Familien-Tag beim Wolsfelder Bergrennen

Lang, lang ist´s her, dass ein Vater-Sohn-Gespann gemeinsam auf dem Gesamtsiegerpodium eines Berg-DM Laufes stand. In den letzten 30 Jahren war dies jedenfalls nicht der Fall. Die Schweinfurter Familie Lang, schrieb somit beim 55. Wolsfelder ADAC Bergrennen des Pfingstwochenendes 2017 Geschichte. Doch der Reihe nach. Bereits im, oder besser gesagt nach dem ersten Trainingslauf, der in Wolsfeld traditionell am Pfingstsonntag stattfindet, schrumpfte der Kreis der Sieganwärter, nachdem der Osella PA 2000 Honda des Vorarlbergers Christoph Lampert schlagartig in Flammen stand. So geschehen nach der Zieldurchfahrt. Nach seinem 10. Gesamtplatz beim EM-Lauf am Rechberg, zudem als bester Österreicher, hatte sich Lampert bei seinem zweiten Start mit dem neu angeschafften Rennsportwagen einiges vorgenommen. Nach einer ersten Bestandsaufnahme im Fahrerlager wurde ein Schaden von 15-20.000 € geschätzt. Karosserie, Verkabelung und der Unterboden hatte einiges abbekommen. Die in Reitnau und St. Anton geplanten Rennteilnahmen fallen erst einmal flach für den akribischen Österreicher. Aber auch der Dauergast in Wolsfeld, der Schweizer Bruno Ianniello, muss sich langsam aber sicher aus seinem „Wohnzimmer“ verdrängen lassen. Der legendäre Lancia Delta S4 von „Raketen Bruno“ lief am Renntag nicht rund und man musste schon die zweite Seite des Rennergebnis aufschlagen um den Namen Ianniello zu finden. Neben Uwe Lang und Frank Debruyne konnten Thomas Conrad und Ralf Kroll in den Trainingsläufen ihre Einstufung in den Favoritenkreis bestätigen. Georg Lang hielt sich im Formel Tatuus Renault vornehm auf Rang 9 zurück und wiegte die Konkurrenz derweil in Sicherheit.

Nachdem die Nacht zum Renntag von Regenschauern verschont blieb, konnten die drei Rennläufe am Pfingstmontag bei optimalen Bedingungen beginnen. Mit 1:02,39 min setzte Uwe Lang im bewerten Osella PA 20 BMW Evo gleich die Bestzeit des ganzen Wochenendes und legte den Grundstein zu seinem dritten Wolsfeld-Gesamtsieg nach 2010 und 2011. Frank Debruyne im Dallara Formel 3, unter Bewerbung des pfälzischen CR Racing Teams, musste im zweiten Durchgang schon einem Rückstand von mehr als einer Sekunde auf Lang Senior nachlaufen und konnte mit persönlicher Bestzeit den Abstand nahezu halten. Doch im letzten Lauf, wo Debruyne nach einem Ausrutscher des mittlerweile 79-jährigen Luxemburger Formel 3-Legende Leon Linden mit rot gestoppt wurde und eine Startwiederholung erhielt, zog Uwe Lang weiter davon und schnappte sich das goldene Bit-Fässchen für den Tagessieg mit 2,8 Sekunden Vorsprung auf Debruyne. Die eigentliche Überraschung des Tages war der junge Georg Lang, Sohn des Siegers. Lang Junior verblüffte seine Gegnerschaft am Montagmorgen mit einem Zeitensprung von weit über zwei Sekunden zu seinem letzten und besten Trainingslauf. Ralf Kroll im Silver Car S2G mit Suzuki-Motorradmotor hatte um unglaubliche 1/1000 Sekunde das Nachsehen. Der „CM-Pilot“ aus dem Odenwald gewann in den 1990er Jahren den „Berg-Eifel-Klassiker“ mit seinem damaligen Gruppe H Golf und hoffte wieder mal auf einen Platz auf dem Treppchen. Die Beiden lieferten sich und den zahlreichen Fans an der nur 1,64 km langen Strecke einen packenden Zweikampf um Rang drei. Georg Lang, der zum Schluss ebenfalls ab gewunken wurde, behielt die Nerven und setzte sich in der Startwiederholung um ganze 11/100 Sekunden durch. Thomas Conrad im Eigenbau CRS-Sportwagen, war bei seinem ersten Start der Saison noch nicht ganz eingeschossen. Der Schwabe musste sich den schnellsten Tourenwagen-Piloten erwehren, was auf dieser engen und mit vier Kehren gespickten Strecke aber an der Tagesordnung ist. Björn Wiebe, der Conrads 2-Liter Renault-Triebwerk eigenhändig betreut und tunt, machte keine Kundengeschenke und verwies Conrad auf Gesamtrang sechs.

