Jelle de Coninck siegt im Turbo-Schlussspurt in Eschdorf

Die 29. Ausgabe des Eschdorfer Bergrennens in Luxemburg fand am Wochenende vor einer weniger starken Publikumskulisse als gewohnt statt (etwas mehr als 2000 zahlende Zuschauer), dies in erster Linie aufgrund der am Sonntagmorgen wenig einladenden Witterungsbedingungen, die sich jedoch im Laufe des Vormittags verbesserten und es der Strecke erlaubten, zum finalen Rennlauf abzutrocknen, der bereits kurz nach 16.30 Uhr zu Ende ging, bedingt durch die im Nachhinein doch wohl etwas verfrühte Entscheidung der Rennleitung, bereits nach Ende des langwierigen, von auf noch feuchter und rutschiger Strecke etlichen Ausrutschern und dadurch bedingten Streckensäuberungsmassnahmen (Ölspur) und Leitplankenreparaturen herausgezögerten ersten Laufs die Zahl der Durchgänge von 3 auf 2 zu reduzieren, eine Entscheidung, die danach aus Reglementsgründen nicht mehr rückgängig gemacht werden konnte. Während sich am Vormittag die Fahrer der Allradautos wie z.B. dem Escort Cosworth des Schweizers Romeo Nüssli (3.), dem Mitsubishi Lancer von Mario Fuchs (10.), dem Lancia Delta Integrale von Norbert Handa (11.) und dem Porsche GT2 des sechsfachen französischen Tourenwagenmeisters Nicolas Werver (14.) auf der noch feuchten Strecke unters Rennsportwagenfeld mischten, so konnten letztere am Ende doch die ersten 26. Gesamtränge für sich beanspruchen.

In 1.00,027 min. hatte nach dem ersten Lauf der vierfache Schweizer Meister Eric Berguerand die Nase seines Lola-Cosworth Fa99 ex-F3000 vorne, gefolgt vom mehr als überzeugenden Franzosen Anthony Loeuilleux (anderthalb Sekunden zurück) im Tatuus-Honda Master, Nüssli, Cyrille Frantz (F, Norma-BMW 4L) und Marcel Steiner (LobArt-Mugen 3L), die alle drei nur durch 23 Hundertstel getrennt waren und zwei weitere Sekunden auf den Leader eingebüßt hatten. Als Neunter dieses ersten Rennlaufs mit 5,6 Sekunden Rückstand auf Berguerand, aber auch Trainingsschnellster am Samstag auf während zwei Läufen trockener Strecke (nur der 3. Trainingslauf fand bei leichtem Nieselregen statt, der sich erst zur letzten Startgruppe verstärkte, wobei Nüssli im ex-Gabat-Cossie Bestzeit fuhr), legte Jelle de Coninck im letzten Rennlauf in 50,536 sec. für die 1850 m lange Strecke die Latte zu hoch, als dass noch einer seiner nachfolgenden Rivalen diese Bestmarke hätte unterbieten können, womit der 34-Jährige den ersten Eschdorf-Tagessieg nach Belgien holte: „Obwohl ich natürlich mit klaren Siegesambitionen hier hin kam, hätte ich dennoch nicht gedacht, dass dies bereits beim dritten Einsatz meines neuen Autos möglich sein würde. Aber das samstägliche Training stärkte mein Vertrauen ins Auto, dessen Fahrverhalten und vor allem auch die Leistung des Turbomotors sich als bestens dosierbar erweisen. Hier in Eschdorf zu gewinnen, das ist der schönste Sieg meiner Karriere, ein Traum!“

Das Fahrtalent des vierfachen belgischen Meisters und die rund 600 PS seines in Eigenregie entwickelten 1.7-Liter-Honda-Turbomotors im Norma M20 FC-Kohlefasersportwagen (Foto oben) waren für die Konkurrenz unantastbar, angeführt von Eric Berguerand, der sich mit genau einer halben Sekunde Rückstand wie bereits 2014 und 2015 mit dem direkten Ehrenplatz begnügen musste: „Das ist immerhin besser als im Vorjahr, als ich nur Dritter wurde“, relativisierte der sympathische Schweizer, dessen sprichwörtliche gute Laune nichts trüben kann. Als Gesamtdritter mit einem Rückstand von 6 Zehntel auf „Erich“ zog Cyrille Frantz eine eher mäßige Bilanz: „Jelle hat sich diesen Sieg mehr als verdient und ich glaube nicht, dass wir ihn noch hätten bedrängen können, aber ein dritter Rennlauf hätte es uns mit Sicherheit erlaubt, uns noch wesentlich zu verbessern und so bleibt ein eher fader Nachgeschmack.“Hinter dem dreifachen Schweizer Meister Marcel Steiner zeichnet Anthony Loeuilleux am Ende einen ausgezeichneten 5. Rang vor seinem französischen Landsmann Daniel Allais im wesentlich stärkeren Reynard-Judd 97D F3000.

