Marcel Steiner Kolumne: Wir kommen der Sache langsam näher

2. August 2022

Mit behobenen Schäden von La Roche-La Berra, erholt und entspannt von einem Kurzurlaub in Italien, reisten wir Donnerstagabend ins schöne Wallis nach Anzère. Unser Teambus kam ordentlich ins Schnaufen, um den Skiort auf 1‘500 M.ü.M zu erreichen. Nach unserer Ankunft stellten wir top motiviert und bei angenehmen Temperaturen noch vor der Dämmerung das Teamzelt auf. Somit bereits startklar mit unserem Lagerplatz, konnten wir den Freitag gemütlich angehen und sogar etwas länger schlafen. Der LobArt/Helftec-Honda wurde routiniert ausgeladen und vorbereitet. Die administrative und technische Abnahme war bald erledigt und ich konnte ich mich ausgiebig der Streckenbesichtigung widmen. Training am Samstag: Samstags ging es schon sehr früh zu einer kurzen Streckenbesichtigung. Der Trainingsbeginn für die ersten Fahrer war bereits auf 7:00 Uhr angesetzt. Wir waren gegen 10:00 Uhr an der Reihe, um über die Rennstrecke Richtung Start zum 1. Trainingslauf zu rollen. Im ersten Lauf fand ich eine gute Ideallinie, aber noch nicht so viel Gripp. Daher war ich im Ziel mit 1:30.198 zufrieden. Vor mir Eric Berguerand (Lola-F3000, 1:29.341) und hinter mir  Robin Faustini (Osella FA30, 1:30.672) sowie Joel Volluz (Osella FA30, 1:32.383). Optimierungen am Auto: Mit höherer Leistungsstufe, aber sonst unverändertem Auto, machte ich mich zum 2. Trainingslauf bereit. Irgendwie schien der LobArt nun gar keine Bodenhaftung mehr zu finden. Ich musste ordentlich kämpfen, um den Wagen auf der Straße zu halten. Die Zeit von 1:30.039 entsprach somit nicht meiner Vorstellung und ich rutschte damit hinter „Bergus“ (1:26.891) und Faustini (1:29.777). Andere Reifen und eine andere Federabstimmung auf der Hinterachse sollten dem Problem Abhilfe schaffen für den 3. Probelauf. Dies schien mit einer Zeit von 1:28.132 zu funktionieren. Dies bedeutete Platz 2 hinter Eric (1:25.668), jedoch vor Robin (1:29.652) und Joel (1:31.311). Bei der abendlichen Kontrolle des LobArt/Helftec-Hondas fanden wir ein ausgerissenes Gewinde an einer Bremssattelbefestigung. Dies raubte uns einige Zeit für die Reparatur. Ansonsten war das Auto einwandfrei. Rennläufe am Sonntag: Am Sonntag war der erste Rennlauf wieder auf 7:00 Uhr angesagt. Für uns stand 10:00 Uhr auf dem Zeitplan. Gerade als ich um acht Uhr von meiner Joggingrunde zurückkam, wurde unser Feld für 8:30 Uhr aufgerufen. Die letzte Vorbereitung des LobArt hatte Priorität und das Frühstück fiel somit aus. Mein eingespieltes Team meisterte die rasche Vorbereitung problemlos, womit dem Start nichts mehr im Weg zu stehen schien. Bereits startklar für die Rückführung zum Start, geriet ein Fahrer von der Straße ab und es stand eine stündige Leitplankenreparatur an. […]

