Online-Veranstaltermeeting zur Berg-Saison 2021

23. September 2020

Die durch Corona bedingte Funkstille um die Deutschen Bergmeisterschaft, die aus besagtem Grunde in diesem Jahr komplett ausgesetzt werden musste, wird am 12. Oktober 2020 einstweilig ein Ende finden. Der Deutsche Motorsport Bund (DMSB) lädt an diesem Tag, in den frühen Abendstunden zum Online –Meeting mit den Mitglieder des Fachausschuss Berg (Christoph Schackmann, Wolfgang Glas, Rüdiger Kleinschmidt) und den Vertretern der Veranstaltervereine. Die Leitung der Runde werden sich der für Bergrennen zuständige DMSB-Mitarbeiter Alexander Geier und der FA-Vorsitzende und FiA-Commissions-Member Marcus Malsch teilen. Für die Konferenz wird die DMSB-Campus-Plattform genutzt. In erster Linie geht es in der Tagesordnung um den Terminkalender der DBM und DBC 2021. Weitere Punkte an diesem Abend sind Berichte aus FiA Hillclimb Commission und der aktuellen Sachstand zum FiA Performance Faktor. Besonders interessant für die elf Rennveranstalter dürfte der Punkt „Organisatorisches für die Saison 2021“ werden. Sollte zur kommenden Meisterschaftsrunde das Coronavirus immer noch nicht besiegt sein, wovon fast auszugehen ist, sind Ideen gefragt wie die Organisatoren unter Covid 19-Bedingungen möglicherweise Bergrennen in Deutschland und den beiden Auslandsrennen in Eschdorf (Luxemburg) und St. Agatha (Österreich) auf die Beine stellen können.

Kein Bergrennen ohne Hygienekonzept

27. August 2020

Zu jeder Veranstaltung gehört auch im Motorsport jetzt ein Hygienekonzept. Viele Veranstalter und  auch der MSC Osnabrück macht sich für den Fall der Fälle schon Gedanken über eine sichere Durchführung ihres Bergrennens im Jahr 2021 unter Corona-Bedingungen. Auf der Rennstrecke ist Bergrennen natürlich ein kontaktloser Individualsport. Aber wie organisiert man z.B. die Dokumentenabnahme, ohne dass viele Menschen in kurzer Zeit in denselben kleinen Raum kommen müssen? Was passiert bei einem Covid-19-Verdachtsfall? Der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) betont die Verantwortung der Veranstalter bei der Verhinderung der Ausbreitung von Infektionen. Er macht ihnen aber auch Mut: „Motorsport 2020: Anders, aber es geht!“ In zwei Webinaren gingen Sven Stoppe und Horst Seidel vom DMSB-Academy-Beirat kürzlich auf die DMSB-Handlungsempfehlungen und auf konkrete Fragen der Veranstalter ein. Auch der Automobil-Weltverband FIA hat bereits umfassende Richtlinien veröffentlicht. Maßgeblich bleiben natürlich die jeweils aktuellen behördlichen Vorschriften vor Ort. Das oberste Ziel ist aber immer, enge persönliche Kontakte zwischen vielen verschiedenen Menschen zu vermeiden. Das geschieht z.B. durch feste Teams beim Streckenaufbau oder eine Fahrerbesprechung per Mail oder Video. Nicht zuletzt wird die Einhaltung des Hygienekonzepts durch einen eigens ernannten Hygienebeauftragten überwacht. DMSB-Infos zum Thema „Covid-19 und Motorsport“: https://www.dmsb.de/covid19/ FIA-Richtlinien: https://www.fia.com/fia-return-motor-sport-guidelines

Traurige Nachricht aus Tschechien – EM-Spezialist Jiri Los verunfallt

22. August 2020

Im 1. Trainingslauf des Bergrennen Lanskroun in Tschechien verunglückte Jiri Los mit seinem Mitsubishi Lancer Evo 9 leider tödlich. Das zum Maverick Rescue Euro Cup sowie zur tschechischen Meisterschaft zählende Rennen wurde daraufhin zumindest für den Samstag abgebrochen. Auf dem Programm stand eine Doppelveranstaltung über zwei Tage. In den letzten Jahren war der Tscheche regelmäßiger Teilnehmer in der Berg Europameisterschaft, wo er zahlreiche Erfolge feiern konnte. Zunächst war Los in der Gruppe N mit einem Subaru Impreza WRX STI, später mit einem Mitsubishi Lancer Evo 9 unterwegs. Zuletzt erfolgte der Umstieg in die Gruppe E2-SH. Im Vorjahr belegte Los Rang 16 in EBM-Kategorie 1. Das Rennen in Lanskroun war sein Saisonstart. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt Jiris Familie, seinen zahlreichen Freunden und natürlich seinem Team.

