Homburger Kultberg lockt die Fans

Einmal im Jahr wird das westpfälzische Dörfchen Käshofen anders geweckt als sonst. Bereits morgens ab 8 Uhr dröhnen am 16. und 17. Juli die ersten Rennmotoren, wenn es zum 43. Mal heißt, das Homburger ADAC Bergrennen wird wieder ausgetragen. Was 1974 klein begann, hat sich im Laufe der Jahre zu einer Großveranstaltung, mit nationaler und internationaler Beachtung gemausert. Nicht selbstverständlich, wenn man bedenkt, dass der Automobilsport nicht nur Freunde hat. Dennoch scheute der Homburger Automobilclub den enormen Aufwand abermals nicht und wurde, wie in der Vergangenheit, dazu berufen Wertungsläufe zur Deutschen und Luxemburger Meisterschaft sowie zum KW Berg-Cup auszurichten.

An der Käshofer Straße und bei Bergrennen im Allgemeinen, herrscht eine unglaubliche Nähe zwischen Fahrern und Zuschauern. Besucher dürfen im Fahrerlager oberhalb des Homburger Schießhaus und im Vorstartbereich so nah an die Rennboliden, wie kaum wo anders. Und auch entlang der aufwendig abgesicherten Kultstrecke hinauf auf die Sickinger Höhe sind die Zuschauer mittendrin, statt nur dabei. 131 Fahrerinnen und Fahrer aus 6 Nationen stellen sich am dritten Juli-Wochenende dem Starter und den 14 Kurven – darunter mischen sich allein 13 Aktive aus den Reihen des Veranstalters Homburger Automobilclub. Die Piloten werden der Konkurrenz auch in diesem Jahr keine Hundertstelsekunde schenken und versuchen ihre persönliche Bestzeit oder gar den Streckenrekord zu unterbieten.

Die kleine Formel 1 der Saarpfalz-Region

Diesmal ist das Feld der PS-starken und pfeilschnellen Formel-Rennwagen so groß wie schon seit vielen Jahren nicht mehr. Monoposto im Outfit der Grand-Prix Wagen verströmen mit ihren V8-Triebwerken den Geruch und Sound der guten alten Formel 1. Diese Königsklasse der Berge wird auch auf der Käshofer Chaussee den Gesamtsieger unter sich ausmachen. Anwärter sind hier der junge Luxemburger David Hauser, im  620 PS starken Dallara GP2, der sich sicherlich auch den drei Jahre alten Streckenrekord (1:06, 914 min, Guy Demuth, Luxemburg) wieder zurückerobern möchte. Ebenfalls mit einem PS pro Kilogramm Fahrzeuggewicht kommen die drei 500 PS starken Formel 3000-Boliden daher. Zu den Top-Fahrern in der Schweizer Meisterschaft zählen Simon Hugentober (Reynard 97D Mugen) und Philippe Guélat (Lola T94/50 Cosworth) die erstmals in der Saarpfalz am Start sind sowie der Franzose Daniel Allais, der mit seinem bewährten Reynard 97D Judd bereits mehrfach auf dem Podium des Homburger Bergrennens stand. Über eine der besten Streckenkenntnisse und  längste Erfahrung auf der Käshofer Straße verfügt der vierfache Deutsche Meister und zweifache Gesamtsieger Uwe Lang in seinem Osella BMW-Sportwagen. Der Schweinfurter startet seit Mitte der 1980er Jahre regelmäßig in Homburg und könnte den PS-stärkeren „Formel-Raketen“ ein Schnippchen schlagen.

