Glasbach-Schallmauer vehement übersprungen

Zwei gestandene Männer aus Italien stellten den Rest der 129 gemeldeten Teilnehmer aus 13 Nationen, beim 22. Int. ADAC Glasbachrennen bei Bad Liebenstein in Thüringen, regelrecht in den Schatten. Die entsprechende Bühne für den „Kampf der Giganten“ und die spannenden Rennen in den einzelnen Klassen und Gruppen boten die Mannen um den „Glasbach-Macher“ Marcus Malsch in hervorragender Weise. Dabei ist es für die RSG-Altensteiner-Oberland, anhand der Streckenlänge von 5,5 km und einem Veranstaltungsgelände das sich über gut und gern über acht Kilometer erstreckt, wesentlich schwieriger die benötigte „Man-Power“ zusammen zu trommeln, als es für die meisten anderen DM-Veranstalter ist – und die haben schon ihre Probleme. Vom Zielauslauf auf dem Rennsteig bis hinunter auf den idyllischen kleinen Marktplatz des Fahrerlagerorts Steinbach, wo unter Einbeziehung der Bevölkerung an zwei Abenden die „Race-Party“ für Stimmung sorgte und am frühen Sonntagabend mit einer urigen Siegerehrung die Rennteams verabschiedet wurden, war alles perfekt aufgebaut und vorbereitet. Hatte man mit dem Ablauf des Trainingstages mit vielen Zwischenfällen noch Mühe den Zeitplan einzuhalten, lief es am Renntag wie am Schnürchen und die Sonne lachte von einem wolkenlosen Himmel mit den Organisatoren um die Wette. So aufgestellt gehört die RSG in diesem Jahr mit Sicherheit zu den Top-Veranstaltern in der Berg-Europameisterschaft.

Die vom Veranstalter RSG Altensteiner-Oberland genannten 10.000 Zuschauer wurden schon am Samstag von den beiden Streckensprechern auf das mögliche fallen der „Zwei-Minuten-Schallmauer“ eingestimmt. Diese sollte dann auch im alles überragenden Zweikampf der derzeit wohl weltbesten Bergrennfahrern Christian Merli und Simone Faggioli fallen. In Lauf eins blieb zuerst Faggioli im Norma Zytek V8 und dann Christian Merli, als letzter Konkurrent des Feldes, im Osella FA30 unter der magischen 120 Sekunden-Grenze. Die Vorentscheidung im italienischen Duell fiel im zweiten Durchgang, aus dem Merli mit fast einer Sekunde Guthaben auf seinen Erzrivalen hervor ging. Unglaublich, das Merli zum Abschluss im Labyrinth der 35 Kurven nochmals zulegen konnte und mit der neuen absoluten Rekordzeit von 1:58,440 min Faggioli um ganze 2,7 Sekunden distanzierte. Diese Rekordmarke bedeutet eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 167 km/h, entsprechend einer Fahrstrecke von fast 46,5 Metern pro Sekunde, dies bei stehendem Start und inklusive Bremsschikane! Merli war übrigens der einzige der Top-Fahrer der sich im letzten Lauf noch steigern konnte. Dennoch ging es in diesem Tagessiegduell nur ums Prestige. In der EM-Wertung haben die Beiden ihre Gruppen deutlich gewonnen, und rangieren in der Zwischenwertung weiter punktgleich an der Spitze. Nahezu genauso souverän wie die beiden Italo-Stars, verkaufte sich der Franzose Sebastien Petit im Norma M20 FC Mugen V8 als dritter der Gesamtwertung. Bis zu seinem Ausfall nach Lauf zwei rangierte der Freiburger Patrik Zajelsnik im neuen baugleichen Renner, mit respektabstand auf Petit auf Rang vier, den sich dann Milos Benes (Osella FA30) schnappte. Mit der optisch besten Beschleunigung fuhr der belgische Eschdorf-Sieger Jelle de Coninck im Norma M20 FC mit dem über 600 PS starken 1,7 Liter Turbomotor im Heck auf Rang fünf, deutlich vor EM-Ikone Fausto Bormolini im breit beflügelten Reynard Cosworth F3000.

Da die Homologation der Mitsubishi Lancer Modell Evo 8 und 9 der Gruppen N und A bald ausläuft, nimmt die Starterzahl hier spürbar ab. Dafür kassieren die Vertreter der GT-Gruppe fleißig EM-Punkte in der Kategorie 1 und haben beste Chancen auf den EM-Titel. Mit Rang drei konnte hier der EM-Leader Tessitore im Porsche 911 GT3 Schadensbegrenzung betreiben und die Tabellenführung behalten. Es siegte Frankreichs Philippe Schmitter im Lamborghini Gallardo vor dem Slowaken Jan Milon im BMW Z4 GT3.