Erinnerungen an Lionel Regal der vor 10 Jahren starb

15. August 2020

Am 15. August 2020 jährt sich zum 10. Mal der Todestag des französischen Bergrennfahrers Lionel Regal, der beim schweizerischen EM-Lauf in St. Ursanne-Les Rangiers verunglückte. Im September 1992 gab der am 21. Juli 1973 in Lyon geborene Champion sein Berg-Debüt auf einem Opel Corsa. Insgesamt fünf Mal gewann „Lio“ die hart umkämpfte Französische Bergmeisterschaft, 2008 sogar im Double mit der Berg-Europameisterschaft. Unzählige Streckenrekorde, Gesamt- und Tagessiege, darunter 68 Siege in der Französischen Meisterschaft und 16 Siege bei einem EM-Lauf hatte er auf seinem Konto. Lionel Regal zählt somit zweifellos zu den erfolgreichsten und besten Bergrennfahrern aller Zeiten. Mit der damaligen originalen Meldung aus „Bergrennen in Deutschland“ wollen wir an diesen großartigen Rennfahrer und Menschen erinnern: Hintergründe zum Regal-Unfall Kein Zweifel, Lionel Regals Reynard Formula Nippon wurde durch Aquaplaning von der Strecke katapultiert. Nach tagelangen immensen Regenfällen im Schweizer Jura-Gebirge war die Strecke von St. Ursanne hinauf nach Le Rangiers nicht nur nass sondern an vielen Stellen von Rinnsalen überflossen. „Das Wasser kam aus den Felsen und der Böschung am Straßenrand heraus und suchte sich seinen Weg über die Strecke“, berichtete der Schweizer Sportwagenpilot Marcel Steiner. „ Nachdem wir über zwei Stunden im Zielauslauf ahnungslos warten mussten, wurden alle Fahrer von der Rennleitung über den schlimmen Unfall informiert“, so der Deutsche Mitsubishi-Pilot Achim Kreim. „Da konnte man bei vielen Fahrern Tränen in den Augen sehen“. „ Ich bin noch immer fassungslos und geschockt“, so Kreim weiter. „Am späten Nachmittag vor unserer Abreise bin ich nochmals die Strecke abgefahren, da war die Piste so gut wie abgetrocknet, doch vor Regals Unfallstelle ran das Bergwasser immer noch über die Straße“. Nach dem Rennabbruch mussten alle Teilnehmer die Unfallstelle talwärts passieren. „ Außer einem Fleck von Ölbindemittel auf der Straße und zwei Bäume mit abgeschabter Rinde deute nichts auf die Unfallstelle hin“, schilderte Steiner seine Eindrücke. Am Renntag war Marcel Steiner mit der nationalen Schweizer Gruppe schon relativ weit vor den Formel 3000 und E2-SS Fahrzeugen auf die Strecke gegangen und hatte eine absolute Top-Zeit gefahren, sodass Regal wohl unter Zugzwang stand. Nach zahlreichen Unterbrechungen, die den Zeitplan durcheinander würfelten, ging Regal als zweitletzter Fahrer des ersten Laufs auf die Strecke und wurde mit roter Fahne gestoppt, da sich der Tscheche Otakar Kramsky mit seinem Formel 3000 drehte. Erst beim Neustart nahm das Schicksal dann seinen Lauf. Gerüchte besagen, dass Regal nach dem Einschlag noch selbst aus dem Wrack gestiegen ist und erst dann […]

