Interview mit Osnabrück-Sieger Christian Merli

9. August 2019

Uli Kohl / Matthias Witte: Das Rennen ist nicht ganz wunschgemäß verlaufen, was waren die Schwierigkeiten im ersten Lauf, und wie habt ihr sie beheben können? Christian Merli: Im ersten Lauf wollte ich keine neuen Reifen aufziehen, ich wollte sie mir für später aufsparen, und so habe ich es nicht übertrieben. Im Ziel sank aber der Öldruck auf Null, und ich habe mich erschrocken, weil ich an den Motor dachte. Wir haben dann über eine Stunde am Auto gearbeitet und es hatte sich ein Ventil verklemmt, das den Öldruck reguliert. Zum Glück war es letztlich nichts Gravierendes, und wir konnten es reparieren. Aber der Tag war lang und anstrengend. Ich muss mich auch bei Giuliano [Serafini, seinem Mechaniker], Cinzia [Nicolini, seiner Lebensgefährtin] und Massimo [Marocchi, Mitglied seines Teams] bedanken, die mich heute bei der Behebung aller Probleme unterstützt haben. Uli Kohl / Matthias Witte: Wie stark konzentriert man sich dann auf den Lauf, auf das Fahren oder aber auf die Anzeigen im Cockpit, ob denn wirklich jetzt alles in Ordnung ist? Christian Merli: Ein bisschen schaut man auf die Anzeigen, aber ich war sicher, dass alles in Ordnung war. Das Problem war, dass heute wirklich nichts reibungslos klappen wollte. Als ich im zweiten Lauf die neuen Reifen montiert habe, begann das Auto vorne sehr zu rutschen. Ich war überrascht, dass ich den Rekord geschafft hatte, denn in den letzten beiden Kurven bin ich wirklich stark weggerutscht. Im dritten Lauf wollte ich es dann wissen, aber leider gab es einen Unfall und wir mussten zum Start zurückkehren. Dann ist mir auch noch eine große Mücke direkt vors Visier geflogen. Aber es passt schon so. Wir stehen jetzt hier, es hat alles geklappt. Uli Kohl / Matthias Witte: Zum Thema Streckenrekord: Wir nähern uns schrittweise der 50-Sekunden-Marke. Wann wird sie niedergerissen, und was braucht es dafür für Bedingungen, außer einem Christian Merli in Topform und einem exzellenten Auto? Christian Merli: Ich glaube, heute hatte ich das Auto dafür. Viel weniger ging vielleicht nicht, aber ein paar Zehntel wären drin gewesen. Leider muss bei einem 2-km-Rennen alles zu 100% perfekt sein. Jeder kleine Ausrutscher, jedes Zehntel, das man verliert… die Uhr verzeiht nichts. Aber es tut mir leid, ich hätte es gern geschafft, nach und nach unter die 50 Sekunden zu kommen. Uli Kohl / Matthias Witte: Was ist zu sagen zu Organisation, Rennen, Strecke, Stimmung bei den Zuschauern? Christian Merli: Ich sage […]

Interview Ralf Kroll: Die Einführung der CM-Rennwagen ist weiter auf dem Vormarsch

26. Januar 2017

Nach dem enormen Interesse an unserem November-Artikel über die Zulassung der ersten CM-Fahrzeuge durch den DMSB, hat sich „Bergrennen in Deutschland“ vorgenommen an diesem interessanten Thema dran zu bleiben und führte kürzlich ein Interview mit dem Ziehvater dieser in Deutschland neuen Rennwagenkategorie Ralf Kroll. BiD: Deine Bemühungen für die „CM-Autos“ eine Zulassung am Deutschen Berg zu bekommen, waren jetzt schlussendlich von Erfolg gekrönt. Wie gingen die Verhandlungen vonstatten und wer hat Dich dabei unterstützt? Ralf Kroll: Begonnen hat es 2012, als ich mich mit dem damaligen DMSB Fachausschuss Berg über die CM Fahrzeuge unterhalten habe. Konkreter wurde es im Winter 2013 mit dem neu formierten Fachausschuss, die von den CM Fahrzeugen sehr angetan waren. Eine Unterstützung seitens des Fachausschusses wurde mir für das Vorhaben signalisiert. Im Sommer 2013 besuchte ich den EM Lauf von Mont Dore in Zentralfrankreich, alle CM Hersteller waren mit Ihren Fahrzeuge vertreten. Zuvor hatte ich mit dem Hersteller Silver-Car in Spanien Kontakt aufgenommen. Silver-Car hat für mich sehr viel Potential, das war schon damals mein Eindruck. Ich nutzte die Gelegenheit und schaute mir die Fahrzeuge von den verschiedenen Herstellern  näher an, und durfte auch mal im ein oder anderen CM probesitzen. Ich schaute dabei, ob es zu mir passen könnte und ein Wohlfühleffekt aufkommt. Im Frühjahr 2014 bekam ich die Möglichkeit, dass Meisterschaftsauto von Frankreich zu kaufen. Der Silver-Car S2 lief bis dahin nur fünf Rennen und hatte Vollausstattung. Die Gespräche mit dem Fachausschussvorsitzenden Marcus Malsch und Rüdiger Julius–Bernhart wurden intensiver, weil ich den S2 kaufen wollte. Im Juni 2014 habe ich den S2 beim französischen Silver-Car Händler abgeholt und nach Spanien ins Werk für einen Check gebracht. Im Vorfeld hatte ich schon den Technischen DMSB-Kommissar Christian Schleicher wegen eines Wagenpass kontaktiert, denn das Ibergrennen war als das erste Rennen mit dem S2 geplant. Dann gab es leichte Probleme, weil es für Deutschland noch kein nationales CM Reglement gab und ein paar Dinge nicht den DMSB Bedingungen bzw. Regularien entsprachen. BiD: Die Zulassung für den DMSB-Bereich zu bekommen, war dann doch komplizierter als gedacht? Ralf Kroll: Ich ging damals davon aus, da Silver-Car für den S2 eine nationale spanische und französische Homologation und ein Zertifikat für den Gitterrohrahmen hatte, dass es keine Probleme gibt. In Europa und Übersee, wurden Silver-Car Fahrzeuge seit 2006 verkauft und im nationalen  Motorsport ohne Zulassungsprobleme eingesetzt. Dem war dann leider nicht so, und es mussten mehrere Dinge abgeklärt und besprochen werden. […]