Bergrennen in Deutschland 2016 – Ein Zwischenbericht

Die Pflanze Bergrennsport gedeiht nach wie vor üppig. Zuwendung und Pflege von Seiten der Veranstaltervereine, Medien, Aktiven und nicht zuletzt des DMSB Fachausschuss Bergrennen tragen Früchte. Die Gattung Tourenwagen blüht in allen Farben und Formen vor allem in den sechs Hubraumklassen der Gruppe E1 und der Gruppe A/F, hier besonders in der 2-Liter-Klasse. Bei den Rennsportfahrzeugen, mit ihren Formelrennwagen und Sportprototypen  ist der „grüne Daumen“ seit Jahren nicht so ausgeprägt. Gerade im internationalen Vergleich sind die Top-Fahrer und Fahrzeuge dieser Spezies hierzulande dünn gesät. Im Hinblick auf das zweite FiA Hillclimb Masters am 8./9. Oktober 2016 im tschechischen Sternberk Ecce-Homo fallen die Medaillenchancen somit äußerst gering aus.

Als zusätzlichen Dünger wurde zur Saison 2016 von Seiten des Fachausschuss Berg der neue DMSB Berg-Cup untergemischt. Erstmals werden in dieser Meisterschaft Titelträger in den Gattungen Tourenwagen und Rennsportfahrzeuge separat gesucht. Die Punktezuteilung erfolgt, wie einst in der Berg-Meisterschaft nach dem Veranstaltungs-Gesamtergebnis der beiden Divisionen. Dafür wurde die Deutsche Automobil-Berg-Meisterschaft etwas zurück geschnitten. Ab sofort wird es nach den zehn Veranstaltungswochenende nur noch einen nationalen Meister des Bergrennsports geben. Wertvolle Zähler werden hierzu in den jeweiligen Hubraumklassen zugeteilt. Die neu gestaltete Meisterschaft ist somit ein „Chancengeber“ für alle die, die in ihrer Klasse regelmäßig um den Sieg mitfahren, ganz egal ob in der Gruppe N, A, E1 oder in den E2-Rennwagen-Kategorien. Spannung und Action steigen und der Titelkampf wird somit auf wesentlich mehr Schultern verteilt, als in der Vergangenheit.

Das zarte Pflänzchen DMSB Berg-Team-Cup ist nach einigen Anfangsschwierigkeiten mittlerweile zu einem bunten Strauß herangewachsen. Im dritten Jahr seiner Durchführung kann mit acht Teams und 32 Fahrerinnen und Fahrern ein Rekord-Einschreibeergebnis vermeldet werden. Beispielhaft voran ging hier der MSC Osnabrück, der als Veranstalter des Osnabrücker ADAC Bergrennens am ersten August-Wochenende, die Initiative ergriff und gleich zwei Mannschaften, sortiert nach Sportwagen und Tourenwagen, zusammenstellte und ins Rennen schickt. Hier sind die Möglichkeiten der Teambildung für die Zukunft mannigfaltig und lässt noch einiges erwarten.

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Dass es in Deutschland interessante und sichere Bergrennstrecken gibt und viele Veranstalter von Läufen der Deutschen Berg-Meisterschaft für eine tolle Atmosphäre und das gewisse Flair bei ihrem Event sorgen, dass gestemmt ausschließlich mit ehrenamtlichen Kräften, hat sich mittlerweile bis auf die britischen Inseln herum gesprochen. Immer wieder kommen einige Bergspezialiten, wie zum Beispiel Keith Edwards mit seinem spektakulären Audi Sport Quattro S1 in Pikes Peak-Ausführung (Foto mitte),  über den Ärmelkanal und bereichern hierzulande die Teilnehmerfelder. In der laufenden Bergsaison stehen zehn Meisterschaftsläufe im DM-Kalender. Der Bergpreis Schottenring wechselte von seinem Juni-Termin in 2015 wieder auf den Saisonstart am vierten April-Wochenende zurück und hatte prompt Pech mit dem Wetter. Teilweise heftige Schneeschauer machten Aktiven und Veranstalter auf dem Vogelsberg zu schaffen. Nach dem „Doppelschlag“, mit den Rennen in Eschdorf und Wolsfeld Anfang Mai, klaffte eine sechswöchige Pause bis zum Ibergrennen im thüringischen Eichsfeld. Im Juli, August und bis Anfang September, schießen die Berg-Veranstalungen mit fünf Events regelrecht ins Kraut, bevor dann am 1./2. Oktober das Finale der Bergrennen in Deutschland, nach einjähriger Pause, wieder in Mickhausen vor den Toren Augsburgs stattfindet.

Nach drei Veranstaltungen weist die Zwischentabelle der Deutschen Bergmeisterschaft unter den Top-5 eine große Bandbreite an unterschiedlichen Fahrzeugen auf. So führen die beiden E1-Tourenwagen Piloten Hans-Peter Eller im VW Scirocco (Foto oben am Iberg) und André Stelberg (VW Corrado) nicht nur in der DM sondern auch zusammen Frank Duscher und Slivia Ebenhöh im Team-Cup. Auf Rang drei folgt mit dem zweifachen Bergmeister Frank Debruyne ein Formel 3-Pilot, vor dem vierfachen Titelträger Uwe Lang im Osella-Sportwagen und dem Italo-Hessen Silvio Montalto (Foto unten) im kleinen Peugeot 106 Rallye aus der 1400er Klasse der Gruppe F.

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Spätestens nach dem neunten DM-Lauf im unterfränkischen Eichenbühl am 10./11. September, stehen dann die Qualifikanten für die zweite Auflage des FiA Hill Climb Masters, dem „Race of Champions“ des Bergrennsport, eine Woche nach dem heimischen Finale von Mickhausen, fest. Bleibt zu hoffen dass möglichst viele DMSB-Lizenznehmer ihre Möglichkeit zur Teilnahme am FiA Masters in Tschechien nutzen, um ein schlagkräftiges Team zu bilden und Deutschland würdig zu vertreten. Startberechtigt sind die fünf Erstplatzierten beider Divisionen sowie die besten drei Fahrer einer jeden Gruppe. Dazu dürfen sich der beste Nachwuchsfahrer „U25“ und die schnellste Dame gesellen. Zudem werden von der FiA Hill Climb Kommission sogenannte „Wild Cards“ ausgegeben. Gold, Silber und Bronzemedaillen stehen zur Disposition, bei den Produktionswagen (Gruppe N, A, S20, GT), den Competitions Cars (E2-SS, E2-SC, CN, E2-SH) sowie in der Kategorie Open für E1-Tourenwagen und Fahrzeugen die nicht den einschlägigen internationalen Gruppen entsprechen, aber dem nationalen Reglement eines ASN. Ein weiterer Medaillensatz  wartet auf die Sieger der Nationenwertung.

Über Thomas Bubel 302 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.