Masters: Goldmedaillen gehen an Faggioli, Moran und Peruggini

Nachdem sie bereits im Training die besten Zeiten erreicht hatten, bestätigten der Italiener Simone Faggioli (Norma M20 FC Zytek V8, Kategorie 2), der Brite Scott Moran (Gould GR61X, Kategorie 3) und der Italiener Lucio Peruggini (Ferrari 458 Italia GT3, Kategorie 1) auch im sonntäglichen Rennen ihre Überlegenheit. Sie holten damit die drei beim Hillclimb Masters vorgesehenen Goldmedaillen. Bei der sehr gelungenen zweiten Auflage im tschechischen Šternberk ging die Slowakei als Gewinner des Nationencups hervor, überdies siegte der Italiener Andrea Bormolini (Osella) bei den Junioren (U25), und die Französin Martine Hubert (Norma M20 BMW 3.0) schwang in der Damenwertung obenaus.

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Am Ende der zweiten Auflage des FIA Hillclimb Masters ist Simone Faggioli überglücklich: «Diesen Sieg wollte ich mir nicht entgehen lassen!». Obwohl neunfacher Europameister und eine lebende Legende im Bergrennsport, ist es ihm erst jetzt gelungen, seine erste Goldmedaille in diesem Wettbewerb zu erobern. «Vor zwei Jahren in Eschdorf musste ich mich mit Silber begnügen. Für diese Niederlage wollte ich mich unbedingt revanchieren, und dieser Sieg war mein erklärtes Ziel. Der Kampf gegen Christian Merli war toll, musste ich doch meine letzten Reserven mobilisieren. Dieses Rennen ist einzigartig, sowohl durch seinen Status als auch durch seine Aura. Alles entscheidet sich an einem einzigen Tag und auf einem relativ kurzen Parcours, wo man jeden Fehler auf der Uhr teuer bezahlt. Der Druck war also groß, aber alles hat bestens geklappt, und ich bin überglücklich, dass ich die Tagesbestzeit aller Kategorien erzielen konnte. Europameister, italienischer Meister und nun noch die Goldmedaille beim Masters, besser hätte meine Saison 2016 nicht verlaufen können!»

Einmal mehr musste sich Christian Merli mit dem zweiten Platz begnügen. Dabei hatte er sich mit seinem Osella FA30 Evo-Fortech bis zuletzt nach Kräften gewehrt. Nach dem zweiten Lauf nur knapp eine halbe Sekunde hinter seinem ewigen Rivalen, wollte er im dritten Versuch nochmals alles auf eine Karte setzen, doch kurz vor dem letzten Lauf begann es leicht zu regnen, sodass die letzten Kurven vor dem Ziel feucht waren. So fuhr Merli absichtlich langsam die Strecke hoch, um auf Faggioli zu warten, und die beiden überquerten nebeneinander das Ziel. Ein sympathisches Bild und Ausdruck der kollegialen Atmosphäre, die beim Masters 2016 geherrscht hat. Diese wenigen Regentropfen verhinderten aber eine Top-Platzierung der Italiener im Nationen Cup.

Hinter den beiden Aushängeschildern der Europameisterschaft holte schließlich Sébastien Petit (Norma M20FC-Mugen V8) die Bronzemedaille, was den Franzosen umso mehr freute, weil er am Samstag nach technischen Problemen (Ölpumpe) am nagelneuen und schneeweißen Norma kurz glaubte, unverrichteter Dinge die Heimreise antreten zu müssen. Obschon er auf den zweiten Trainingslauf verzichten musste, war der siebenfache französische Vizemeister am Sonntag schneller als Paride Macario (Osella FA30-Zytek) und Lokalmatador Miloš Beneš (Osella FA30-Zytek). Dessen Landsmann Dan Michl erreichte auf seiner attraktiven Lotus Evora V8 «Silhouette» die beste Zeit aller geschlossenen Fahrzeuge der Gruppe E2-SH, vor seinen Landsleuten Vladimir Vitver (Audi TT DTM) und Marek Rybnicek (Ford Fiesta 4WD).

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Kategorie 3: Moran knapp in Front – Genau wie Simone Faggioli konnte sich auch Scott Moran (Gould GR61X-NME) für seine Niederlage beim ersten Hillclimb Masters in Eschdorf revanchieren, wo es hinter dem Franzosen Nicolas Schatz nur zur Silbermedaille gereicht hatte. Dem großen Star der englischen Bergrennen – 6 Titel und 151 Siege – erwuchs allerdings in seinem Landsmann Trevor Willis (OMS 28-RPE) ein ausgesprochen harter Gegner. Erst mit einem speziellen Effort im dritten Lauf gelang es Moran nämlich, die Goldmedaille in der Kategorie 3 für Fahrzeuge, die nicht einer FIA-Gruppe, sondern einem nationalen technischen Reglement entsprechen, zu erobern, indem er den vorher führenden Willis um 18 Hundertstel distanzierte. Auch der Schotte Wallace Menzies (Gould GR55B-NME) steigerte sich im dritten Versuch nochmals. Ihm fehlten zum Schluss nur noch 74/100 auf den Sieger.

