Der Himmel über dem Iberg war nicht gerecht

Der Hochsommer legte am letzten Juni-Wochenende eine Pause ein, was dem MC Heilbad Heiligenstadt, dem Ausrichter des ADAC Ibergrennens, wohl ganz gut in die Karten spielte. Die Temperaturen waren erträglich, so zog es die Menschen nicht ins Freibad oder an den nahen Stausee Birkungen, sondern an die 2.050 Meter lange Bergrennrennstrecke auf dem Holzweg. Die 85 Mitglieder des MCH, mit dem nicht nur mit Wortwitz gesegneten Organisationsleiter Hermann Ludolph an der Spitze, leisten im Vorfeld ganze Arbeit, sodass das Rennwochenende in geregelten Bahnen ablaufen konnte. Ludolph möchte in Zukunft in der Organisation des Rennens kürzer treten, sodass sich dadurch personelle Änderungen beim Ibergrennen zwangsläufig ergeben. Wie es auf diesem so wichtigen Posten weitergeht, steht derzeit nicht fest. Doch zurück in die Gegenwart. Feucht wurde es über die drei Veranstaltungstage nur für zwei kurze Momente. Einmal bei der abschließenden Siegerehrung als die drei Erstplatzierten Uwe Lang, Peter Behnke und Reto Meisel die obligatorische Sektdusche veranstalteten und, was leider seine Spuren im Klassement hinterließ, mit einem kurzen Regenschauer zum Ende des zweiten Wertungslaufs.

Der Sieger der 22. Auflage des Ibergrennens hieß, zum dritten Mal in Folge Uwe Lang in seinem Osella PA 20S BMW Evo. Der Schweinfurter fuhr nahezu auf dem gleichen zeitlichen Level als im Vorjahr. Mehr als eine Sekunde zog der vierfache Deutsche Bergmeister der Konkurrenz pro Lauf davon. Da waren die Fronten schnell geklärt. Peter Behnke, dessen Tatuus Honda Formel Master diesmal defektfrei schnurrte wie ein Kätzchen, hatte sich noch im ersten Durchgang mit Formel 3-Pilot Frank Debruyne im CR-Racingteam Dallara Opel F303 eine „enge Kiste“ geliefert, aber schlussendlich einfach mehr Wetterglück. Besagtes Wetterglück hatte Frank Debruyne im zweiten Durchgang als einziger des 108 Fahrer starken Feldes nicht. Eigentlich hätte der Regenschauer genau in der Rückführungspause eingesetzt, doch der Unfall von Hans-Peter Wiebe mit anschließender Bergung des Renault Laguna, ließ die Fahrer der offenen Rennwagen zittern. Als es immer dusterer wurde und der Wind auffrischte schafften es die allermeisten noch trockenen Fußes ins Ziel. Georg Lang, der als Vorletzter in der Startreihenfolge im Tatuus Formel Renault losfuhr erwischte es auf den letzten Metern. Eine Sekunde Zeitverlust war da noch verkraftbar. Doch Frank Debruyne hatte ab der Mitte der Strecke auf Sliks mit einer regennassen Piste zu kämpfen und büßte rund fünf Sekunden ein. Damit war für Debruyne die Wiederholung des zweiten Gesamtrangs aus dem Vorjahr außer Reichweite, zumal aus zeitlichen Gründen der vierte Rennlauf gestrichen werden musste. Der Badener rutschte auf Platz fünf ab.  „So ein Pech kann für meine Meisterschaftsambitionen am Ende entscheidend sein“,  kommentierte Derbuyne. „Weniger schön fand ich, dass die Startreihenfolge angesichts des aufziehenden Regens nicht eingehalten wurde“. Als Trostpflaster gab es für Rang zwei in der Klasse der 2-Liter Formelwagen das 333€ schwere Geldsäckchen der „Race and Fun Challenge“.

