Berguerand, Frantz, De Coninck, Steiner – Eschdorf-Sieg wird hart umkämpft

Zum 29. Mal organisiert die Union des Pilotes am Wochenende des 6./7. Mai ihr traditionelles Bergrennen «European Hill Race», Lauf zur Luxemburger und zur deutschen Bergmeisterschaft sowie zum «KW-Berg-Cup», während auch die belgischen Fahrer Eschdorf als Auslandsresultat auf ihr Konto der belgischen Bergmeisterschaft verbuchen können. Einmal mehr wird sich also in dem kleinen Ardennerdörfchen Eschdorf zwischen Wiltz und Ettelbrück im Norden Luxemburgs alles um den Motorsport, PS und hochdrehende Power drehen. Sehr zur Freude der voraussichtlich erneut zahlreichen Zuschauer, die nicht nur aus Luxemburg, sondern vor allem auch Belgien, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden, ja sogar der Schweiz und England anreisen werden, genießt das European Hill Race doch bis weit über die Grenzen Luxemburgs einen ausgezeichneten Ruf bei den Rennsportfreaks und zählt somit ohne Übertreibung zu den zehn meistbesuchten Sportveranstaltungen des Großherzogtums. Rund 170 Fahrer aus Deutschland, Belgien, Frankreich, der Schweiz, Österreich, Grossbritannien, Slowenien und natürlich Luxemburg haben sich eingeschrieben, um in den Kampf der einzelnen Wertungen zum Gesamtsieg, zu Gruppen- und Hubraumklassensiegen, Damen-Pokal oder noch der Junioren-Wertung für U25-Fahrer zu ziehen. Drei Trainingsläufe sind am Samstag ab 9.15 Uhr vorgesehen, drei Rennläufe (schnellste Einzelzeit wird gewertet) am Sonntag ab 8.30 Uhr. Zu bemerken auch, dass die komplette Strecke von 1,850 km seit der Vorjahresausgabe über neuen Belag verfügt und dass – als absolute Neuheit – die Fahrer der deutschen Berg-Meisterschaft bereits am Samstagnachmittag im letzten Trainingslauf ihr Punktekonto mit Zusatzpunkten aufbessern können.

Mit Platz zwei in den Jahren 2014 und 2015, Position 3 2007, 2012 und 2016, Platz 4 2013, aber auch als Dritter der Gesamtwertung und zugleich Goldmedaillengewinner in der Kategorie der FIA-Rennsportfahrzeuge beim ersten FIA Masters im Oktober 2014 auf der gleichen Strecke möchte der vierfache Schweizer Bergmeister (2013-2016) Eric Berguerand im Lola-Cosworth Fa99 F3000 (Foto oben) endlich jenes oberste Podesttreppchen erklimmen, das er bislang so oft in Eschdorf knapp verpasste: ….kurzum, die Strecke liegt dem angriffslustigen Schweizer bestens, fehlt nur noch der langersehnte Siegerpokal. Doch auch diesmal wird die Konkurrenz dem Schweizer nichts schenken, angeführt vom französischen Bergmeister der 2. Division 2005 Cyrille Frantz im Norma-BMW M20 FC V8 4L (Foto mitte), der in Eschdorf u.a. einen vierten Gesamtrang 2015, Platz 5 in 2011 und Platz 6 in 2013 aufweist und nun endlich an den Gesamtsieg seines älteren Bruders Fabien aus dem Jahre 2011 anknüpfen möchte. Nach zwei Jahren Rennpause kehrt der vierfache belgische Bergmeister (2011-2014) Jelle De Coninck nun am Lenkrad seines nagelneuen Norma-Honda M20 FC turbo (Foto unten) zurück nach Eschdorf, wahrscheinlich – mit Abstand – das PS-stärkste Fahrzeug im Spitzenfeld. Mit seinem herausragenden Fahrtalent könnte der junge Flame durchaus dieses Jahr für eine Überraschung sorgen.

