Interview mit dem Berg-Champion 2016 André Wiebe

André Wiebe ist der Abräumer schlechthin der Bergsaison 2016 in Deutschland. Fünf große Titel konnte der 26-jährige aus dem Nahe-Weinbauort Monzigen in diesem Jahr einfahren. Die Deutsche Bergmeisterschaft, der DMSB Berg-Cup für Tourenwagen, der DMSB Berg-Team-Cup sowie die Gesamt- und Youngsterwertung des KW Berg-Cup schnappt sich der KfZ-Mechatroniker auf einen Streich. Bergrennen in Deutschland besuchte kürzlich André und die rennsportbegeisterte Großfamilie Wiebe in Monzigen zu einem Interview.

BiD: Wie kam die Familie Wiebe eigentlich zum Motorsport?
Andre Wiebe: Durch Hans Schüssler, den ehemaligen Chef unseres Vaters Hans-Peter. Er betrieb ein Autohaus bei uns in der Nähe und war mit einem Renault R8 Gordini in den 1970er Jahren aktiv im Motorsport. Unser Vater kam so bereits in jungen Jahren mit dem Rennsport in Verbindung. Björn und ich begannen im Kart. Über den Auto-Slalom folgten wir unserem Vater an den Berg, der seinerseits wohl 1996 beim Mosel Bergpreis in Bengel sein erstes Bergrennen in der GLP-Wertung mit einem Gordini fuhr, aber dann schnell merkte, dass er im Bestzeit-Rennsport besser aufgehoben ist.

BiD: Woher kommt Eure Affinität zur französischen Automarke Renault?
André Wiebe: Eben auch durch die frühen Berufsjahre unseres Vaters. Das Autohaus Schüssler, war lange Jahre Renault-Vertragshändler und auch bis vor fünf Jahren arbeitete Hans-Peter in einer Werkstatt eines Renault Autohauses. Auch mein Bruder Björn hat vor rund 10 Jahren bei Renault den Beruf des KfZ-Mechatronikers erlernt. Nur Ich war nicht von Beginn an „Renault´ler“, mit einer Mechatroniker-Ausbildung bei Daimler-Chrysler, sprich Mercedes.

BiD: In der Zwischenzeit seid Ihr auch beruflich ein Team. Wie läuft das?
André Wiebe: Ja, prima! Vor fünf Jahren haben wir uns mit einer markenfreien Werkstatt im Nachbarort Merxheim selbstständig gemacht. Hans-Peter, Björn und ich arbeiten in der Werkstatt, unsere Mutter macht das Büro. Unsere Standbeine sind Auto- und Motorsportservice. Wir sind in der Planung für einen Standortwechsel und dem Bau einer ersten eigenen Halle. Falls wir das Projekt schon im kommenden Jahr verwirklichen können, müssen wir natürlich mit den Rennteilnahmen kürzer treten. Geplant ist sowieso das Björn nach dem „Babyjahr“ wieder voll einsteigt und ich dafür kürzer trete. Ich muss zudem den Umbau des vor zwei Jahren gekauften Altbaus hier in Monzingen abschließen, den ich zusammen mit Karina (Orth) bewohne.

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BiD: Wie seid Ihr zu den wohl weltweit größten Laguna-Rennwagen Besitzern und Liebhabern geworden?
André Wiebe: Ja, unsere Familie besitzt vier komplette Renault Laguna Super-Tourenwagen und zwei Exemplare in Teilen. Die meisten stammen aus dem Werksfundus von Renault oder standen im Renault Museum. Nur den Silber lackierten Laguna, den Björn zuletzt fuhr, hatten wir in Kanada aufgespürt und per Containerfracht über den großen Teich zurück geholt. Alles sind ehemalige Werksautos, die in der Britischen Tourenwagen Meisterschaft (BTTC) eingesetzt wurden. Mein jetzt blaues 2016ner Bergmeisterauto gewann unter Alain Menu 1997 die Britische Meisterschaft und auch der ´96er Laguna von unserem Vater ist ein ex-Menu Auto. Unsere weiteren „Schätze“ wurden von Will Hoy und Jason Plato pilotiert.

BiD: Wie habt Ihr die Lagunas an den Bergrennsport anpassen können?
André Wiebe: Das war eigentlich gar nicht so schwer, wie gedacht oder wie uns das Rennfahrerkollegen prophezeit hatten. In erster Linie haben wir geschaut wo wir das Gewicht der Fahrzeuge reduzieren können. Das ging schon mal mit entsprechenden Anbauteilen. Das Getriebe mussten wir kürzer gestalten und ein wenig das Steuergerät anpassen und das war´s eigentlich schon.

BiD: Seit fast einem Jahr arbeite Ihr jetzt motorseitig mit dem Sportwagen-Team von Thomas Conrad zusammen. Wie läuft´s und was ist weiter geplant?
André Wiebe: Das 2-Liter Renault-Triebwerk im Heck des Conrad-Sportwagens leistet derzeit 250 PS. Zu letzt war Thomas schon näher an Uwe Lang im 3-Liter Osella BMW heran gerückt. Über den Winter wollen wir nochmals 30 PS mehr aus dem Motor herausholen. Thomas plant die kommende Saison wieder alle Bergrennen in Deutschland, plus einige Auslandsrennen, zu fahren. Dann hoffen wir noch näher an die Zeiten von Uwe Lang heranzufahren. Das sollte unserem Team „Powered by Wiebe“ weiter Auftrieb geben, zumal unser Teammitglied Markus Goldbach ebenfalls von uns einen neuen Motor gebaut bekommt. Kevin Veit, der Freund unserer Schwester Lisa, fällt für das Team in 2017 aus. Er wird pausieren um seinen Meister zu machen. Hier suchen wir derzeit einen vierten Mann zur Verteidigung des DMSB Berg-Team-Cup.

BiD: Danke für das Interview und allen Wiebes eine schöne Vorweihnachtszeit!
André Wiebe: Gern geschehen und wir danken Bergrennen in Deutschland.

Übrigens, die Wochenzeitschifft „MOTORSPORT aktuell“ wird in der Ausgabe vom 06.12. 2016 eine große „Wiebe-Story“ ihm Panorama-Teil bringen.

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Über Thomas Bubel 267 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.