Leserbrief-Reaktionen: Deutsche Oldtimer Bergmeisterschaft

Werte Bergrennsportfamilie,
Wir sind große Fans des KW Berg-Cup und finden es absolut Spitze wie es ist. Sicherlich gibt es bei der einen oder anderen Veranstaltung etwas zu meckern. Als Zuschauer sieht man das auch manchmal aus einer anderen Sicht. Aber im Großen und Ganzen sind die Veranstaltungen immer Top. Aber was Herr Schmid hier von sich gibt, ist völlig abwegig. Ich frage mich ob der schon mal eine deutsche Berg-Veranstaltung besucht hat. Dann spricht er das FiA Hillclimb Masters in Tschechien an. Egidio Pisanos VW Golf ist ebenfalls bald 40 Jahre alt, aber was will Herr Schmid denn überhaupt? Elektroautos und Hightech-Rennwagen? Die kann sich kaum einer leisten. Dieser Sport soll auch bezahlbar bleiben! Und wem es nicht gefällt, braucht er auch nicht hingehen. Ich wünsche mir, dass es den KW Berg-Cup mit so vielen schönen alten Autos noch lange gibt. Außerdem, hat der DMSB in seiner Art und Weise schon genug kaputt gemacht (Gruppe H) und sollte jetzt dem kleinen Mann seinen Spaß am Motorsport lassen.

Mit freundlichen Grüßen
Familie Krause


Lieber Norbert Schmid,
Ich muss Dir zu Deinen Beobachtungen zu Bergrennen teilweise recht geben. Ich habe auch schon etliche Bergrennen in Italien besucht. Was Du aber nicht beschrieben hast ist, dass nach den 15-20 Top-Fahrzeugen (zu denen aber auch ‚alte‘ DTM und ITC Alfa Romeo gehören!) erst mal ca. 1-1,5 Stunden lange sterbenslangweilige Gruppe N/A Renault Clio, Peugeot 106 Rallye und andere i.d.R. auch nicht brandaktuelle Kleinwagen kommen. Was hier aber auffällt ist, dass da sehr oft junge Fahrer drin sitzen.  Also Nachwuchs! In Italien sehen Firmen wie Osella und Norma offensichtlich einen Markt für ihre Produkte. Die schaffen es sogar, gemeinsam auf eigens gesperrten originalen Bergrennstrecken vor Saisonbeginn zu testen. Kannst Du Dir das in Deutschland vorstellen? Auch gibt es dort massenhaft Bergslaloms, selbst bei denen starten hochwertige, teure Sportwagen! In Frankreich gibt es z.B. ca. 30 Rennstrecken und von März bis Oktober an jedem Wochenende bis zu 4 Bergrennen (wo übrigens auch sehr gerne Gruppe H ähnliches ‚altes‘ Material spektakulär ein gesetzt wird). In England, Italien und Spanien sind die Verhältnisse in Bezug auf Rennstrecken und Veranstaltungen auch um Welten besser als bei uns (Rahmenbedingungen Punkt 3)!

Doch jetzt zu den Ursachen (nach meiner Meinung)
Schuld sind an der Lage des Bergrennsports (Motorsport allgemein) in Deutschland drei Gruppen:
1. der DMSB (früher schon die ONS)
2. die Vereine wie ADAC, AvD, DSK und andere
3. quasi wir selbst in Form von Landesregierungen, Landratsämtern, Regierungsbezirken und letztendlich auch einem Großteil der Deutschen an sich.

zu Punkt 1.
Im Gegensatz zu Italien hat es in Deutschland niemand geschafft, dass man Autos nach Ablauf
der FIA Homologation weiter einsetzen konnte. In Italien z.B. konnte man seine 850er oder 1000er
Rennwagen in unveränderter Form egal ob Gruppe 1,2 oder 5, immer einsetzen, solange bis diese historisch wurden. In Klassen am deutschen Berg ist man mit wirklich historischen Autos gegen die erlaubten Gruppe H chancenlos.
Heutzutage tut der DMSB alles um Motorport teuer zu machen, dies oft unter dem Deckmantel erhöhter Sicherheit. Siehe z.B. die Alibimaßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit am Nürburgring, klar ist jeder Unfall einer zu viel, aber Motorsport war immer gefährlich, ist gefährlich und bleibt gefährlich, das sollten die Teilnehmer und auch die Zuschauer aber wissen.
Dies ist aber typisch deutsch (3.), es werden auch z.b. die Energiesparvorschriften für den Hausbau dermaßen angehoben, dass dieser für Viele einfach zu teuer wird. Oder auch versucht Menschenleben zu retten in dem man Bundesweit abgestimmt Tempolimits kontrolliert. Wollte man aber wirklich Menschenleben retten, bräuchte man nur die Hygienevorschriften für Krankenhäuser z.B. auf das holländische Niveau zu erhöhen, und es würden 15000 Menschen pro Jahr weniger sterben.