Getrübte Freude bei Berguerands viertem Saisonsieg

30. Juli 2019

Der vierte Lauf zur Schweizer Bergmeisterschaft von Ayent nach Anzère war von schlechtem Wetter und zwei Unfällen geprägt. Eines der Unfallopfer: Berguerand Senior. Am Wochenende stand im Wallis der vierte von acht Läufen zur Schweizer Bergmeisterschaft auf dem Programm. Alles war für einen spannenden Dreikampf zwischen Eric Berguerand, Marcel Steiner und Joël Volluz angerichtet. Doch das Heimrennen des Meisterschaftsführenden Berguerand wurde von einer Schlechtwetterfront heimgesucht. Regen und vor allem dichter Nebel verunmöglichten am Sonntagmorgen den Rennbetrieb. Und als es dann mit viel Verspätung endlich losging, sorgten zwei Unfälle für weitere Unterbrechungen. So wurden statt drei, nur zwei Wertungsläufe gefahren. Bei schwierigen Bedingungen erwischte es zuerst Thomas Zürcher, der ausgerechnet in Anzère zum ersten Mal mit dem neuen bei LMR vorbereiteten Turbomotor von Abarth an seinem F4-Tatuus ausrückte. «Wenn ich das Auto sehe», so Zürcher, «oder das, was noch davon übrig ist, bin ich froh, dass ich nur Prellungen, Schürfungen und Stauchungen davongetragen habe.» Bis die Strecke wieder frei war, vergingen rund eineinhalb Stunden. Diese lange Wartezeit nagte am Nervenkostüm einiger Fahrer. Am Besten damit zurecht kam Marcel Steiner. Der Berner liess sich im ersten Durchgang in 1:43,687 min die Bestzeit notieren. Doch der Vorsprung des LobArt-Piloten war nicht besonders groß. Berguerand war ihm mit 16 Hundertstelsekunden Rückstand dicht auf den Fersen. Und auch Joël Volluz, der in Anzère zum ersten Mal in dieser Saison bei einem Schweizer Meisterschaftslauf teilnahm, hatte nur 2,5 Sekunden auf Steiners Bestzeit eingebüßt. Der zweite Lauf musste also entscheiden. Und in dem bewies Berguerand seine ganze Klasse. Kurz bevor er zu seinem zweiten Heat ansetzen wollte, verunglückte sein Vater Louis auf seinem Formel Renault. Und zwar an derselben Stelle wie zuvor Thomas Zürcher. Beim Unfall zog sich der 81-jährige Senior einen offenen Armbruch zu. Wieder war der Rennbetrieb unterbrochen. Wie schwierig es für Berguerand jr. war, unter diesen Voraussetzungen die Konzentration zu behalten, kann man sich leicht vorstellen. Trotzdem gelang dem 40-jährigen Walliser im zweiten Durchgang die Bestzeit. In 1:38,329 min nahm er Steiner mehr als fünf Sekunden ab. «Die Bedingungen waren wirklich prekär», so Berguerand, der das Rennen in Anzère zum sechsten Mal gewann. «Ich bin froh, ist mein Vater einigermaßen glimpflich davongekommen.» Steiner hatte am Ende sogar um Platz 2 zittern müssen. Volluz fehlten im Ziel nur 0,1 Sekunden für Platz 2. Trotzdem freute sich Volluz. «Ich bin froh, dass das Auto heil geblieben ist. Bei diesen Bedingungen kann immer schnell etwas schief gehen.» […]

Vorschau Ayent-Anzère – Aus dem Duell wird ein Dreikampf

23. Juli 2019

Die 44. Ausgabe des Bergrennens Ayent-Anzère in der Schweiz steht vor der Türe. Favorit ist Eric Berguerand. Doch der kriegt es am Wochenende gleich mit zwei Gegnern zu tun. Eric Berguerand ist der große Dominator der Schweizer Bergmeisterschaft. Nimmt man die letzten zwei Rennen von 2018 dazu, ist der Formel-3000-Pilot aus Charrat bei Martigny seit fünf Rennen nicht nur ungeschlagen, er hat auch sämtliche Streckenrekorde niedergerissen. Vor seinem Heimspiel in Anzère ist er dementsprechend motiviert, die Serie fortzusetzen. «Es läuft gut», sagt Berguerand bescheiden, «aber im Rennsport darf man sich nie zurücklehnen. Und schon gar nicht glauben, dass es immer so weitergeht. Es kann immer etwas passieren. Aber ich freue mich natürlich auf mein Heimspiel und hoffe, dass möglichst viele Fans zur Unterstützung kommen.» Eric Berguerand weiß, dass er sich trotz den zu erwartenden sommerlichen Temperaturen warm anziehen muss. Denn beim Klassiker oberhalb von Sion hat der Walliser nicht nur Marcel Steiner als Gegner zu fürchten. Mit Joël Volluz greift ein weiterer Kandidat um den Tagessieg ins Geschehen ein. «Wir wissen alle, wie schnell Joël ist», sagt Berguerand, «Es wird sicher nicht einfach, ihn zu schlagen. Aber abgerechnet wird am Sonntagabend. Und ich werde wie immer mein Bestes geben.» Volluz bleibt punkto Prognosen vorsichtig. Der junge Walliser aus Le Châble weiß um die Stärke von Berguerand, hat sich aber mit internationalen Einsätzen bestens vorbereitet. Beim Bergrennen Trofeo Vallecamonica in der Nähe von Brescia hat Volluz (Foto oben) am letzten Wochenende die Wertung im FIA Hill Climb Cup gewonnen. «Eric hat einen guten Lauf. Und Marcel ist ein ausgezeichneter Pilot. Ich rechne damit, dass es bei der Vergabe der Plätze auf dem Podium sehr eng wird», so der Osella-Pilot. Das hofft auch Steiner. Der Berner ist nach drei Niederlagen gegen Berguerand in dieser Saison hoch motiviert, den Spieß umzudrehen, sagt zur aktuellen Lage aber: «Es wird schwierig. Mal schauen, wie sich der neue Belag auswirkt. Aber ich werde mich im Wallis den Wallisern nicht kampflos geschlagen geben.» Jeder aus dem Trio hat übrigens in Anzère schon mindestens einmal ganz oben gestanden. Volluz gewann die Ausgabe 2015, Steiner siegte 2010, 2011, 2012 und 2017. Und Berguerand sicherte sich in den Jahren 2007, 2013, 2014, 2016 und 2018 in der Rekordzeit von 1:26,992 min jeweils den größten Pokal. Vom «King of Anzère» sind alle drei aber noch ein Stückchen entfernt. Den Titel trägt Fredy Amweg mit 13 Siegen – vor Jean-Daniel Murisier (9), dem […]