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«Es ist unglaublich, dass wir zuerst derart viele Kilometer zurücklegen und unsere Zeiten am Schluss so nahe beieinander liegen», scherzte Scott Moran. «Unser Kampf war super, ich habe hier wirklich riesig Spaß gehabt. Aber Faggioli und Merli sind wirklich verdammt schnell… Wir sind ihren Zeiten zwar immer näher gekommen, aber wir hätten noch einige Läufe gebraucht, um in der gleichen Sekunde wie sie das Ziel zu erreichen. Besonders in einigen schnellen Abschnitten wäre noch mehr drin gelegen, und auch hinsichtlich Abstimmung sind Verbesserungen möglich, denn unsere Rennen in Grossbritannien unterscheiden sich doch sehr stark von den Pisten in Europa. Aber diese Goldmedaille in der Kategorie freut mich trotzdem sehr, und ich sage schon jetzt allen auf Wiedersehen beim Masters 2018.» Nach Bronze vor zwei Jahren musste sich Will Hall (Force WH-XTec) diesmal mit Rang 4 vor Cyrille Frantz (Norma M20FC BMW 4.0 V8) bescheiden, wobei der Franzose als einziger in die Phalanx der Briten eindringen konnte. Bei den sogenannten E1-Tourenwagen dominierten der spektakuläre Österreicher Karl Schagerl und sein bärenstarker VW Golf Rallye TFSI-R (Allradantrieb und über 630 PS) das Geschehen.

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Kategorie 1: Peruggini widmet Sieg seinem Vater  und kam, sah und siegte – Bei seinem ersten Bergrennen außerhalb Italiens durfte Lucio Peruggini gleich mit der Goldmedaille um den Hals die Heimreise von Šternberk antreten. In der Kategorie 1 (Produktions­wagen N, A, GT) kam am wenigsten Spannung auf, denn der Fahrer des Ferrari 458 Italia GT3 ließ während des gesamten Wochenendes keine Zweifel an seiner Überlegenheit aufkommen. «Dieser Sieg weckt bei mir viele Emotionen», meinte er. «Ich hatte mir von Anfang an vorgenommen, dieses Rennen zu gewinnen. Ich möchte Amato Ferrari, dem Chef von AF Corse, für seine Unterstützung danken. Für einen Italiener ist ein Sieg auf einem Ferrari – der zudem noch rot ist – immer etwas Besonderes. Diesen Sieg möchte ich meinem Vater Teodoro widmen. Er starb vor 30 Jahren, als ich noch ein Junge war. Er fuhr auf Lancia und wurde auf einem Lancia Stratos sowie später auf einem 037 Gruppe B italienischer Bergmeister. Meine Begeisterung habe ich von ihm geerbt, und er wäre stolz auf diesen Sieg gewesen.»

Obwohl der Franzose Philippe Schmitter (Lamborghini Gallardo FL2 GT3) beim zweiten Lauf wegen eines technischen Defekts nicht ins Ziel kam, ließ er seinen Landsmann Nicolas Werver (Porsche 997 Cup S) im Kampf um Silber hinter sich. Werver schaffte es nach der Erstauflage des FIA Hillclimb Masters im Jahr 2014 erneut auf die unterste Stufe des Treppchens. Mit dem Schweizer Frédéric Neff (996 Cup) fuhr ein weiterer Porsche-Pilot auf Rang 4, und der Slowake Tomas Ondrej komplettierte mit seinem Skoda Fabia WRC die Top Five.

