Unterfranken: Hitze und Strecke setzten Motoren und Fahrern zu

An solch eine „Affenhitze“ im frühen Herbst, mit Temperaturen über 30 Grad und ohne jeglichen Luftzug, konnte sich keiner erinnern, der das letzte Vierteljahrhundert beim Bergrennen Unterfranken dabei gewesen war. Das 49. Bergrennen in Eichenbühl, wird zum einen als Hitzeschlacht, aber auch als vorletztes Bergrennen unter der Leitung des GAMSC Würzburg und Rennleiter Peter Thumbeck in die Geschichtsbücher eingehen. Die zahlreichen Mitglieder des neu gegründeten MSC Erftal engagierten sich bereits tatkräftig an allen Ecken und Enden, sodass es einem um die traditionsreiche Veranstaltung in der nordwestlichsten Enklave des Freistaat Bayern nicht bange werden muss. Nach dem 50. Jubiläumsrennen im kommenden Jahr werden die „Erftaler“ dann das Heft in die Hand nehmen und der GAMS Würzburg sich langsam zurück ziehen.

Eines der Aushängeschilder des jungen MSC Erftal ist Norbert Brenner, der von seinem Wohnzimmer aus auf die 3050 Meter lange Bergrennstrecke von Eichenbühl hinauf nach Umpfenbach blicken kann. Aus der Garage seines Einfamilienhauses im Fahrerlager rollte der noch amtierende Bergmeister zu seinem zweiten Heimsieg in Folge. Bereits am Trainingstag bewältigte der Lokalmatador die ultraschnelle Strecke in neuer persönlicher Bestzeit von 1:15,93 min und überflügelte später auch im Rennen die Tourenwagen-Rekordmarke des Schweizers Reto Meisel aus dem Jahr 2007 um eine dreiviertel Sekunde. Dennoch bleibt der Meisel-Streckenrekord weiter bestehen, da sich zwischenzeitlich das Reglement geändert hat. Der Mercedes 190 Judd V8 von damals und Brenners Opel Vectra V8 DTM fallen heute beide in die Gruppe E2-SH – gelten als Rennsportwagen. Das erwarte Duell um den Tagessieg, Brenner gegen Uwe Lang, viel ins nicht vorhandene Wasser. Der Osella-Pilot aus Schweinfurt zog im zweiten Trainingslauf nach der Honda-Kurve eine Rauchfahne hinter sich her, was nichts Gutes bedeuten sollte. Der Routinier diagnostizierte einen Motorschaden an seinem BMW-Triebwerk. Langs Nullnummer von Eichenbühl lässt für das Bergfinale in Mickhausen extreme Spannung im DMSB Berg-Cup für Sportwagen aufkommen. Nach Frank Debruynes zweiten Gesamtrang und dem Klassensieg bei den 2-Liter Formelwagen ist die Meisterschaft wieder offen, denn Lang und Debruyne liegen vor dem ersten Oktoberwochenende mit je 121 Punkten gleichauf. „Wir werden den alten CN-Motor wieder auspacken um in Mickhausen starten zu können“, verriet Lang.

Zurück zum Renngeschehen von Eichenbühl. Nach einem schwierigen Jahr, das die Truppe um Thomas Conrad als Übergangsjahr mit einem von Wiebe-Motorsport weiterentwickelten Renault-Motor im CRS-Eigenbausportwagen sieht, war der dritte Gesamtrang die Saisonbestleistung für die Schwaben. Deutlich zurück folgte Dino Gebhard im Osella PA 20 BMW. Holger Hovemann auf Rang fünf, gab am Freitag mit einem Augenzwinkern sein Ziel aus, hier bester Opel-Fahrer werden zu wollen. Am Trainingstag eckte der Odenwälder mit seinem Kadett V8-Monster leicht an, steckte dies aber gut weg. Läuft alles glatt wird Hovemann auf jeden Fall beim FiA Hillclimb Masters in Ecce Homo für Deutschland an den Start gegen. In die gleiche Richtung plant auch Klaus Hoffmann, der in Eichenbühl mit einem Getriebeschaden am Opel Astra V8 DTM ausgeschieden war und auch KW Berg-Cup Pilot Manfred Schulte möchte mit seinem Citroen AX Kit Car zum zweiten Mal bei einem Masters dabei sein.

