Meisterkür beim Bergrennen am Gurnigel

Am Wochenende vom 10./11. September 2022 treffen sich die Schweizer Automobilsportler nach drei Jahren wieder zum Nationalen Bergrennen am Gurnigel im malerischen Gantrischgebiet. Der traditionelle Anlass mit internationaler Beteiligung, organisiert vom Verein Bergrennen Gurnigel, bildet den Finallauf zur Schweizer Bergmeisterschaft 2022. In den verschiedenen Kategorien werden rund 220 Fahrer am Start in Rüti bei Riggisberg erwartet. Die kurvenreiche, mittelschnelle Bergrennstrecke endet nach 3734 Metern im Gurnigelbad und gilt als technisch anspruchsvoll. Im Startbereich, auf der Laas und in der Zielkurve genießt das Publikum von den Naturtribünen aus einen schönen Blick auf das Renngeschehen.

Im Mittelpunkt wird der Kampf um den Tagessieg stehen. Favorit ist Eric Berguerand mit seinem rund 500 PS starken Lola FA99. Der 43-jährige Familienvater aus Charrat gewann in diesem Jahr bereits vier Schweizer Bergrennen in Rekordzeit. Seit 2018 hält der Walliser auch am Gurnigel den Streckenrekord (1:39,81 = 134,67 km/h), der bei guten äußeren Bedingungen zweifellos fallen wird. Berguerand steht praktisch als Schweizer Bergmeister der Rennsportwagen 2022 fest, da er rechnerisch nur noch einen einzigen Punkt benötigt, den es allein schon für die Zielankunft gibt. Lokalmatador Marcel Steiner macht sich denn auch keine großen Hoffnungen, ihn am Steuer seines LobArt-Sportwagen am erneuten Titelgewinn hindern zu können. Weil der in Zusammenarbeit mit Helftec Engineering aus Hildisrieden LU entwickelte Turbomotor auf Honda-Basis nach langer Erprobungsphase endlich gut läuft, wird Steiner allerdings alles geben, um sich den ersten Gurnigelsieg seit 2012 zu sichern. Danach siegte Eric Berguerand ununterbrochen, ehe sich Thomas Amweg im Regenrennen von 2019 durchsetzte.

«Ich bin Eric zuletzt in Oberhallau zwar ziemlich nahegekommen, aber am Gurnigel sehe ich ihn mit seinem optimalen Rennwagen eher im Vorteil. Beim Heimrennen bin ich aber immer besonders motiviert, daher ist alles möglich», gibt sich Steiner noch nicht geschlagen. Zu den weiteren Anwärtern aufs begehrte Gesamtsiegerpodium zählen der erst 24-jährige Aargauer Robin Faustini in einem Osella FA30, der als Meisterschaftsdritter feststeht, und Kantonskollege Thomas Amweg in dem einst von seinem Vater, Bergkönig Fredy Amweg, zuletzt pilotierten und inzwischen frisch restaurierten Lola F3000.

Bereits gefallen ist die Entscheidung bei den geschlossenen Fahrzeugen. Im Stil von Berguerand errang Reto Meisel im selbst gebauten Mercedes SLK 340 in dieser Saison bereits vier Tourenwagen-Gesamtsiege. Mit dem zweiten Gesamtrang hinter Roger Schnellmann im monströsen Mitsubishi Evo VIII, beide mit formelfreien Produktionswagen aus der Gruppe E1, sicherte sich der Garagier aus Leuggern beim Bergrennen Oberhallau den SM-Titel. Während Schnellmann schon Vizemeister ist, machen Bruno Sawatzki und Frédéric Neff mit ihren Porsche aus der Gruppe der InterSwiss-Spezialwagen den dritten SM-Rang unter sich aus.

Vorzeitig entschieden ist auch der Renault Classic Cup zugunsten von Denis Wolf aus Hünibach auf einem Renault Clio RS III Cup. In dem von Fahrern aus der Equipe Bernoise dominierten Markenpokal führt der Weg zum Sieg aber nur über den Uetendorfer Philipp Krebs, der mit seinem für die Strecke geeigneteren Clio II schon mehrmals gewann.

Am Samstag stehen ab 7 Uhr bis ca. 17.30 Uhr drei Trainingsläufe für alle Kategorien auf dem Programm. Am Sonntagmorgen beginnt um die gleiche Zeit der erste Rennlauf. Das Klassement erfolgt nach Addition der zwei schnellsten Zeiten aus drei Läufen. Tickets sind am einfachsten und schnellsten im Vorverkauf über die Homepage www.gurnigelrennen.ch zu beziehen. Dort sind auch weitere Informationen und viel Wissenswertes zu diesem bereits in der Vorkriegszeit ausgetragenen Bergrennen am Gurnigel zu erfahren.

Text: Peter Wyss
Fotos: Jürg Kaufmann, Peter Wyss

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.