Marcel Steiner Kolumne: Wir kommen der Sache langsam näher

Mit behobenen Schäden von La Roche-La Berra, erholt und entspannt von einem Kurzurlaub in Italien, reisten wir Donnerstagabend ins schöne Wallis nach Anzère. Unser Teambus kam ordentlich ins Schnaufen, um den Skiort auf 1‘500 M.ü.M zu erreichen. Nach unserer Ankunft stellten wir top motiviert und bei angenehmen Temperaturen noch vor der Dämmerung das Teamzelt auf.

Somit bereits startklar mit unserem Lagerplatz, konnten wir den Freitag gemütlich angehen und sogar etwas länger schlafen. Der LobArt/Helftec-Honda wurde routiniert ausgeladen und vorbereitet. Die administrative und technische Abnahme war bald erledigt und ich konnte ich mich ausgiebig der Streckenbesichtigung widmen.

Training am Samstag: Samstags ging es schon sehr früh zu einer kurzen Streckenbesichtigung. Der Trainingsbeginn für die ersten Fahrer war bereits auf 7:00 Uhr angesetzt. Wir waren gegen 10:00 Uhr an der Reihe, um über die Rennstrecke Richtung Start zum 1. Trainingslauf zu rollen. Im ersten Lauf fand ich eine gute Ideallinie, aber noch nicht so viel Gripp. Daher war ich im Ziel mit 1:30.198 zufrieden. Vor mir Eric Berguerand (Lola-F3000, 1:29.341) und hinter mir  Robin Faustini (Osella FA30, 1:30.672) sowie Joel Volluz (Osella FA30, 1:32.383).

Optimierungen am Auto: Mit höherer Leistungsstufe, aber sonst unverändertem Auto, machte ich mich zum 2. Trainingslauf bereit. Irgendwie schien der LobArt nun gar keine Bodenhaftung mehr zu finden. Ich musste ordentlich kämpfen, um den Wagen auf der Straße zu halten. Die Zeit von 1:30.039 entsprach somit nicht meiner Vorstellung und ich rutschte damit hinter „Bergus“ (1:26.891) und Faustini (1:29.777). Andere Reifen und eine andere Federabstimmung auf der Hinterachse sollten dem Problem Abhilfe schaffen für den 3. Probelauf. Dies schien mit einer Zeit von 1:28.132 zu funktionieren. Dies bedeutete Platz 2 hinter Eric (1:25.668), jedoch vor Robin (1:29.652) und Joel (1:31.311). Bei der abendlichen Kontrolle des LobArt/Helftec-Hondas fanden wir ein ausgerissenes Gewinde an einer Bremssattelbefestigung. Dies raubte uns einige Zeit für die Reparatur. Ansonsten war das Auto einwandfrei.

Rennläufe am Sonntag: Am Sonntag war der erste Rennlauf wieder auf 7:00 Uhr angesagt. Für uns stand 10:00 Uhr auf dem Zeitplan. Gerade als ich um acht Uhr von meiner Joggingrunde zurückkam, wurde unser Feld für 8:30 Uhr aufgerufen. Die letzte Vorbereitung des LobArt hatte Priorität und das Frühstück fiel somit aus. Mein eingespieltes Team meisterte die rasche Vorbereitung problemlos, womit dem Start nichts mehr im Weg zu stehen schien. Bereits startklar für die Rückführung zum Start, geriet ein Fahrer von der Straße ab und es stand eine stündige Leitplankenreparatur an. Warten war angesagt. Endlich konnten wir unserer Rennwagen Talabwärts an den Start rollen lassen. Die richtige Gelegenheit, meine neuen Reifen anfahren. Ab meiner Reifenwahl war ich zwar etwas nervös, jedoch überzeugt, eine gute Wahl getroffen zu haben.

Besserer Gripp: In den ersten Kurven hatte ich noch nicht das volle Vertrauen, aber im oberen Teil war der Gripp wirklich gut. Mit 1:27.327 war ich dann auch nur bedingt zufrieden. Ich konnte meine bisherige Bestzeit um eine Sekunde unterbieten, wusste aber auch, dass dies gegen Eric Berguerand bei weitem nicht reichen würde. Genau so kam es dann auch. Eric pulverisierte seinen Streckenrekord in 1:24.240. Immerhin konnte ich Robin Faustini (1:28.119) und Joel Volluz (1:29.735) wiederum hinter mir lassen. Bekanntermaßen herrschen in Anzère in der Mittagszeit fast 30°C Luft- und 50°CAsphalttemperatur. Somit waren im 2. Wertungslauf keine Topzeiten mehr möglich. Ich stellte wieder ein heftigeres Rutschen des LobArt auf der Strecke fest. Im Ziel leuchtete auch bloß 1:29.065 auf der Anzeigetafel. Aber auch Eric (1:27.654), Robin (1:29.924) und Joel (1:29.741) konnten nicht mehr ganz an ihre Zeiten anschließen.

Volle Power: Mit frisch abgezogenen Reifen und leicht geänderter Balance wollte ich nun die volle Power des Helftec-Motors testen. Weil ich die Mehrleistung aber noch nicht gewohnt und die Traktion zu schlecht war, kam ich bloß gleichmäßig auf 1:29.044. Die Power dieses Motors ist sehr beeindruckend und ich freue mich auf die Strecken mit besserem Gripp und Layout, die zu uns und dem Fahrzeug passen! Immerhin konnte ich in allen drei Rennläufen hinter Eric Berguerand die zweitschnellsten Zeiten markieren und so das Potenzial unseres LobArt/Helftec-Hondas aufzeigen. Erstmals konnte ich die Osellas hinter mir lassen!

Und weiter geht’s: Am 6. und  7. August 2022, begeben wir uns beim Osnabrücker Bergrennen erstmals in dieser Saison auf internationales Parkett. Die Teilnehmerliste ist bereits mit den Topfahrern aus Italien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz gespickt.

Ich freue mich sehr auf dieses Rennen und Kräftemessen.

Bis bald…
Marcel

Über Thomas Bubel 717 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.