Herzliche Grüße aus Südafrika – Pieter Zeelies Abendteuer Osnabrücker Bergrennen 2022

Pieter Zeelie, Unternehmer aus Südafrika, ist beim deutschen Lauf zum FIA Int. Hill Climb Cup gestartet, dem 54. Int. Osnabrücker Bergrennen am 6./7. August 2022. Mit seinem Toyota MR2 Super GT, seinem Siegerauto beim Simola Hillclimb in Südafrika 2021, wurde Zeelie Zweiter in der höchsten Performance-Factor-Klasse (Pf1) und Gesamtdritter bei den Tourenwagen. Der Mann vom Kap der Guten Hoffnung war begeistert vom herzlichen Empfang durch seine europäischen Fahrerkollegen, den Zuschauer, Medienleuten und Organisatoren. Im Gespräch ist bereits eine Rückkehr Zeelies nach Europa, dann mit weiteren Bergpiloten aus Südafrika im Schlepptau.

Einer der ganz Großen des Simola Hillclimb in Knysna – Südafrikas wichtigstem Motorsport-Event – hat einen glänzenden Einstieg auf der internationalen Bühne gefeiert. Mit seinem selbst weiterentwickelten, hochmodifizierten und perfekt vorbereiteten Toyota MR2 Super GT V6 Turbo startete Pieter Zeelie, „King of the Hill“ 2021 in der Kategorie Modified Saloon Cars, Anfang August beim deutschen Lauf zum prestigereichen FIA International Hill Climb Cup in Osnabrück – und zu sagen, er habe die südafrikanischen Farben würdig vertreten, wäre noch stark untertrieben.

Als erster Südafrikaner bei einem Bergrennen in Europa trat Zeelie gegen einige der besten Bergpiloten der Welt an. In den verschiedenen Klassen waren insgesamt 185 Fahrer aus 14 Ländern am Start. Obwohl es sein erster internationaler Auftritt war, schaffte es Zeelie sogleich aufs Podium, nämlich als Zweiter in der höchsten Performance-Factor-Klasse (Pf1) und als Gesamtdritter bei den Tourenwagen. Schauplatz dieses außergewöhnlichen Erfolges war die schmale und sehr selektive Strecke in Osnabrück (Niedersachsen), wo vor rund 25 000 Zuschauern das 54. Int. Osnabrücker Bergrennen ausgetragen wurde. „Die Osnabrücker Strecke ist mit 2,03 km ähnlich lang wie die von Simola mit 1,9 km, aber sie hat 13 Kurven statt rund 8 – je nachdem, was man beim Simola Hillclimb als Kurven ansieht, da manche wie Geraden gefahren werden“, sagt Zeelie. „Die Kurven in Osnabrück sind grundsätzlich viel langsamer; man ist im Tourenwagen rund 60 Sekunden unterwegs, verglichen mit 40 Sekunden in Simola.“ „Der Streckenbelag in Osnabrück ist phänomenal“, erklärt Zeelie weiter, „und somit ist auch der Grip hervorragend. Für mich kam das etwas unerwartet, weil ich nicht wusste, wie weit ich das Auto pushen konnte. Auch die Kurvenbeschaffenheit spielt eine Rolle. Man braucht daher ein paar Läufe, bevor man weiß, wo man zulegen kann und wo man vorsichtiger sein muss. Die Strecke ist schmal, und am Rand des Asphaltbelags ist sie durch Leitplanken begrenzt, während man in Simola mehr Platz hat, falls man mal etwas weiter herausfährt. Davon habe ich mich zuerst etwas beeindrucken lassen, aber dann hatte ich mich daran gewöhnt. Weil keine Reifenwärmer erlaubt sind, hatten wir zudem ein bisschen mit dem Grip zu kämpfen.“ Eine weitere Herausforderung für Zeelie bei seinem Debüt waren die Bäume entlang der Strecke, deren Schattenwurf es ihm erschwerte, die optimalen Brems- und Einlenkpunkte zu finden. „Vor allem vor der ersten Kurve. Ich kam mit über 200 km/h auf eine enge Kehre zu und habe jedes Mal zu früh gebremst. Ich hätte gerne zwei Läufe mehr gehabt, um mich auf die Strecke einzustellen.“

