Iberg: Gewichtiger Gesamtsieg für Uwe Lang

Das letzte Juni-Wochenende bot den am Bergrennsport Interessierten eine Fülle von hochkarätigen Veranstaltungen, quasi über den Globus verteilt. In den USA siegte beispielsweise Porsche Werksfahrer Romain Dumas im Norma-Sportwagen am weltbekannten Pikes Peak. In der Schweizer gewann Eric Berguerand den zweiten SM-Lauf von Reitnau. Dazu wurde in La Broque im Elsass um Punkte zur Luxemburger Bergmeisterschaft gefahren und der Österreichische Bergrallye-Cup machte Station in Naas bei Weiz. Ebenfalls zur Spezies der Bergrennen kann man das einzigartige Festival of Speed im englischen Goodwood bezeichnen, das ebenfalls traditionell am vergangenen Wochenende stattfand. Last but not least versammelte sich am Iberg in Thüringen die Deutsche Bergelite und stellte sich am Ortsausgang von Heilbad Heiligenstadt dem Starter.

Wie schon so oft in den vergangenen Jahren war der Ablauf des Rennens auf dem Holzweg beispielgebend für die Deutsche Bergmeisterschaft. Vier Läufe reibungslos durchzubringen und dann noch bereits um kurz nach 17 Uhr alle Pferde in den Stall getrieben zu haben, sprich das Rennen abzuschließen, kann als Idealzustand bezeichnet werden. Hier war klar die Handschrift von Kevin Ferner zu lesen, der jedoch als Vize-Rennleiter die Rennleiterpremiere von René Trautvetter von der RSG Altensteiner-Oberland aus dem Hintergrund begleitete. Dass es an beiden Tagen keine nennenswerten Ausritte ins üppige Grün gab, spielte der Rennleitung zusätzlich in die Karten und zwei unwetterartige Gewitterschauer trafen das Renngelände zu günstigen Zeitpunkten, wenn man das so sagen kann. Trotz Windböen und Sturzbächen im Fahrerlager blieben die Schäden gering.

Wie so oft in den vergangenen Jahren nutzten die DMSB Kommissare die idealen Örtlichkeiten des Bauhofs direkt an der Startgerade um die entsprechenden Fahrzeuggewichte zu kontrollieren. Am Samstag stand die Waage den Teilnehmern zu freiwilligen Wiegung zur Verfügung. Am Sonntag baten die Offiziellen dann stichprobenartig zur Kontrolle. Dabei wurden drei Fahrzeuge mit, teilweise erheblichem Untergewicht festgestellt, die von der Werterung ausgeschlossen wurden. Hier werden wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit Sportstrafen die Folge sein.

Uwe Lang ist weiter der schnellste Bergrennfahrer Deutschlands. Der Schweinfurter im Osella PA 20  BMW 3.0 gewann den 4. Berg DM Lauf. Ohne ausländische Konkurrenz dominierte Lang in allen vier Auffahrten das 118 Fahrer starkem Feld nach Belieben, orientierte sich aber am Streckenrekord von Patrik Zajelsnik (Norma Mugen V8) aus dem Jahr 2014, den er mehrfach knapp verfehlte. Peter Behnke, der die zweitschnellste Zeit des Trainings fuhr, kreiselte im Tatuus Master Honda gleich in der ersten Auffahrt von der Strecke und war aus dem Rennen. So übernahm F3-Mann Frank Debruyne kampflos Rang zwei. Dass war dem Badener gar nicht recht, denn er hatte sich auf einen netten Zweikampf mit dem Südbayer gefreut und bereits frische Reifen für den Renntag montiert. Dennoch gab es bei den Behnkes Grund zur Freude. Peters älterer Bruder Michael zwängte sich im 3-Liter Osella BMW zum Schluss an Markenkollege Dino Gebhard vorbei aufs Podium.

In der Gruppe E2-SH, die diesmal nur mit drei Fahrzeugen besetzt war, stand der erste Saisonstart des Holger Hovemann im überarbeiteten Opel Kadett GT/R V8 im Blickpunkt der Fans. Das neue 5,7 Liter Lotus-Triebwerk setzt nun 750 PS bei 580 Newtonmeter frei. Um Norbert Brenner im ex-DTM Opel Vectra V8 vom Gruppensieg abzuhalten reichte es zwar noch nicht, aber wie Hovemann so schön bemerke, „jetzt liegt´s nur noch an mir. Ich muss mehr Harmonie ins Auto bringen und die schiere Power dosieren lernen“. Der dritte Mann, der Engländer Keith Murray hatte bei der Erstvorstellung seines herrlich anzusehenden Audi R8 mit 2-Liter Motor schon am Trainingstag mit Getriebeproblemen zu kämpfen und konnte am Rennen nicht teilnehmen.