Elf weitere Formel-Rennwagen, die zum erweiterten Favoritenkreis zu zählen sind, bevölkern die Klasse bis 2-Liter Hubraum, inklusive der Formel 3. Hier trifft der zweifache Deutsche Bergmeister Frank Debruyne (Dallara F303) vom Pirmasenser CR-Racingteam auf starke internationale Konkurrenz, angeführt vom Nordfranzosen Anthony Loeuilleux (Tatuus Master Honda) und den beiden Luxemburger Meistern Roland Braquet (Dallara F308) und Leon Linden, der mit seinen 78 Lenzen in seinem Formel 3 Dallara an guten Tagen stets für einen Erfolg zu haben ist. Seit langer Zeit können die Organisatoren wieder einen Gast aus Großbritannien begrüßen. Der bekannt schnelle Paul Buckingham reist mit seinem Dallara F305 Mercedes eigens von der Kanalinsel Guernsey an. Für den Homburger AC geht in dieser Klasse der Pirmasenser Andreas Germann (Dallara F308/11) ins Rennen, der sich sonst im Deutschen Formel 3-Pokal auf der Rundstrecke mit seinem CR-Racingteam engagiert.

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Kräftemessen der „Berg-Monster“ mit Dach

Das PS-Festival geht bei den Tourenwagen munter weiter und das Leistungsstärkste Fahrzeug des gesamten Starterfeldes kommt aus der Gruppe E2-SH der Silhouetten-Wagen. Der Odenwälder Holger Hovemann und sein Team haben in einer extremen Breitbau-Karosserie eines Opel Kadett C-Coupé einem 5,7 Liter Lotus V8-Motor verbaut, der 750 PS bei 580 Nm freisetzt. Hier werden Fans im Fahrerlager Schlange stehen, um einen Blick unter die Motorhaube diese „Berg-Monsters“ werfen zu können. Ähnlich Imposant ist der Ferrari 355 GT des Schweizers René Ruch, der jedoch nicht von Pferdestärken aus Maranello seinen Vortrieb erhält, sondern von einem kreischenden 4-Liter Zytek V8-Motor mit 520 PS. Ebenfalls in dieser PS-Liga spielt der zweifache Deutsche Bergmeister Norbert Handa mit seinem Lancia Delta Evo III. Aus Luxemburg kommt das Schilling Performance Team um den amtierenden Bergmeister des Großherzogtums Nico Schilling (Subaru Impreza WRX) und den Teamkollegen Cederic Schilling (Mitsubishi Lancer) und Charel Valentiny, ebenfalls auf Subrau. Die Freunde der Marke Porsche kommen hier ebenfalls auf ihre Kosten. Im Vergleich stehen der Schweizer Herbert „Hebi“ Schmid (Porsche 996 GT3) und Lokalmatador und HAC-Mitglied Rüdiger Bernhard aus Bruchmühlbach-Miesau (Porsche 911 GT3), der neben seiner Tätigkeit als Team-Chef im Porsche Carrera Cup und den GT-Masters wieder einmal selbst ins Lenkrad greifen wird und beim zeitgleich stattfindenden DTM-Rennen in Zandvoort (NL) von seinem Sohn, dem Weltklasserennfahrer Timo Bernhard vertreten wird.

Markenvielfalt und Action im KW Berg-Cup

Nicht nur die PS-Giganten verdienen Beachtung. In den kleineren Hubraumklassen herrscht eine unglaubliche Vielfalt an Marken und Typen, die die Herzen der Tuningfans höher schlagen lassen, denn der KW Berg-Cup bietet absolutes Spitzentuning. Stark verbesserte VW Polo, BMW 320, Ford Escort, Opel Kadett C, Fiat 128 Rallye oder Renault Laguna bestimmen hier das Bild. 11 „Prinzen“ preschen im Rahmen des NSU-Bergpokals über die Käshofer Straße, darunter auch das HAC-Mitglied Christoph Schwarz mit seinem NSU TT KWR aus Otterberg bei Kaiserslautern.

