Merli und Schagerl geben beim EBM-Auftakt den Ton an

Gemessen an den 48 Fahrern, die für den internationalen Teil des Bergrennens St. Jean du Gard-Col St. Pierre gemeldet waren – ein Rekord für die Veranstaltung, seitdem sie Teil der Europameisterschaft ist – entwickelt sich die Saison 2022 sehr gut. Auch der in Kategorie 1 angewandte „Performance Factor“ erfreut sich zunehmender Beliebtheit und dürfte im Laufe des Jahres für noch stärkere Teilnehmerlisten sorgen, insbesondere in den Ländern, die diese Regelung bereits auf nationaler Ebene übernommen haben.

In Frankreich ließ Christian Merli (Osella FA30) nie Zweifel an seiner Fähigkeit, die Veranstaltung zu dominieren. Vom ersten Trainingslauf an legte er eine Zeit vor, die für alle seine Konkurrenten eine kalte Dusche war. Und selbst wenn ihm in diesem Jahr die Rivalität mit seiner langjährigen Dauerkontrahentin Simone Faggioli (der 2022 sich lieber auf die italienische Landesmeisterschaft konzemtriert) beraubt wird, wird sich Merli mit nicht weniger als einem vierten FIA-Titel zufrieden geben. In St. Jean du Gard dominierte er nicht nur alle Trainingsläufe, auch im Rennen legte er Wert darauf, den absoluten Streckenrekord zu brechen – den er selbst seit 2019 hält!

Der Franzose Billy Ritchen (Nova NP01) hat die französische Meisterschaft zu seiner Priorität erklärt, hat aber am Col St. Pierre bewiesen, dass er auch das Zeug dazu hat, im Rahmen der Europameisterschaft gut abzuschneiden. Er hat nicht nur die zweitbeste Leistung des Wochenendes erzielt, sondern auch die E2-SC-Gruppe gewonnen. Der Spanier Javier Villa (Foto oben) zeigte erneut sein Talent, nachdem er zuvor in GP2 und WTCC erfolgreich war. Mit einem BRC „made in Spain“, sicherlich leicht und agil, aber untermotorisiert (mit einem 1,3-t-Suzuki-Hayabusa-Motorradmotor), glänzte er auf der kurvenreichen „Corniche des Cevennen“ so sehr, dass er den Nova Norma mit V8-Motor von Sebastien Petit (4.) und Petr Trnka (5.) schlug, und den Osella FA 30 des deutschen Alexander Hin (7.).

Ähnlich wie Villa schnitten auch die Pernot-Brüder Marc (6., Tatuus Master) und Etienne (8., Norma M20FC) mit kleineren Motoren gegen die EM-Stammgäste gut ab. Am Steuer des 1100 ccm Wolf Thunder mit Aprilia-Antrieb belegte der Italiener Michele Fattorini den 11. Platz in der Endwertung und den 5. Platz in der E2-SS-Gruppe. Aufgeben mussten im ersten Rennlauf, der Spanier Joseba Iraola (Nova NP01) und der Andorraner Raul Ferre (Silver Car CS Turbo) und erzielten in Frankreich keine EBM-Punkte und müssen auf den Start bei den Heimrennen der portugiesischen und/oder spanischen Läufe warten.

KATEGORIE 1: Golf gegen Lamborghini

Mit einer Leistung von rund 700 PS gehört der VW Golf Rallye von Karl Schagerl (Foto Mitte) zur Familie der „ Bergmonster “. Zur Freude von Fans und Veranstaltern hat der Österreicher seine Absicht angekündigt, an der gesamten EM teilzunehmen. Obwohl er neu auf der Strecke war, dominierte Schagerl von Anfang an die Trainingseinheiten. Im ersten Rennlauf fuhr er dann die absolute Bestzeit der geschlossenen Autos. Getriebeprobleme verzögerten ihn im zweiten Lauf und obwohl er vom Lamborghini Huracan von Ronald Garcès geschlagen wurde, behielt er dennoch seine Führung in der abschließenden Gesamtwertung. Neben den 25 Punkten für den Sieger der Gruppe 1 erhielt Schagerl auch die 10 Punkte für den absoluten Sieger der Kategorie 1, für die sogenannte „Best Performer“-Wertung.

Der Kroate Tomislav Muhvic gewann mit seinem Mitsubishi Lancer (Foto unten) im Laufe der Vorläufe an Selbstvertrauen und schlug den Porsche 911.2 Cup des Franzosen Paul Reutter knapp und fuhr so zum Sieg in der Gruppe 2. Anthony Dubois platzierte seinen neu aufgebauten Alpine A110 GT4 auf dem dritten Platz, vor Christian Schweiger, der mit seinem Mitsubishi Lancer wieder im Geschäft ist.

Der amtierende Meister Antonino Migliuolo (Italien) musste in Frankreich feststellen, dass er es in diesem Jahr mit stärkeren Gegnern zu tun haben würde als 2021, insbesondere mit dem ehemaligen zweifachen Europameister (2014 und 2015) Igor Stefanovski. Der Mazedonier und sein Hyundai i30 TCR lagen 3 Zehntelsekunden vor Migliuolos Mitsubishi, mussten den Sieg aber dennoch an Lokalmatador Nicolas Granier, den schnellsten Gruppe-3-Fahrer in seinem Seat Leon Cup Racer, abgeben. Die Gruppe 4 wurde von Vasilije Jaksic (Mitsubishi Lancer) aus Montenegro vor Janusz Grzyb (Honda Civic) und Jiri Osmera (VW Scirocco) aus Polen gewonnen, während Piotr Ilnicki (Honda Civic) Gruppe 5 vor seinem Landsmann Maciej Serafin (Renault Clio) gewann.

Die FIA-Berg-Europameisterschaft steht kurz vor einem intensiven Mai-Monat, mit einer Reihe von drei Veranstaltungen innerhalb von vier Wochen: Falperra (Portugal) am 8. Mai, Al Fito (Spanien) am 15. Mai und Ecce Homo-Sternberk (Tschechische Republik) am 29.Mai.

Fotos: Nicolas Millet, FiA