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Der Tourenwagensieg ging klar und deutlich an Porsche-Pilot Herbert Pregartner aus Österreich. „Pre´s“ Landsmann und Markenkollege Herbert Stolz verzichte auf die Reise in Eichsfeld und wird auch vorerst nicht mehr in der Berg DM antreten. Norbert Handa (Lancia Delta Evo III) folgte so mit deutlichen Rückstand auf Rang zwei der E1-Wertung. Lokalmatador Markus Wüstefeld, der ein Wörtchen um die Top-Plätze mitsprechen wollte und dies im Training auch tat, verspiele mit einem Dreher im Mercedes 190 Evo II-Klasse 1 am Sonntag in der Früh alle Chancen. Mann des Wochenendes war ohne Zweifel Stefan Faulhaber im 1600er Opel Kadett mit dem neuen Minichberger-Triebwerk. Der Badener schockte bereits am Trainingstag nicht nur die Konkurrenz in seiner Klasse, sondern war auch schneller als die Top-Fahrer der 2-Liter Klasse. Am Sonntag war dann doch André Wiebe im 2-Liter Renault Laguna schneller als „Fauli“, aber sein Klassensieg war mehr als deutlich, begünstigt auch durch den Ausfall von Andy Heindrichs (Opel Risse Corsa) und durch den Umstand dass Mitfavorit André Stelberg mit qualmender Elektronik am Vorstart ausgefallen war. Auf die restlichen KW Berg-Cup Klassen wollen wir an dieser Stelle nur kurz eingehen. Karsten Steiner beherrschte das 13 Prinzen starke NSU-Feld und Jürgen Hessberger (Fiat 127) die Klasse bis 1150 ccm. Wie nicht anders zu erwarten, zog in der 1400er Klasse Hansi Eller im Minichberger-VW Scirocco auf und davon, am Ende vor Franz Weissdorn (VW Polo 16V), der mit Anstrengung den seltenen Gast Gerhard Moser (VW Polo 16V) in Schach halten konnte. Die Diesel-Klasse machte sich deutlich Christian Treibstein (Alfa Romeo) zu Eigen und in der Klasse über zwei bis 3-Liter Hubraum holte Alexander Bärtl im Opel Kadett „den Most“.

Eines der Highlights beim Ibergrennen 2016 war das Geschehen in der 2-Liter Klasse der Gruppe F (A/R2/R3/CTC). Nicht nur auf der 2 km langen Strecke wurde verbissen um den Sieg gekämpft. Eine kurze Unachtsamkeit im Training bescherte dem jungen Mainzer Kevin Veit einen Ventilschaden am BMW E30. Zusammen mit dem Wiebe-Team schlug man sich die Nacht um die Ohren, verbrachte Stunden auf der Autobahn um neue Teile zu beschaffen und vorzubereiten. In den frühen Morgenstunden gab der BMW dann im Fahrerlager inmitten von Heiligenstadt, die ersten Laute von sich und noch völlig aufgedreht von der langen fast schlaflosen Nacht fuhr Veit Junior zum Klassensieg, knapp vor Lokalmatador Lars Bröker, der diesmal seinen Honda Civic Typ R ausgepackt hatte. Kai Neu im Ford Focus ST rette vor seinem Heimspiel in nicht ganz drei Wochen in Homburg, den dritten Platz knapp vor dem immer stärker werdenden Markus Goldbach im Renault Megane. Ralf Orth zählte zu den drei „Sündern“ der Wiegung. Der BMW 320i des Südeifelaners unterschritt aber nur geringfügig das Mindestgewicht für diese Klasse und kam mit einem Wertungsausschluss, nur für dieses Wochenende glimpflich davon.

1. Uwe Lang (D) Osella PA 20 BMW, 3:34,701
2. Frank Debruyne (D) Dallara F303 Opel, 3:44,348
3. Michael Behnke (D) Osella PA 20 BMW, 3:47,762
4. Dino Gebhard (D) Osella PA 20 BMW, 3:48,128
5. Herbert Pregartner (A) Porsche 911 GT2 RSR, 3:51,556
6. Bernd Letmade (D) Norma M20 Honda 2.0, 3:52,441
7. Norbert Brenner (D) Opel Vectra GTS V8, 3:53,139
8. Holger Hovemann (D) Opel Kadett GT/R V8, 3:58,161
9. Georg Lang (D) Tatuus F. Renault, 4:00,370
10. Norbert Handa (D) Lancia Delta Evo, 4:04,086
11. André Wiebe (D) Renault Laguna, 4:05,814
12. Stefan Faulhaber (D) Opel Kadett C 16V, 4:08,193
13. Sascha Herz (D) Dallara F302 Opel, 4:08,343
14. Mathieu Wolpert (D) BSR VW F3, 4:08,759
15. Marco Fink (D) BMW 320si WTCC, 4:08,808

Über Thomas Bubel 301 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.