In Spanien, Portugal und Frankreich gibt es alleine 4-5 Hersteller von relativ preiswerten, speziellen Bergrennwagen mit Motorradmotor (Gruppe CM), oft sowohl als Coupé oder offener Sportwagen. Diese Fahrzeuge sind schnell, spektakulär und sicher, da meist eine FIA Zulassung vorhanden ist. In Deutschland schafft es der DMSB seit Jahren nicht für solche Fahrzeuge eine Klasse in der Meisterschaft einzurichten. Ralf Kroll muss mit seinem Silvercar meines Wissens immer noch GLP fahren um das Auto überhaupt einsetzen zu können. Solche Autos sind günstiger als ein nur halbwegs kompetitiver 1150er Gruppe H Polo, wäre also auch gut für den Nachwuchs geeignet. Aber für den DMSB muss Motorsport wohl teuer sein.

Zu Punkt 2.
DMSB und die angesprochenen Vereine sind zu profitorientiert, und tun nichts Spürbares um den Motorsport zu fördern. Um Motorsport zu betreiben  braucht man m.E. als Erstes Einsatzmöglichkeiten, das heißt mehr Rennstrecken. Sie sollten sich also einsetzen für den Bau neuer Rennstrecken oder die Genehmigung von Bergrennen und den dazu notwendigen Streckensperrungen und Genehmigungen. Schaue ich mir aber das „Treppenliftfachmagazin“ des ADAC an, findet dort Motorport so gut wie nicht mehr statt. In diesem Zusammenhang: DTM ist kein Motorsport, bei der Formel 1 und der GT3 kann man das schon seit einiger Zeit zumindest in Frage stellen.

Zu Punkt 3:
In Deutschland fehlt offenbar grundsätzlich die Bereitschaft Motorsport als Sportart zu akzeptieren. Aufgrund extremer Anforderungen wird somit der Bau von Rennstrecken verunmöglicht (Alibi z.B. Tierschutz / Umweltschutz). Wer kümmert sich eigentlich um den Schadstoffausstoß von Besuchern von Massenveranstaltungen, Hausbrand, Fluss-und Küstenschifffahrt, etc. pp? ) Bergrennen und Rallyes werden aus gleichen Gründen nicht genehmigt oder mit unsinnigen Auflagen erschwert, z.B. weil man die Straße nicht sperren kann, da sie ja soo wichtig ist. Dabei bräuchte man sich nur vorstellen, da wäre eine Baustelle, dann gehts doch auch. Dann ist auch die Umleitungs- und Sperrbeschilderung auf einmal auch nicht mehr teuer.
Ein weiterer Grund sind die jenigen Deutschen, die einfach nicht tolerant genug sind, bei Bergrennen und Rallyes einmal im Jahr für 3 Tage etwas mehr Krach als den von den Rasenmähern der Nachbarn zu akzeptieren, oder ganz einfach gegen alles sind, was sie nicht selbst gerne tun, davon gibt es leider genug (auch z.B. die, die günstig in die Nähe einer Rennstrecke oder eines Flughafens ziehen um sich dann nach einem Jahr über den Lärm zu beschweren). In Italien z. B. liegen etliche Rennstrecken direkt am Ortsrand, und die sind seit Jahrzehnten im Betrieb!

Das sieht jetzt zwar aus wie der große Rundumschlag, und der soll es auch sein. Aber man muss ja auch mal eine Diskussion anstoßen.

PS: Ich fahre selbst GLP am Berg und auf der Rundstrecke mit historischem Material, bin also nicht ganz unvertraut mit den angesprochenen DMSB Problematiken, die mir einen Start bei Rennen quasi verunmöglichen.

Dirk Toschka


Lieber Herr Schmid
Liebe Motorsportfreunde
Ich wundere mich das hier nicht ein raunen durch die Bergsportszene geht! Ich möchte die Gelegenheit nutzen um Herrn Norbert Schmid zu antworten. Ohne Frage, die zahlreiche Beiträge auf der Webseite „Bergrennen in Deutschland“ sind sehr ausführlich und vor allem mit dem nötigen Hintergrundwissen geschrieben, was wohl einem Herrn Schmid fehlt.

Lieber Herr Schmid, bitte zeigen Sie einen Weg auf,  wie sich die jungen als auch die älteren Bergpiloten die von Ihnen geforderten „aktuelle Rennwagen“ leisten können. Von einem großzügigen Sponsoring diverser Fahrer mit aktuellen Rennautos sind wir hier in Deutschland sicherlich ein gutes Stück weiter entfernt, als in der Schweiz, Frankreich und Italien. Solche moderne Boliden, worauf Sie stehen, beginnen bei zarten 65.000 € nach obenhin offen. Zu Ihrer Info ein ex-BTCC Laguna wie ihn die Wiebes überaus erfolgreich fahren, wird in England um die 100.000 € verkauft oder versteigert. Ein junger Bergfahrer möchte einen Rallye Opel-Cup Adam kaufen, das ist nicht unter 75.000 € möglich. Nun Frage ich Sie, wie soll das gehen, einen Renn-Motor für einen BMW beginn preislich auch bei 40.000 €.