Zeelies Podiumsplatz ist umso bemerkenswerter, als er nur wenig Zeit hatte, sich die Strecke zu erarbeiten. Denn es gab nur drei Trainingsläufe am Samstag und drei Rennläufe am Sonntag. Für das Endklassement wurden die beiden schnellsten Zeiten jedes Fahrers aus den Rennläufen addiert. Beim Simola Hillclimb finden dagegen am Samstag vier Trainingsläufe und die ersten drei Qualifikationsläufe statt. Der Sonntag beginnt am Vormittag mit einem Warm-up, und dann folgen weitere drei Qualifikationsläufe, die Endläufe der einzelnen Klassen und das Top-10-Finale, in dem die „King of the Hill“-Trophäen ausgefahren werden. Die Finalteilnehmer kommen also auf insgesamt 13 Läufe.

Obwohl Zeelie nur sechsmal Gelegenheit hatte, sich die 2,03 km lange Osnabrücker Strecke zu eigen zu machen – deren Höhenunterschied zwischen Start und Ziel 75 m beträgt –, stellte er mit seinen beiden besten Zeiten von 1:02:014 und 1:01.44 seine Klasse unter Beweis. Seine Gesamtzeit von 2:03.458 brachte ihm einen fantastischen dritten Gesamtplatz bei den Tourenwagen ein. Der Tourenwagensieg ging an den Franzosen Nicolas Werver (1:59.871) mit seinem speziell aufgebauten Porsche 911 GT3 R, der seinen besten Lauf in 59,490 Sekunden absolvierte. Gesamtzweiter bei den Tourenwagen wurde Dan Michl aus Tschechien. Dessen mit 750 kg ultraleichter Lotus Elise hat einen Hartley-V8-Motor, der sich aus zwei Suzuki-Hayabusa-Motorradmotoren zusammensetzt, ähnlich wie beim Chevron B26 des Südafrikaners Franco Scribante. Mit einer Bestzeit von 1:00.397 und einer Gesamtzeit von 2:01.584 sicherte sich Michl bei einem Vorsprung von 1,874 Sekunden gegenüber Zeelie den Sieg in der Klasse Pf1. Der Italiener Luca Gaetani musste sich mit seinem Ferrari 488 Challenge 0,188 Sekunden hinter dem Südafrikaner auf Platz 3 der Klasse Pf1 einreihen.

Die Performance-Faktor-Klassen werden von der FIA festgelegt. Je nach Motorleistung, Aerodynamik, Getriebe und Chassis werden die Fahrzeuge in eine von fünf Pf-Klassen eingestuft. Zeelie trat in Pf1 an, der Klasse der leistungsstärksten Fahrzeuge. „Mit so vielen spezialisierten Fahrzeugen und erfahrenen Piloten ist das Wettbewerbsniveau im FIA Int. Hill Climb Cup extrem hoch“, sagt Zeelie. Wervers Porsche hat beispielsweise einen hochmodifizierten Motor, und fast das gesamte Fahrzeug, einschließlich Dach und Säulen, ist aus Carbon. Vertreten sind auch ein BMW M3 E30 Turbo mit über 1 300 PS, ein leichtgewichtiger Opel Kadett C mit einem 5,7-Liter-V8-Rennmotor, der bis zu 9 500 Umdrehungen pro Minute erreicht, verschiedene GT- und DTM-Fahrzeuge sowie zahlreiche hochgetunte Audi S1 Quattro und Lancia Delta Integrale.

