Erinnerungen an «Conny», Roman und all die Andern

Die Motorsportwelt und ganz besonders die groβe Familie des Bergrennsports stand unter Schock, als Mitte Februar die Nachricht sich wie ein Lauffeuer ausbreitete: Marco Conrardy, besser bekannt unter seinem Pseudonym “Conny”, hat uns im Alter von 61 Jahren verlassen. Einer der bekanntesten und erfolgreichsten Rennsportler des Groβherzogtums hatte den Start zu seinem allerletzten Rennlauf genommen. Nachdem “Conny” die Anfangsjahre des Eschdorfer Bergrennens mit seinen spannenden und siegreichen Kämpfen gegen die damaligen deutschen Messlatten wie Klaus Koch, Frank Taubert oder Werner Eckert in der Formel 3-Klasse geprägt hatte, drückte der Moutforter Krauskopf besonders ab 1994 dem “European Hill Race” seinen Stempel auf, nachdem er sich über Winter einen Ralt Rt23 F3000 mit Ford-Cosworth-Motor (Foto unten) zugelegt hatte, einen der ersten Formel 3000 überhaupt im Bergrennsport. Bereits am 1. Mai des gleichen Jahres konnte sich “Conny”, nach einem nervenraubenden Zweikampf-Krimi gegen den Schweizer Heinz Steiner im Martini-BMW Mk69 Formel 2, wobei mehrfach die Führung und der Streckenrekord den Besitzer wechselten, erstmals den Eschdorf-Gesamtsieg sichern und war damit nach Christian Hauser 1991 erst der zweite Luxemburger, der seinen Namen in die Siegerliste eintragen durfte. Konnte sich Heinz Steiner, der Papa von Marcel, anschlieβend 1995 und 1996 durchsetzen, gefolgt von Christian Hauser 1997, so fand “Conny” 1998 zum Ende seiner Karriere zurück auf das oberste Podiumstreppchen unseres Bergrennen, erneut nach einem knappen Kampf um Hundertstelsekunden mit dem Franzosen Christian Debias im Martini-BMW Mk74 Formel 2. Mit drei internationalen Luxemburger Bergmeistertiteln 1994, 96 und 97, dem belgischen Bergmeistertitel 1997, aber auch 12 (!) Luxemburger Slalommeistertiteln und mehreren Siegen in der “Trophée Honoré Wagner”, damals inoffizielle nationale Luxemburger Bergmeisterschaft, sowie natürlich unzähligen Gesamtsiegen und Podiumsplätzen in Luxemburg (Holtz, Nommern, Lorentzweiler…) und im Ausland stellt das Palmarès von “Conny” eines der besten sämtlicher Luxemburger Rennfahrer aller Zeiten dar.

Bereits knapp drei Monate zuvor, und fatalerweise unter ähnlich dramatischen Umständen, war Roman Sonderbauer zu seinem letzten Rennen aufgebrochen. Im bildschönen weiβen Opel Kadett (Foto oben) zählte der Niederbayer seit einigen Jahren zu den Pfeilern im Startfeld des “KW-Berg-Cups”, das seit 1989 bereits in Eschdorf gastiert. In den Jahren 2012 und 2013 konnte Roman sich in Eschdorf den Sieg in der stark besetzten und stets hart umkämpften 2 Liter-Klasse der (damaligen) Gruppe H sichern. Insgesamt gingen seit seinem Debüt im “Berg-Cup” 2009 5 Klassensiege, 22 Podiumsplätze und 54 Top10-Ränge auf Romans Konto, was ihm zwei dritte Gesamtränge in der Endwertung des “KW-Berg-Cups” 2013 und 2015, sowie den Vize-Meistertitel seiner 2-Liter-Klasse 2015 einbrachte.

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Erneut hat das Eschdorfer Bergrennen mit “Conny” und Roman somit zwei seiner langjährigen Aushängeschilder verloren. Sie reihen sich ein in die lange Liste jener Fahrer, welche sich mit Sicherheit nun irgendwo im Jenseits die tollsten Rennen liefern: Lionel Régal, der unbestreitbare König von Eschdorf mit seinen 6 Gesamtsiegen, sein Vater Marco, der 1997 in Eschdorf eines seiner letzten Rennen vor seinem tragischen Unfall gefahren war, Georg Plasa, der in den 1990ern Stammgast war, bevor er nach Italien übersiedelte, der dreifache Europa- und mehrfache deutsche Bergmeister Herbert Stenger, der 2003 in Eschdorf das damals separate DM-Rennen gewonnen hatte, Dieter Knüttel, dessen spektakuläre Ford RS200 und Sierra RS500 in den Anfangsjahren unseres Rennens zu den Publikumsmagneten zählten, der Belgier Fred Buchem, im knallgelben Reynard F3000 Gesamtzweiter 1993 vor dem Franzosen Bernard Chamberod, der Irländer Simon McKinley, Publikumsliebling beim Eschdorfer FIA Hillclimb Masters im Oktober 2014, der Tscheche Otakar Kramsky, dessen Masters-Teilnahme damals leider das Veto der FIA wegen zu spät eingegangener Nennung vereitelte, der Franzose Claude Christoph, treuer Gast im Feld der Tatuus-Renault….kurzum, die Liste jener, welche uns in den vergangenen Jahren verlassen haben, ist lang und wurde vor wenigen Wochen auch noch um den sympathischen Franzosen Steve Cabelo länger, der 2014 ebenfalls beim Masters dabei sein sollte, dann jedoch wegen einer bösen Erkältung kurzfristig auf seine Teilnahme verzichten musste, im Vorjahr dann wegen Elektronikproblemen erneut den geplanten Start in Eschdorf verschieben musste. Ein Start, zu dem es nun nicht mehr kommen wird…

In Gedanken waren wir während des Eschdorf- Wochenendes aber auch beim langjährigen UdP-Orga-Leiter David Scheier, der bis zu seinem tragischen Tod im Jahr 2010 das “European Hill Race” zu internationaler Anerkennung führte, bei unserm ehemaligen Vereinsvorsitzenden Marc Schiltz, bei Carlo Rausch, ehemaliger Fahrer der “Union des Pilotes” und zuletzt im Bereich der Startaufstellung mitverantwortlich, allesamt viel zu früh von uns gegangen. Ohne unseren Freund “Toph” zu vergessen, Christophe Henry, seit langen Jahren treibende Kraft im Orgateam des Bergrennens Abreschviller, mit dem die UdP stets eng zusammengearbeitet hat, um unsere beiden Rennen vom Startfeld her noch attraktiver zu machen, und der im vergangenen Juni einem plötzlichen Herzversagen erlag.

Ihnen allen gilt der Dank und Applaus der groβen Bergrennsportfamilie. Wir werden euch nie vergessen!

Text: Patrick Weber

PS: Wir wollen aber auch nicht vergessen, von Eschdorf aus Peter Naumann viel Kraft und Mut zu senden, den wir mit seinem gelben VW Polo nach seinem Unfall im Vorjahr in Homburg schmerzhaft vermissen. May the force be with you!

Über Thomas Bubel 302 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.