DMSB gibt grünes Licht für die ersten CM-Renner in Deutschland

Die sogenannten CM-Rennsportfahrzeuge sehen aus wie geschrumpfte Le Mans-Sportwagen oder DTM-Boliden. Doch vom kompakten Aussehen dieser Zwergrennwagen sollte man sich nicht täuschen lassen, denn solche auf Gitterrohrrahmen aufgebauten, quirligen Renner haben es faustdick hinter den Ohren. Zu einem überschaubaren Neupreis oder auch gebraucht, gibt es je nach Hersteller sogar verschiedene, coole Karosserien im Look von BMW, Audi und Co. So ein Paket, angetrieben von PS-starken und leichten Motorrad-Triebwerken ist ideal für den ambitionierten Privatfahrer und bei Bergrennen für Top-Platzierungen in der Gesamtwertung gut.

Drei Jahre ist es nun her, dass der Odenwälder Berg-Routinier Ralf Kroll seinen bekannt schnellen VW Golf 16V aus dem KW Berg-Cup in die Ecke stellte, und sich der Faszination der sogrannten „CM-Fahrzeuge“ hingab. Aus Spanien exportierte Kroll einen Silver Car S2 der von einem 1000 ccm-Suzuki GSXr-Motor befeuert wird. Der zweifache Deutsche Bergpokalsieger hatte sich sogleich das Ziel gesetzt diese in Spanien und Frankreich bereits weit verbreitete Art von Rennfahrzeugen auch in Deutschland zu etablieren. Dies war jedoch nicht so einfach wie sich der Mudauer das gedacht hatte. Anfangs durfte Krolls Silver Car nur bei GLP-Gleichmäßigkeits-Bergrennen starten. So konnte Ralf wenigstens sein neues „Gerät“ in nicht ganz freier Wildbahn kennen lernen. Seit 2014 befindet sich Ralf Kroll in Gesprächen mit dem Fachausschuss Bergrennen und dem DMSB selbst, für den diese Rennfahrzeuge ebenfalls Neuland waren. Mit dem Ausschussvorsitzenden Marcus Malsch gewann der Silver Car-Importeur für Deutschland zwischenzeitlich einen Verbündeten. „Mit diesen Fahrzeugen beschäftigt sich der Fachausschuss Bergrennen schon seit geraumer Zeit und hat in Zusammenarbeit mit der DMSB Geschäftsstelle nun die ersten Fahrzeuge in Deutschland mit einem DMSB-Wagenpass ausgestattet. Da für diese Fahrzeuge europaweit keine einheitlichen und ordentlichen Regularien  existieren und diese teilweise von einigen Herstellern sicherheitstechnisch nicht korrekt aufgebaut werden, musste die Abteilung Technik des DMSB nachhelfen und teilweise vor der sportrechtlichen Zulassung, sprich DMSB-Wagenpass, individuelle Umbaumaßnahmen anordnen“, erklärte Malsch.

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Das Thema stand auch bei der FA-Bergrennen-Sitzung im September zur Debatte. Marcus Malsch ging weiter auf die Problematik ein, dass gültige ASN-Zertifikate für Überrollkäfige von Seiten der DMSB-Geschäftsstelle nur anerkannt werden, wenn diese auch dem Anhang J der FIA entsprechen. Er bat diese Vorgehensweise zu überdenken und empfahl den DMSB-Verantwortlichen, dass gültige ASN-Zertifikate grundsätzlich anerkannt werden sollten, ohne weiter Umbauten anzufordern. Marcus Malsch wird die Hersteller, wie beispielsweise Silver Car, TracKing, BRC und Mitjet, darüber informieren, dass die Sicherheitsbestimmungen der FIA, insbesondere des Anhang J Art. 277, unbedingt eingehalten werden müssen und zukünftig hergestellte Fahrzeuge dahingehende angepasst werden sollten. Aus diesem Grund hat Ralf Kroll seinen blauen Silver Car S2 gegen die rotlackierte aktuelle Version des S2 eingetauscht und verfügt jetzt über eines der ersten in Deutschland offiziell für den Bergrennsport zugelassenen „CM-Rennwagen“. Vorerst werden solche Rennwagen in der Gruppe E2-SH der Silhouetten-Fahrzeuge, Klasse bis und über 1000 ccm Hubraum, ihre Einteilung finden. Mittelfristig soll dies aber nicht so bleiben. Auf jeden Fall sind die aktuellen Produkte von Silver Car, TracKing und Co auch punktberechtigt für die Deutsche Bergmeisterschaft und den DMSB Berg-Cup für Sportwagen.

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Der Bergrenn-Fachausschuss wird sich dafür einsetzten, dass die „CM-Fahrzeuge“ zukünftig über eine eigene Serie an Bergrennen in Deutschland teilnehmen können und sich dazu mit den entsprechenden Herstellern sowie mit möglichen Serienausschreibern abstimmen. Hier hofft man den Nachwuchs und Umsteiger für diese kostengünstigen und vor allem potenten Rennfahrzeuge begeistern zu können. Ziel ist es zudem diese Fahrzeuge in einer eigenen Gruppe zu vereinen. Malsch sieht für diese Fahrzeuge auch eine Zukunft in der Berg-Europameisterschaft. Der Thüringer wird hierzu einen Antrag zur nächsten Sitzung der FIA Hill Climb Commission stellen. Die Fans des Bergrennsports und die Zuschauer entlang der deutschen und europäischen Bergrennstrecken werden begeistert sein, sollten hier zukünftig zahlreiche Fahrzeuge an den Start gehen oder gar eine eigene Meisterschaft ausgeschrieben werden.

Links zum Thema:
www.rak-performance.de (Silver Car Germany – Ralf Kroll)
www.bangoracingcars.com (BRC)
www.mitjet2l.com
www.mitjet-series.com
www.bourgeon-concept.fr (TracKing)

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Über Thomas Bubel 301 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.