Die Klassen des KW Berg-Cup dominierte Björn Wiebe hinten raus. Nur ersten Lauf am Morgen war Norbert Handa im Lancia Delta Integrale hauchdünn schneller als der Renault Laguna-Pilot von der Nahe-Weinstraße. Gehen wir hier kurz auf die einzelnen E1-Hubraumklassen ein. Im NSU-Bergpokal erhielt Jörg Davidovic ungewohnte Konkurrenz durch den jungen Gasttstarter Andreas Reich, der den Rest der NSU-Meute abwatschte. Bis 1150 ccm siegte erwartungsgemäß Jürgen Schneider im VW Polo 16V von Team-Partner Thomas Stelberg. Noch deutlicher viel der Klassensieg bis 1400 ccm für Hansi Eller im VW Minichberger Scirocco 16V aus. Nils Abb (2.) kämpfte hier mit seinem gelben 8V-Polo wie ein Löwe und besiegte Altmeister Franz Weissdorn im 16V-Polo um äußerst knappe 5/1000 Sekunden. Bis 1600 ccm hatte Stefan Faulhaber im Opel Kadett C 16V die Hosen an, nach dem Ausscheiden von Rivale André Stelberg mit gebrechen am VW Corrado 16V, hatte der Badener endgültig freie Bahn zum Klassensieg. Wiedereinsteiger Erwin Buck „erbte“ im 2-Ventil Scirocco hochverdient Rang zwei, mit einem Sekundenvorsprung auf Andy Heindrichs in Opel Corsa 16V. Einen mehrfachen Überschlag erlebte Benedikt Schulte im Citroen AX Sport gleich im ersten Durchgang kurz nach dem Wolsfelder Ortsschild. Papa Manfred Schulte, der zum Berg-EM Lauf ins tschechische Ecce Home gereist war, hatte ebenfalls kein Glück und musste mit einem Motorschaden am AX Kit Car vorzeitig die lange Heimreise antreten. Kein gutes Wochenende also für die Schultes. Bis 2-Liter ist der zweite Platz hinter Björn Wiebe von Berg-Neuling Lars Heisel im Opel Kadett C 16V bemerkenswert. Der Exilbayer und Rennslalom-Champ hat die Erwartungen in seiner ersten Berg-Saison bislang noch übertroffen, das musste sogar Lokalmatador Patrick Orth, im BMW 320i E30 auf Rang drei anerkennen. In der Klasse über 2000 bis 3000 ccm stoppte der Schweizer Gaststarter Martin Bürki auf einem BMW M3 E30 die Siegesserie des Allgäuer Kadett-Treters Günter Göser. Um die Verwirrung aufzulösen, handelt es bei dem Schweizer um einen Namensvetter, der zudem noch aus der gleichen Ortschaft stammt, des Martin Bürki der den ex-Rottenberger BMW in Besitz hat und heuer im KW Berg-Cup eingeschrieben ist. Über 3-Liter Hubraum war kein Kraut gegen Norbert Handa gewachsen, doch der Engländer Keith Edwards freundete sich mehr und mehr mit unverwechselbaren Charakteristik der Wolsfelder Strecke an und wuchtete den Audi Sport Quattro S1 in Pikes Peak-Ausführung auf Platz zwei, noch vor „Gruppe B-Kollege“ Bruno Ianniello.

So hohe Teilnehmerzahlen wie schon lange nicht mehr verzeichnete in der Südeifel die Gruppe A / F. Mit Gino Kruhs im Citroen DS3 R3T aus der Deutschen Rallye Meisterschaft und Kai Neu im Ford Focus ST siegten gleich zwei Mitglieder des Homburger Automobilclubs in ihren Klassen. Einen dritten Klassensieg für den Homburger AC steuerte zudem Christian Bächle in der Gruppe N, ebenfalls auf Citroen DS3 bei.

Bleibt noch ein kurzer Blick auf die Luxemburger Bergmeisterschaft. Hier erwies sich Canio Marchione im 2-Liter VW Scirocco 16V als Maß der Dinge. In der Tourenwagen-Gesamtwertung fuhr der Italo-Luxemburger sogar noch auf Rang drei mit tollen Zeiten. Das Trio des Schilling-Performance-Teams konnte auf diesem „Kurvenlabyrinth“ ihre Mehr-PS nicht an den Mann bringen. In der 3-Liter Klasse siegte so Junior Cedric Schilling im Mitsubishi Lancer vor den beiden Subaru von Charel Valentiny und ex-Meister und Teamchef Nico Schilling. Nach dem Dreher von Leon Linden blieb Roland Braquet, der übrigens Ende Juni am Iberg dabei sein möchte, im Dallara F308/11 schnellster Luxemburger im Rennwagen.

Über Thomas Bubel 301 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.