Andrea Bormolini bei den U25, Martine Hubert schnellste Dame – Sehr harte Fights setzte es bei den unter 25-jährigen Piloten (U25). Nach dem ersten Durchgang lagen der Italiener Andrea Bormolini (Osella PA21 Evo-Honda) und der Belgier Corentin Starck (Norma M20FC-Honda) bloß eine Hundertstelsekunde auseinander. Der Tscheche Petr Trnka (Norma M20FC-Honda) blieb zuerst ebenfalls auf Tuchfühlung, nach dem zweiten Lauf war indessen klar, dass der Einheimische nicht für den Sieg in Frage kam. Mit 7/10 Rückstand war Corentin Starck entschlossen, seine Chancen bei den Junioren bis zum Schluss zu wahren. Im letzten Versuch fielen jedoch erste Regentropfen, und der Belgier rutschte von der Strecke, ohne dass sein Auto allerdings großen Schaden nahm. Somit stand dem Sieg von Andrea Bormolini vor Starck und Trnka nichts mehr im Weg. In der Damenwertung war hingegen von Anfang alles klar: Die Französin Martine Hubert (Norma M20F-BMW), welche schon 2014 triumphiert hatte, gewann mit klarem Vorsprung auf die Polin Irena Stec (Gloria C8-Yamaha) und die Tschechin Gabriela Sajlerova (Mitsubishi Lancer EvoX). Die Tschechin Nela Grundova sogte mit ihrem Mitsubishi bereits im Training für den einigen schwerwiegenden Unfall des Wochenendes. Sie landete nach einer Rolle seitwärts im Garten eines Anwohners. Pech auch für Sandra Becker aus Luxemburg. Die Pilotin vom Hight-Speed-Racing-Club schied bereits im ersten Trainingslauf mit einem Defekt am Alfa Romeo 147 aus.

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Die Slowakei gewinnt den Nationencup – Neben den Einzelwettkämpfen findet im Rahmen des FIA Hillclimb Masters auch ein Nationencup statt. Nicht weniger als 14 nationale Teams hatten sich in Šternberk für diese seltene Spezialität im Bergsport eingeschrieben. Einige der bekanntesten Nationen im Bergrennsport (beispielsweise Italien oder Frankreich) trafen hier auf Länder, die in der internationalen Szene kaum vertreten sind, wie etwa Bulgarien, Rumänien oder Griechenland. Für Chancengleichheit zwischen allen sorgte die Tatsache, dass es hier nicht auf die reine Schnelligkeit ankam, sondern auf die Regelmässigkeit von drei der vier Fahrer, die jeweils eine Ländermannschafft bildeten. Am Ende des Tages ging die Slowakei mit ihren Piloten Josef Béreš, Igor Drotar, Tomas Ondrej und Peter Jurena sowie dem Coach Dusan Koblisek als Gewinner dieser speziellen Wertung hervor. Wie vor zwei Jahren im Großherzogtum Luxemburg gingen die verbleibenden Plätze auf dem Podium an die Schweiz (Fabien Bouduban, Romeo Nüssli, Frédéric Neff und Roger Schnellmann) sowie an Österreich (Ferdinand Madrian, Karl Schagerl, «Tessitore» und Christian Schweiger).Die deutsche Mannschaft (Thomas Ostermann, Manfred Schulte, Silvio Montalto und Egidio Pisano) belegte am Ende Rang 11.

Aus Deutscher Sicht gibt es leider wenig zu vermelden. Lediglich fünf Piloten fanden Interesse an einer Teilnahme beim Masters – für eine Nation wie die Bundesrepublik doch sehr enttäuschend. Holger Hovemann musste bekanntlich nach seinem Mickhausen-Crash absagen. Egidio Pisano (VW Golf Minichberger) war als 58. der bestplatzierte in der Gesamtwertung. Der Herrenberger belegte Rang 8 in der E1-Wertung, dass als schnellster 2-Liter. Manfred Schulte (Citroen AX Kit Car) wurde dritter der TC/GT Gruppe hinter zwei Britten, Thomas Ostermann (BMW E30 Hartge) wurde hier Neunter. Mit dem kleinen Peugeot 106 Rallye war der Hesse Silvio Montalto 13. und Letzter in der Gruppe N.

Kategorie 1:
1. Lucio Peruggini (ITA – Ferrari 458 Italia GT3) – 1:31.06
2. Philippe Schmitter (FRA – Lamborghini Gallardo FL2 GT3) – 1:33.30
3. Nicolas Werver (FRA – Porsche 997 Cup S) – 1:34.55

Kategorie 2:
1. Simone Faggioli (ITA – Norma M20FC-Zytek) – 1:17.51
2. Christian Merli (ITA – Osella FA30 Evo-Fortech) – 1:18.05
3. Sébastien Petit (FRA – Norma M20FC-Mugen) – 1:20.58

Kategorie 3:
1. Scott Moran (GBR – Gould GR61X-NME) – 1:18.93
2. Trevor Willis (GBR – OMS 28-RPE) – 1:19.11
3. Wallace Menzies (GBR – Gould GR55B-NME) – 1:19.67

Die kompletten Ergebnisse findet man auf: http://timing.eccehomo.cz/masters/absolute?Pretek=290