im Ziel war ich somit wenig erstaunt über meine Zeit von 54.136 Sekunden. Sebastien (52.164), Patrik (53.267) und Christoph hatten mich überholt. Milos verabschiedete sich durch einen Reifenstapel-Kontakt nach dem Ziel in der Schikane – mit einem ähnlich defekten Auto wie Guy schied er aus dem Rennen. Wir bauten sofort wieder auf die anderen Reifen zurück, um […]

Marcel Steiner Kolumne: Das Maximum aus dem Martini geholt

26. Juli 2018

Nach dem Rennen von Massongex lief es etwas hektisch im Team Steiner Motorsport. Erst musste der Motorschaden analysiert und verkraftet werden. Danach galt es, die Teile rasch zu beschaffen und abzuwägen, mit welchem Auto ich beim Bergrennen von Anzère fahren solle. Zwar wären die neuen Kolben am Donnerstag vor dem Rennen fertig gewesen, doch die Passung stimmte nicht ganz und es wäre nochmals sehr hektisch geworden bis zum Start… So hielten wir am Plan fest mit dem „Ersatzwagen“, dem altbewährten Martini MK 77 BMW, in Anzère zu fahren. Da ich noch bis Freitag vor dem Rennen in der Garage zu arbeiten hatte, reisten mein Vater Heinz und Peter Sägesser bereits am Donnerstag an, um alles vorzubereiten. Vielen Dank den beiden! So konnte ich mich auf die Streckenbesichtigung und danach voll auf das Fahren konzentrieren. Nach dem nächtlichen Regen war die Strecke am Morgen bereits komplett trocken. Ich freute mich, den 1. Trainingslauf mit dem Martini zu starten und war gespannt, was ich mit diesem Auto rausholen konnte. Ich musste mich in kürzester Zeit umgewöhnen und es fehlte etwas Power im Vergleich zum LobArt. Trotz der alten Bereifung hatte ich großen Fahrspass und fühlte mich gleich wieder „zu Hause“. Mit einer Zeit von 1.36.733 war ich bereits rund eine Sekunde schneller als beim letzten Einsatz 2010 im schnellsten Rennlauf. Eric Berguerand (Lola-F3000, 1.32.834) stellte die überlegene Bestzeit auf, ansonsten schaffte es kein Fahrer unter 1.40. Ohne eine Veränderung am Auto aber mit etwas mehr Angewöhnung steigerte ich mich im 2. Training um 2.1 Sekunden auf 1.34.651. Eric gelang dies im gleichen Masse auf 1.30.535. Hinter uns klassierten sich Philip Egli (Dallara- F3, 1.36.410), Robin Faustini (Reynard- F3000, 1.37.284) und Marcel Maurer (Formel Renault, 1.38.091).Da ich in beiden Trainingsläufen in der schnellsten Passage im 5. Gang jeweils am Drehzahlbegrenzer fuhr, verlängerte ich die Getriebeübersetzung. Als alles wieder bereit war für den 3. Probelauf, erreichte uns die Nachricht, dass der Zeitplan etwas aus dem Ruder liefe und wir am Sonntagmorgen unseren Lauf nachholen könnten. Nachts regnete es erneut, doch die Piste war am Sonntagmorgen trocken. Mit anderen Reifen und höherem Top Speed konnte ich 1.33.745 realisieren. Berguerand verzichtete auf dieses „Warm-Up“, Maurer, Faustini, Egli und Amweg (Lola- F3000) fuhren alle 1.37. Die Pause zum 1. Rennlauf war nur kurz. Um den Martini rennbereit zu stellen mussten alle Handgriffe sitzen. Das war für mein Team aber kein Problem! Mit neuen Reifen rückte ich zum 1. Rennlauf […]

