Prölsdorfs rasanter Golf-Treter – Christian Dümler sorgte am Berg für Furore

Christian Dümler ist ein ruhiger Zeitgenosse, doch wenn er sich in seinen VW Golf II setzt und Gas gibt, dann legt er jede Zurückhaltung ab und wird zum Draufgänger und Golf-Treter, der mit bis zu 200 Sachen die Wälder-Bergstrecken hochjagt. Im Jahr 2016 legte es die beste Saison seiner bisherigen Laufbahn hin und sorgte in der Deutschen Automobil-Bergrennmeisterschaft für Furore. Denn in seinem schneeweißen Golf fuhr er einige Pokale heraus und erkämpfte sich in der Tourenwagen-Königsklasse Gruppe H (bis 2000 Kubikzentimeter) reihenweise Spitzenplatzierungen.

„Der Motorsport ist mein Leben“, sagt der Rennfahrer, dem der Motorsport durch seinen Vater Thomas Dümler in die Wiege gelegt worden war. Thomas Dümler war einst im Slalom- und Bergrennen aktiv und der Sohnemann erlebte den Motorsport von Kindesbeinen an hautnah. Als Zwölfjähriger bestritt Christian Dümler sein erstes Rennen im Jugend-Kart und von 2003 bis 2010 feierte er in großen Rennkarts einige Erfolge. Im Jahr 2011 schlug er das Kapitel Bergrennsport auf und wechselte mit einem VW Golf in den Bergrennsport. Erst mischet er bei Berg-Slaloms und Gleichmäßigkeitsprüfungen, wo die Leistungen der Autos weniger wichtig waren und sich der finanzielle Aufwand in Grenzen hielt. Zwei Jahre später baute sich der 34-Jährige einen neuen und besseren Golf auf, mit er sich rasch in der Automobil-Bergrennmeisterschaft akklimatisierte. Mit dem vorherigen Renner gibt mittlerweile Martin Schug aus dem anderen Rauhenebracher Ortsteil Fürnbach auf den deutschen Bergstrecken Gas. Schon in seiner ersten DM-Saison setzte er eine Duftmarke als Zweiter der Rookie-Wertung im KW Berg-Cup und fortan mischte er in der Kategorie der Achtventilerwertung unerschrocken mit. Er machte sich einen Namen in der nationalen Bergrennszene und schloss sich dem AMC Kitzingen an, der inzwischen ein Fahrer-Sextett am Berg als Feuer im Eisen hat, nachdem sich auch Martin Schug dem Club mit den beiden ehemaligen Deutschen Meistern Norbert Handa und Klaus Hoffmann anschloss.

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„Die größten Fortschritte habe ich gemacht als wir vor der Saison 2015 ein neues Fahrwerk eingebaut haben“, findet Christian Dümler. Danach lag der Golf viel besser auf der Straße, ließ höhere Kurvengeschwindigkeiten zu und ermöglichte Dümler als Endkonsequenz weit schnellere Laufzeiten auf den Strecken in Deutschland und mehreren Nachbarstaaten. Der junge Vater deutete schon 2015 sein Potenzial an und blies zum Angriff auf die Achtventiler-Spitzenposition in seiner Zwei-Liter-Klasse. Mit 215 PS unter der Haube hat der Prölsdorfer zwar einen Leistungsnachteil gegenüber vielen Konkurrenten, bewegen sich die 16-Ventiler-Agregate doch zwischen 280 und 300 PS. Christian Dümler konnte den Nachteil zunehmend kompensieren und in der Saison 2016 so richtig auftrumpfen. In der Achtventiler-Wertung schaffte er bei nahezu allen Rennen einen Medaillenrang und in Wolsfeld – neben dem Glasbachrennen seine Lieblingsstrecke – sogar den ersten Sieg. „Das war ein geiles Erlebnis“, jubelte der Kfz-Mechaniker hinterher. Schon lange vorher hatte er Blut geleckt und gefiel sich on der Rolle des Jägers. Seine Saisonbilanz liest sich  bemerkenswert: Unter rund 30 Fahrern der Zwei-Liter-Klasse positionierte er sich meist unter den Top-10, glänzte in Glasbach und Homburg jeweils mit vierten Plätzen und im Wolsfeld mit einem dritten Platz. Wie geschildert, bedeutete der Erfolg in der Eifel den ersten Sieg in einer Achtventiler-Wertung, im Gesamtklassement des KW Berg Cups landete er in der Zwei-Liter-Klasse auf Rang fünf und in der Achtventiler-Wertung auf Rang zwei. Im deutschen Bergpokal für Tourenwagen belegte er den neunten Platz und die Deutsche Bergmeisterschaft beendete er auf Platz 26 unter 165 gewerteten Fahrern. „Heuer hat technisch und zeitlich alles geklappt“, bemerkte er zu seiner Bilanz von zwölf gefahrenen Bergcup-Rennen, so viel wie nie zuvor in einer Saison. Ist man als Team im KW-Berg Cup eingeschrieben und will gewertet werden, müssen mit einem Fahrzeug mindestens zwei Fahrer je ein Rennen bestritten haben, deshalb war Thomas Dümler nicht nur als Schrauber dabei, sondern heuer auch wieder in Eichenbühl im Einsatz. Die Strecke im Landkreis Miltenberg ist die Lieblingsstrecke des 56-Jährigen, dort behauptete er sich anno 2016 respektabel.

Doch 2017 will es der 34-Jährige etwas ruhiger angehen lassen, da der Rennsport ins Geld geht und Sponsoren dünn gesät sind. Er plant, dass er selbst nur drei Rennen fahren und sein Vater ebenfalls bei drei Veranstaltungen am Steuer sitzen wird. Bis dahin will er leichtere Querlenker eingebaut und den Auspuffkrümmer auf einem Motorenprüfstand optimiert zu haben, dann kann die neue Rennsaison 2017 kommen.

Von Hartmut Heß

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.