Warum David Hauser nicht beim FIA Hill Climb Masters starten wird

Am Wochenende des 8./9. Oktober findet im tschechischen Sternberk die zweite Ausgabe des FIA Hill Climb Masters statt, das grobe Stelldichein der besten Fahrer aus der Bergeuropameisterschaft und den nationalen Landesmeisterschaften Europas. Nachdem er vor zwei Jahren bei der Erstauflage im luxemburgischen Eschdorf hinter dem Schweizer Eric Berguerand und dem Italiener Simone Faggioli die Bronzemedaille der Kategorie 2 (FIA-Rennsportfahrzeuge) sowie den Sieg in der U25-Wertung davongetragen hatte, war es David Hausers erklärtes Saisonziel 2016, sich für das Masters zu qualifizieren und dort erneut zu zeigen, dass er zu den besten europäischen Fahrern dieser Motorsportdisziplin zählt.

«Dieses Jahr hatten wir uns für eine Übergangssaison entschieden, indem wir an der Luxemburger Bergmeisterschaft teilnahmen, dem einzigen Championnat, wo wir mit unserem GP2 und seinem Original-4-Liter-Motor fahren konnten. In Erwartung der zukünftigen Ausrichtung der FIA-Reglements für die Berg-Europameisterschaft wollten wir dem Publikum und uns selber eine Freude bereiten indem wir mit dem GP2 ein spektakuläres und absolut fabelhaftes Fahrzeug an den Start brachten. Die Wahl unserer nationalen Bergmeisterschaft hatte zum Hauptziel die Qualifikation für das FIA Masters in Sternberk / Ecce Homo im Oktober: da der 4-Liter-Motor weder in der Europameisterschaft noch im FIA-Bergpokal zugelassen ist, war die einzige Möglichkeit, sich über eine nationale Landesmeisterschaft zu qualifizieren», erklärt der Fahrer von Racing Experience.

Stellte die Qualifikation mit dem Gewinn seines zweiten Luxemburger Bergmeistertitel nach 2013 kein Problem dar, so musste der Fahrer des Dallara GP2 sich dennoch schlussendlich schweren Herzens dazu durchringen, auf die Anreise nach Tschechien zu verzichten, da er dort keine Möglichkeit gehabt hätte, unter mehr oder weniger gerechten Voraussetzungen gegen seine Gegner aus der Kategorie 3 «Open» zu kämpfen, die den Fahrzeugen vorbehalten ist, welche einem nationalen Reglement entsprechen. Verlangt doch das Luxemburger Reglement vom Dallara GP2 ein Mindestgewicht von 700 kg (ohne Fahrer an Bord), während beispielsweise das französische Reglement ein Mindestgewicht von 685 kg (mit Fahrer an Bord) für die Fahrzeuge der französischen «CNplus 4 Liter»-Sportwagen vorsieht, vor allem aber das britische Reglement absolut KEIN Mindestgewicht bei gleichzeitig freiem Hubraum vorschreibt, was es den Formelwagen der besten britischen Fahrer erlaubt, weniger als 500 kg bei zum Teil mehr PS als der GP2 auf die Waage zu bringen.

Konkret wurde dem roten GP2 statt seines Standardgewichts von 620 kg (688 kg mit dem Fahrer, wie es das Reglement der GP2series auf der Rundstrecke vorschreibt, wo Davids Fahrzeug herstammt) also 80 kg Zusatzballast vorgeschrieben, um an der Luxemburger Bergmeisterschaft teilnehmen zu können, und genau in dieser Konfiguration mit Zusatzgewicht hätte er auch beim Masters antreten müssen, dessen Reglement vorschreibt, dass der Fahrer das gleiche Fahrzeug an den Start bringt, mit dem er sich qualifiziert hat und dass dieses seinem jeweiligen nationalen Reglement entsprechen muss.

