Racing-Team-Trier feiert im Juni 50. Vereinsjubiläum

Seit 50 Jahren gibt es das Racing Team Trier (RTT) e.V. im ADAC. Am zweiten Wochenende im Juni, genau am Samstag, 10. Juni, feiern die 55 Vereinsmitglieder zusammen mit ihren Gästen das Jubiläum in Kesselstatts Weinkeller. Ein Termin mit Symbolgehalt, richtete bis vor einigen Jahren der Verein zu diesem Termin immer das Trierer Bergrennen aus. Die Trierer Online-Plattform „Reporter“ traf sich aus diesem Anlass mit Manfred Kronenburg, der seit 1976 die Geschicke des RTT als Vorsitzender lenkt.

Irgendwo in Trier-Süd. Hinter dem Haus erstreckt sich ein gepflegter Garten. Eine Oase der Ruhe, fernab von jeglichem Verkehrslärm. ‟Hier haben wir schon zu Zeiten der Trierer Bergrennen zusammen mit Rennsportfreunden und deren Ehefrauen gefeiert‟, erinnert sich Manfred Kronenburg. Zusammen gefeiert, das war dem Verein von jeher wichtig. ‟Den gesellschaftlichen Teil haben wir immer genauso gepflegt wie den sportlichen. Der gehörte und gehört für uns zum Sport dazu.”

Der Sport. ‟Anfangs hatten wir Probleme mit unserem Namen. Racing Team Trier. Für viele Menschen waren wir die Raser.” Manfred Kronenburg schmunzelt. Und das aus gutem Grund. Bis 2008 war er als Landesbeamter Leiter der Bußgeldstelle am Polizeipräsidium Trier. Mit den Rasern stand er nicht gerade auf freundschaftlichem Fuß. Wohl aber mit dem Rennsport.

Kronenburg gehört nicht zu den RTT-Gründungsmitgliedern. Er stieß erst ein halbes Jahr später dazu. Von den anfänglichen Mitgliedern sind neben dem Vorsitzenden heute noch drei aktiv: Wofram Ornau, Erwin Seiwert und Otto Schroeder. Beruflich sind Ornau, Seiwert, Schroeder und Kronenburg bereits im Ruhestand. ‟Im RTT gibt es inzwischen etliche Rentner‟, stellt Manfred Kronenburg  nachdenklich fest. Und schiebt nach einer kurzen Weile mit einem schelmischen Grinsen nach: ‟Eigentlich könnte man heute das Kürzel RTT neben der tatsächlichen Bedeutung auch auf zwei weitere Weisen definieren: Rentner Team Trier oder Reise Team Trier.” Denn auch wenn der RTT die Rallye Deutschland oder die legendären Bergrennen nicht mehr ausrichtet, am Geschehen in der europäischen Renn- und Rallyeszene sowie am gesellschaftlichen Leben nimmt der Verein unverändert Anteil.

Die Bergrennen. Das war das Jahr 1971. Unter der Führung von Norbert Bauer, dem damaligen RTT-Vorsitzenden, riefen die Trierer Motorsport-Enthusiasten das Bergrennen ins Leben. Gefahren wurde auf der Kreisstraße 82, eine kurvenreiche Bergstrecke von Fell nach Thomm. Anfangs fanden diese Rennen noch ohne nationale oder internationale Wertungen statt. ‟Damals gab es 40 Bergrennen in Deutschland‟, sagt Kronenburg. Das Bergrennen in der Region Trier etablierte sich, wurde 1981 als Ausrichter bei der deutschen Bergmeisterschaft aufgenommen. ‟Bis 1990 hatten wir überwiegend deutsche Spitzenfahrer wie Herbert Stenger, Sommerkahl, Arnold Wagner, Kruchten, Gebrüder Rostek aber auch schon Ausländer wie Fredy Amweg, Schweiz,  Michel Arbeit Frankreich, oder Walter Pedrazza, Österreich,  – alles Urgesteine des Bergrennsports – am Start.” Ein Jahr später fuhren die Teilnehmer dann um die Punkte der Europa Bergmeisterschaft (EBM). ‟Da wurde alles wesentlich internationaler: die jeweils besten Fahrer des europäischer Bergrennsport gaben auch in Trier ein Kräftemessen ab.” Rund 20 Jahre lang war das hiesige Bergrennen bei der EBM der deutsche Beitrag. ‟Damit hatten wir ein Alleinstellungsmerkmal.”

Sportlich ging es weiter aufwärts. Von 1982 bis 1984 war das RTT Mitausrichter der Hunsrück-Eifel Rallye 1985 und 1986 beteiligte sich das RTT-Team maßgebend an der Rallye Deutschland. Das Jahr 1990 bescherte dem Verein einen neuen Höhepunkt: nach fünfjährigen zähen Ringen erfolgte die Vergabe des deutschen Laufes zur Europa-Bergmeisterschaft an das Trierer Bergrennen. Alles in allem richtete das RTT 20 Rennen zur Europa-Bergmeisterschaft aus.