Fan-Stimmen für Christian Merli

3. Juli 2020

Der italienische Top-Bergpilot und Europameister Christian Merli steht im Finale der Publikumswahl zum beliebtesten „Trentino-Champion aller Zeiten“. Bis Sonntagmorgen, 5. Juli, um 6 Uhr können seine Fans hier ihre Stimme für ihn abgeben: https://www.ladige.it/sport/altri-sport/2020/07/03/mvt-campione-trentino-tutti-tempi-finalissima-dallap-vs-merli-votate Die norditalienische Zeitung „L’Adige“ hat diese Wahl in der coronabedingten Sport-Zwangspause ins Leben gerufen. In den letzten Wochen hat Christian Merli mehrere mit Spannung verfolgte Abstimmungsrunden gegen Sportlerinnen und Sportler verschiedener Disziplinen gemeistert. „Wir haben bewiesen, dass der Motorsport im Trentino mehr verfolgt wird als gedacht“, erklärt er, „das ist schon ein Sieg für mich.“ Im Finale gegen die Kunstspringerin Francesca Dallapé anzutreten ist für ihn eine ganz neue Herausforderung. Im Halbfinale hat er sich gegen Attilio Bettega durchgesetzt, die 1985 tödlich verunglückte Rallyelegende. „Ein großer Champion der Vergangenheit, den ich sehr schätze. Er hätte den Sieg verdient gehabt.“ Längst ist Christian Merli selbst ein Champion. Als erster Trentiner in 48 Jahren hat er 2018 mit seinem Osella FA 30 das legendäre Trento–Bondone gewonnen und sich damit bereits einen Platz in der Trentiner Sportgeschichte gesichert. Helfen seine Fans ihm auch jetzt ganz oben aufs Siegerpodest? Es würde dem Motorsport am Monte Bondone sicher einen weiteren Schub verleihen. Zumal offenbar weiterhin eine Chance besteht, dass das Trento–Bondone in diesem Jahr doch noch durchgeführt wird. von Ruth Scheithauer

FIA ​​ordnet Begrenzung der Motoren an

24. Juni 2020

Die Berg-Europameisterschaft stand mit der Einführung des Performance-Faktors zur Saison 2020 vor einer Art Neubeginn, aber das neuartige Coronavirus hat diese Bestrebungen erst einmal mangels Rennen auf Eis gelegt. Die Meisterschaft und die FiA Hillclimb Masters in Portugal wurden abgesagt. Die FIA ​​arbeitet jedoch weiter auf 2021 hin. Zahlreiche Entscheidungen wurden vom FIA-Weltrat am vergangenen Freitag getroffen, auch die Berg-Kommission brachte Neureglungen auf den Weg. Die Grundsätze zur Kontrolle der Motorenentwicklung und Leistungsbeschränkungen, gerade in den großen Hubraumklassen Gruppen E2-SS und E2-SC, wurden für die EBM und den International Hillclimb Cup bekannt gegeben. Diese Einschränkungen gelten insbesondere für Fahrzeuge der Kategorie 2 (Ein- und Zweisitzer-Rennsportfahrzeuge). Es wird ein technischer Berater ernannt, der in Zusammenarbeit mit der technischen Abteilung der FIA die am besten geeigneten Maßnahmen (leicht anwendbar und überprüfbar) bewerten wird, um die Leistung der Motoren zu begrenzen. Diese neuen Bestimmungen werden ab 2021 in die technischen Vorschriften für Fahrzeuge der Kategorie 2 aufgenommen. Die Änderungen sind auf mehrere Faktoren zurückzuführen und zielen auf die teilweise extreme Performance der Fahrzeuge von Simone Faggioli, Christian Merli und Co. Es geht dabei um die Sicherheit, Kostenkontrolle und gleicher Wettbewerbsbedingungen.

70. Trento-Bondone wird 2020 nicht durchgeführt

18. Juni 2020

Das traditionsreiche Bergrennen Trento-Bondone, das für das erste Juli-Wochenende auf dem Programm wäre, ist definitiv abgesagt worden. Der norditalienische Veranstalter hoffte bis zuletzt, für die 70. Auflage dieses Bergrenn-Klassikers alle nötigen Genehmigungen zu erhalten. Über 200 Piloten hatten ihre Teilnahme bereits zugesichert. Vom Regierungskommissariat kam schlussendlich der negative Bescheid. „Die Enttäuschung ist so groß und wir können diese nicht verbergen“, lässt der Präsidenten der Scuderia Trentina Fiorenzo Dalmeri wissen. „Wir arbeiten seit vielen Wochen hinter den Kulissen um den Traum des Neustarts der Bergrennen in Italien hin zu bekommen, der jetzt geplatzt ist. Am vergangenen Donnerstag haben wir die Nachricht erhalten, dass das Bergrennen Trento-Bondone 2020 nicht stattfinden darf. Das Covid-Virus hat gewonnen und unser Sport und die Region Trentino haben verloren. Eines der ältesten Bergzeitfahrrennen der Welt wird in diesem Jahr in der Box bleiben, wie es schon einige Male seit seiner Geburt passiert ist.“ Die Organisatoren waren sogar bereit die Herausforderung anzunehmen die Veranstaltung hinter verschlossenen Türen, also ohne Zuschauer durchzuführen und damit auf eine wichtige Finanzierungsquelle zu verzichteten. Zwischenzeitlich meldete sich auch Europameister Simone Faggioli zu Wort. „Wenn ich über die Absage nachdenke, muss ich sagen dass ich sehr, sehr verbittert bin, weil nichts dem Ablauf von Trento-Bondone entgegensteht. Es wäre eine sehr wichtige positive Botschaft des Neustarts in Italien gewesen, eine Demonstration für alle, wie Engagement, Wille und Entschlossenheit die Grundlage sind, um den Motorsport weiterleben zu lassen. Vor allem bedaure ich die großartige aber vergebliche Arbeit, die die Scuderia unter der Führung von Fiorenzo Dalmeri geleistet hat. Zweitens denke ich auch an die Wirtschaft, an Hotels und Restaurants, die sich um die Veranstaltung drehen. Ich bitte alle Organisatoren von Bergrennen am Ball zu bleiben und weiterhin daran zu arbeiten dass Veranstaltungen durchgeführt werden können. Wir Piloten und mit uns alle Unternehmen, die auch dank der Szene des Bergrennsports arbeiten und leben, werden startbereit sein, das Gaspedal nach unten zu drücken.“