Große Aufmerksamkeit wurde in Thüringen dem Schweizer Reto Meisel, bei seinem erst zweiten Start in Deutschland mit seinem noch neuen Mercedes SLK 340 Judd V8 zu teil. Meisel ist mit den Machern des Ibergrennens freundschaftlich verbunden und so war ein kurzfristiger Start noch möglich. Meisel, der es in diesem Jahr wieder hauptsächlich auf die Schweizer Meisterschaft abgesehen hat, nutzte den Ausflug ins Eichsfeld vorrangig zu Testzwecken. Eine solide Leistung erbrachte erneut Dino Gebhard im Osella PA 20 BMW. Auf der noch einmal abgetrockneten Strecke im dritten Lauf gelang dem Kehler in 56,480 Sekunden seine Bestzeit des Wochenendes, was Rang vier bedeutetet. Bei seinem ersten Einsatz im neu angeschafften Osella PA 2000 Evo lernte der Vorarlberger Peter Amann das Potential des ex-Merli-Fahrzeugs ein wenig kennen. Ein Dreher im Training ging glimpflich aus und über Rang sechs, verbunden mit dem Klassensieg in der 2-Literklasse der E2-SC Sportwagen freute sich der Kaffeeimporteur. Peter´s älterer Bruder Michael Behnke pilotierte erstmals seinen Osella PA 20 nach der Umrüstung mit einem 3-Liter Cosworth-Triebwerk á la Formel 3000. Noch lief nicht alles nach dem Willen des Fahrers, doch Gesamtrang sieben, vor Georg Lang, war ein guter Anfang.

Die kleinen Tourenwagen-Klassen und Gruppen aus der ersten Startgruppe mussten im letzten Durchgang mit einem nassen aber abtrocknenden Asphalt vorlieb nehmen. Die Zeiten verschlechterten sich durch die Bank, was sich auch im Endresultat bemerkbar machte. Der Berliner Richard Bäther gewann so oder so die Gruppe G im Porsche GT3 RS. Gleiches gilt in der Gruppe N für Herbert Schmitz im Opel Astra GSi. Auf feuchter Strecke gab Wiedereinsteiger Ronny Hering (CTC – VW Scirocco) das Heft noch in der Gruppe F bis 1600 ccm aus der Hand, denn der junge Markus Fink im Citroen C2 VTS war schlicht fast sechs Sekunden flotter unterwegs. Eine Hubraumstufe höher sah es am Anfang noch nicht nach einem weiteren Klassensieg für den Saarländer Kai Neu aus. Markus Goldbach im Wiebe-Renault Megane übernahm am Morgen erst einmal die Führung, rutschte dann aber mit einer mäßigen Regenzeit auf Rang drei ab. Neu war nach dem Getriebeschaden vom Glasbach wieder bestens mit seinem Ford Focus ST aufgestellt, fuhr im zweiten Lauf Gruppe F-Klassenrekord an diesem Berg und die schnellsten Regenzeit der Klasse. Alexander Wolk verbesserte sich mit zweiter Regenzeit noch auf Rang zwei. Die große Hubraumklasse der Gruppe F ging an den Lokalmatadoren Lars Bröcker. Ex-Europameister Roland Wanek startet im Duell der Mitsubishi-Treter noch besser in den Tag als Bröker. Dennoch nur Rang zwei für Wanek.

Kurz eingehen wollen wir an dieser Stelle auf den KW Berg-Cup. Gegen Stefen Hofmann war in der etwas unterbesetzten NSU-Gruppe erneut kein Kraut gewachsen. Eher als Formsache kann man den 1150er-Sieg von Thomas Stelberg (VW Polo 16V) einordnen. Gerhard Moser kam, sah und siegte in der 1400er Klasse und bei den 1600ern siegte Thomas Sohn André Stelberg (VW Corrado 16V) hauchdünn Michael Rauch im roten Opel Kadett 16V seines Teampartners Stefan Faulhaber, das nach einiger „Schreiberei“ am Trainingstag. Nervenaufreibend war der Klassensieg bis 2 Liter diesmal für Björn Wiebe. An der Startlinie stehend erhielt der Hunsrücker eine rote Ampel nach dem Ausrutscher von Vater Hans-Peter und den dunklen Regenwolken schon in Sichtweite. Doch Björn behielt die Nerven und gewann die Klasse mit 3,9 Sekunden Vorsprung auf den „Cup-Neuling des Jahres“ der bisherigen Saison Lars Heisel im Opel Kadett C 16V. Der Salzburger Bernhard Permetinger (BMW M3 E30) beherrschte die Klasse bis 3000 ccm und in der E1-Klasse über 3-Liter hatte Norbert Handa nur wenig Chancen im Lancia Delta HF Integrale gegen den Österreicher Herbert Pregartner im Porsche 911 GT2 R. „Pre“ verbuchte mit Rang neun in der Tageswertung zudem dem prestigeträchtigen Tourenwagen-Gesamtsieg auf seiner Habenseite.

Nach drei Bergrennen in nur vier Wochen gibt es nun eine kleine Verschnaufpause für die deutschen Bergspezialisten. In drei Wochen am 15./16. Juli ist dann der Homburger Automobilclub mit seinem 44. Bergrennen an der Reihe. Nennungsschluss ist übrigens am Dienstag, den 04. Juli 2017 – 24 Uhr.

Über Thomas Bubel 301 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.