Mit der Jahrtausendwende schlug der Verein ein neues Kapitel auf. In einem Zurlaubener Restaurant traf sich das Orgateam der Rallye Deutschland mit Manfred Kronenburg. Der ADAC wollte Trier für die Rallye Deutschland als Rallyezentrum gewinnen. Nach der Klärung von einigen Grundsatzfragen erklärte sich Kronenburg bereit, entsprechende Gespräche mit der Stadt zu führen und die Organisation vor Ort zu leiten. Der Rest ist Geschichte: 2001 gab es einen Probelauf und ein Jahr später war Trier Start und Ziel für den WM-Lauf der Rallye Deutschland. Eigentlich hätte alles so weitergehen können. Tat es aber nicht. 2011 kam das erste Aus. Bereits zwei Jahre zuvor hatte Manfred Kronenburg angekündigt, die Verantwortung für das Trierer Bergrennen, wie der Lauf inzwischen hieß, abgeben zu wollen. Rennleiter Hans Willwert und Dieter Propson, Orgaleiter kommerzieller Betrieb, zogen sich ebenfalls zurück. ‟Wir hatten ein immenses Arbeitsaufkommen, ich litt vor den Rennen an Schlaflosigkeit. Dann gab es da ständig steigende Anforderungen an die Sicherheit. Wir hatten rückläufige Zahlen bei den Helfern und dann gab es noch tödliche Unfälle bei anderen Veranstaltungen‟, berichtet Manfred Kronenburg. Und das war dann das Ende für das Trierer Bergrennen, die Veranstaltung 2012 fand nicht mehr statt.

Das gleiche Schicksal erlitt 2016 auch die Rallye Deutschland. Das schleichende Aus kam  mit dem Jahr 2013. ‟Der Start der Rallye wurde von Trier weg nach Köln verlegt. Doch das war nicht alles. Ohne mit den Verantwortlichen vor Ort Rücksprache genommen zu haben, strichen die Macher in der Münchener ADAC-Zentrale den Stadtrundkurs Circus Maximus.”

Der zuschauerträchtige Stadtrundkurs. Jährlich kamen weit über 10.000 Besucher eigens wegen dieses Spektakels in die Innenstadt. 2007 wurde der Circus Maximus als zusätzliche Attraktion erstmals ausgetragen. Im August 2012 schufen die Trierer Verantwortlichen ein Novum, als sie den Fahrern zum Kennenlernen der Strecke Elektroautos – vom Tesla Roadster bis zum Mitsubshi MiEV – für die Fahrt durch die Innenstadt zur Verfügung stellten. Für Stadt und Gastronomie waren der Start in Köln und das gestrichene Spektakel in der Innenstadt ein großer Verlust. Inoffiziellen Aussagen zufolge verlor die Rallye Deutschland damit in Trier rund 25.000 Besucher.

Vier Jahre später kommt  dann das endgültige Aus für Trier als Start- und Zielpunkt der Rallye Deutschland. Sie zieht um ins benachbarte Saarland. Zum letzten Mal gehen die Fahrer von der Porta Nigra aus an den Start. Zum letzten Mal erhalten hier die Sieger ihre Pokale. Aus, vorbei. Manfred Kronenburg ist tief enttäuscht. ‟Der ADAC hat sich hier sehr unrühmlich verabschiedet. Wir hatten dank einer Genehmigung durch den Stadtrat Rechtssicherheit bis 2017 und eine Option bis 2020.” Oberbürgermeister Wolfram Leibe akzeptiert die Entscheidung der Münchener Zentrale, stellt aber beim Empfang der Stadt Trier Sportpräsident Hermann Tomczyk zur Rede. Leibe zeigte dem ADAC klare Kante: ‟Auch ohne den ADAC haben wir Jahr für Jahr viereinhalb Millionen Touristen in unserer Stadt. Wir sind nicht abhängig von einem Veranstalter.” Manfred Kronenburg aber, der zuvor als Abschnittsleiter Trier zurückgetreten war, wurde von Leibe für seine Verdienste um die Rallye geehrt. Er wolle auch in Zukunft auf Kronenburgs Dienste nicht verzichten, betonte der OB: “Ich brauche Sie für weitere Großveranstaltungen.” Und das könnte schon bald wieder der Fall sein. Denn die Stadt Trier will zusammen mit den Stadtwerken Trier (SWT) im September eine Großveranstaltung rund um die Elektromobilität auf die Beine stellen. Mit dabei als betreuende Partner: die Mitglieder des Racing Team Trier….

von www.trier-reporter.de – Rolf Lorig

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.