Faggioli gegen Merli in Kroatien

11. Juni 2020

Immer noch ruhen wegen der Coronakriese viele nationale und internationale Berg-Meisterschaften oder wurden für 2020 gleich ganz abgesagt, nicht so in Kroatien. Das Land auf dem Balkan verzeichnet bislang nur knapp über 100 Coronatote und öffnet seine Tore wieder für Touristen. Auch die kleine kroatische Bergrennsportszene ist bereits wieder aktiv. Am 20./21. Juni wird das Bergrennen „14. Nagrada Grada Skradina 2020“ stattfinden und zieht den ein oder anderen „rennsporthungrigen“ Ausländer an. So werden beispielsweise aus Italien einige Bergspezialisten erwartet, die bislang ihre Motoren noch nicht anlassen durften. Wie die Organisatoren bestätigen, haben die beiden amtierenden Europameister Simone Faggioili und Christian Merli bereits ihre Bewerbungen geschickt und freuen sich auf ein wenig Fahrpraxis. Mit einem neuen Streckenrekord wird schon jetzt gerechnet. Die 3,387 km lange Bergpiste befindet sich im Hinterland der kroatischen Adriaküste direkt am Stadtrand von Skradin. Weitere Infos: www.as-sdz.hr

Damals vor Corona: FIA-Preisverleihung 2019 – EBM-Aus für 2020

1. Juni 2020

Auch die beiden FiA-Prädikate mit der Europa-Bergmeisterschaft und dem FiA International Hill Climb Cup fallen 2020 der Corona-Pandemie zum Opfer. Der ursprüngliche Kalender für die Europameisterschaft umfasste von Mitte April bis Mitte September 12 Veranstaltungen in ebenso vielen Ländern. Neun der zwölf Runden wurden bereits im Vorfeld der Sitzung der Hill Climb Commission am 26. Mai offiziell abgesagt, ohne dass die betroffenen Organisatoren beabsichtigten oder die Möglichkeit hatten, ihre Veranstaltung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Beim International Hill Climb Cup waren bereits drei der fünf Veranstaltungen abgesagt worden. Es bleibt die Vorfreude auf die Saison 2021 – und die Gelegenheit für einen Rückblick auf den festlichen Saisonabschluss 2019. Einmal im Jahr tauschen die Fahrer des europäischen Rennzirkus Helm und Overall gegen Anzug und Krawatte: zur feierlichen Preisverleihung für die Europa-Bergmeisterschaft und den FIA Int. Hill Climb Cup. Zum Saisonabschluss für die beiden höchsten Berg-Prädikate in Europa versammelten sich im November 2019 Fahrer, Offizielle und Veranstalter im norditalienischen Trient, der Heimat des Traditionsrennens am Monte Bondone. Vor dem Palazzo della Regione im Stadtzentrum begrüßten sie der Osella FA 30 von Christian Merli und der Norma M20 FC von Simone Faggioli. Die beiden Europameister waren schon am Nachmittag mit ihren Lkws vorgefahren und hatten ihre Rennautos vor dem Eingang geparkt, um der Feier den gebührenden Rahmen zu verleihen. Der originale Trientiner Bergsteigerchor vertrat die lokalen Farben und stimmte die Gäste mit „La Montanara“ auf den Abend ein. Bei Puccinis Opernschlager „Nessun dorma“ sang dann so mancher Fahrer im Saal wohl in Gedanken die strahlende Schlusszeile mit: „Vincerò – Ich werde siegen!“ Die Preisverleihung für die Sieger des Jahres begann mit der Pokalvergabe für den FIA Int. Hill Climb Cup. Dabei erklang gleich zweimal die slowakische Nationalhymne: In der Kategorie 1 wurde der Slowake Peter Ambruz (Mitsubishi Lancer Evo IX) als Sieger geehrt, nachdem zuvor schon seine Frau Anna Ambruz (Honda Civic Type R) mit dem Ladies Cup ausgezeichnet worden war. Die blau-silberne Trophäe für den Sieg in der Kategorie 2 nahm der Franzose Sébastien Petit (Norma M20 FC) in Empfang. Viele dachten in diesem Moment an Petits schweren Unfall im Europameisterschaftslauf im portugiesischen Falperra im Mai 2019 zurück. Welch ein Happy End! Die Stars des Abends waren natürlich die beiden Top-Fahrer aus Italien. Mit jeweils derselben Punktzahl wurden Christian Merli und Simone Faggioli zu verdienten Europameistern gekürt. Den dritten Platz belegte der Österreicher Christoph Lampert, der mit seinem Osella FA 30 […]

