Hauenstein: Eifelwetter in der Rhön

Ausgerechnet zum 47. ADAC / MSC-Rhön Hauenstein Bergrennen zeigte sich die sonst so wunderschöne Rhön von ihrer rauen und unbarmherzigen Seite. Bis Samstag 15 Uhr hatte noch der Sommer die Oberhand rund um die Rhönhofstraße zwischen der 700 Seelengemeinde Hausen und dem Schwarzen Moor, einer der vielen Touristenattraktionen im Biosphärenreservat Rhön. Doch dann erreichten die Vorboten des Herbsts, mit Regen und Nebel das Renngelände mit dem Ziel auf rund 780 m Meereshöhe. Der Renntag begann mit einer 90 minütigen Verspätung. Dichte Nebelschwaden hatten im unteren Streckenbereich den für 8 Uhr 30 geplanten Rennbeginn unmöglich gemacht. Drei kurze, aber heftige Regenschauer, gleichmäßig über den Tag verteilt, prüften die flinken Hände der Teamhelfer und Mechaniker beim Reifenroulette. Rennleiter Klaus Höhn und Bernd Seyd, der den Posten des Organisationsleiters von Christian Leutheuser übernommen hatte, der mit seinem Team bei der VLN auf dem Nürburgring im Einsatz war, haderten über das dritte Hausenstein-Rennen i n Folge, das von den Wetterunbilden beeinflusst wurde. Auch diesmal wurde das Klassement etwas durcheinandergewirbelt und eine Auffahrt musste nach dem verspäteten Beginn und einigen Zwischenfällen gekürzt werden.

Nachdem der überlegene Gesamtleader des ersten Durchgangs Uwe Lang im zweiten und letzten Lauf in seinem slikbereiften Osella BMW geduscht wurde und auf Rang 19 abrutschte, wiederholte Norbert Brenner im Opel Vectra V8 DTM (Foto oben) seinen Vorjahressieg, vor einem stark aufkommenden Holger Hovemann im Opel Kadett GT/R V8. Der Odenwälder und sein Team arbeiteten lange auf diesen Moment hin, sich mit den ehemaligen DTM-Boliden messen zu können. Da die 4,2 km lange Strecke in der Rhön Hovemanns Fahrzeugkonzept entgegen kam, reichte es um Klaus Hoffmann im Opel Astra V8 DTM hauchdünn zu schlagen. Somit standen drei Fahrer aus der Gruppe E2-SH auf dem Gesamtsiegerpodium. Thomas Conrad im CRS-Renault Eigenbau-Sportwagen rettete sich bei aufkommendem Regen noch ins Ziel auf Rang vier und gewann zudem die 2-Liter Sportwagenklasse vor Bernd Letmade (Norma). Als die vier bis dahin schnellsten Fahrer im Ziel waren, entschied sich die Rennleitung für einen weiteren Reifenwechsel. Somit war für Formel 3-Pilot Frank Debruyne nicht mehr zu holen als Gesamtrang 5. In Sachen Berg-Meisterschaft und DMSB Berg-Cup für Rennwagen war dies für den Badener jedoch kein Beinbruch. Die 2-Liter Formelklasse gewann Debruyne dennoch vor den im Regen überraschend starken Youngstern Georg Lang (Formel Renault) und Mathieu Wolpert (BSR Formel 3).
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Mit Rang 7, rund vier Sekunden hinter dem aus Österreich angereisten Tourenwagen-Gesamtsieger Herbert Pregartner (Porsche 911 GT2) behauptete André Wiebe im Renault Laguna ex-BTCC die Führung in der Berg DM und gleichzeitig im DMSB Berg-Cup für Tourenwagen. Der Hunsrücker gewann die stark mitgenommene 2-Liter Klasse der Gruppe E1 deutlich vor Marco Fink im BMW 320 si WTCC und Papa und Markenkollege Hans-Peter Wiebe. Wieder keine neuen Sieger in den kleinen E1-Klassen. Steffen Hofmann (NSU-Bergpokal), JürgenSchneider (VW Polo / 1150 ccm), Hansi Eller (VW Scirocco / 1400 ccm) dominierten erneut. Spannender ging es dagegen in der Klasse bis 1600 ccm zu. Auf der beide Male feuchten Strecke führte Anfangs Valentin Schneider (VW Golf TSM) vor Manfred Schulte im Citroen AX Kit Car. Mit einem Traumlauf schaffte zum guten Schluss Stefan Faulhaber im Opel Kadett C 16V den Sprung von Rang vier auf die erste Position. Die 2-Liter Dieselklasse gewann Golf-Pilot Jürgen Fechter vom MSC Rhön. In der Klasse bis 3 Liter Hubraum stellte Helmut Knoblich im kleinen Mini Cooper S (Foto unten) seine Regenqualitäten eindrucksvoll unter Beweis. Der Bayer gewann überraschend vor Günter Göser (Opel Kadett C) und Markus Wüstefeld im ex-DTM Mercedes 190.

Ebenfalls etwas dezimiert präsentierte sich die 2-Literklasse der Gruppe A/F. Markus Goldbach rollte bereits im ersten Rennlauf in zielnähe mit Motorschaden am Renault Megane aus. Zeitgleich hatte Kevin Veit Glück mit Rot gestoppt worden zu sein, denn in der Jopp-Kurve stand der orange BMW kurz quer. Die Laufwiederholung gelang besser, doch der junge Rheinhesse hatte gegen den Homburger Kai Neu im Ford Focus ST 170 diesmal keine Chance, erst recht nicht auf feuchter Strecke. Rang drei ging mit Rückstand an Christian Bodner im BMW 320 is. Nun doch eine Sperre erhielt Ralf Orth nach seinem minimalen Untergewicht an seinem BMW nach den DMSB-Messungen vom Iberg. Der Süd-Eifelaner ist somit für dieses Jahr aus dem Rennen. Bemerkenswert diesmal auch der Rennverlauf in der 1600er Klasse der Gruppe A/F. Student Robert Maslonka (VW Polo) pokerte im Training und stürmte im Rennen dann an die Spitze und siegte von Lokalmatador Markus Fink und Dieter Altmann Jun. (beide Citroen C2).

1. Norbert Brenner (D) Opel Vectra V8 DTM, 3:44,858
2. Holger Hovemann (D) Opel Kadett C GT/R V8, 3: 46,101
3. Klaus Hoffmann (D) Opel Astra V8 DTM, 3:46,127
4. Thomas Conrad (D) CRS Renault, 3:52,152
5. Frank Debruyne (D) Dallara F303 Opel F3, 3:52,866
6. Herbert Pregartner (A) Porsche 911 GT2, 3:55,822
7. André Wiebe (D) Renault Laguna, 4:00,144
8. Bernd Letmade (D) Norma Honda, 4:00,829
9. Georg Lang (D) Tatuus F. Renault, 4:03,034
10. Mathieu Wolpert (D) BSR 389 VW F3, 4:04,374

Über Thomas Bubel 302 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.