«Es ist komplett unlogisch und sogar wettbewerbsverzerrend, mit somit völlig ungleichen Waffen kämpfen zu müssen», kritisiert Racing Experience-Teamchef Christian Hauser. « Das ist, wie wenn man bei den Olympischen Spielen einem ohnehin bereits schwergewichtigen 100-Meter-Sprinter noch zwei Rucksäcke voll Blei aufhalsen würde. Und gerade auf diesen Punkt hatten wir bereits ab Ende der Saison 2015 in unseren Gesprächen mit unseren Nationalen Motorsportobrigkeit, dem ACL, gepocht, damit das Standardreglement der GP2series für unser Fahrzeug angewandt werden sollte. Doch statt einfach unserem Anliegen zu folgen und somit David dabei zu unterstützen, unter bestmöglichen sportlichen Voraussetzungen sein Land und den Luxemburger Motorsport allgemein beim Masters vertreten zu können, schaltete unsere Sporthoheit auf taub und verlangte den 80 kg-Ballast, der auf das Ergebnis der Luxemburger Bergmeisterschaft ohnehin keinen Einfluss hatte. Wohlwissend, dass somit Davids Chancen beim Masters gegen die von ihrem völlig freien nationalen Reglement deutlich bevorteiligte britische Konkurrenz zunichte gemacht würden. Wir haben in der Folge diese flagrante sportliche Ungerechtigkeit dem Weltverband (FIA) vorgetragen, in der Hoffnung auf eine Sonderregelung für das Masters, doch dort hat man sich hinter dem Luxemburger Reglement verschanzt, anstatt die sportliche Logik anzuwenden, eine Entscheidung, die wir natürlich akzeptieren müssen, jedoch verärgert, wird die « Open »-Kategorie des Masters so doch zu einer sportlichen Farce, welche einzig und allein auf die Fahrzeuge der britischen Fahrer mabgeschneidert ist, von denen der eine oder andere uns übrigens inzwischen sein Erstaunen über eine solch wettbewerbsverzerrende Reglementsauslegung kundtat, enttäuscht darüber, nicht auf sportlich faire Weise beim Masters gegen David antreten zu können.»

«Ich bin enttäuscht, verärgert, angewidert», hakt David Hauser ein, «da wir ja keinen Vorteil verlangt haben, sondern nur, dass das Ungleichgewicht zwischen unserem und den britischen Fahrzeugen, welches sowieso auch weiterhin zu ihren Gunsten geblieben wäre, wenigstens minimal ausgeglichen worden wäre. Aber ich bin vor allem sehr frustriert und sehr traurig zu sehen, wie sehr die Erwartungen meines Verbandes und mir selbst sichtlich auseinander liegen. Man scheint sich weder der Ernsthaftigkeit, noch der Mühen, noch des Ausmaßes des Engagements meiner Mannschaft und mir selbst bewusst zu sein, um solche Ergebnisse erzielen zu können. Es ist mein Sport, meine Leidenschaft, in der ich aufgewachsen bin und für die ich mich tagtäglich enorm investiere, genau wie mein Bruder und meine Eltern. Es gibt nicht viele Luxemburger Fahrer, welche ähnlich gute Ergebnisse auf europäischem Niveau erkämpft haben. Jeder Sportler, und umso mehr, wenn er dem Elitekader des Luxemburger Olympischen Kommitees (COSL) angehört, sollte auf die Unterstützung seines Verbands zählen können. Dieser sollte alles tun, um SEINE Sportler, seinen SPORT zu verteidigen. Doch weder mein 5. Platz in der Berg-EM 2015, noch mein 3. Platz beim Masters 2014, noch meine zahlreichen Podiumsplätze und Gruppensiege in der Berg-EM scheinen weder ihren Respekt, noch ihre Unterstützung zu verdienen. Ich wäre stolz darauf gewesen, mein Land beim Masters zu vertreten und zu versuchen, eine Medaille aus Sternberk mitzubringen, doch nur hinfahren, um die Reihe voll zu machen und Fahrern machtlos das Feld zu überlassen, deren nationales Reglement sie klar bevorteilt, das ist nicht meine Auffassung von diesem Sport.»

Einer den Top-Favoriten in der Open-Kategorie, der Britische Bergmeister Scott Moran sagt in dieser Angelegenheit: „Ich bin mir sicher, dass David dennoch wettbewerbsfähig gewesen wäre, da er ein extrem schneller Fahrer ist und mehr vertraut ist mit langen, schnellen und breiten Strecken, als die britischen Fahrer. Ich hätte es gern gesehen, beim Masters aus David mit dem GP2 -Auto ohne Ballast zu treffen. Schließlich handelt es sich um einen Wettbewerb, der besten Fahrer und Autos des Bergrennsports und er sollte sicherlich dort sein.

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