Marcel Steiners strapazierte Nerven

Manchmal können einem gestandene Bergrennfahrer schon leidtun, die sich einem völlig neuen Projekt widmen, viel Herzblut hinein stecken und quasi wieder bei null anfangen müssen. In der Schweiz geht es gerade zwei der wohl besten Bergrennfahrer des Landes so. Neben Reto Meisel bekommt in diesen Wochen und Tagen Marcel Steiner eine Menge neue graue Haare. Der Garagist aus dem Berner Oberland hatte über den Winter sein Berg-Comeback mit dem LobArt LA01, einer italienischen Neukonstruktion, vorbereitet. Der Zeitplan für die Modifikationen des E2-SC Rennwagens geriet in Verzug und das Team aus Oberdiesbach musste auf geplante Rennteilnahmen im Ausland anfangs verzichten. Die Premiere beim Eschdorfer Hill Race Anfang Mai lief zwar nicht reibungslos, aber gab Grund zur Zuversicht. Immer wieder ließ sich der Mugen V8-Motor nicht starten. Nach einer umfangreichen Fehlersuche war Marcel Steiner guten Mutes, dass der Schweizer Saisonstart am 11./12. Juni am Hemberg doch positiv ausfallen würde, aber weit gefehlt.

Samstagfrüh gegen halb vier Uhr setzte im Toggenburg dann der Regen ein und blieb bis in den Vormittag. Leider wurde der Zeitplan schon sehr früh durch Ausrutscher verzögert. Dementsprechend fand Steiners 1. Trainingslauf erst gegen Mittag statt. „Guter Dinge machte ich mich auf dem Weg vom Fahrerlager Richtung Startgelände und konnte zugleich noch ein wenig meine neuen Regenreifen anfahren. Seit der Reparatur nach Eschdorf sprang der Motor nun jedes Mal perfekt an. Nur im entscheidenden Moment vor dem Start konnte ich dem Motor wieder keinen Ton entlocken!“ Auch mehrmalige Versuche halfen nichts, Papa Heinz Steiner musste den LobArt ein weiteres Mal ins Fahrerlager zurückschleppen. Nach dem wechseln der Batterie sprang der Motor dann wieder sofort an.

„Auf der Rückführung zum 2. Probelauf stellte ich fest, dass die Strecke schon trockener war, als ich es vermutet hatte. Dies veranlasste uns dazu, kurz vor dem Start einen Boxenstopp einzulegen und auf Slicks zu wechseln. Doch auch dies sollte mir nicht den gewünschten Erfolg bringen. Die Startlinie schon in Sichtweite, starb mir der Motor ab. Aber kein Problem, dachte ich mir… Nur daraus wurde wieder nichts – abermals bekam ich den Motor nicht zum Laufen und musste wieder am Seil zurück! Es war zum Verzweifeln! Nochmals mit anderer Batterie und Überprüfung der Daten konnten wir dann den Motor vor dem 3. Training warmlaufen lassen und weil der Regen auch wieder zurück war, in der Startaufstellung auf Regenreifen wechseln. Die Nerven etwas angespannt, sprang der Motor einwandfrei an und ich konnte doch noch meine erste Fahrt aus eigener Kraft absolvieren. Meine ersten Meter mit dem LobArt und den Pirelli-Reifen im Nassen waren einigermaßen verhalten. Dennoch konnte ich in 1.06.93 die zweitschnellste Laufzeit hinter Eric Berguerand markieren. Daher blickten wir optimistisch Richtung Renntag und 4. Trainingslauf am Sonntagmorgen.“

„Der Sonntagmorgen präsentierte sich relativ freundlich und für einmal regenfrei. Als wir nach dem externen Vorwärmen den Motor warmlaufen lassen wollten tat dieser – wen wundert’s – keinen Laut. Wir gaben unser Bestes und suchten verzweifelt in alle Richtungen, doch das letzte Training fand leider ohne mich statt…“. Einen definitiven Fehler fanden die Steiners auch später nicht, aber der Motor lief trotzdem wieder. Nun stellte sich die Frage nach den richtigen Reifen: Ringsherum regnete es bereits, weil es bei auf dem Renngelände aber soweit trocken blieb, fuhr Steiner mit Slicks an den Vorstart. „Kaum hatte ich parkiert, fielen schon die ersten Tropfen – wieder mussten wir auf Regenreifen wechseln. Als ich dann bereit zum Start stand, regnete es schon fast sintflutartig. Trotz mehr Einsatz als tags zuvor fuhr ich lediglich 1.07.31. Somit waren Eric Berguerand in 1.04.94 und, nach einer Unterbrechung und ohne Regen, Thomas Amweg (1.06.33) schneller.“

Durch diverse unfallbedingte Unterbrechungen verzögerte sich der 2. Rennlauf bis nach sechs Uhr. „In der Zwischenzeit trocknete die Strecke wieder ab und wir rüsteten erneut auf Slicks und trockenes Set-Up um. Die weitere Geschichte ist leider schnell erzählt: kein Motorstart im Startbereich, somit kein Resultat und keine Punkte zum Auftakt der Schweizer Bergmeisterschaft. Wir versuchen dem Problem nun endgültig auf den Grund zu gehen, damit wir am 26. Juni in Reitnau endlich erfolgreich am Start stehen können. Drückt uns die Daumen!“

Über Thomas Bubel 302 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.