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Homburger Kai Neu visiert den Klassensieg an

Mit 13 aktiven Teilnehmern in unterschiedlichen Klassen und Gruppen stellt der Homburger Automobilclub ein stattliches Kontingent. Den kürzesten Anreiseweg haben hier die Homburger Christian Bächle (Citroen DS 3) und Kai Neu (Ford Focus ST), der in diesem Jahr die komplette Deutsche Bergmeisterschaft bestreitet und am heimischen Karlsberg sich seinen ersten Klassensieg der Saison erhofft. Das Vater-Sohn-Gespann Heimo und Marco Blatt (beide Peugeot 106) kommen aus Ottweiler und Fredi Marquitz (Renault Twingo) und Thomas Schmidt (VW Lupo GTi) aus St. Ingbert. Das Bliestal vertreten Martin Kraus (VW Polo G40) und Jonas Steinbrenner (BMW 323i). Dazu kommt Gino Kruhs (Renault Megane Maxi) aus Quierschied, Heinz-Peter Boch (Honda Civic) aus Eberbach am Neckar und die bereits erwähnten Rüdiger Bernhard (Bruchmühlbach-Miesau), Andreas Germann (Pirmasens) und Christoph Schwarz (Otterberg).

Zuschauerplatz bei Käshofen gesperrt

Den Besuchern werden insgesamt 20 Stunden Rennsport live geboten, wobei es vielfältige Möglichkeiten der Unterhaltung gibt. Das frei zugängliche Fahrerlager lädt zum Bummeln ein, und im großen Festzelt sorgen die Mitglieder des HAC für das leibliche Wohl und bitten zu einer Verschnaufpause. Auch im Vorstartbereich können die Zuschauer Tuchfühlung mit den Rennfahrzeugen aufnehmen. Wenige Meter weiter in der Zuschauerzone des Startbereichs, sind die die Boliden im 30-Sekundentakt bei der Beschleunigung zu sehen. Einzigartig ist die spektakuläre Vorbeifahrt der Rennwagen im Bereich „Brückchen“ und ein paar 100 Meter weiter folgt der Zuschauerhang am Posten 8, dessen Kapazität vergrößert wurde. Der bislang einzige Zuschauerbereich auf pfälzischer Gemarkung, unterhalb der Höhenstraße, bei Streckenposten 21 musste im Vorfeld der Veranstaltung wegen Windbruchgefahr aus Sicherheitsgründen gesperrt werden und darf unter keinen Umständen betreten werden. Darüber hinaus besteht im gesamten pfälzischen Forstbereich ein Zuschauerverbot. Einen Ersatzzuschauerplatz, mit Verpflegungsstand, hat der HAC am Käshofer Sportplatz eingerichtet. Parkmöglichkeiten bestehen hierzu im Ortsbereich Käshofen. Der neue Zuschauerplatz „Sportplatz“  ist nur mittels Schuttlebus erreichbar, der am Ende des Zielauslaufs (Homburger Str.) bei jeder Rückführung und Rennunterbrechung pendelt. Der HAC empfiehlt allen Zuschauern von Homburg her das Veranstaltungsgelände zu erreichen. Ein kostenloser Schuttlebus pendelt auch hier am Sonntag vom Parkplatz der Karlsberg-Brauerei aus zum Renngelände.

Zeitplan und letzte Informationen

An beiden Tagen durchläuft das Feld der 131 Starter jeweils drei Durchgänge. Am Samstag, den 16.07. finden die Trainings- und Qualifikationsläufe von 8 bis 18 Uhr statt. Nach gleichem Schema wird das Rennen am Sonntag, den 17.07. durchgezogen, bevor kurz vor 18 Uhr die Gesamtsieger im Startbereich geehrt werden. Die Pokale in den 10 Wertungsgruppen werden im Anschluss bei der Siegerehrung im Festzelt vergeben. Bereits am Freitag, den 15.07. stellen die Teilnehmer ihre Rennfahrzeuge bei der Technischen Abnahme vor und richten sich im Fahrerlager „häuslich“ ein. Die Webseite des Bergrennens hält eine Vielzahl weiterer nützlicher Hinweise bereit und auch ein Link zu den Livezeiten des Berg-Zeitnahme-Teams ist zu finden. Siehe www.homburger-bergrennen.de

Offizielle Starterliste:
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Über Thomas Bubel 301 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.