Homestory: Franco Berto mit neuer Herausforderung in 2017

Im vergangenen Sommer besuchte „Bergrennen in Deutschland“ Franco Berto, den Österreichischen Berg-Vize-Meister von 2015, in seiner italienischen Heimat am Gardasee und beim Bergrennen Alpe del Nevegal im Belluno. Der 55-jährige Italo-Schweizer bestreitet seit 1989 Bergrennen. Seit einigen Jahren konzentriert sich der Mann aus dem mit unter weltbekannten Ferien- und Weinbauort Bardolino auf die Österreichische Berg-Staatsmeisterschaft, wo er in der abgelaufenen Saison Rang 4 in der Endabrechnung des Rennwagenchampionats belegen konnte.

Als Mitteleuropäer, von der Nordseite der Alpen kommend, ist man schon ein bisschen neidisch auf die in Norditalien und am Gardasee gerne praktizierte unbeschwerte Lebensart. Hektik und Stress scheint es hier nicht zu gegen. Dem entsprechend trafen wir den Bergspezialisten erst einmal in einem typischen Straßenkaffe, jedoch etwas abseits der ausgetretenen Touristenpfade im der Bar Centrale in Calmasino, 80 Meter über dem See, im Hinterland von Bardolino. Hier kann man Franco Berto unter der Woche fast jeden Morgen zu seiner angestammten Zeit antreffen. Bei einem sensationellen Blick über den See ist Motorsport da kaum Thema, höchstens wenn Ferrari in der Formel 1 den Gesprächsstoff liefert. Vielmehr stehen lokale Ereignisse und das genießen eines Cappuccino oder Espresso im Vordergrund. Wenig später ging es weiter zu Francos Anwesen etwas oberhalb von Bardolino, wo er mit Ehefrau und Tochter Giulia lebt. Die Garage im Garten beherbergt den Formel Renault Monza, samt Equipment, mit dem Berto im Jahr 2015 die Österreichische Vize-Bergmeisterschaft hausgefahren hatte.

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Hier ist es recht eng, doch der Rennwagen samt Ersatzteilen, Werkzeugen und Pflegemittel hat seinen Platz gefunden. Auch ein Teil der unzähligen Pokale ist hier her ausquartiert. „Nur die wichtigsten Trophäen stehen im Haus, genauer gesagt im Schlafzimmer, sonst spielen meine beiden Frauen nicht mit“, lacht Franco. Kleinere Wartungsarbeiten und aerodynamische Weiterentwicklungen nimmt der Vertreter in der Sanitärbranche selbst an seinem Formel Boliden vor. Es ist ein recht ungewöhnliches und eher seltenes Rennfahrzeug. Der Formel Renault „Monza“ stammt aus der italienischen Formel Renault Serie auf der Rundstrecke und ist, anders als üblich mit einem 1600 ccm, statt einem 2-Liter Triebwerk ausgerüstet. Der Motor in Francos Rennwagen entspricht in den letzten Jahren den bekannten Super 1600-Motoren, wie sie im Rallyesport beispielsweise im Renault Clio Verwendung finden. In der Klasse bis 2 Liter der Berg ÖM kann der Mann vom Gardasee dennoch hervorragend mitthalten. Wie viele am Bergrennsport begeisterte Sportler kann Franco Berto auf eine zweigeteilte Laufbahn schauen. Ende der 1980er Jahre, genau 1989 begann Franco mit einem Peugeot 205 1,9 GTI mit dem Bergrennsport. Erst im Jahr 2000 folgte ein Ford Sierra Stufenheck in Gruppe A-Version. Ab 2002 fanden dann mit dem gelben Ford Escort Cosworth Gruppe A die ersten Ausflüge nach Österreich statt. Kein Wunder, denn der Ford wurde von der Firma Gabat immer wieder verbessert. Sonst waren die zahlreichen Bergrennen in Norditalien das bevorzugte Einsatzgebiet. Nach einer Pause folgte im Jahr 2007 das Comeback im Formel Monza, der jedoch vor einigen Wochen weichen musste um Platz zu machten für einen Norma M20 Sportwagen mit 2-Liter Honda Motor. „Ich will es noch einmal wissen“, freut sich Franco Berto schon vor dem Jahreswechsel auf die kommende Berg-Saison 2017. „Das Hotelzimmer am Rechberg ist schon gebucht!“. Somit wird der am 7. Dezember 1961 geborene Südtirol-Schweizer zum kleinen Kreis derer Bergrennfahrer zählen, die mit Tourenwagen, Formel und Sportwagen aller drei bei Bergrennen möglichen Fahrzeugarten, unter dem Hintern hatten.