Zum erwarteten Vergleich der beiden Österreichischen Porsche-Spezialisten Herbert Pregartner und Herbert Stolz kam es nicht. Der etwas ältere Tiroler pausierte die letzten Monate aus gesundheitlichen Gründen und trat mit seinem 935er am Sonntag aus eben solchen Gründen nicht zu den drei Rennläufen an. Landsmann Herbert Pregartner hatte, im zum Verkauf stehenden Porsche 911 GT2, einen gesunden Respekt vor der für ihn unbekannten Strecke und steigerte sich Stück für Stück. Dabei kam ein sehenswertes Duell mit einem gut aufgelegen Norbert Handa heraus, dessen Lancia Delta Evo III diesmal wie ein Schweizer Uhrwerk lief. Nach einem Platztausch in Lauf zwei, erkämpfte sich Handa um 25/100 Sekunden den Tourenwagen-Gesamtsieg auf Rang sechs. Als drittschnellster Tourenwagen-Pilot sammelte André Wiebe mit der Jahresgesamtwertung des KW Berg-Cup vorzeitig den nächsten Titel ein. Der junge Hunsrücker aus der bergrennbegeisterten Großfamilie hatte sich beim letzten DM-Lauf in der Rhön bereits den DMSB Berg-Cup für Tourenwagen gesichert und kann weitere Meisterschaften in der DM und dem Team-Cup abstauben.

Müßig zu erwähnen, dass André Wiebe mit seinem blauen Renault Laguna auch diesmal die 2-Literklasse des KW Berg-Cup dominierte. Marko Fink im BMW 320 WTCC folge mit einem Respektabstand von 2,6 Sekunden, vor Dirk Preißer. Der Metallbauunternehmer aus dem Schwabenland gab nach seinem Überschlag mit dem orange C-Kadett an gleicher Stelle im Vorjahr sein Comeback auf Rang drei. Die gleiche Örtlichkeit wie Preißer in 2015 suchte bereits im ersten Trainingslauf der Österreicher Thomas Strasser auf. Mit dem Berg-Cup Siegerfahrzeug von 2011, dem Minichberger VW Scirocco 16V krachte der Salzburger stumpf in der Böschung bei Posten 4. Im Krankenhaus wurde ein gebrochener Wirbel diagnostiziert. Mit dem weißen Opel Kadett C 8V von Teampartner Michael Rauch landete der etatmäßige 1600er-Pilot Stefan Faulhaber auf Rang vier in der 2-Literklasse. Manfred Schulte hatte diesmal die Klasse bis 1600 ccm mehr als deutlich im Griff vor dem Passauer Helmut Maier (VW Golf) und seinem Sohn Benedikt Schulte im Citroen AX Sport. In der Diesel-Klasse feierte Jürgen Fechter einen überlegenen Sieg vor Karlheinz Meurer (beide VW Golf), der im Training von der Strecke rutschte, zum Rennen aber wieder starten konnte. 11 Fahrzeuge tummelten sich in der Klasse E1 über 2000 ccm und Markus Wüstefeld im Ur-DTM Mercedes 190 Evo II sieget vor „Umsteiger“ Günter Göser im Opel Kadett C 16V. Steffen Hofmann (NSU), Jürgen Schneider (VW Polo 16V / 1150 ccm) und Hansi Eller (VW Scirocco / 1400 ccm) setzten ihre Siegesserien unbeirrt fort.

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Die Ausfallrate war an diesem heißen Wochenende recht hoch. Unter den 20 Unglücklichen war auch Kevin Veit (BMW E30) zu finden. Markus Goldbach im Renault Megane konnte Veits Stelle als Herausforderer von Kai Neu nicht ausfüllen. Somit siegte der Homburger Ford Focus-Pilot erneut deutlich in der 2-Literklasse der Gruppe F vor Goldbach und dem jungen Honda-Piloten Kevin Totz. Darunter, in der Klasse bis 1400 ccm gewann der Nordsaarländer Lukas Bodtlaender im Citroen C2 (unser Foto unten) nicht nur gegen die Markenkollegen Markus Fink und Dieter Altmann jun., sondern auch gegen seinen Vater Thomas im Peugeot 205 Rallye. Über 2000 ccm hatte übrigens ex-Europameister Roland Wanek im Mitsubishi Lancer das Sagen.

Die nationale und internationale Bergrennszene brennt vor dem nahenden Winter – man kann es angesichts der aktuellen Hitzegraden kaum glauben – in den kommenden vier Wochen ein großes Feuerwerk ab. Am kommenden Wochenende findet die Berg EM 2016 im kroatischen Buzet ihren Abschluss. Eine Wochen später reist unser KW Berg-Cup-Tross zum Auto-Bergrennen St. Agatha ins benachbarte Oberösterreich. Eine weitere Woche später beschließt das Bergrennen Mickhausen die Meisterschaften FiA Hillclimb Cup, Deutsche Bergmeisterschaft und KW Berg-Cup, bevor dann am 8./9. Oktober die krönende Abschlußshow beim 2. FiA Hill Climb Masters im tschechischen Sternberk aufgeführt wird.

Alle Resultate unter:
http://bergrennen-unterfranken.de/2016/liveportal/ergebnisse.php

Über Thomas Bubel 301 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.