Porträt Pascal Achen – Rennfahrer und Filmberichterstatter

Was mit filmischen und fotografischen Ausflügen als junger Mann zu diversen Autorennen begann, sollte sich sehr schnell in einer langen Karriere hinterm Lenkrad fortsetzen und seit 2010 vergnügt sich Pascal Achen wieder exklusiv mit der Kamera bei Motorsportveranstaltungen. Luxemburger Motorsport ohne Pascal Achen ist für mich kaum denkbar. Beides ist eng miteinander verknüpft, denn seit meinen Anfängen als Foto-Journalist Ende der 1980er Jahre war dieser Mann mit der Kamera oder als spektakulärer Rennfahrer immer präsent. 1978 besuchte er als Zuschauer sein erstes Autorennen, ausstaffiert mit einem Fotoapparat der einfachsten Art, aber zutiefst fasziniert von diesem Sport. 1986 sollte er seine erste Filmkamera geschenkt bekommen, und sogleich zog er damit hinaus zur Deutschland Rallye. Heute kennt man ihn nur noch so, denn kaum eine Rallye, ein Slalom, ein Bergrennen oder was weiß der Geier noch mal, wird ohne seine Präsenz abgewickelt. Rund 50 Motorsportveranstaltungen pro Jahr sucht er auf und stellt daraus seine Sendungen auf dok.tv und als RacingMag her.

Seine aktive Rennfahrerkarriere begann 1993. Alf Gaspar verkaufte ihm sein erstes Auto, Pascal Achen legte zwei Drittel des Kaufpreises bar auf den Tisch und den Rest verdiente er sich mit kleineren Jobs, um nach und nach seine Schulden abzuzahlen. Aber erst als der letzte Cent überwiesen war, bestritt er sein allererstes Autorennen, und zwar das Bergrennen Nommern 1993. Gott sei Dank führte er genau Buch und hielt alles in seinem Archiv fest, so dass wir sagen können, von 1993 bis Ende 2009 ging Pascal Achen 193 Mal bei Autorennen an den Start und hat hierbei 19 verschiedene Rennwagen eingesetzt. Da er ein Faible für Rallyes besitzt, verschliss er hierbei 19 verschiedene Beifahrer, die aber alle diese Rennabenteuer mit dem absoluten Quertreiber nicht bereut haben. Stammbeifahrer waren Alf Gaspar und Annick Steichen, die mit ihm bis heute zusammen lebt und beide erfreuen sich an ihrer gemeinsamen Tochter. Mit ein Bisschen Glück wird sie auch einmal Autoverrückt und ahmt ihren Eltern nach. Denn Annick Steichen begleitet ihren Pascal so oft sie kann zu Motorsportveranstaltungen und filmt mit genauso viel Hingabe wie ihre Schwiegermutter, die auch zum festen Team von Pascal Achen gehört. Eine echte Familienaffäre demnach, die sympathischer nicht sein könnte.

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Werfen wir einen kurzen Blick auf Pascal Achens Palmarès und picken uns aus dem Sammelsurium der Resultate die Highlights heraus: 1994 krönte er seine erste komplette Premierensaison mit dem Meistertitel bei den Débutant und beispielsweise einem beachtlichen 4. Gesamtrang beim Schwebsbinger Slalom. Das Jahr darauf belegte er schon Rang 3 in der Rallye Meisterschaft, um 1996 den Luxemburger Titel im Rallyesprint und die Euro Rallye Trophée erstmals zu gewinnen. 1997 folgte der direkte Titelgewinn in der Rallye-Meisterschaft und 1998 wurde er Vizemeister. Das beste Resultat im Jahr 1999 erreichte Pascal Achen bei der Rallye Alsace Vosges mit dem Sieg in der Gruppe H, wo ich mich noch gut an diese Veranstaltung erinnern kann. Im selben Jahr brillierte er auf seinem Ford Escort RS 2000 als Gesamtsiebter bei der Rallye de Luxembourg. Da Pascal Achen kein Weg zu weit und er immer auf der Suche nach legendären Rallyes und motorsportlichem Neuland war, bestritt er im Jahr 2000 u.a. die Quinton Stages in England und die Rejme Rallye in Schweden, beides absolute Schotterrallyes und jeder Menge Driftspaß mit seinem Escort. Ab dem Jahr 2001 war er dann des Öfteren mit seinem Honda Civic 1.6 zu sehen und belegte wiederum Platz 2 in der Luxemburger Rallye-Meisterschaft. Zudem glänzte er bei diversen Slaloms mit vorderen Platzierungen. 2002 folgten richtig tolle Ergebnisse mit Platz 1 beim saarländischen Höllensprint in Steinbach mit seinem Copiloten Jacques Gregorius und 2003 mit dem Titel des belgischen Rallye-Meisters in der N2-Wertung sowie den Meisterschaften im Rallyesport und im Slalom der Division 1 in Luxemburg. Klassensiege bei der Haspengouw, den Boucles de Spa, der Rallye de Wallonie und den 12 heures Braine le Comte zeugen von dieser Erfolgsserie. Die setzte sich 2004 fort mit einem 3. Gesamtrang bei der Rallye de Luxembourg und vor allem Platz 1 bei der EM-Rallye im Saarland.

Ab 2005 setzte Pascal Achen dann vermehrt den BMW 318 IS ein, womit er einige Topresultate in Belgien und Deutschland erreichte. 2006 lief er bei der Rallye Ardenne Bleu rund um Spa-Francorchamps bei Schnee und Eis zu Höchstform auf und wurde 13. im Endklassement sowie 7. bei der Litermot Rallye und 4. im Winterpokal. Aus dem Jahr 2007 wollen wir den 10. Gesamtrang beim Wolsfelder Bergrennen auf Mitsubishi Evo8 und erstem Luxemburger hervor streichen und am Ende der Saison dem 4. Platz in der Bergmeisterschaft sowie dem Gewinn der Division 2. Die lange Karriere beendete er 2008 mit einem 2. Platz bei der Rallye Zerf und schließlich 2009 mit dem erneuten Luxemburger Titelgewinn im Slalom mit seinem legendären Escort Mk II.

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Damit schließt sich der Kreis auf beeindruckende Art und Weise, denn mit seinem Sportwagenmodell aus den Anfangsjahren schaffte er noch mal einen Titelgewinn. Filmen und Rennen fahren wurden zuviel des Guten, so dass sich Pascal Achen für sein Hobby als Filmproduzent entschied und die Rennfahrerhandschuhe an den berühmten Nagel hing. Weil er die diversen Rallyes und die Wertungsprüfungen aus dem FF kennt, und weil er ein Näschen für spektakuläre Kurven und Sprünge auf den WP besitzt, profitieren wir noch heute von seinem Wissen und können uns auf seine Tipps für gute Fotomotive stets verlassen. Das macht ihn neben seinem freundlichen Wesen zu einem tollen Kollegen und deshalb gilt mehr denn je: Lang lebe Pascal!

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Text und Titelfoto von Roland Baumann – AutoRevue Luxemburg

Über Thomas Bubel 240 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.