Auch die Starterliste der ein- und zweisitzigen Formel- und Rennsportfahrzeuge ist lang. „38 Nennungen gab es in dieser Kategorie“, berichtet Zeelie, „darunter Top-Marken wie Osella mit ihren eigenen Profi-Fahrern. Das sind sehr eindrucksvolle Fahrzeuge, deren technisches Niveau der Formel 1 nahekommt.“ Bei allem Wettkampfgeist hießen die Veranstalter und die Fahrerkollegen Zeelie und sein Team herzlich willkommen. „Obwohl die Fahrer aus zahlreichen Ländern stammen, sind sie ganz offensichtlich eine enge Gemeinschaft, und alle haben uns gleich begrüßt. Es war für uns ein tolles Erlebnis, und es war etwas ganz Besonderes, einige der schnellsten Bergrennfahrer der Welt kennen zu lernen, darunter Profis wie Christian Merli, Sébastien Petit und Alexander Hin.“

Das Simola Hillclimb ganz im Süden von Südafrika ist im In- und Ausland für sein äußerst hohes Niveau bekannt. Dort sind einige der leistungsstärksten und schnellsten Bergrennfahrzeuge vertreten, die sich ohne weiteres mit den besten der Welt messen können. „Beim Simola Hillclimb starten einige einzigartige Tourenwagen und GT-Fahrzeuge, und wir haben in Südafrika ein paar sehr schnelle Fahrer“, sagt Zeelie. „Bestimmt könnten mindestens fünf unserer Fahrer mit ihren Fahrzeugen mit den internationalen Teams mithalten und wären ernst zu nehmende Anwärter auf den FIA Int. Hill Climb Cup. Es wäre großartig, mehr Südafrikaner international starten zu sehen.“ Es überrascht nicht, dass viele Fahrer weltweit und vor allem in Europa auf das Simola Hillclimb aufmerksam geworden sind. „Bei den europäischen Bergrennfahrern und Zuschauern, mit denen ich gesprochen habe, ist Simola sehr gut bekannt, und auch bei der Pressekonferenz wurde ich nach unserer Veranstaltung gefragt“, sagt Zeelie. „Mehrfach wurde ich detailliert auf unsere Autos angesprochen, speziell auf meinen Toyota MR2, Franco Scribantes Nissan R35 GT-R und Dawie Jouberts Lotus mit Ferrari-Antrieb. Auch der ‚verrückte Fahrer‘ Wade van Zummeren mit seinem unglaublichen Nissan GT-R ist ein Begriff.“

Als begeisterter Teilnehmer und Unterstützer des Simola Hillclimb hat Zeelie bereits einige der europäischen Fahrer überzeugt, im nächsten Jahr als Zuschauer und längerfristig womöglich auch auf der Strecke vor Ort zu sein. „Reto Meisel gilt als schnellster Bergrennfahrer der Welt, und er hat angedeutet, dass er gern in Simola starten würde, wenn er die notwendigen Sponsorengelder auftreiben kann“, berichtet Zeelie. Eines steht fest: Zeelie selbst wird beim 13. Simola Hillclimb vom 4. bis 7. Mai 2023 wieder mit seinem auffälligen rotweißen Toyota MR2 an den Start gehen. „Simola ist und bleibt für mich eine Priorität, also bin ich auf jeden Fall dabei.“ „Da wir nun wissen, was uns erwartet und was dazugehört, um im Ausland im FIA Int. Hill Climb Cup zu starten, möchte ich noch mehr Rennen in Europa fahren, unter anderem Osnabrück“, sagt Zeelie und verspricht: „Ich werde außerdem mit anderen südafrikanischen Fahrern reden, damit sie nächstes Jahr mitkommen.“

Auch das alle zwei Jahre stattfindende FIA Hill Climb Masters hat er im Visier. Sein Sieg beim Simola Hillclimb 2021 hat ihm eine Einladung der FIA zur Veranstaltung 2023 gesichert, bei der er gegen Bergchampions aus der ganzen Welt antreten kann – und es besteht kein Zweifel, dass Pieter Zeelie der südafrikanischen Flagge weiterhin alle Ehre machen wird!

Fotos: Henri Schwirtz, Thomas Bubel
Übersetzung: Ruth Scheithauer (MSC Osnabrück)

Pieter Zeelie beim 54. Int. Osnabrücker Bergrennen in Action:
https://www.youtube.com/watch?v=W4npqji0hVw

Weitere Informationen zum Simola Hillclimb: www.simolahillclimb.com und https://simolahillclimb.motorpress.co.za/login