Ich fahre nach 30 jähriger Rennpause seit 2010 wieder im NSU Bergpokal mit und darf Ihnen versichern dass alle Fahrer, Veranstalter, und auch die Zuschauer Ihren Spaß an dieser Rennserie haben. Die Fahrer der VLN mit Ihren modernen und teuren Autos, im Schnitt alle weit über 100.000 € ohne die laufenden Reparaturkosten würden sich glücklich schätzen vor eine Kulisse von 25.000-30.000 Zuschauern, so jahrelang geschehen in Osnabrück. Oder Mickhausen mit Zahlen von 20.000 bis 25.000 Zuschauern. Aber auch die Bergrennen in Wolsfeld, Homburg, und Eichenbühl ziehen bei gutem Wetter immer noch genügend  Zuschauer an. Nun passen Sie fein auf;  dass hier seit rund 50 Jahren interessante Bergrennen veranstaltet werden können,  ist der unermüdlichen PR und dem unermüdlichen Helfern der Clubs zu verdanken. Bergrennveranstaltungen wie zum Beispiel das Bergrennen in Trier wurde nur durch Teile des Vorstands, insbesondere dem damaligen Vorsitzenden zugrunde gerichtet, weil alles andere (VIP, Berglauf für Läufer mit 35  Teilnehmer u.s.w.) wichtiger war als die Hauptdarsteller – nämlich die Fahrer. Wobei wir zum Ende wider bei Ihrem Fisch angekommen sind.

Seit der abgelaufenen Saison 2016 fahre ich auch einen VW Polo 16V mit einem Motorradkopf. Das ist die Entwicklung, wie Sie Schreiben, die die Gruppe E1 den Fortschrittlich bringt, wenn ja… da nicht der VW Polo wäre, ein Fahrzeug aus dem Altersheim. Bedingt durch die hohen Starterzahlen im Rahmen des KW Berg-Cup und den unermüdlichen hohen Einsatz des Berg-Cup e.V. Vorstands, allen voran von Uli Kohl sind die Teilnehmer- und Zuschauerzahlen am Deutschen Berg so hoch. Einen herzlichen Dank aber auch an die FIA und den DMSB, dass diese Young.-  und Oldtimer noch fahren dürften, denn ohne diese bewährten und auch bei den jungen Zuschauer angesagten Autos wären die Bergrennen in Deutschland schon längst Geschichte. Auch das sollte Ihnen, lieber Herr Schmid, wenn Sie ein Kenner der Bergrennszene sind, wird dies Ihnen doch nicht entgangen sein, oder?

mit freundlichen Grüßen
Walter Voigt, 54329 Konz


Hallo BiD-Redaktion,
So sehr ich die Webseite „Bergrennen in Deutschland“ schätze und das dahinter steckende Fachwissen, aber wie kann man so einen Leserbrief, eines in meinen Augen Ahnungslosen veröffentlichen. Dafür gibt es nur einen Platz: Mülleimer.

Mit motorsportlichen Grüßen
Stephan Schuster


Überdreht?
Die Deutsche Automobilbergmeisterschaft wartet auf das Supertalent Norbert Schmid aus Weinheim. Herr Schmid, bei Ihrer Argumentation ist davon auszugehen, dass Sie selbst Eigentümer eines Lamborghini Gallardo, eines Audi R8 LMS, eines Porsche GT3 oder eines BMW M6 GT3 sind. Denn sonst würden Sie es sich bestimmt nicht als intelligenter Motorsportler (das sind Sie sicherlich) anmaßen, die „Hobbycarfahrer“ in Ihre (und es ist nur Ihre) unterste Schublade zu stecken.

Aber vielleicht gehört Ihnen nicht einmal der Knopf an Ihrer Hose? Wissen Sie was, Herr Schmid? Nehmen Sie doch den fairen Wettstreit mit den in Ihren Augen lächerlichen Hobbyfahrzeugen oder CTC-Fahrzeugen am deutschen Berg auf. Sie sind sicherlich genau der Meister der Fahrphysik, dem es gelingt, einen Panzer mit 1,5 Tonnen schneller den Berg hinauf zu wuchten als die Fahrer der schäbigen, alten Hobbyfahrzeuge es zu tun in der Lage sind.

Ich freue mich auf spannende Duelle mit Ihnen, werter Motorsport-Besserwisser Norbert Schmid. Und noch eines: Sollte Ihre Vision Gesetz werden, werden Sie vermutlich als Einzelstarter am Berg antreten, da nicht jeder ein „Zweifamilienhaus“ am Berg fahren kann oder möchte.

Gezeichnet:
Richard Rein, Präsident des Classic-Berg-Cup e.V.


Anmerkung der Redaktion: Leserbriefe sind, zum allgemeinen Verständnis, eine Ausprägung des Journalismus und Ausdruck der Meinungsfreiheit in unserer Gesellschaft, also ein hohes Gut. Leserbriefe spiegeln zudem nicht zwingend die Ansichten und Meinungen der Redaktion wieder.