Berguerand siegt in Oberhallau in Meisterform trotz Disqualifikation

Vor einer rekordzuschauerkulisse lieferten sich Eric Berguerand und Marcel Steiner ein tolles Duell in Rekordzeiten beim vorletzten Berg SM-Lauf von Oberhallau, das der Walliser trotz einer Disqualifikation gewann. Reto Meisel ist bereits Tourenwagenmeister. Laut Schätzungen des Vereins pro Bergrennen Oberhallau, der alles bestens im Griff hatte, kamen an beiden Tagen rund 16’000 Zuschauer in den Schaffhauser Klettgau. Bei idealen äußeren Bedingungen erlebten sie am Sonntag einen unbezwingbaren Eric Berguerand und einen starken Herausforderer Marcel Steiner.

Durchgefallen bei der Kontrolle
Erst unterbot der im LobArt-Sportwagen früher gestartete Steiner im ersten Rennlauf den von Berguerand 2018 aufgestellten Streckenrekord von 1’08,00 um drei Hundertstel, ehe der Walliser ein paar Minuten später 1’07,56 realisierte. Im zweiten Durchgang bei wärmeren Temperaturen gelang dem Berner eine 1’07,85, auf die Berguerand mit einer erneuten Bestzeit auf der drei Kilometer langen Strecke reagierte. Weil der Lola FA99 samt Fahrer das erforderliche Mindestgewicht von 640 Kilogramm bei der Kontrollmessung durch ASS aber leicht unterschritt, strich ihm die Jury den vermeintlichen Rekordlauf nachträglich. So war de facto Steiner der neue Leader, ohne es zu wissen. Den dritten Lauf legte Berguerand dann kurz nach 18.20 Uhr in 1’07,70 sicher zurück, sodass er in der Addition seiner beiden Zeiten am Ende um 56 Hundertstel vor Steiner lag. Eric Berguerand: «Mein Lola war genauso schwer, wie er sein musste, nur wusste ich nicht, dass es ein Gesamtgewicht gibt, das 80 Kilo höher liegt. Am Abend waren die Bedingungen für eine neue Rekordzeit dann nicht mehr so gut.»

Entscheidung am Gurnigel
Steiner seinerseits war ebenfalls noch nie so schnell am Oberhallauer Berg und erzielte dementsprechend neuen Sportwagenrekord. Marcel Steiner: «Auto und Motor sind nun gut, ich muss einfach noch besser werden. Ich habe das Vertrauen, mit dem Turbomotor im richtigen Moment aufs Gas zu treten oder drauf zu bleiben, noch nicht gefunden.» Was er nie sagt, obwohl er anbringen könnte: Der LobArt mit ihm an Bord ist auch 60 Kilo schwerer als Berguerands selbst gestrickter, optimaler Rennwagen. Ein Handikap, das er unter normalen Umständen auch am 11. September beim Bergrennen am Gurnigel nicht wettmachen kann. Probieren wird es der Hausherr dort auf jeden Fall. Falls Steiner in neuer Rekordzeit gewänne, müsste Berguerand allerdings nur in Wertung ins Ziel kommen, um sich noch den einen nötigen Punkt zur Sicherstellung des Meistertitels gutschreiben zu lassen.

Dritter SM-Rang an Robin Faustini
Mit drei guten 1’09er-Zeiten sicherte sich Vorjahressieger Robin Faustini den dritten Gesamtrang vor dem Osella-Markenkollegen Joël Volluz. Auch sie waren in Oberhallau noch nie so schnell und haben für die Zukunft klares Potenzial nach oben. Faustini steht zudem bereits als Meisterschaftsdritter fest, was nebst der Reduktion der zeitlichen Abstände zur Spitze sein erklärtes Saisonziel war. Nur acht Hundertstel trennten Michel Zemp (Norma-Honda) und Christoph Lampert (Osella-Honda) bei den Zweiliter-Sportwagen. Ohne Lamperts Getriebeprobleme im eigentlich schnellsten zweiten Lauf hätte dieses Duell vielleicht anders ausgehen können.

