Homburg: Die Untertreibung des David Hauser

David Hauser, Simon Hugentobler und Uwe Lang: Das waren die Namen, die während des Trainings zum 43. Homburger Bergrennen von den Fahrern in gegenseitiger Anerkennung als Favoriten auf den Gesamtsieg genannt wurden. Am schnellsten war im Rennen wieder Hauser: Gleich dreimal unterbot der Luxemburger den alten Streckenrekord. Für das Homburger Bergrennen könnte die Ausgabe 2016 ein Durchbruch sein. Einige international startende Rennfahrer, die bisher noch nie den Weg zum Käshofer Berg gefunden hatten, waren von der Strecke angetan. Der Schweizer Simon Hugentobler kann sich vorstellen, 2017 wieder zurückzukommen: „Hier ist es relativ schwierig, wenn man das erste Mal fährt. Die Strecke ist technisch anspruchsvoll. Sie ist schmal. Neben dem Asphalt kommen gleich die Straßengräben. Man braucht eine gewisse Zeit, um sich alles einzuprägen. Die Piloten sagen: Hier sind nur die schnell, die schon zwei- oder dreimal gefahren sind.“

Das gilt nicht für den Luxemburger David Hauser. Mit seinem feuerroten GP2-Dallara hatte er beim Homburger Debüt 2012 nicht nur den Gesamtsieg geholt. Er unterbot damals auch den zwölf Jahre alten Rekord seines Vaters Christian. Darüber aufgeklärt, war Hugentobler, der einen Formel 3000 Reynard 97D Mugen fährt, baff. David Hauser gab sich während des Trainings indes bescheiden. Seine Chancen schätzte er vorsichtig ein. „Ich habe schon noch ein Gefühl für die Rennstrecke. Ich muss aber sagen, es ist ein paar Jahre her. Das Problem ist, dass ich in der Zwischenzeit viele andere Rennen gefahren bin. Wenn man dann wieder nach Homburg zurückkommt, ist das ein bisschen wie ein Neuanfang.“ Langsam tastete sich Hauser im Training ans Limit der Strecke. Am Samstagabend lag Uwe Lang im Osella Sportwagen noch auf gleicher Höhe mit dem Favoriten. Bei 1:09 Minuten hatten sich beide eingependelt. Sollte sich etwa eine Siegchance für den Schweinfurter eröffnen? „Ich versuche zumindest, aufs Podium zu kommen. Die Chancen für David sind natürlich viel besser.“

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Ein zusätzliches Spannungselement bot die teilweise neue Asphaltierung der Käshofer Straße. Rüdiger Bernhard aus Bruchmühlbach-Miesau ist Vater des Sportwagen-Weltmeisters Timo Bernhard. Er vertrat in Homburg seinen Sohn im Carrera Cup-Porsche. Papa Bernhard kennt die Strecke wie seine Westentasche. Für die neuen Bedingungen gab es Lob: „Der Belag ist gut und glatt. Am Brückchen sind ein paar Flicken drin. Aber das ist nicht zu ändern.“ Gerne hätte der veranstaltende Homburger Automobilclub (HAC) im vergangenen Winter erlebt, dass bei der Neuasphaltierung die komplette Rennstrecke erneuert worden wäre. Doch dazu sei wohl ein Staatsvertrag zwischen Rheinland-Pfalz und dem Saarland notwendig, erklärt Hartmut Schöffler, HAC-Organisationsleiter. „Ein Schildbürgerstreich“, schimpften andere hinter vorgehaltener Hand.

Das focht die Fahrer nicht an. Denn am Sonntag boten sie den Zuschauern ein Spektakel an Höchstgeschwindigkeit. Ein Jahr nach Hauser hatte Guy Demuth (Lux) die Messlatte auf der Käshofer Straße ein wenig höher gelegt. Es galt also, 1:06,914 Minuten zu unterbieten. Uwe Lang, der vor Hauser ins Rennen ging, schaffte es auf Anhieb: 1:08,564. Als Hauser nach ihm am Brückchen die Straße passierte, sah seine Fahrt gar nicht so schnell aus. Doch sie endete bei unfassbaren 1:05,404 Minuten. Also noch eineinhalb Sekunden schneller als Demuths Rekordfahrt. Diese Fabelzeit konnte kein Konkurrent am Renntag mehr angreifen. Trotzdem unterboten viele Fahrer bisherige persönliche Bestleistungen. Übrigens hätte Hauser auch mit seiner zweiten und dritten Fahrt Demuths alten Rekord gebrochen. Er siegte mit einer Gesamtzeit von 3:17,545 Minuten. Uwe Lang (3:27,184) hielt mit Platz zwei das gesamte Feld der Formel 3000 in Schach. Das musste sich am Ende sogar Frank Debruyne (3:31,615) beugen, der im eigentlich unterlegenen Formel 3 einen Sahnetag erwischte. Den Sensationserfolg verpasste übrigens sein Pirmasenser Teamchef Andreas Germann: Der hatte am Donnerstag kurzfristig umgeplant und kämpfte lieber im Deutschen Formel- 3-Pokal am Lausitzring um Punkte, als das Bergrennen zu fahren.

von Thomas Füßler

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.