Aus deutscher Sicht verkauften sich die beiden aktuell stärksten Berg-Fahrer der Nation so teuer, wie sie nur konnten. Uwe Lang kämpfte sich im betagten Osella PA 20 BMW Evo bis auf Gesamtrang sieben nach vorne. Frank Debruyne reckte bei der letzten Rückführung voller Freude die geballte Faust aus dem Cockpit des CR-Dallara F303, hatte der Badener doch die 2-Liter-Klasse der Formel-Rennwagen bei diesem EM-Lauf gegen den Tschechen Martin Vondrak im modernen Tatuus Master Honda gewonnen. Auch CR-Reacingteam-Chef Andreas Germann fand wieder einmal den Weg von der Rundstrecke an den Berg und wurde bei den 2-Litern im Dallara VW F311 Formel 3 Vierter, eingerahmt von den Formel-Renault-Piloten Georg Lang und Andreas Voss, der den Umstieg aus dem KW Berg-Cup in den Formelwagenbereich endgültig vollzogen hat.

Lässt man die beiden E2-SH Renner der Tschechen Vladimir Vitver (Audi TT-R DTM) und Dan Michl (Lotus Elise), so wie es sich nach den FiA-Regularien gehört außen vor, feierte der Hunsrücker Björn Wiebe im ehemaligen britischen Super-Tourenwagen Renault Williams Laguna den Tourenwagen-Gesamtsieg. Mit seiner Bestmarke von 2:28,290 min dominierte er zudem die Wertung im KW Berg-Cup und in der 2000 ccm-Klasse vor dem Tiroler Tom Strasser (VW Scirocco). Auf die Tourenwagen-Rekordmarke an diesem Berg, die im Vorjahr Porsche-Werksfahrer Timo Bernhard im aktuellen Cup-Carrera aufgestellt hatte, fehlten Wiebe nur rund 1,8 Sekunden. Hier kurz angesprochen die wichtigsten Ereignisse im KW Berg-Cup in Kurzform. Nur fünf Aktive vertraten den NSU-Bergpokal und sahen den Sieger Jörg Davidovic. Auf Biegen und Brechen fochten Jürgen Hessberger (Fiat 127 Sport 8V) und Thomas Stelberg (VW Polo 16V) ihren Zweikampf aus. Hessberger war am Ende um 0,080 Sekunden der Glücklichere. Bis 1400 ccm führte Nils Abb im 8V-Polo nach Lauf 1 die Klasse an, doch Franz Weissdorn mobilisierte danach seinen 16V-Polo besser und gewann. Klassenprimus Armin Ebenhöh verabschiedete sich bereits im ersten Probelauf mit Motorschaden am VW Scirooco 16V aus dem Rennen. Bis 1600 ccm durfte André Stelberg, nach dem Defekt von Wolsfeld und der Instandsetzung des VW Corrado 16V quasi bis zur letzten Minute, mit dem knappen zweiten Platz hinter Stefan Faulhaber (Opel Kadett C 16V), nach etwas Überlegung doch zufrieden gewesen sein. Über 2000 ccm hatte der Salzburger Bernhard Permetinger im blauen BMW M3 E36 wenig Mühe zu gewinnen und in der Klasse über 3000 ccm staubte ebenfalls, mit Herbert Pregartner ein Österreicher den Siegerpokal ab. Mit dem überarbeiteten und verbreiterten Porsche 911 GT2/R krachte „Pre“ am Trainingstag nach der Kehre seitlich in Leitschienen und musste anschließend schrauben.

In der Gruppe F erreichte Abo-Sieger Kai Neu nur unter Getriebeproblemen im Ford Focus ST verspätet das Ziel in Lauf 1 und musste die Ford-Fahne einziehen. Die Gunst der Stunde nutze der Rhöner Alexander Reder im BMW 318is, bei seinem ersten Saisonrennen. Auf Rang zwei, nach 16,5 Wertungskilometern folgte mit 0,6 Sekunden Rückstand Markus Goldbach im Renault Megane Coupé und Alexander Wolk als Dritter (3,1 Sek.). Der Gruppensieg ging an den Eichsfelder Lars Bröker im Gassner-Mitsubishi Lancer Evo 10, der mit seinen Zeiten wieder die Tschechischen Markenkollegen als der EM ärgerte. Bleibt noch ein Blick in die Gruppe G, die sich so langsam als „Super-Serienklasse“ entwickelt. Es siegte der Potsdamer Richard Bäther im Porsche GT3 RS, deutlich vor dem Saarländer Harald Ludwig im Audi R8 und dem Badener Hans-Joachim Brett im BMW Z4 M-Coupé.

Nach dem Wolsfelder Bergrennen am Pfingstmontag und der Fahrzeugabnahme beim Glasbachrennen lagen bekanntlich nur drei Tage und somit bedeutete dies eine Englischen-Woche für viele Teilnehmer, Funktionäre und Pressevertreter. Jetzt heißt es sich über das bevorstehen Wochenende mit Brücken- und Feiertag zu regenerieren, um beim ADAC Ibergrennen am letzten Juni-Wochenende in aller Frische wieder aufzuschlagen.

Über Thomas Bubel 251 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.