Fernab der Menschenmassen – Sport mit echter Leidenschaft

Ist es nicht erstaunlich, dass es auf der Welt bislang keine abschließende Liste gibt, die sämtliche existierende Sportarten zusammenfasst? Während eine Liste mit Ursprung in Deutschland von gerade einmal 250 verschiedenen Arten spricht, gibt es weitaus ausführlichere Varianten, die mehr als 800 Arten mit Ursprungsland und einer kurzen Entstehungsgeschichte aufführen.

Angesichts dieser erstaunlichen Anzahl an Sportarten ist es ziemlich überraschend, wie es in gewissen Ländern schon vor Jahrhunderten dazu gekommen ist, dass sich eine bestimmte Sportart zu einem Nationalsport entwickelt hat. Es reicht, sich anzuschauen, wie viele Fußballfans es gibt, um zu verstehen, wie vielen Sportarten gleichermaßen zu wenig Beachtung geschenkt wird.
Nur, weil eine bestimmte Sportart nicht so viele Fans hinter sich vereint, wie der Fußball oder das American Football, bedeutet das noch lange nicht, dass dort weniger leidenschaftlich hinter den Sportlern oder einem Team gestanden wird. Ganz im Gegenteil ist es so, dass die Sportarten, in denen die Fans und die aktiven Sportler eine große Schnittmenge bilden, bei der Ausübung eine besondere Atmosphäre innehaben. Kommt Zuwachs zu einem Team oder tut sich was, so fühlt es sich bei weniger populären Sportarten so an, als wäre man direkt dabei. Die Sportler sind nahbar und scheuen das Bad in der manchmal kleinen Menge nicht.

Der sportliche Blick über den Tellerrand hinaus
Rennfahrzeuge aller Art üben auf viele Kinder eine Faszination aus. Diese scheint allerdings mit der Zeit bei den meisten wieder zu verfliegen und wer sich einen Funken der Leidenschaft bewahrt, der schaut sich hin und wieder ein Rennen der Königsklasse, der Formel 1 an. Dabei sind es in der Regel nicht die Rennen, in denen große Rennställe und noch größere Sponsoren hinter den Sportlern stehen, die den Zuschauern den größten Spaß bereiten. Es sind die Rennen, bei denen sich nach getaner Arbeit noch mit den Sportlern in aller Ruhe unterhalten kann.
Wirft man einen Blick auf die Ehrentafel der Fahrer bei Bergmeisterschaften, so wird sofort deutlich, dass auch ein solcher Sport lebt und mehr denn je das Feuer bei den wirklich treuen Fans entfacht.

Wer sich sicher ist, dass der Motorsport nicht das Richtige für einen ist, der sollte dennoch den berühmten Blick über den Tellerrand hinaus wagen und sich nach exotischen Sportarten mit Kultstatus umsehen. Schließlich geht es doch um den Spaß. Dieser Fakt wird in der heutigen Zeit, in der so manche Sportart ein Milliardengeschäft ist, gerne übersehen. Ein neuer Sport zu Wasser lässt sich in den meisten Gegenden recht unkompliziert ausüben und sicher ist, dass es nicht lange dauert, bis man in seiner Sportart jemanden gleich gesinnten gefunden hat oder mit dem Fieber für den neuen Sport ansteckt.
Die vergessenen Sportarten haben es verdient, dass man sich für sie einsetzt, denn dort, wo nicht ein Branchenprimus jedes Jahr erneut zum Meister gekürt wird, findet sich die echte Spannung, die den wirklichen Sport ausmacht.

So manche furchtlose Fangruppierung eines Vereins steht immer wieder in den Schlagzeilen, doch nur, weil Ultras und Hooligans mittlerweile zur Popkultur gehören, bedeutet das nicht, dass es nicht auch noch zahlreiche andere spannende Fangruppierungen gibt, die es auf jeden Fall wert sind, dass man sich genauer mit ihnen und ihren Werten auseinandersetzt.

Fotos: Nicolas Millet, Fabien Lecker

Über Thomas Bubel 717 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.