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Der Eschdorf-Sieger 2013, dreifache Schweizer Bergmeister 2010, 2011 und 2012 sowie deutsche Bergmeister von 2008, Marcel Steiner, seinerseits schaut zwar auf eine eher verkorkste Vorjahresausgabe zurück, als er seinen nagelneuen LobArt-Mugen Honda LA01-Sportwagen in Eschdorf zum allerersten Rennstart führte und noch von vielen Kinderkrankheiten eingebremst wurde. Inzwischen hat er jedoch das Fahrzeug eine Saison lang konsequent weiterentwickeln können und wurde am Ende doch noch Schweizer Vize-Bergmeister. Ob wohl nach den Siegen von Vater Heinz in den Jahren 1995 und 1996 vielleicht nun dieses Jahr auch für Marcel zum zweiten Mal in Eschdorf die Siegesglocken läuten werden? Unter Vorbehalt, dass sein Norma-Honda 3L rechtzeitig fertig wird, könnte auch der Motorsport-Gesamtmeister Sloweniens aus dem Jahre 2013 Patrik Zajelsnik in den Kampf um den Gesamtsieg eingreifen, ein Kampf, der sich erneut im Hundertstelsekunden-Bereich abspielen dürfte. Wobei die Spitzenfahrer natürlich auch den seit 2014 in 48,344 sec. gehaltenen Streckenrekord des Franzosen Nicolas Schatz im Visier haben werden, wobei letzterer genau wie der Gesamtsieger der beiden Vorjahre (sowie 2012) David Hauser vorübergehend dem Bergrennsport den Rücken gekehrt hat, um sich auf seine Rundstreckenrennen im Ligier LMP3 zu konzentrieren.

Sollte man auch nach mehreren Jahren Bergrennpause keine Wunder erwarten, so kann man doch den drei ehemaligen Luxemburger Bergmeistern Guy Demuth (7x in den Jahren 2003, 04, 05, 07, 10, 11 und 12) im G-Force-Mugen F3000, Tommy Rollinger (2014) im Osella-Zytek FA30 und Frank Maas (Bergmeister 2008 und zweifacher Pikes-Peak-Teilnehmer in den USA) im beim vierfachen deutschen Bergmeister Uwe Lang gemieteten Osella-BMW PA 20 S 3L einen Platz in den Top10 durchaus zutrauen, wenngleich diese Plätze mehr als heiß umkämpft sein werden. Denn zahlreich sind jene, die ebenfalls eben jene Top10, im Hinterstübchen sogar Top 5 anpeilen. Als da sind der Schweizer Simon Hugentobler, der seinen wunderschönen Reynard-Mugen 97D F3000 an den Start bringt, der ihn im Vorjahr auf Platz 3 der Schweizer Bergmeisterschaft brachte (womit also mit Berguerand, Steiner und eben Hugentobler das Schweizer Meistertrio komplett in Eschdorf antritt), sein – in Frankreich lizenzierter – Landsmann Philippe Guélat (Lola-Cosworth T94/50 F3000) oder auch Daniel Allais aus den französischen Ardennen im Reynard-Judd 97D F3000), sowie der blutjunge Schweizer Robin Faustini (19), Sohn von Simon Hugentobler, der nach seinem Bergrenndebüt im Vorjahr in Eschdorf im Tatuus-Renault nun im Reynard-Cosworth 92D seine Feuertaufe in der Königsklasse des Bergrennsports feiert, womit insgesamt sieben 3-Liter-Einsitzer sich dem Starter stellen werden.

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Als da sind aber auch der dreifache belgische Bergmeister 2010, 2015 und 2016 Jacques Marchal (Norma-BMW M20 3L) sowie der dreifache belgische Vize-Meister (2011, 15 und 16) Georges Hubert mit ihren beiden Norma-BMW M20 F 3L, der Franzose Anthony Loeuilleux, dreifacher Sieger des belgischen Bergpokals für ausländische Fahrer der Jahre 2014-16, im Tatuus-Honda Formel Master sowie sein Landsmann Damien Berney im baugleichen Fahrzeug, der vierfache F3-Sieger in Eschdorf Ludovic Cholley (F) im Dallara-Mercedes F306, der deutsche Bergmeister 2012 und 2014 Frank Debruyne (CR-Racing Dallara-Opel Spiess F303), die Franzosen Samy Guth und Etienne Debarre (beide Dallara-Mercedes F3) oder noch das junge belgische Nachwuchstalent Corentin Starck (24), Zweiter der Junioren-Wertung beim letztjährigen FIA Masters in Tschechien im Norma-Honda 2L, kurzum, Anwärter auf einen Platz unter den Top10 der Gesamtwertung gibt es wie Sand am Meer. Insgesamt bilden rund 20 zweisitzige Sportwagen und 30 einsitzige Formelwagen das Feld der «Rennsportfahrzeuge ohne Dach», darunter auch Bergrennsportlegende Léon Linden (L), der 20 Tage vor seinem 79. Geburtstag erneut im Cockpit seines Dallara-Opel F3 Platz nehmen wird. Alles weitere unter www.hillrace.net