Marcel Steiner Kolumne: Schall und Rauch in Massongex

16. Juli 2018

Schon im Vorfeld lief es etwas unüblich um das Bergrennen von Massongex (Schweiz). Lange gab es vom Veranstalter weder Infos noch eine Nennliste. Diese wurde erst nach dem Rennen von Reitnau veröffentlicht. Das Fahrerlager war zudem erst Freitag spät beziehbar und auch die Wagenabnahme musste im Nachbarort absolviert werden. So machte ich mich am Freitag erst nach dem Mittag auf den Weg ins Wallis. Weil ich sechs Jahre nicht mehr auf der technisch sehr anspruchsvollen Strecke von Massongex gefahren war, machte ich als erstes eine Besichtigung. Danach absolvierte ich die Wagenabnahme und später richteten wir den Fahrerlagerplatz ein. Weil nicht viele Autos und Fahrer gemeldet waren und diese bloß in zwei Startgruppen aufgeteilt waren, stand mein 1. Trainingslauf schon recht früh morgens an. Das Einlenken in die erste Kurve gelang sehr gut, beim Herausbeschleunigen war jedoch kein Grip da und der LobArt stand quer. Der Rest war eine „gemütliche Besichtigungsfahrt“, die in 1.53.227 gemessen wurde. Nur Christian Balmer (Formula Master) schaffte die Bergstrecke mit 1.59.696 noch knapp unter zwei Minuten. Eric Berguerand (Lola-F3000) konnte seinen Motor zum Training leider nicht starten. Im 2. Probelauf vor der Mittagspause fühlte ich mich schon viel wohler auf der Strecke und auch der Rennwagen war bereits etwas besser abgestimmt. Dies resultierte in 1.50.977. Erneut gelangen auch Christian Balmer (1.58.829) und dem schnellsten Tourenwagenfahrer, Ronnie Bratschi, (Mitsubishi EVO 8, 1.58.917) eine Zeit unter zwei Minuten. In der Mittagspause schwärmte ich noch bei meinem Team, wie kräftig und zuverlässig der Mugen Motor doch gehe und der LobArt sich recht schnell über die winklige Piste wuchten ließe. Für das 3. Training rückte ich mit einer neuen Fahrwerksabstimmung und anderen Reifen aus. Das Auto fühlte sich nun besser an, wobei die Zeit in 1.51.286 schlechter wurde. Bereits im oberen Streckenteil merkte ich, wie der Mugen im Heck anders klang. Ich konnte es jedoch nicht gleich einordnen, denn die Leistung war noch da. Nach der Zieldurchfahrt roch ich allerdings verbranntes Oel und am Wendepunkt zur Rückführung qualmte es dann schon unter der Motorabdeckung. Mit einem Streckenposten demontierte ich sofort die Heckverschalung, um nach dem Schaden zu sehen. Ausser ein wenig verspritztem Öl war nichts erkennbar. Zwei Fahrer, die auf die Rückführung gewartet hatten, informierten mich gleich über Rauch aus dem linken Auspuff. Zurück im Fahrerlager stellten wir einen Riss am Kolben vom 7. Zylinder fest. Dies bedeutete den ersten technischen Ausfall mit dem LobArt/Mugen überhaupt. So brachen wir verfrüht […]

Marcel Steiner Kolumne: Erster Streckenrekord mit dem LobArt

14. Juni 2018

Es war eine strenge und kurze Woche nach Ecce Homo für mich und mein Team. Nach der schnellen tschechischen Strecke mussten wir das Set-Up am LobArt für das langsame Hemberg-Rennen modifizieren. Der Steiner Motorsport-Teambus inklusive Rennwagen und Material fuhr bereits am Donnerstag wieder Richtung Toggenburg, um unseren tollen Fahrerlagerplatz bei der Garage Theo Keller zu beziehen. Alle Einrichtarbeiten und die Wagenabnahme erledigten mein Vater Heinz und  Peter Sägesser, damit ich am Freitag noch bis Werkstattschluss arbeiten konnte. Danach reiste ich nach, um vor der Dunkelheit noch kurz die Strecke zu besichtigen. In Hemberg angekommen erfuhr ich, dass mein größter Rivale, Eric Berguerand, das Rennen kurzfristig abgesagt hatte. Vor dem 1. Trainingslauf am Samstag besichtigte ich nochmals die Piste. Auf dem Weg zum Start stellte ich fest, dass die Straße an den schattigen Stellen vom nächtlichen Regen noch nicht ganz getrocknet war. In diesen Passagen war noch etwas Vorsicht geboten. Ansonsten fühlte sich die Fahrt ansprechend an und im Ziel stand die Anzeige bei 56.73. Kein anderer Teilnehmer schaffte die Strecke unter einer Minute und in diesem Moment wünsche ich mir mehr Konkurrenz. Es gab zwei Möglichkeiten – das Rennen eher gelassen nehmen oder versuchen, den Streckenrekord anzugreifen. Und wer mich kennt weiß: ich entschied mich für das Zweitere. Die knapp 8.000 Zuschauer und meine Gegner verdienten einen Wettkampf, bei dem ich mich maximal für den Rennsport einsetzte. Für den 2. Probelauf veränderte ich das Set-Up des LobArts nur sehr gering. Die Strecke bot aber massiv mehr Grip. Weil sich Peter Ammann vor mir gedreht hatte, wurde ich mit der roten Flagge angehalten und letztlich mit 2.38 Minuten gemessen. Zwischen dem 2. und 3. Training befreite ich zunächst mit dem Föhn die Reifen vom alten Gummi, entschied mich dann aber trotzdem für einen anderen Reifensatz. Die Unterstützung von Jörg Müller (21 Jahre Werksfahrer bei BMW) motivierte mich zusätzlich. Der LobArt fühlte sich gut an. Ich attackierte und realisierte eine Zeit von 54.99, also gleiches Niveau wie in 2017 im Rennen. Da ich die Reifen noch etwas schonen wollte, wechselte ich wieder auf die anderen zurück, die mich im 4. Versuch in 55.69 Sek. ins Ziel trugen. Kurz nach vier Uhr hatten wir unsere Trainingsläufe bereits absolviert und konnten so den Renntag vorbereiten. In der Nacht auf Sonntag regnete es nochmals. Zwar begrüßte uns der Morgen mit Sonnenschein, aber wie tags zuvor war die Strecke teilweise noch feucht. Für das gesamte Feld stand noch […]

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