Berg-Europameisterschaft in der Schweizer Sommerfrische

30. April 2020

Auch das schweizerische Traditionsrennen Saint-Ursanne – Les Rangiers wird 2020 von der Corona-Pandemie ausgebremst. Die Enttäuschung der Aktiven und der Fans ist groß. Aber vergessen wir für einen Moment, dass in diesem Jahr nichts ist wie sonst. Versetzen wir uns für einen Moment an den Schauplatz eines der spektakulärsten Bergrennen Europas. Ruhe suchende Großstädter kommen gern zum Angeln nach Saint-Ursanne. Das mittelalterliche Städtchen unweit von Basel im Schweizer Jura liegt verträumt am Ufer des Flüsschens Doubs. Alljährlich im August aber lockt ein Schwarm bunter und lauter Rennautos die Menschenströme in die Bilderbuchkulisse: Kurz nach dem Osnabrücker Bergrennen trifft sich hier der internationale Rennzirkus wieder. Dann wird aus dem Postkartenidyll der Schauplatz des berühmt-berüchtigten Europameisterschafts-Bergrennens Saint-Ursanne – Les Rangiers. Spaziert man am Rennwochenende vom hoch gelegenen Bahnhof ins Tal hinunter, liegt einem Saint-Ursanne zu Füßen wie eine liebevoll aufgebaute Carrerabahn. Auf einem schmalen, von schmucken Wohnhäusern gesäumten Ausfallsträßchen knapp außerhalb des Stadttors Porte St. Pierre rollen die Rennwagen zur Startlinie. Plötzlich hört man sie aufheulen und beschleunigen, während sie auf den ersten paar hundert Metern der Strecke an gepflegten Vorgärten vorbeirasen. Unter dem massiven Viadukt, das das Doubs-Tal überspannt, entschwinden sie aus dem Bild. Auf sie wartet „Les Grippons“. Den Namen dieser langgezogenen Linkskurve kennen alle Bergpiloten in Europa. Die wagemutigsten erreichen hier mit Vollgas im 6. Gang über 250 km/h. Gänsehaut pur für die Zuschauer auf der angrenzenden Tribüne. Die Frau eines der Piloten dagegen war hier noch nie: „Manchmal ist es besser, sich alles nicht so genau vorstellen zu können.“ Bei dem darauf folgenden ultraschnellen Waldabschnitt nehmen sogar gestandene Spitzenfahrer das Wort „Angst“ in den Mund. „Das ist schon an der Grenze“, gibt einer von ihnen zu. Die Spitzkehren am Petit Susten schließlich bieten den Zuschauern einen fantastischen Ausblick über das letzte Teilstück der 5,180 km langen Strecke. Auf der gegenüberliegenden Seite Saint-Ursannes, am anderen Flussufer, fahren derweil die nächsten Fahrzeuge Richtung Start. Das Tal summt und brummt wie von aufgescheuchten Wespen. Auf Gewerbeflächen, Parkplätzen und Straßen fügt sich das Fahrerlager ein Wochenende lang wie selbstverständlich ins Stadtbild ein. Die Tourenwagen schmücken schon am Freitag den Ort, wenn sie zur technischen Abnahme vor der Stiftskirche vorfahren. Am Samstag und Sonntag fädeln sie sich – buchstäblich zum Anfassen – über die enge Brücke und durch die Gassen, um sich am Ortsausgang gemeinsam mit den offenen Rennsportwagen in die Startvoraufstellung einzureihen. Das Örtchen Saint-Ursanne verkörpert die entspannte Seite des legendären Rennens. […]

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