Grands F3000-Premiere am Gurnigel
Joël Grand pulverisierte beim letzten Einsatz mit dem bereits verkauften Osella-BMW-Junior abermals den Klassenrekord. Für Gurnigel leiht sich der Walliser den Reynard F3000 von Simon Hugentobler. Diesen pilotierte Faustinis Papa mit argen Handlingsproblemen aufgrund der Reifen auf Gesamtrang 7. Bei den Zweiliter-Rennwagen nutzte Joel Burgermeister die Power seines Turbomotors im Tatuus F4 Evo aus. Nach unerwarteten 1’15er-Zeiten war Philip Egli im deutlich älteren Dallara auch mit Rang 2 vor Oldie Roland Bossy im moderneren Dallara F3 mehr als glücklich. Pech hatte Christian Balmer, der mit seinem Tatuus-Honda über eine Böschung flog und ausschied.

Zweiter SM-Titel für Reto Meisel
Zum ersten Mal in dieser Saison hieß der Gesamtsieger bei den Tourenwagen nicht Reto Meisel, sondern Roger Schnellmann im Mitsubishi. Elf Hundertstel lag der Schwyzer in der Addition vor dem Aargauer. Der Rekord von Ronnie Bratschi, der nur als Zuschauer anwesend war, blieb aber unerreicht. Hingegen verbesserte Meisel im Mercedes SLK340 seinen eigenen Klassenrekord, obwohl er nicht das letzte Hemd riskierte, um sich vorzeitig den zweiten SM-Titel nach 2016 mit demselben Auto zu sichern. Wir gratulieren! Knapp über seinem eigenen Rekord blieb Hermann Bollhalder im Opel Speedster in der E1-3000. Bei den E1-Zweilitern bezwang Reto Steiner im Ford Escort die zahlenmäßig starke Konkurrenz, und in der IS-2000 feierte der Oberhallauer Jürg Ochsner im Opel Kadett den bereits achten emotionalen Heimsieg. Roger Schnellmann feierte vor Tausenden Zuschauern mit seinem monströsen Mitsubishi den ersten E1-Gruppensieg in diesem Jahr.

Bürki vor weiterem Titelgewinn
Als E1-1600er-Sieger war Stephan Burri anders als vor Wochenfrist um einen Hauch (0,02= weniger schnell als Martin Bürki mit dessen VW Polo in der IS-1600. Bürkis Motor wies, wie sich am Montag herausstellte, einen Druckverlust auf, sonst wäre es deutlich zügiger vorwärts gegangen. Beim Heimspiel am Gurnigel strebt er den erneuten Gewinn im Berg-Pokal an. Den Gruppensieg in der InterSwiss schnappte sich Bruno Sawatzki im Porsche 991 GT3 Cup um drei Hundertstel vor Frédéric Neff im 996 Turbo – das war Sawatzkis Revanche für Anzère, wo er trotz neuem Streckenrekord unterlag. Einer von beiden wird wohl SM-Dritter bei den Tourenwagen. Chris Steiner kommt nach seinem Unfall mit dem Lotus Exige aus der unterbesetzten SuperSerie nicht mehr dafür infrage, will aber am Gurnigel am Start sein. Bereits als Meister stand Denis Wolf im Renault Classic Cup fest. Den harten Dreikampf mit ihm und dem nach Lauf 1 führenden Michael Schläpfer gewann Philipp Krebs im Clio II wie vor einer Woche in Les Rangiers. Nach einem Überschlag von Jürg Brunner, der vor einer Woche glänzender Zweiter war, war die Stimmung im Clio-Lager allerdings etwas getrübt. Der junge Toggenburger bleibt aber ein Versprechen für die Zukunft.

Text: Peter Wyss – autosprint.ch
Fotos: Cornevaux

bergrennen-oberhallau.ch

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.