Wimpernschlagsieg von Stolz vor Handa in Schotten

Es war gewissermaßen ein Tanz in den Mai und der vielleicht spannendste ADAC Bergpreis Schottenring in der Geschichte bei dessen 14. Auflage.  Das Parkett war die bekannte 3.033 Meter lange Strecke von Rudingshain über den Bereich Poppenstruth Richtung Götzen. Beim Saisonstart der deutschen Bergszene beim gastgebenden MSC Rund um Schotten mit dessen Chef Wolfgang Wagner- Sachs, Orgaleiter Alexander Hirth und Rennleiterin Sabine Fischer ging es um erste Punkte im DMSB Automobil Berg Cup, dem DMSB Berg Team Cup, dem KW Berg Cup und dem NSU Bergpokal im KW Berg Cup.

Mit 71 Startern in der Bestzeitwertung und 35 in der Gleichmäßigkeitswertung (GLP) hatte man ein gutes Starterfeld und noch dazu optimale Rennbedingungen bei herlichem Frühlingswetter. Mit Spannung wurde der Kampf um den Bestzeitgesamtsieg, nicht nur von den rund 2.000 Zuschauern, verfolgt. An der Spitze kam es zu einem sehenswerten Duell zweier Deutscher Bergmeister der Vergangenheit, zwischen dem Österreicher und Sieger von 2013, Herbert Stolz im dp Porsche 935 II und Norbert Handa aus dem Kreis Kitzingen im Lancia Delta Integrale EVO III. Mit rund 650 PS waren beide etwa gleichstark motorisiert, doch Handa hatte in Schotten sein Debüt. Zudem wurde sein Lancia erst kurz vor dem Rennen fertig. Die Teilnahme des Unterfranken am Schottenring war also bis zuletzt ungewiss. Der Zweikampf der beiden Routiniers deutete sich bereits am Samstag nach vier Trainingsläufen an, die Handa mit knappen 00:00,152 sec. vor Stolz gewann.

Dem Innsbrucker war bewusst, dass er am Sonntag volle Attacke gehen musste und legte im ersten von vier Wertungsläufen mit 1:18,346 min. vor. Doch Handa konterte in Lauf zwei. Nach Stolz´ Bestzeit im dritten Lauf, lag Handa mit 1, 7 sec. zurück. Den finalen Lauf gewann zwar der  Lancia- Fahrer, doch es reichte nicht. Stolz holte mit minimalen 00:00,887 sec. vor Handa seinen zweiten Schotten-Gesamtsieg nach 2013. Dritter wurde Ralf Kroll aus Mudau im Silver Car S2G mit zwar deutlicheren 13, 690 sec. dahinter, doch der Odenwälder vermochte erstmals das große Potential der „CM-Rennwagen“ auf großer Bühne zu zeigen. Sein wieselflinkes und hochdrehendes Renngerät der Marke Silver Car hat Kroll nun immer besser im Griff. Dennoch konnte man nicht unbedingt erwarten das der deutsche „CM-Pionier“ an diesem doch sehr schnellen Berg die komplette Elite der KW Berg-Cup-Klassen bis und über 2-Liter Hubraum würde schlagen können. Um knapp vier Sekunden in der Summe verpasste der Österreicher Thomas „Tom“ Strasser im VW Scirocco 16V einen Rang auf dem Podium. Das eigentlich verwunderliche an dieser Platzierung war jedoch, dass Strasser dabei klar und deutlich die Klasse bis 2000 ccm Hubraum dominierte und zudem den „Überliter-Sieger“ Günter Göser im Opel Kadett C 16V hinter sich ließ.

So wie es nach dem Saisonstart aussieht, werden die besten Vertreter der 2-Literklasse der Gruppe F wieder ein Wörtchen in der Deutschen Bergmeisterschaft mitreden können. Der Homburger Kai Neu dominierte hier in seinem Ford Fokus ST 170. Über sechs Sekunden lagen am Ende zwischen Neu und Golf-Pilot Alexander Wolk aus dem Odenwald und weitere sechs Sekunden auf  Berg-Debütant Eugen Weber im Honda S2000.

Bester Lokalmatador war „Rallye-Spezialist“ Maurice Moufang im BMW M3 als 17. der Gesamtwertung. Als „Klassenkamrerad“ von Handa und Stolz kämpfte der Niddaer zwar praktisch mit stumpfen Waffen. Moralische Unterstützung erhielt er jedoch, wie sein jüngerer Bruder Bernard in der GLP- Wertung, von Mutter Gundhild und Vater Markus. So fuhr er mit 1,30 und 1,28er Zeiten konstant schnell und grinste zufrieden. „Es lief rund und mehr war in der Klasse einfach nicht drin. Mein letztes Bergrennen war es jedenfalls nicht“. Rang 38 ging an KW-Berg-Cup Mann Friedhelm Gürtzgen aus Ehringshausen im über den Winter weiter verbesserten BMW 318i, der Zeiten um 1,34 min. fuhr. Die GLP-Wertung mit persönlicher Sollzeit gewann nach ebenfalls vier Umläufen Oliver von Fragstein aus Leichlingen im Ford Escort RS 2000 mit hervorragenden 1, 058 sec. Abweichung. Spannend war es hier ebenfalls. Bis ins Ziel lagen vier Fahrer innerhalb von zwei Sekunden. Bester Einheimischer wurde Adrian Mirthes aus Grünberg im Opel Ascona B (auf Platz 13 (4, 194 sec.).

 

1. Herbert Stolz (A) Porsche 935 DP2 5:16,202 min.
2. Norbert Handa (D) Lancia Delta Integrale +00:00,887 sec.
3. Ralf Kroll (D) Silver Car S2G +14,577 sec.
4. Thomas Strasser (A) VW Scirocco +18, 428 sec.
5. Gunter Göser (D) Opel Kadett C Coupe 16V +18,851 sec.
6. Bernard Permetinger (A) BMW M3 +22,920 sec.
7. Hans Peter Eller (D) VW Golf +23,288 sec.
8. Lars Heisel (D) Opel Böhm Kadett 16V 24,632 sec.
9. Michael Rauch (D) Opel Briegel Kadett 8V +26,358 sec.
10. Martin Bürki (CH) BMW 318i +28 sec

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.