Pfingsten in Wolsfeld: Mehr als nur Bergrennen

Zwei ganz persönliche Geschichten am Rande zeugen von der Besonderheit der jährlichen PS-Party in der Südeifel. Pfingsten in Wolsfeld, oder besser gesagt in der gesamten Südeifel, das ist mehr als nur Bergrennen. Das ist mehr als nur ein mit Blech vollgestopftes Dorf. Das ist auch mehr als gemähte Wiesen, aus denen ein Fahrerlager gemacht wird und bei dem die Jugendfeuerwehr akribisch darauf achtet, dass auch die angebrachten Müllsäcke benutzt und entleert werden. Das ist auch mehr als von Gästen benutzte Toreinfahrten, Hinterhöfe oder Garagenzufahrten. Das sind manchmal auch ganz berührende, zwischenmenschliche Geschichten. Zwei davon haben wir am Pfingstsonntag zusammengetragen.

So wie die von Peter und Paula Schäfer aus der Holsthumer Straße. Vor ihrem Haus ist der Trubel am größten. Dort stellen sich die Teilnehmer zum Vorstart auf, die lautstarken Motoren drehen mit Höchstzahl. Die beiden älteren Herrschaften, weit in die 80 hinein, wie uns Peter Schäfer verraten hat, fühlen sich nicht belästigt. Das Gegenteil ist der Fall. Seit Jahren ist die Familie Pisano, eine Rennfahrerfamilie aus dem schwäbischen Herrenberg mit calabrischen Wurzeln, bei ihnen zu Gast. Im Hinterhof steht der knallrote VW Golf 16 V, dort wird geschraubt, Daten auf dem Laptop ausgelesen, Reifen nachgeschnitten.

Peter Schäfer sagt von sich selbst, er sei kein Rennfahrer, aber „ich bin der Meinung, dass jeder sein Hobby ausüben sollte, wenn es irgendwie geht. Das trägt zum Zusammenhalt der Menschen bei.“ Mit den Pisanos haben die Schäfers seit vielen Jahren innige Freundschaft geschlossen. „Die schlafen bei uns im Haus, wir essen gemeinsam. Sie sind zu Gast bei uns.“ Und im Gegenzug machen Peter und Paula Schäfer dann Stopp bei den Pisanos auf dem Weg nach Süden. „Wir waren zur Hochzeit der Tochter eingeladen, waren bei der Kindtaufe dort. Wir sind Freunde geworden.“

Im Hinterhof treffen wir Egidio, der an den Reifen seines Renners arbeitet. Zusammen mit seinem Schwiegersohn Simon, der den Namen Pisano angenommen hat, mit dessen Frau Giuli und dem kleinen, ein paar Wochen alten Leo. „Wir sind hier wie zu Hause beim Bergrennen“, erzählt Simon, während die junge Mama meint, „das Bild können wir g’schwind noch machen. Aber dann muss ich rein, den Leo wickeln. Ich glaube, er riecht schon ein wenig.“

Und sie lacht dabei. Und dann ist da auch noch die Geschichte von Simone und Armin Ebenhöh aus Aufhausen in der Oberpfalz. Als wir uns mit unserer Kamera hinter einem Reifenstapel an einer Leitplanke postiert haben, rennt die junge Frau, wild telefonierend und mit besorgtem Gesichtsausdruck, nach oben. Der Trainingslauf ist unterbrochen. Minuten später kommen Simone und Armin Ebenhöh wieder den Berg runter. Erleichtert, wie man sieht, jeder in einer Hand ein Stück Anbauteil des Autos, das eine kleine „Feindberührung“ mit einer Leitplanke hatte. „Mein Freund Tobias Mayer fährt. Der mit dem Scirocco. Nix passiert, alles gut. Gott sei Dank“, sagt Simone und lacht. Und sie will sich bei den Helfern bedanken. „Der Veranstalter hat das hier wirklich ganz toll organisiert. Da waren sofort Streckenposten da, haben uns geholfen.“ Die Leute, sagt Simone, seien „so nett hier. Ich glaube, die freuen sich genauso wie wir, dass wir endlich wieder fahren können.“

Zwei Geschichten, Begebenheiten aus dem Dorf, das in diesem Jahr erstmals seit 2019 wieder Gäste beherbergen darf. „Natürlich“, sagt auch Peter Schäfer, gebe es in Wolsfeld auch Anwohner, denen das nicht behagt. Aber er wirbt für den Zusammenhalt untereinander. Gastfreundschaft ist den Schäfers ein hohes Gut. „Kommen Sie doch rein auf einen Kaffee“, lädt er uns ein. Und bietet uns an, als sei es selbstverständlich: „Sie können auch gerne bei uns oben ins Schlafzimmer kommen und fotografieren. Da haben Sie bestimmt einen besseren Überblick.“ Auch das ist Pfingsten in Wolsfeld. Nicht nur Rennerei, nicht nur Bergrennen, sondern auch gelebte (Gast) Freundschaft.

Text: Jürgen C. Braun (www.charlys-autos.de)