Cividale: Stollnberger nun doch Ö-Meister der Rennwagen

Der Termin des Finales der Österreichischen Berg-Staatsmeisterschaft 2016, dem italienischen „2. Liga-Bergrennen“ von Cividale-Castelmonte, stand lange Zeit nicht genau fest. Die Scuderia Red-Withe plante zuerst für das kommende zweite Oktoberwochenende, bis man bemerkte dadurch mit dem FiA Hill Climb Masters in Tschechien zu kollidieren. Spät entschloss man sich eine Woche eher zu fahren, was den ein oder anderen Piloten zwang, die Reise ins Friaul einer Reise nach Mickhausen vorzuziehen, um noch die letzten ÖM-Zähler der Saison einzustreichen.

Für schwierige Bedingungen am Renntag sorgte das Wetter auch an der italienisch-slowenischen Grenze vor allem am Renntag – also nicht nur beim deutschen Bergfinale in Mickhausen. Die Verhältnisse auf der eher rallyeartigen Piste waren nicht gerade einladend. Nachdem der Trainingstag noch trocken und bei Sonnenschein über die Bühne ging kam die vom Wetterdienst vorhergesagte Kaltfront mit Regen, welcher den 1. Rennlauf für alle Teilnehmer zu einer äußerst schwierigen Angelegenheit machte. Dieser endete dann frühzeitig. Den Beginn des  zweiten und letzten Durchgangs zögerten die „Rot-Weißen“ etwas hinaus um der Strecke mehr Zeit zum abtrocknen zu geben. Dies gelang aber nur teilweise, denn die vielen Waldpassagen blieben feucht.

Im Kampf um den Gesamtsieg kam es zu einem äußerst spannenden Duell, in dem sich am Ende hauchdünn der Italiener Christian Merli durchsetzen konnte. Dieser pilotierte nicht seinen gewohnten Osella FA 30, sondern erstmals einen Osella PA 21 JRB mit einem 1000ccm BMW Motorradmotor, der wohl vom Osella-Werk als Testauto geliefert wurde. Auch mit diesem kleinen und handlichen Sportwagen lieferte der neue Vize-Europameister ein großartiges Rennen ab. Mit einer beeindruckenden Performance vor allem im zweiten Rennlauf, konnte er einen Rückstand von fast vier Sekunden aus Lauf 1, noch in einen minimalen Vorsprung verwandeln. Am Ende konnte sich Merli um 0,26 Sekunden gegen seinen italienischen Landsmann Federico Liber durchsetzen, dessen Leistung am Renntag mit dem bekannten Gloria C8P-Evo jedoch sowieso nach einem eigenen Kapitel verlangt. Denn im Mittelteil des 1. Trainingslauf hatte er einen leichten Ausritt gegen die Böschung zu verzeichnen, wobei die Front seines Boliden doch erheblich beschädigt wurde. Über Nacht konnte das Team vom Gardasee den Schaden reparieren und der „Jung-Vater“ konnte am Rennen wieder starten, wo er mit einer gigantischen Vorstellung sich nur knapp dem Sieger geschlagen geben musste, aber mit Platz zwei unter diesen Umständen ein gigantisches Ergebnis herausholte.

Das Podium komplettierte, völlig überraschend, bereits der genauso überraschende Tourenwagengesamtsieger, und der kam diesmal nicht aus den E1 Klassen sondern aus der Gruppe A! Der Steirer Reinhold Taus lieferte mit seinem dunkelblauen Subaru Impreza WRX STI eine exzellente Leistung ab und dabei konnte er vor allem im 1. Rennlauf mit einer unglaublichen Zeit im Regen glänzen. In Lauf 2 konnte er den Vorsprung in der Tageswertung zwar nicht ganz über die Distanz retten, aber sich am Ende des Tages zum großen Sieger bei den Tourenwagen küren. Damit stand für ihn wohl der bislang größte Erfolg in seiner Karriere im Bergrennsport zu Buche. Rang Vier ging wieder nach Italien an Gianni di Fant, der erstmals bei seinem Heimrennen in Cividale einen Lamborghini Huracan an den Start brachte und mit diesem brachial klingenden Boliden für eine Show der Extraklasse sorgte. Dabei gelang ihm im 2. Rennlauf die schnellste Zeit bei den Tourenwagen was für seine Leistung bei diesem Rennen nochmals deutlich unterstrich. Die Top 5 komplettierte der Obersteirer Werner Karl mit seinem kernig klingenden Audi S2 R Quattro und sich Gesamt dem Italiener Gianni di Fant um lediglich 0,04 Sekunden geschlagen geben musste. Trotzdem konnte Karl mit dem Erfolg in der Gruppe E1 überzeugen und die Österreichische Vize-Bergmeisterschaft bei den Spezial-Tourenwagen, hinter dem abwesenden Karl Schagerl, fest machen.

Rang Sechs im Gesamtklassement sicherte sich Tripo Ivovic aus Montenegro mit seinem Mitsubishi Lancer Evo 9, der sich bei seinem ersten Start in Cividale exzellent in Szene setzen konnte und gleich die Gruppe N für sich entschied. Auf der Sieben folgte der Weststeirer Werner Hofer mit seinem brachialen Ford Escort Cosworth WRC, und das Rennwochenende sehr erfolgreich mit Rang zwei in der Gruppe E1 beenden konnte. Dabei ließ er sich von den schwierigen Bedingungen nicht beeindrucken und das wurde am Ende mit diesem Topergebnis belohnt. Die Top 8 Gesamt komplettierte der Niederösterreicher Roland Eder mit seinem 1ser VW Golf GTI 16V, der mit exzellenten Zeiten auch die 2l Klasse nach E1 Reglement für sich entscheiden konnte.

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Gesamt auf der Neun folgte ein weiterer Niederösterreicher mit Andreas Stollnberger, der endlich wieder mit seinem eigenen Dallara F302 Formel 3 an den Start gehen konnte, nachdem er den von Franz-Wöss-Racing für zwei Bergrennen ausgeliehenen Rundstrecken-Formel 3 wieder zurückgeben konnte. Mit dem Sieg in der 2l Klasse der Gruppe D / E2-SS verbuchte „Stolly“ den letzten ausständigen ÖM Titel des Jahres, nach Schagerl und Gruppe N-Pilot Chris-André Mayer, für sich und sein Team. Nach 2009 und 2010 (damals noch im Formel Opel-Lotus) konnte er sich zum dritten Mal zum nationalen Bergstaatsmeister küren. „Ja, mit meinem eigenen Auto gings dann gleich wieder besser“, bilanzierte Stollnberger. „Nach dieser eher durchwachsenen Saison hab ich heuer auch nimmer gedacht, noch Meister zu werden“. Den Vize-Titel dürfte Hermann Waldy jun. (Dallara F3) als Gesamt 26. errungen haben. F3000-Altmeister Hermann Waldy Senior meldete sich mit Wirbelsäulenproblemen vorzeitig ab.

von Hillclimbfans und Tom Rischar