Schrotthaufen statt Siegerauto von Alexander Hin

Die Regierung von Unterfranken feiert seit einigen Jahren den Tag der Franken – diesen Status erlangte das 53. AvD Bergrennnen des MSC Erftal in Eichenbühl (Landkreis Miltenberg) nicht. Denn der Schweinfurter Uwe Lang schied als Kandidat für das Gesamtsiegerpodest nach einem Unfall im Samstagstraining aus. Dem nicht genug – tags darauf erwischte es vor mehreren Tausend Motorsportfans auch das beste Pferd in Langs Rennstall, Alexander Hin, an gleicher Stelle.

Das Schweinfurter Motorsportteam Lang muss Unfälle verkraften und Wunden lecken, aber Georg Lang überzeugt. Alexander Hin ist dieses Jahr der dritte Platz in der Europa-Bergmeisterschaft nicht mehr zu nehmen, doch in der Deutschen Meisterschaft lief es zuletzt nicht so gut. Der Breisgauer legte einen Saisonstart mit drei Siegen mit jeweils Streckenrekorden hin, doch ab Homburg verflossen seine Meisterschaftschancen in der Sommerhitze. Ein Aufhängungsdefekt ließ den zweifachen Deutschen Bergrennmeister in Homburg durchfallen, beim Hauensteinrennen in der Rhön war der Zimmerer  zeitgleich beim EM-Rennen in Polen und jetzt kam das Malheur in Eichenbühl noch dazu. Im ersten Rennlauf verbesserte er seinen eigenen Streckenrekord deutlich und machte weiter im Angriffsmodus. Doch die sogenannte Mutkurve vor der Klinge, letztere die schon am Vortag Uwe Lang zum Verhängnis geworden war, musste der Elzacher alle Hoffnungen begraben. Im zweiten Akt des Eichenbühler Dramas für das Team Lang wurde Hin erst die Kurve zu eng, dann ging das Nachlenken schief und in der Folge schlug Alexander Hin in seinem Osella PA 30 mehrmals ein. Damit war der Gesamtsieg futsch und obendrein dürfte dem Breisgauer der Crash geschätzte 50.000 Euro kosten. „Ich habe  rund 15 Meter zu spät eingelenkt und bin dadurch komplett auf die schmutzigen Spur, fernab der Ideallinie geraten“, analysierte Hin die zur Verfügung gestellten Videoszene. „Und da ist eben nicht der benötigte volle Gripp“. Auf Nachfrage von BiD nach dem Befinden, erklärte der Schwarzwälder, „das rechte Knie habe ich mir angeschlagen. Ich hoffe das die Schwellung schnell zurückgeht, dass ich beim EM-Finale in Kroatien mit FA 30 starten kann“. Da gab es also reichlich Wunden zu lecken, im Team Lang-Hin.

Damit war der Weg frei für den Deutsch-Slowenen Patrik Zajelsnik, der nach Hausen in der Rhön heuer bei beiden unterfränkischen Rennen den Gesamtsieg holte und mit 1:08,90 Minuten Hin auch noch den Streckenrekord abnahm; Rang zwei belegte Stefan Armbruster, der somit die Spitze in der Tabelle des DMSB Berg-Cup der Rennwagen übernahm. Thomas Conrad (Dettenhausen) sorgte als Dritter für ein bisschen Schadensbegrenzung, nach einer verkorksten Saison. Am besten lief es aus dem Schweinfurter Lager für Georg Lang, der sich in seinem Tatuus im Duell der 2-Liter Formel-Piloten nur knapp Mathieu Wolpert vom MSC Stuttgart beugen musste. Er markierte eine persönliche Bestzeit von 1:17,21 Minuten und fuhr im großen Starterfeld den respektablen Gesamtrang fünf heraus. Flott unterwegs waren vom Team Lang noch Alexander Hins Sohn Benjamin Noll (Formel Renault), der im Juniorenduell gegen Bastian Voss (Formel Renault) unterlag und dementsprechend nicht zufrieden war.

Im Tourenwagenlager meldete sich Holger Hovemann, als Lokalmatador mit dem Gesamtsieg der Autos mit Dach, endgültig zurück im Berggeschäft. Der lange pausierende Österreicher Thomas Strasser nahm als zweiter der Tourenwagenwertung dem DBM-Führenden Erwin Buck (beide VW Scirocco 16V) ein paar prestigeträchtige Zähler ab. In der sonst heiß umkämpften Gruppe F bis 2000 ccm hieß der Klassensieger Christian Bodner (BMW 320is). Top-Favorit Kai Neu fiel bereits im Training einem kapitalen Motorschaden am Ford Focus zum Opfer und musste seine Hoffnungen in der Berg DM begraben. Auch Markus Goldbach schied mit „TD“ aus.

Der MSC Rhön mit Sitz in Bad Neustadt war zahlenmäßig gut vertreten mit sieben Fahrern im Tourenwagen-Segment. Dabei ergatterten Günter Fertig und Mario Markert, beide in 3er-BMW Trophäen für ihre Top-Platzierungen in der Gleichmäßigkeitsprüfung. In der Serienklasse Gruppe G war Matthias Marquardt vom ADAC-Ortsclub Würzburg in einem Porsche Cayman auf Rang 2 erfolgreich, jedoch deutlich hinter dem Saarländer Harald Ludwig im Audi R8. Eine Trophäe verdiente sich auch der bejubelte Lokalmatador Nils Abb (VW Polo) und Steffen Hofer, Präsident und Rennleiter des gastgebenden MSC Erftal, lobte die Armada mit der als beste Dame ausgezeichneten Sophia Faulhaber (VW Polo) und weiteren 13 Clubkollegen. In einem originalen Audi TT erlebte der Wahl-Eichenbühler Karl Kraus seine Bergrenn-Premiere, fährt der 60-Jährige doch normal nur Rallyes. „Das hat absolut Spaß gemacht“, verriet Kraus und wird daher wohl nicht das letzte Mal mitgemischt haben. Einen schweren Stand hatte derweil der für dem MSC Erftal startende Christian Handa gegen seine Konkurrenten in seinem leistungsmäßig unterlegenen Lancia Delta Integrale. Seinen Spaß hatte der junge Einheimische Nico Breunig in seinem Tracking-Car, er bot was fürs Auge und die Ohren und durfte bei der Siegehrung eine Trophäe entgegen nehmen.

Der MSC Erftal hat seit seiner Gründung eine totale Bergrennsport-Euphorie in Eichenbühl ausgelöst und der Veranstalter hat sich mit der nahezu perfekten Organisation selbst das beste Zeugnis ausgestellt. Der Motorsport zum Anfassen begeisterte die Massen und bei den Rückführungen honorierte das Publikum die rasanten Fahrerinnen und Fahrer mit reichlich Beifall.

von Hartmut Hess und Thomas Bubel

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.