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Franco Berto spricht schon von seiner Herkunft aus hervorragen Deutsch und natürlich Italienisch. Seine Mutter kommt aus dem schweizerischen Luzern, der Vater war ein gestandener Südtiroler aus Meran. Hier erlebte der kleine Franco aus junger Bub auch seine ersten Bergrennen am Mendel Pass, als die Bergrennen noch von den Namen Peter Schetty, Sepp Greger, Michael Weber oder Aturo Merzario beherrscht wurden und auch tödliche Unfälle keine Seltenheit waren. Die Bertos lebten in Meran und besaßen in Bardoline einen Zweitwohnsitz, in dem Franco und seinen Familie heute noch lebt. Seine Zweisprachigkeit ist natürlich ein großes Plus. Als Vertreter in der Bäder- und Sanitärbranche für italienische Hersteller ist und war Franco Berto im gesamten deutschsprachigen Raum unterwegs. Als Ausgleich und zur Vorbereitung auf die Rennwochenenden ist er regelmäßig mit dem Mountainbike in den sanft ansteigenden Weinbergen zwischen Lazise, Bardolino und Garda am strampeln. „Das Terrain ist ideal und beflügelt seit Jahren meine zweite sportliche Leidenschaft“. Dazu passt auch das Franco keinen Alkohol trinkt.

Die abgelaufene Saison 2016 war doch sehr durchwachsen. Vom Pech verfolgt, kamen technische Probleme am Rennwagen hinzu und das Wetter war Franco ebenfalls nicht immer hold. Der Saisonstart beim Rechbergrennen war noch verheißungsvoll mit einem zweiten Platz in der Rennwagenklasse bis 2000 ccm Hubraum. Das Unwetter von Verzegnis bedeutete ein Nullnummer und eine Woche später beim EM-Klassiker in Ecce Homo stellte Franco Berto seinen schwarz-grünen Formelwagen auf den zweiten Platz in der ÖM-Wertung. Danach ging es in Slowenien mit dem Bergrennen Gorjanci weiter, wo man leider am Renntag mit den schwierigen Bedingungen überrascht wurde und ohne Punkte die Heimreise antrat. In St. Anton war  es schlussendlich ein großartiger zweiter Platz in der Gruppe D, E2-SS bis 2l Hubraum. Danach stand mit dem Bergrennen Alpe del Nevegal in Belluno ein Heimspiel an, wo allerdings am gesamten Trainingstag Elektronikproblemen den Boliden quälten, womit er sich für das Rennen abmeldete musste. Nach der Sommerpause ging die Saison im slowenischen Ilirska Bistrica weiter. In der stark besetzten Klasse stand am Ende des Wochenendes für Franco der grandiose vierte Platz zu Buche, wobei man im Zuge der österr. Meisterschaft sogar mit dem dritten Rang glänzen konnte. Danach stand das Bergrennen Buzet in Kroatien auf dem Programm, wo Franco am Renntag erneut mit schwierigen Bedingungen zu kämpfen hatte. Franco ließ sich davon keines Wegs beeindrucken und lieferte mit seinem Tatuus Formula Monza LRM eine großartige Leistung ab. Dabei konnte er sich mit seinen gefahrenen Zeiten schlussendlich den ausgezeichneten dritten Platz an die Fahnen heften. Bereits ein Wochenende später stand im oberösterreichischen St. Agatha der vorletzte Lauf zur Berg-ÖM auf dem Programm, dass mit einem weiteren dritten Rang (ÖM 2.). Das ÖM-Finale von Cividale-Castelmonte war erneut eine Nullnummer. Im Training mit exzellenten Zeiten überzeugend verzichtete Franco am Renntag auf einen Start, da sich über Nacht mit einem Unwetter die Bedingungen dramatisch verschlechterten. Zum Abschluss stand noch das Saisonfinale in der italienischen Meisterschaft in Pedavena auf dem Programm. Dort lief es jedoch erneut nicht nach Wunsch und nach dem 1. Rennlauf musste man den Tatuus Formula Monza LRM mit einem technischen Defekt frühzeitig auf den Hänger verladen.

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von Thomas Bubel
(sportliche Saisonchronik von Hillclimbfans.com)

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.