Position 7 geht an den nunmehr fünffachen Eschdorfer F3-Sieger Ludovic Cholley, nur 6 Hundertstel vor seinem Dallara-Mercedes-Markengefährten Samy Guth, während der dreifache belgische Meister Jacques Marchal (Norma-BMW 3L) und der zweifache deutsche Meister Frank Debruyne (Dallara-Opel) die Top10 vervollständigen. Mit P12 hinter dem Schweizer Simon Hugentobler im wunderschönen Reynard-Mugen 97D sichert sich der Belgier Corentin Starck im Norma-Honda 2L den Sieg in der U25-Juniorenwertung vor dem jüngsten Fahrer im Feld Robin Faustini, der mit 19 Jahren sein F3000-Debüt mit dem vielversprechenden 17. Rang abschloss, und dem Nord-Schwarzwälder Mathieu Wolpert (31.) bei seinem Renndebüt im UWR-Honda-Sportwagen von Papa Uwe, der unter den Zuschauern weilte.

Bei den «Autos mit Dach» musste Herbert Stolz seinen Porsche 935 bereits vorzeitig wieder aufladen, dessen Motor trotz allmöglicher Versuche, das Problem zu beheben, einfach nicht starten wollte. So dominierte der Schweizer Romeo Nüssli (27. Schlussrang) im bärenstarken Ford Gabat Escort Cosworth das Geschehen, dies mit 2,3 Sekunden Vorsprung auf Norbert Handa (34. im Lancia Delta), dicht gefolgt von Slalomspezialist Mario Fuchs (0,081 s. zurück) im Mitsubishi.

Tolle Vorstellung der kleinen CM-Renner des Schweizers Jeremy Noirat (37. Im TracKing-Suzuiki) und des jungen Elsässers Loïc Hebinger (P38 im Speed Car-Suzuki), die sogar die Silhuetten-Gruppe vor dem Lamera-Ford Cup des Luxemburgers Gilles Bruckner (P42) und dem nur 81 Tausendstel dahinterliegenden Opel Kadett V8 des von Elektronikproblemen eingebremsten Holger Hovemann für sich entscheiden konnten.

In den E1-Klassen mit KW Berg-Cup-Beteiligung standen in den kleinen Hubraumklassen die gleichen Protagonisten auf dem Siegertreppchen, wie vor einer Woche beim Auftaktrennen im hessischen Schotten. Dies waren Thomas Stelberg (VW Polo bis 1150 ccm), Armin Ebenhöh (VW Scirocco 16V bis 1400 ccm) und Thomas Sohn André Stelberg (VW Corrado 16V bis 1600 ccm, der nun von Tuner Minichberger unter die Fittiche genommen wurde. In der mit 31 Startern am stärksten besetzten Klasse bis 2000 ccm hatten die eingeschriebenen Berg-Cup’ler allesamt das Nachsehen hinter dem Italo-Schwaben Egidio Pisano im VW Minichberger Golf STW (Foto unten) knapp vor Laguna-Pilot Björn Wiebe und „Neu-Golf-Treter“ Hansi Eller. Der Einheimische Canio Marchione (VW Scirocco), der auf trockener Piste für die Trainingsbestzeit sorgte, schaffte bei diesen delikaten Streckenverhältnissen Rang sechs hinter Patrick Orth (BMW) und Schotten-Klassensieger Tom Strasser (VW). Ebenfalls ein Gastfahrer siegte in der E1-Klasse bis 3000 Liter Hubraum, mit dem gern gesehenen Briten Keith Murray im Audi 80 Quattro. Für die längst Rennunterbrechung des Tages sorgte hier unfreiwillig KW Berg-Cup Nachwuchsmann Marcel Gapp. Auf dem feuchten Asphalt in der Zielkurve verlor er die Kontrolle über seinen BMW M3 E36 und krachte in die Leitplanken. Der Überschlag war übel anzusehen und der auf dem Dach liegende Tourenwagen fing sogar kurz Feuer. Marcel Gapp konnte die Löschanlage betätigen und offensichtlich unverletzt aussteigen. Erst nach einer Reparatur der Leitplanken konnte es weiter gehen.

Ein weiterer Pilot, der innerhalb der Wochenfrist seinen zweiten Klassensieg feiern konnte, war Kai Neu. Auf seinem Ford Focus ST 170 konnte der Homburger äußerst knapp seine beiden Dauerrivalen Ralf Orth im BMW 320is und Alexander Wolk im VW Golf III 16V schlagen. Erwähnenswert noch die einmal mehr tolle Vorstellung des Luxemburgers Léon Linden, der knapp drei Wochen vor seinem 79. Geburtstag den Dallara-Opel F3 auf den 21. von am Ende 141 Startern fuhr. Den Damenpokal sicherte sich die Luxemburgerin Sandra Becker im Renault Clio Cup vor Silvia Ebenhöh im VW Polo.

von Patrick Weber und Thomas Bubel

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.